"Manchmal frage ich mich selbst: Wieso läuft das so gut?“
Die Lausitzer Füchse: Ohne Zweifel die Überraschungsmannschaft der Zweiten Liga. Von allen Experten als Kanonenfutter eingestuft, stehen die Füchse nach einem Viertel der Saison auf Platz vier. Und dabei kamen die Lausitzer erst spät in die Liga.Als Nachrücker für Bad Nauheim war erst im Sommer klar, dass Trainer Horymir Sekera und seine Füchsezurück in der zweiten Liga sind.
Hallo Herr Sekera, erinnern Sie sich eigentlich an den Aufstiegstag?
Ich weiß das nicht mehr ganz genau. Aber ich erinnere mich noch gut an diese Phase im Sommer, als die Entscheidung immer wieder verschoben worden ist, bis das dann endlich feststand. Ich war gerade zu Hause in Tschechien, als der Anruf von unserem Vorstand Dr. Dietze kam. Da war ich sehr glücklich.
Ja? Denn viele dachten an diesem Tag, dass Ihre Füchse nur der Prügelknabe der Liga sein würden, vollkommen chancenlos. Hatten Sie diese Angst nie?
Unser Ziel war ja immer der Aufstieg. Dafür war die Mannschaft gebaut. Und dann haben wir uns mit Lindmark, Kreitl, Anneck, Wikström sehr gut verstärkt. Mein Gedanke war schon im Sommer, dass wir als Minimum zwei gute Reihen haben müssen. Unser einzigstes Problem war die U23-Regel. Als wir die Verträge gemacht haben, haben wir doch noch keinen einzigen Gedanken an diese Regel verschwendet. Dann war plötzlich diese Regel da und jetzt haben wir die Situation, dass wir drei Spieler haben, die wir nicht einsetzen dürfen. Wirkt sich das nicht negativ auf die Stimmung im Team aus? Ist das nicht ein möglicher Unruheherd?
Diese Regel hat eine positive Seite: Es gibt einen richtigen Kampf um die Plätze. Jeder Deutsche über 23 strengt sich hundertprozentig an und gibt alles. Das ist für mich das einzig Positive an dieser Regel.Und mögliche Unruhe bekommen wir über den Teamgesit in den Griff.
Nach einem Viertel der Saison sind die Lausitzer das Überraschungsteam des Jahres. Können Sie analysieren, wie diese Überraschung entstand?
Manchmal muss ich mich da selber fragen: Wieso läuft das so gut? Vielleicht mache ich etwas, das ich selber gar nicht weiß? Und dann muß man auch sehen: Wir haben bisher Glück, dass wir keine Verletzten haben. Aber wir haben auch eine Mannschaft, die zusammenhält. Deshalb habe ich auch einen NHL-Spieler abgelehnt. Der Mannschaftsgeist ist sehr wichtig. Wir haben uns darum über jeden neuen Spieler gründlich erkundigt, Infos gesammelt, nachgefragt. Einzelpersonen, die nur an sich denken, haben wir aussortiert. Wir brauchen Leute, die zur Mannschaft stehen. Und außerdem muss ein Trainer das Vertrauen der Mannschaft haben. Und wenn Erfolg da ist, vertraut eine Mannschaft ihm auch.
Und wenn der einmal ausbleibt: Sind Sie vorbereitet auf Rückschläge?
Gut, wenn es in der Liga läuft, wenn man mit ein paar Überraschungserfolgen startet, dann ist die Atmosphäre immer gut. Aber wenn es nicht läuft, dann kommt Druck, vom Trainer, vom Vorstand, vom Umfeld. Wir haben das noch nicht erlebt in dieser Saison. Ich weiß nicht, wie das Team dann reagiert. Aber ich glaube, dass wir einen psychologischen Vorteil haben. Ich glaube, dass die Mannschaft auch nach Niederlagen motiviert ist. Jetzt ist erst die erste Runde gespielt, das sagt überhaupt nichts. Wir haben am Anfang profitiert davon, dass wir unterschätzt worden sind. Das ist jetzt vorbei. Gegen Bremerhaven haben wir schon gesehen, dass die anderen Trainer genau überlegen, wie sie unsere erste Reihe in den Griff kriegen wollen. Jetzt spielt man auch defensiver gegen uns. Jetzt müssen wir zeigen, pb wir die bisherigen Ergebnisse bestätigen können. Ein Ziel ist jetzt auch, dass unsere zweite und dritte Reihe torgefährlich werden soll, und das war an diesem Wochenende auch so. Aber ich sage jedem auch immer ganz einfach: Was haben wir uns vorgenommen zu Beginn? Das war der Klassenerhalt. Und nur das bleibt weiter unser Ziel.
Interview: Wolfgang Engel
Quelle: Eishockey-News vom 02.11.04, Seite 20
1 | Bure | 03.11.2004 @ 21:33
kann man kaum glauben was hier passiert,und dann sagt doch einer sekera hat keine ahnung vom eishockey das hat respekt verdient wenn man ein nhl man ablehnt ich glaube das hat die manschaft noch mehr gestärkt..
2 | Stadtfuchs | 03.11.2004 @ 23:20
Sowas nennt man Instinkt ... ;)
3 | Drahtknecht | 04.11.2004 @ 07:07
Das ist mit Sicherheit ein Schlüssel des Erfolges. Wenn mein Chef keinen älteren und erfahreren Monteur /findet der eh nicht/ einstellt, sondern auf mich setzt-ist das doch Motivation ohne Ende. Auf einen NHL-Spieler zu verzichten war bis jetzt gut, doch warten wir mal wie es weiter geht.
4 | Blaufuchs 999 | 04.11.2004 @ 09:34
Es gibt doch tatsächlich Leute die es nicht sein lassen können mit dem UNKEN .Heute ist Heute und morgen
kann man nie vorraussehen.
