Füchse-Keeper Sebastian Elwing über die Play-offs und die schwerste Zeit in seinem Leben
Sein großes Ziel sind die Play-offs in der 2. Eishockey-Bundesliga. Dafür muss Sebastian Elwing mit den Lausitzer Füchsen aus Weißwasser in den verbleibenden sechs Partien der Hauptrunde noch mindestens zweimal gewinnen. Für den jungen Torhüter des Aufsteigers wäre dieser Erfolg weit mehr als nur eine sportliche Bestätigung.
Nach dem 7:3-Auswärtssieg am Sonntag in Weiden war Sebastian Elwing sauer. Er war sogar sehr sauer. Weißwasser führte 4:0, zwei Drittel lang hatte der Keeper ganz stark gehalten – und am Ende dann doch noch drei Gegentreffer kassiert. Er müsse sich für diese Gegentreffer nicht schämen, appellierte sein Trainer Horymir Sekera: «Das war dein Spiel, Sebastian. Du hast es für uns gewonnen.» Sekeras Aufbauversuche blieben indes weit gehend ohne Erfolg. Denn drei Gegentore sind drei Gegentore. Und eben kein zu Null. Für Elwing wäre es das fünfte Zu-Null-Spiel in dieser Saison gewesen, ein so genannter Shut out. «Für uns Torhüter ist das eine ganz besondere Auszeichnung. Denn wer kein Gegentor kassiert, hat meistens auch keine Fehler gemacht» , betont Elwing.
Dabei war es nicht immer selbstverständlich, dass sich der gebürtige Berliner ohne Wenn und Aber auf die Feinheiten seines Jobs konzentrieren kann. Am 5. März feiert Elwing den 25. Geburtstag. Er kann ihn inzwischen wieder genießen, auch wenn der Ehrentag untrennbar mit einer schlimmen Familientragödie verbunden ist. Drei Tage vor dem 23. Geburtstag bekam er die unfassbare Nachricht übermittelt: «Tödlicher Beziehungsstreit» hieß damals in den Medien die Schlagzeile, die ihn aus der Bahn zu werfen drohte.
Denn durch diesen «Beziehungsstreit» verlor er seine Mutter. Sie war die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben. Sie war Fan, Fürsprecher und Sponsor für den Sohn und ermöglichte ihm die Sportkarriere beim EHC Eisbären Berlin. «Sie hätte das letzte Hemd für mich gegeben, obwohl sie das Geld für die teure Torhüter-Ausrüstung hart erarbeiten musste.»
Zwei Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen spricht Sebastian Elwing in der RUNDSCHAU erstmals über den tiefen Einschnitt in seinem Leben. Damals hatte sein Vater die von ihm verehrte Mutter erwürgt und anschließend vergeblich versucht, sich selbst das Leben zu nehmen. Für die Tat wurde er inzwischen abgeurteilt. Die Richter erkannten auf sechs Jahre Gefängnis. Seinen Vater gesehen hat der Torhüter zum letzten Mal im Gerichtssaal in Berlin. «Meine große Schwester hält Kontakt zu ihm. Das beruhigt mein Gewissen. Ich selbst möchte ihn vorläufig nicht sehen» , sagt Elwing, der zuvor schon seinen an Leukämie erkrankten Bruder verloren hatte.
Trotz der Leere im Kopf kehrte er relativ schnell wieder ins Tor zurück. Auch, um den Schmerz zu betäuben, um das Unfassbare zu verdrängen. Der Sport war sein Halt. Weißwasser wurde in dieser Zeit endgültig zur Heimat. Den größten Anteil daran hatte seine Freundin Sarolta Pinter und deren Familie. Sie betreibt die Stadiongaststätte im Fuchsbau. Ebenfalls zur Seite stand ihm die Familie von Norbert Lückerath, dem Webmaster der Vereinshomepage. Und natürlich seine Schwester. «Diesen Menschen bin ich sehr dankbar. Sie haben mir geholfen, das erste Trauma zu überwinden.»
Zwei Jahre danach blickt Sebastian Elwing wieder nach vorn. Zum Beispiel auf den Sommer, wenn die Heirat mit Freundin Sarolta auf dem Programm steht. Sein jetziges Umfeld ist für ihn zu einer Art Ersatzfamilie geworden. «Ich musste in meinem Leben schon einiges durchmachen. Deshalb ist mir dieser Heiratstermin sehr wichtig.»
In sportlicher Hinsicht lebt Elwing schon in einer neuen Zeitrechnung. Er ist einer der wenigen deutschen Torhüter in der 2. Liga und hat mit seinen stabilen Leistungen bewiesen, dass teuer bezahlte ausländische Goalies nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein müssen. Dabei gab es im Sommer durchaus kritische Stimmen. Sie warnten die Füchse-Verantwortlichen vor dem Experiment, ausgerechnet als Aufsteiger mit zwei jungen deutschen Torhütern in die Saison zu gehen. Zumal sowohl Sebastian Elwing als auch Ronny Glaser kaum Erfahrung auf diesem hohen Niveau besaßen.
