Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Erstes Fazit - Teil 2
28.10.2004 | 22:11 Uhr von Sven Schimanski
Fortsetzung des ersten Fazit - Teil 1
Die wohl bisher größte Enttäuschung der Saison sind wohl die Steelers aus Bietigheim. Hoch gehandelt vor Saisonbeginn haben die Steelers wieder einen namhaften Kader vorzuweisen und schafften es erst zum Viertel der Saison sich auf einem Play-off-Platz zu platzieren. Was ist los in Bietigheim? Vorstandsmitglied und "Mädchen für alles" Wolfgang Lindner ist zurück getreten. Er galt als einer der Väter des Erfolges der letzten Jahre in Bietigheim. Sein Weggang hinterlässt eine große Lücke in der Führungsriege des SCBB, auch wenn seine Person nicht immer unumstritten war. Zukünftig soll die bisher ehrenamtliche Arbeit von Lindner ein hauptamtlicher Manager übernehmen. Auch innerhalb der Mannschaft hat sich ein Führungswechsel vollzogen. Craig Teeple gab unlängst seine Kapitänsbinde an Verteidiger Markus Wieland ab. Teeple ist seit seiner Knie-OP im August noch nicht wieder richtig fit, führt aber mit 16 Punkten die Bietigheimer Scorerliste an. Zu viele unsinnige Strafzeiten handelten sich die Cracks von Danny Naud ein. Die Führungsspieler werden bisher ihrer Rolle kaum gerecht. Top-Goalie Jason Elliot kam von den Teufeln aus Bad Nauheim mit vielen Vorschusslorbeeren zum SCBB, hat aber bisher auch noch nicht zu seiner Topform gefunden, zumindest fehlt ihm die Konstanz. Die kleinen Rädchen laufen in Bietigheim noch nicht ineinander. Die Moral der Mannschaft is noch nicht wieder die alte und zu oft erreichten die Worte von Trainer Danny Naud die Ohren der Mannschaft nicht. Aber die Schonfrist für sein Team sei vorbei, so der Coach nach der letzten Niederlage in Crimmitschau.

Ähnlich verhagelt begann auch der Saisonstart in Bad Tölz. Trainer Hans Rothkirchs Vertrag wurde verlängert, obwohl schon zum Ende der letzten Saison die Unstimmigkeiten zwischen Team und Trainer unübersehbar waren. Doch das sollte auch in der neuen Saison nicht besser werden. Die Mannschaft und der Trainer passten einfach nicht zusammen. Und als der Coach dann auch noch öffentliche Kritik an seinem Team übte, war die Entlassung von Rothkirch unumgänglich geworden. Nach einiger Suche übertrug man das Amt des Trainers Peter Obresa, nach dem Geschäftsführer Beppo Schlickenrieder zwischenzeitlich als Coach einsprang. Nach dem ersten 6-Punkte-Wochenende mit Siegen in Bremerhaven und daheim gegen Essen, rückten die Löwen auf den 9. Tabellenplatz vor und der ersehnte Play-Off-Platz ist in greifbare Nähe gerückt. Keeper Patrick Couture und Top-Scorer Jeff Hoad sind im Moment sicher die wertvollsten Stützen im Team der Löwen. Und die Oberbayern werden auch künftig ein Wörtchen bei der Vergabe der Play-off-Plätze mitreden ist sich Obresa sicher.

In den Mitaufsteiger REV Bremerhaven auf dem derzeit 10. Platz hatten die Experten auch recht große Erwartungen gesteckt. Dabei hatte man das in Bremerhavens Führungsriege etwas nüchterner gesehen. Der Etat musste heruntergeschraubt werden und große Stars wird man beim REV vergeblich suchen. Der Sturm ist derzeit eher eine leichte Küstenbrise, kein Team der Liga hat zu Hause weniger Tore geschossen als der REV. Die Verteidigung agiert zudem zu offensiv und macht das Team dadurch anfällig für Konter. Der Kanadier Greg Gardner erwies sich indes als zuverlässiger Zeitgenosse im Tor.
Hauptaugenmerke der Pinguins-Führung liegt auf der engen Zusammenarbeit mit den Hannover Scorpions. Zwar partizipieren die Nordlichter sehr davon, aber immer wieder rufen die Hannoveraner ihre FöLi-Spieler zurück nach Hause und reißen damit eine Lücke in die dünne Personaldecke an der See. Das erschwert Coach Dreisaitl auch die Aufstellung des Teams. Immer wieder musste er die Reihen umstellen. Aber wenn der REV seine Heimschwäche ablegen kann und seine Chancenverwertung verbessert, dann ist sicherlich mehr drin als der 10. Platz.