5 | Taubentreter | 04.11.2004 @ 11:15
scheeen is trotzdem..... Wo sind eigentlich die "Trainer raus!" Stimmen ???
Aber wie Golle schon vor ner Weile sagte..."Wenn du oben stehst dann geht jeder verkackte Eierpuck ins Netz.... wenn du unten im Keller stehst denn kannste schiessen wie n Guppi und nüscht geht!" Soviel zur jetzigen Situation...
6 | Silvio | 04.11.2004 @ 23:07
tja @ Taubentreter, das hab ich mich auch schon gefragt, mich einbezogen. Auch ich habe letzte Saison kein gutes Wort über Sekera sen. gelassen. Wahrscheinlich konnte man erst jetzt seine Ideen und Vorstellungen umsetzen oder was was ich, aber es klappt und es ist super!! Hut ab Trainer.!!!
» Die News ist älter als 14 Tage. Die Kommentarfunktion wurde deshalb deaktiviert.
Die Lausitzer Füchse: Ohne Zweifel die Überraschungsmannschaft der Zweiten Liga. Von allen Experten als Kanonenfutter eingestuft, stehen die Füchse nach einem Viertel der Saison auf Platz vier. Und dabei kamen die Lausitzer erst spät in die Liga.Als Nachrücker für Bad Nauheim war erst im Sommer klar, dass Trainer Horymir Sekera und seine Füchsezurück in der zweiten Liga sind.
Hallo Herr Sekera, erinnern Sie sich eigentlich an den Aufstiegstag?
Ich weiß das nicht mehr ganz genau. Aber ich erinnere mich noch gut an diese Phase im Sommer, als die Entscheidung immer wieder verschoben worden ist, bis das dann endlich feststand. Ich war gerade zu Hause in Tschechien, als der Anruf von unserem Vorstand Dr. Dietze kam. Da war ich sehr glücklich.
Ja? Denn viele dachten an diesem Tag, dass Ihre Füchse nur der Prügelknabe der Liga sein würden, vollkommen chancenlos. Hatten Sie diese Angst nie?
Unser Ziel war ja immer der Aufstieg. Dafür war die Mannschaft gebaut. Und dann haben wir uns mit Lindmark, Kreitl, Anneck, Wikström sehr gut verstärkt. Mein Gedanke war schon im Sommer, dass wir als Minimum zwei gute Reihen haben müssen. Unser einzigstes Problem war die U23-Regel. Als wir die Verträge gemacht haben, haben wir doch noch keinen einzigen Gedanken an diese Regel verschwendet. Dann war plötzlich diese Regel da und jetzt haben wir die Situation, dass wir drei Spieler haben, die wir nicht einsetzen dürfen.
Wirkt sich das nicht negativ auf die Stimmung im Team aus? Ist das nicht ein möglicher Unruheherd?
Diese Regel hat eine positive Seite: Es gibt einen richtigen Kampf um die Plätze. Jeder Deutsche über 23 strengt sich hundertprozentig an und gibt alles. Das ist für mich das einzig Positive an dieser Regel.Und mögliche Unruhe bekommen wir über den Teamgesit in den Griff.
Nach einem Viertel der Saison sind die Lausitzer das Überraschungsteam des Jahres. Können Sie analysieren, wie diese Überraschung entstand?
Manchmal muss ich mich da selber fragen: Wieso läuft das so gut? Vielleicht mache ich etwas, das ich selber gar nicht weiß? Und dann muß man auch sehen: Wir haben bisher Glück, dass wir keine Verletzten haben. Aber wir haben auch eine Mannschaft, die zusammenhält. Deshalb habe ich auch einen NHL-Spieler abgelehnt. Der Mannschaftsgeist ist sehr wichtig. Wir haben uns darum über jeden neuen Spieler gründlich erkundigt, Infos gesammelt, nachgefragt. Einzelpersonen, die nur an sich denken, haben wir aussortiert. Wir brauchen Leute, die zur Mannschaft stehen. Und außerdem muss ein Trainer das Vertrauen der Mannschaft haben. Und wenn Erfolg da ist, vertraut eine Mannschaft ihm auch.
Und wenn der einmal ausbleibt: Sind Sie vorbereitet auf Rückschläge?
Gut, wenn es in der Liga läuft, wenn man mit ein paar Überraschungserfolgen startet, dann ist die Atmosphäre immer gut. Aber wenn es nicht läuft, dann kommt Druck, vom Trainer, vom Vorstand, vom Umfeld. Wir haben das noch nicht erlebt in dieser Saison. Ich weiß nicht, wie das Team dann reagiert. Aber ich glaube, dass wir einen psychologischen Vorteil haben. Ich glaube, dass die Mannschaft auch nach Niederlagen motiviert ist. Jetzt ist erst die erste Runde gespielt, das sagt überhaupt nichts. Wir haben am Anfang profitiert davon, dass wir unterschätzt worden sind. Das ist jetzt vorbei. Gegen Bremerhaven haben wir schon gesehen, dass die anderen Trainer genau überlegen, wie sie unsere erste Reihe in den Griff kriegen wollen. Jetzt spielt man auch defensiver gegen uns. Jetzt müssen wir zeigen, pb wir die bisherigen Ergebnisse bestätigen können. Ein Ziel ist jetzt auch, dass unsere zweite und dritte Reihe torgefährlich werden soll, und das war an diesem Wochenende auch so. Aber ich sage jedem auch immer ganz einfach: Was haben wir uns vorgenommen zu Beginn? Das war der Klassenerhalt. Und nur das bleibt weiter unser Ziel.
Interview: Wolfgang Engel
Quelle: Eishockey-News vom 02.11.04, Seite 20