Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
"Poliere die Schüssel auf"
02.06.2004 | 10:47 Uhr von Sven Schimanski
Dirk Rohrbach aus Weißwasser zeigt seinen Gästen Tagebaue und hört Musik von Gerhard Gundermann
Seit 7. November hat die Oberlausitz ihre eigenen Botschafter. Was sind das für Menschen? Was mögen sie an der Region? Wofür möchten sie am liebsten werben? Wir haben allen zehn Fragen gestellt. Heute antwortet für den Eishockeyclub Lausitzer Füchse Kapitän Dirk Rohrbach.
Als ich hörte, dass die Mannschaft Botschafter der Oberlausitz werden soll, habe ich mich stolz und geehrt gefühlt. Ich war im November gerade zur Reha in Kreischa und habe mir dort vorgenommen, die Oberlausitz noch intensiver zu vertreten als bisher.

Das erste Mal offiziell wie ein Botschafter fühlte ich mich...
im Februar beim Wirtschaftstreffen in Pardubice. Genau genommen sind wir bei jedem Auswärtsspiel Botschafter. Selbst wenn ich in Hannover, im Ruhrgebiet oder in Crimmitschau gespielt hab, sind meine Wurzeln doch immer hier gewesen. Meine Wiege stand in Weißwasser, hier habe ich eine Wohnung und bin übern Sommer immer zurückgekommen. Nicht erst seit wir die Werbung für die Oberlausitz auf den Trainingsanzügen und Wärmejacken haben, fühlen wir uns wie Botschafter.

Der letzte Mensch, den ich traf und der die Lausitz nicht kannte, war...
der Kumpel von meinem Trauzeugen aus Hannover. Bei Auswärtsfahrten werden wir auch oft an Raststätten gefragt, wo wir herkommen. In der Region um Hannover ist die Oberlausitz nicht so bekannt. Während ich dort spielte, habe ich viel Aufklärung geben müssen.

Mein Lieblingsplatz in der Lausitz ist...
schon seit 25 Jahren der Eishockey-Komplex in Weißwasser. Der ist mein zweites Zuhause. Ich fahre zum Angeln gerne an die Spree in der Nähe von Bärwalde. Dort ist die Natur noch in Ordnung und der Bagger aus dem Tagebau nur aus der Ferne zu hören.

Am liebsten fahre ich für einen Kurzurlaub nach...
nach Berlin zu meinem Bruder.

Als spezielles Geschenk aus der Lausitz habe ich immer...
meine Autogrammkarten dabei.

Wenn ich einen Werbespot über die Lausitz machen dürfte, wäre mein wichtigster Drehort...
Da gäbe es für mich viele Drehorte, weil wir auch viele schöne Gegenden in der Oberlausitz haben. Beispielsweise die Städte Bautzen und Görlitz, oder man könnte die Unterschiede zeigen zu solchen Industriestädten wie Hoyerswerda und Weißwasser. Zeigen würde ich auch die Tagebaue und die Heide- und Teichlandschaft.

Garantiert nicht zeigen würde ich einem Gast...
Ich würde nichts ausklammern. Das alte Eisstadion genauso wenig wie Brachlandschaften, wo früher Industriestandorte waren. Die gehören auch dazu. Nichts verheimlichen, nichts verschönern ist meine Devise. Als ich kürzlich wieder Gäste aus Essen hier hatte, wollten die unbedingt die „Schüssel“, also unsere Eisarena sehen, von der sie schon viel gehört hatten. Sie fanden sie phänomenal. Klar, der ganze Komplex war früher schöner. Aber die Essener fanden ihn trotzdem reizvoll. Die Oberlausitz lernten auch Hannoveraner und Crimmitschauer Freunde kennen. Ich habe ihnen den Tagebau gezeigt, war mit ihnen im Muskauer Park, Angeln und Radfahren entlang der Neiße. In Weißwasser-Süd bin ich mit ihnen auch mal in einen Wohnblock gegangen. Dieses Lebensgefühl drückt auch der Liedermacher Gundermann aus. Der ist leider viel zu früh gestorben. Seine Musik hör ich sehr oft. Gundermanns Zeile „Hier sind die Kühe so mager wie das Glück“ sagt viel über meine Heimat.

Sie treffen einen Milliardär auf der Suche nach einem Alterssitz, an dem er jede Menge Gutes tun kann. Sie raten ihm...
mein zweites Zuhause schön aufzupolieren. Aus unserem Eissportkomplex muss ja nicht gleich eine zweite Köln-Arena werden... Und wenn er dann noch was übrig hat, kann er noch was für die Stadt machen. In Weißwasser stimmt die Infrastruktur nicht. Ich brauche zum Beispiel 40 Minuten bis zur Autobahn. Wir haben praktisch keinen Stadtkern, jedenfalls nicht im Vergleich zu Crimmitschau.

Stellen Sie sich vor, Sie haben in ihrer Funktion als Botschafter der Oberlausitz aller vier Jahre eine einwöchige Reise zur Verfügung, auf der Sie nichts anderes tun sollen, als möglichst viele Menschen in die Lausitz zu locken. Da fahre ich als erstes...
nicht zu weit weg. Ich bin ein Typ, der gerne in Deutschland bleibt. Und ich habe in vielen Gesprächen die Erfahrung gesammelt, dass wir viel Nachholebedarf haben, die Oberlausitz auch in den alten Bundesländern bekannt zu machen.

Quelle: SZ-Online
652 mal gelesen
 
1 | Drahtknecht | 02.06.2004 @ 21:09
um zu zeigen wo ich herkomm, behalte ich mein WSW Kennzeichen und habe mir auch neue Halter dafür besorgt. Weißwasser-Niederschlesien , darüber müssen auch noch 95% der Rheinländer etwas lernen-leider...
2 | oli81 | 02.06.2004 @ 22:43
@Drahtknecht ...du alter steuertrickser ;-)
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