Die Kritiker sind längst verstummt. Als Tabellensiebter hat Weißwasser beste Chancen auf den vorzeitigen Klassenerhalt. Voraussetzung dafür ist mindestens Rang acht nach der Hauptrunde. Morgen im Heimspiel gegen Tabellenführer Straubing (Beginn um 19.30 Uhr) und am Sonntag in Schwenningen (18.30 Uhr) haben die Lausitzer erneut Gelegenheit, die dafür nötigen zwei Siege einzufahren. «Wenn wir als Aufsteiger in die Play-offs kommen würden – das wäre eine Riesensache» , findet Sebastian Elwing.
Den vorläufigen Höhepunkt in seiner Karriere will er mit aller Macht erreichen. In erster Linie natürlich wegen des sportlichen Reizes. Aber auch, um nach zwei Jahren noch einmal Danke zu sagen. «Meine Mama wäre sicher sehr stolz gewesen» , ist er überzeugt.
(Frank Noack)
Das ist mal ein Gänsehautartikel. Allein schon für Elle müssen sich alle den Arsch aufreissen, um die PO´s zu schaffen.
Ciao Mozart!
2 | Daniel|fff | 24.02.2005 @ 08:04
Sehr schön geschriebener Artikel. Hätte nie gedacht das elle mal so offen über die damaligen Geschehnisse und seine Gefühlslage redet. Das sollte Ansporn für alle sein ob Fan oder Spieler alles für das Erreichen der PO´s zu tun.
3 | Andi | 24.02.2005 @ 10:00
Elle, auch wir Fans sind stolz auf dich!!!!
4 | eis-fuchsi | 24.02.2005 @ 10:07
ohje armer Elle, des hatte man ja schon fast vergessen :-/
ich schlag mal vor, Elle soll im Sommer in der Halle heiraten..mit seinen ganzen Fans :-)
5 | Jeannie | 24.02.2005 @ 10:13
Ich schließe mich Andi an wir sind auch stolz auf dich! Mach weiter so.
6 | lehm | 24.02.2005 @ 10:18
mächtig stolz...Danke!
7 | netti2207 | 24.02.2005 @ 10:20
Hast es schon nicht leicht gehabt... es gibt da einige die stolz auf dich sind!!!
8 | Schnattel | 24.02.2005 @ 10:22
Ja das ist schon ein rührender Artikel. Ich glaube auch das alle stolz auf Elle und die gesamte Mannschaft sein können. Elle kann als Tormann aber auch stolz auf sich alleine sein, denn er hat uns schon öfters so manchen Punkt gerettet.
9 | Frank | 24.02.2005 @ 10:42
Klasse Artikel. Ich mochte vor der Saison auch nicht daran glauben, dass Elle in der zweiten Liga eine gute Rolle spielt, aber er hat sich durchgesetzt. Kompliment darür & für die Zukunft alles Gute!
10 | kojoti | 24.02.2005 @ 11:10
Geht wirklich unter die Haut. Elle is ein feiner Junge, da gibs nichts dran zu deuteln.
11 | hoffi | 24.02.2005 @ 16:40
Da fehlen einen die Worte....
Was er in seinem Alter hat schon wegstecken müssen!
In manchen Situationen erkennt man dann wie nebensächlich doch sportliche Ziele u. Fangehabe sein können!
Aber auch wie diese einen zurückholen können.
Ich sage nur Danke ELLE u. viel glück für deine gemeinsame Familie!
12 | gremlin | 24.02.2005 @ 20:44
Sehr schöner Artikel!!
13 | dozer84 | 25.02.2005 @ 00:55
Wenn man das liest da weiß man wie gut man es hat. Der Artikel geht einem richtig nahe und man fühlt richtig mit. Aber jetzt glaub ich die Offenheit gibt ihm noch mehr Kraft.
14 | FuchsFranzi | 25.02.2005 @ 11:16
*tränen weg wisch*
schöner Artikel...
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Sein großes Ziel sind die Play-offs in der 2. Eishockey-Bundesliga. Dafür muss Sebastian Elwing mit den Lausitzer Füchsen aus Weißwasser in den verbleibenden sechs Partien der Hauptrunde noch mindestens zweimal gewinnen. Für den jungen Torhüter des Aufsteigers wäre dieser Erfolg weit mehr als nur eine sportliche Bestätigung.
Nach dem 7:3-Auswärtssieg am Sonntag in Weiden war Sebastian Elwing sauer. Er war sogar sehr sauer. Weißwasser führte 4:0, zwei Drittel lang hatte der Keeper ganz stark gehalten – und am Ende dann doch noch drei Gegentreffer kassiert. Er müsse sich für diese Gegentreffer nicht schämen, appellierte sein Trainer Horymir Sekera: «Das war dein Spiel, Sebastian. Du hast es für uns gewonnen.»
