Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Kampf um die Mattscheibe
12.02.2005 | 11:55 Uhr von
Wegen des Fernsehens verschieben die Lausitzer Füchse morgen sogar ihr Mittagessen.
Siege auf dem Eis sind gut. Siege auf dem Eis im Fernsehen sind noch besser. Auch für die Lausitzer Füchse aus Weißwasser hat sich die Bildschirmpräsenz zu einem wichtigen Faktor entwickelt. Deshalb besitzt die Partie morgen beim ETC Crimmitschau einen besonderen Stellenwert. Denn der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) bringt in der Sendung «Sport im Osten» ab 16.20 Uhr eine Zusammenfassung. Zehn Minuten im Fernsehen – sie sind für die Teams der 2. Eishockey-Bundesliga ein Glücksfall. Manchmal muss man das Glück ein bisschen zwingen. Deshalb kamen beide Mannschaften dem Sender gern entgegen und zogen den Spielbeginn auf 14 Uhr vor. Zu den rund 5000 Besuchern im Sahnpark kommen auf diese Weise noch einmal rund 200 000 Zuschauer vor den Bildschirmen hinzu. Normalerweise wird in Weißwasser und auch in Crimmitschau erst ab 17 Uhr Eishockey gespielt. «Wir wären doch blöd gewesen, wenn wir der Bitte des MDR nicht zugestimmt hätten» , sagt Füchse-Manager Klaus Dietze.
«Denn wir können uns schließlich nicht oft vor so einem breiten Publikum präsentieren.»
Dabei zahlt sich das Entgegenkommen zumindest kurzfristig nicht in klingender Münze aus. Denn Geld gibt es für die Übertragung nicht. Dennoch ist die Bildschirmpräsenz enorm wichtig geworden. «Insbesondere die überregionalen Sponsoren legen darauf großen Wert. Je mehr Fernsehzeiten wir am Ende der Saison nachweisen können, um so besser ist unsere Position beim Aushandeln der nächsten Sponsorenverträge» , betont Dietze.
Doch für diese Präsenz auf der Mattscheibe müssen die Füchse hart kämpfen. Und sie müssen gegebenenfalls auch das Mittagessen vorziehen, um wie heute schon um 14 Uhr auf das Eis laufen zu können. Denn im Vergleich zu ihren Zweitliga- Kollegen von Energie Cottbus fristen die Füchse trotz deutlich besserer Platzierung ein eher bescheidenes Bildschirmdasein. Lediglich der Lokalsender Radio WSW ist regelmäßig mit seinen Kameras im Eisstadion. Er erreicht jedoch nur 17 450 Haushalte in Weißwasser und Umgebung. Der MDR schaut allenfalls sporadisch vorbei. Hans-Dieter Ulm, stellvertretender Sportchef des Sender, führt als Begründung die Interessen der TV-Zuschauer ins Feld. «Zugespitzt gesagt: Wir erreichen mit der vierten Liga im Fußball bessere Quoten als mit der 2. Eishockey-Bundesliga. Dabei kommt uns als Drei-Länder- Anstalt natürlich entgegen, dass sich die Oberliga genau über diese drei Länder erstreckt und somit ein flächendeckendes Interesse gegeben ist» , erläutert Ulm. Eishockey werde dagegen nur in wenigen traditionellen Hochburgen gespielt. «Weißwasser und Crimmitschau sind bekannt. In Dresden, Leipzig, Erfurt oder Halle gibt es Ansätze. Das Interesse ist jedoch im wesentlichen auf diese Zentren beschränkt.»
Dass in dieser Woche ungewöhnlich viele Fernsehteams im Fuchsbau zu Gast waren, lag nicht so sehr an den Puckjägern, sondern am Besuch des Bundeskanzlers in der Lausitz. «Trotzdem sind solche Tage wichtig für den Eissport, weil sie uns deutschlandweite Aufmerksamkeit bringen» , meint Vereinschef Ludwig Thomaschk.
Aufmerksamkeit ja, aber eben kein Geld. Zwar gibt es einen so genannten Fernsehvertrag der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) als höchste nationale Liga mit dem Bezahlsender Premiere, der jedes Wochenende zwei Partien live überträgt. Davon profitieren jedoch nur die Erstligaklubs. Sie erhalten bis zum Jahr 2009 pro Saison rund 175 000 Euro. Die 2. Liga geht indes leer aus. Der 1,3-Millionen- Etat der Füchse muss deshalb ohne Fernsehgelder auskommen. «Wir sind stolz darauf, dass wir dennoch schwarze Zahlen schreiben. Das geht nur dank der Unterstützung von Sponsoren und engagierter Politiker, die uns entscheidende Türen in der Wirtschaft öffnen» , betont Manager Dietze.
Zum Vergleich: Bei Energie Cottbus besteht der Etat von zehn Millionen Euro zur Hälfte aus Fernsehgeldern. Sie fließen dank der regelmäßigen Übertragungen bei Premiere, dem Deutschen Sportfernsehen (DSF) und im Rundfunk Berlin- Brandenburg (RBB). Auch bei den anderen Fußballvereinen der 1. und 2. Liga wäre ein Spielbetrieb ohne TV-Gelder auf dem derzeitigen Niveau nicht möglich.
Von einer solchen Präsenz auf der Mattscheibe kann die 2. Eishockey-Bundesliga nur träumen. Vor einigen Jahren wollte ein Regionalsender aus Norddeutschland die Liga groß herausbringen. Zusätzlich zu den geplanten Übertragungen garantierte er den Klubs rund 100 000 Euro. Das ehrgeizige Projekt scheiterte jedoch, weil sich die Vereine wegen der Interessenkonflikte mit anderen Werbepartnern nicht über eine einheitliche Vermarktung einigen konnten. «Etwas provinziell» , nennt Füchse-Manager Dietze im Nachhinein das Verhalten einiger seiner Kollegen.
Deshalb sind die Vereine weiterhin Einzelkämpfer beim Buhlen um das Interesse der großen Sender. Eine zehnminütige Übertragung wie am Sonntag aus Crimmitschau wird deshalb auch auf absehbare Zeit ein ausgesprochener Glücksfall bleiben.

VON FRANK NOACK

Quelle: Lausitzer Rundschau
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