Beim sächsischen Ligakonkurrenten Crimmitschau läuft es offensichtlich auch immer besser. Die Lazarettinsassen kehren nach und nach ins Team zurück. Dabei hatte zuletzt das Verletzungspech den Trainer quasi „gezwungen die Reihen umzustellen, und zwar so wie es offenbar am besten funktioniert. Die Kanadier stürmen jetzt in einer Reihe und das sehr erfolgreich. Auch die zweite Reihe mit Vit, Heinke und Reinke hat sich gesucht und gefunden.
Theoretisch könnten die Westsachsen in der Tabelle auch schon einige Plätze höher stehen, wenn da ich einige Spiele gewesen wären, wo man eine Führung noch aus der Hand geben musste. Besonders bitter dürften da die Erinnerungen an die Partie gegen Regensburg sein, wo man nach einer 3:0-Führung in der 60. Minute noch den Ausgleich kassierte und am Ende nach Penalty unterlag. Ähnlich makaber auch das Spiel gegen Duisburg, dort gab man eine 4:2 Führung auch noch aus der Hand. Das Saisonziel lautet Klassenerhalt und wenn die Eispiraten ihre raus gespielten Führungen bis zum Abpfiff über die Zeit bringen, könnten auch mehr Punkte im Sahnpark bleiben.

Auch die Blue Devils Weiden haben den Klassenerhalt auf ihre Fahnen geschrieben. Leos Sulak musste den Weggang der Stars der letzten Saison verkraften. So wechselte Dustin Whitecotton nach Schwenningen. Insgesamt verließen 13 Akteure den EV und nur neun wurden hingegen verpflichtet. Größte Erwartungen setzte man auf Jean-Francois Boutin und Samuel St. Pierre und die beiden konnten ihre Aufgabe bisher auch erwartungsgemäß erfüllen. Nur bei St. Pierre hat sich mittlerweile der Verletzungsteufel gemeldet, er fällt längerfristig wegen einer Knieverletzung aus. Insgesamt sind die Blue Devils in dieser Saison stärker einzuschätzen als ein Jahr zuvor. Aber das größte Problem ist immer noch die Hintermannschaft. Die Abwehr oftmals löchrig wie ein Käse und die die Keeper Haider und Meiler oftmals sehr schwankend in der Form. Gute Erfahrungen sammelte man zuletzt mit dem 18jährigen Goalie Lukas Lang, der mit FöLi der Nürnberg Ice Tigers bei den Weidener Spielpraxis sammelt und das sehr erfolgreich. Vielleicht ist mit dem jungen Talent etwas mehr Stabilität in die Weidener Hintermannschaft zu bringen?

So gar nicht aus den Starlöchern kommen wollten bisher die Moskitos Essen. In den zwei letzten Jahren war das Team von Toni Krinner nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga schnurstracks zurück in die zweite Liga marschiert, wo man auch wieder in der Realität angekommen ist. Im Sommer wurden die Moskitos mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, doch vorerst hat man sich im Tabellenkeller eingerichtet. Es ist auch schwer eine Ursachenforschung zu betreiben in Essen. Denn die Leistungen schwanken gewaltig. Konnte man gegen Spitzenteams gewinnen bzw. punkten musste man sich den Teams der unteren Tabellenhälfte geschlagen geben. Die Kontingentspieler der Defensive schöpfen derzeit kaum ihr volles Potenzial aus. Der schwedische Ex-Nationalkeeper Petter Rönnquist entpuppte sich bisher nicht als der nötige Rückhalt der Essener. Auch sein Backup Dominik Lonscher durchlebte zuletzt ein Formtief. Im Sturm läuft es etwas besser. Dort punkten die Neuzugänge und etablieren sich in der Ligenwertung auf vorderen Plätzen: Eric Houde (25), Michael Wolf (21) und Philippe Audet (20).

Beim Tabellenschlusslicht Kaufbeuren stehen die Alarmsignale bereits auf rot. Nach 13 Spielen nur acht Zähler auf dem Konto, so mies hatten sich die Joker den Start in diese Saison wohl auch nicht vorgestellt. Auch wenn man schon vor der Saison wusste, dass es mit einem Mini-Etat schwer werden würde. Stars gibt es auch im Team von Doug Kacharvich nicht, dazu fehlt ganz einfach das Geld.
Mittlerweile ist der Mannschaft aus dem Allgäu auch das komplette Selbstvertrauen abhanden gekommen, so dass man letzte Woche einen Psychologen für die Cracks hinzu gezogen hat. Aus den letzten fünf Spielen konnten die Joker keinen einzigen Punkt mitnehmen. Auch der Coach steht mittlerweile im Kreuzfeuer der Kritik, genießt aber immer noch das Vertrauen der Geschäftsführung und der Mannschaft. Nur die Stimmen der Fans in Kaufbeuren erheben sich langsam und immer lauter werdend. Sie fordern personelle Veränderungen im Team. Doch die abgeschlossenen Verträge und der schmale Geldbeutel lassen kaum die Hoffnung zu, dass in Kaufbeuren bald ein „Kracher landen wird.
Vielmehr hofft man im Allgäu, dass die Mannschaft wieder Selbstbewusstsein aufbaut und wieder punkten kann. Der gute Wille war bei den Jokern auf dem Eis zuletzt wieder erkennbar.
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1. Krefeld Pinguine 114
2. Kassel Huskies 106
3. Star Bulls Rosen 97
4. Ravensburg Tower 91
5. SC Bietigheim St 89
6. EV Regensburg 81
7. Lausitzer Füchse 79
8. EV Landshut 76
9. Düsseldorfer EG 74
10. Eispiraten Crimm 68
11. EHC Freiburg 61
12. Blue Devils Weid 57
13. EC Bad Nauheim 55
14. ESV Kaufbeuren 44
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