Sekeras Aufbauversuche blieben indes weit gehend ohne Erfolg. Denn drei Gegentore sind drei Gegentore. Und eben kein zu Null. Für Elwing wäre es das fünfte Zu-Null-Spiel in dieser Saison gewesen, ein so genannter Shut out. «Für uns Torhüter ist das eine ganz besondere Auszeichnung. Denn wer kein Gegentor kassiert, hat meistens auch keine Fehler gemacht» , betont Elwing.
Dabei war es nicht immer selbstverständlich, dass sich der gebürtige Berliner ohne Wenn und Aber auf die Feinheiten seines Jobs konzentrieren kann. Am 5. März feiert Elwing den 25. Geburtstag. Er kann ihn inzwischen wieder genießen, auch wenn der Ehrentag untrennbar mit einer schlimmen Familientragödie verbunden ist. Drei Tage vor dem 23. Geburtstag bekam er die unfassbare Nachricht übermittelt: «Tödlicher Beziehungsstreit» hieß damals in den Medien die Schlagzeile, die ihn aus der Bahn zu werfen drohte.
Denn durch diesen «Beziehungsstreit» verlor er seine Mutter. Sie war die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben. Sie war Fan, Fürsprecher und Sponsor für den Sohn und ermöglichte ihm die Sportkarriere beim EHC Eisbären Berlin. «Sie hätte das letzte Hemd für mich gegeben, obwohl sie das Geld für die teure Torhüter-Ausrüstung hart erarbeiten musste.»
Zwei Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen spricht Sebastian Elwing in der RUNDSCHAU erstmals über den tiefen Einschnitt in seinem Leben. Damals hatte sein Vater die von ihm verehrte Mutter erwürgt und anschließend vergeblich versucht, sich selbst das Leben zu nehmen. Für die Tat wurde er inzwischen abgeurteilt. Die Richter erkannten auf sechs Jahre Gefängnis. Seinen Vater gesehen hat der Torhüter zum letzten Mal im Gerichtssaal in Berlin. «Meine große Schwester hält Kontakt zu ihm. Das beruhigt mein Gewissen. Ich selbst möchte ihn vorläufig nicht sehen» , sagt Elwing, der zuvor schon seinen an Leukämie erkrankten Bruder verloren hatte.
Trotz der Leere im Kopf kehrte er relativ schnell wieder ins Tor zurück. Auch, um den Schmerz zu betäuben, um das Unfassbare zu verdrängen. Der Sport war sein Halt. Weißwasser wurde in dieser Zeit endgültig zur Heimat. Den größten Anteil daran hatte seine Freundin Sarolta Pinter und deren Familie. Sie betreibt die Stadiongaststätte im Fuchsbau. Ebenfalls zur Seite stand ihm die Familie von Norbert Lückerath, dem Webmaster der Vereinshomepage. Und natürlich seine Schwester. «Diesen Menschen bin ich sehr dankbar. Sie haben mir geholfen, das erste Trauma zu überwinden.»
Zwei Jahre danach blickt Sebastian Elwing wieder nach vorn. Zum Beispiel auf den Sommer, wenn die Heirat mit Freundin Sarolta auf dem Programm steht. Sein jetziges Umfeld ist für ihn zu einer Art Ersatzfamilie geworden. «Ich musste in meinem Leben schon einiges durchmachen. Deshalb ist mir dieser Heiratstermin sehr wichtig.»
In sportlicher Hinsicht lebt Elwing schon in einer neuen Zeitrechnung. Er ist einer der wenigen deutschen Torhüter in der 2. Liga und hat mit seinen stabilen Leistungen bewiesen, dass teuer bezahlte ausländische Goalies nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein müssen. Dabei gab es im Sommer durchaus kritische Stimmen. Sie warnten die Füchse-Verantwortlichen vor dem Experiment, ausgerechnet als Aufsteiger mit zwei jungen deutschen Torhütern in die Saison zu gehen. Zumal sowohl Sebastian Elwing als auch Ronny Glaser kaum Erfahrung auf diesem hohen Niveau besaßen.
Die Kritiker sind längst verstummt. Als Tabellensiebter hat Weißwasser beste Chancen auf den vorzeitigen Klassenerhalt. Voraussetzung dafür ist mindestens Rang acht nach der Hauptrunde. Morgen im Heimspiel gegen Tabellenführer Straubing (Beginn um 19.30 Uhr) und am Sonntag in Schwenningen (18.30 Uhr) haben die Lausitzer erneut Gelegenheit, die dafür nötigen zwei Siege einzufahren. «Wenn wir als Aufsteiger in die Play-offs kommen würden – das wäre eine Riesensache» , findet Sebastian Elwing.
Den vorläufigen Höhepunkt in seiner Karriere will er mit aller Macht erreichen. In erster Linie natürlich wegen des sportlichen Reizes. Aber auch, um nach zwei Jahren noch einmal Danke zu sagen. «Meine Mama wäre sicher sehr stolz gewesen» , ist er überzeugt.
(Frank Noack)
Quelle: Lausitzer Rundschau