Vertreter von Sportvereinen aus Weißwasser im Gespräch mit OB Hartwig Rauh
Zu einer Gesprächsrunde über die künftige Zusammenarbeit hatte Oberbürgermeister Hartwig Rauh Vertreter von Weißwasseraner Vereinen zu Wochenbeginn ins Rathaus eingeladen. Dieses Pfund, ehrenamtlich vor allem für Kinder und Jugendliche da zu sein, brauche Weißwasser künftig verstärkt, wandte sich Oberbürgermeister Hartwig Rauh am Montagnachmittag an die Vertreter von Weißwasseraner Sportvereinen. Dann legte Rauh die prekäre finanzielle Lage der Stadt dar und versuchte Verständnis zu finden, warum aus der Vergangenheit gewohnte Dinge künftig kaum noch machbar sind. Nicht, weil wir das nicht mehr wollen, sondern weil wir dazu gezwungen sind.
Eine Familie in Not
Rauh verglich die Situation mit einer Familie in Not, die von der Bank keine Darlehen mehr erhält, weil sie schon zu viel Schulden hat und mit dem Abzahlen kaum noch hinterher kommt. So ergeht es auch Weißwasser. "Nur sind es bei uns nicht die Banken, sondern es ist die Rechtsaufsichtsbehörde, also das Landratsamt, das von uns verlangt, zu sparen. Denn die Pro-Kopf-Verschuldung in Weißwasser beträgt 900 Euro. Jährlich werden um die 600 000 Euro gebraucht für die Abzahlung der Kredite. Zwar sei die Stadt durch den Anteilsverkauf der Stadtwerke zu etwas Barem gekommen, doch das ist auch bald aufgebraucht.", rechnete er den Vereinsvertretern vor.
Das alles bedeutet auch, dass von 2,4 Millionen Euro, die bis dato für freiwillige Aufgaben im Bereich Sport, Kultur usw. zur Verfügung standen, künftig nur noch rund die Hälfte bereitstehen. Wie schwer es ist, weiteres Einsparpotenzial zu finden, erläuterte Rauh an Beispielen: Die Bibliothek schluckt jährlich 300 000 Euro Zuschuss. An Schließung darf niemand denken, denn sie ist mit Fördermitteln gebaut worden, die dann zurückgezahlt werden müssten. Gleiches trifft auf die Schwimmhalle zu mit einem Defizit von rund 250 000 Euro im Jahr. Für das Jahnbad waren es bisher nur 30 000 Euro. Doch ohne privates Engagement muss es geschlossen werden, so Rauh klipp und klar. Beim Tierpark nannte er 190 000 Euro. Ihn zu schließen, geht kaum, denn da sind ja die Tiere . . . 250 000 Euro Zuschuss musste die Stadt in der Vergangenheit für das Volkshaus hinlegen. Die zehn Sporthallen in Weißwasser kosten pro Jahr jeweils zwischen 10- und 30 000 Euro. Hier kündigte er an, dass zwei abgerissen werden. Die Betreibung des Eisstadions erfolgt künftig durch den Eissport selbst. Ziel ist die personalfreie Übergabe, so Rauh.
Den Hut zog er vor allem vor jenen, die sich ehrenamtlich und unentgeltlich insbesondere für die Kinder und Jugendlichen in den Vereinen engagieren. Dort wo es möglich war, habe die Stadt mit einigen Mitarbeitern Unterstützung gegeben. Doch aufgrund der Personalreduzierungen ist das nicht mehr machbar. Weißwasser hat 2800 aktive Sportler in den Vereinen. Für Weißwasser als Sportstadt eine super Sache, so Rauh. Dies auch unter veränderten Bedingungen aufrecht zu erhalten, sei kein einfacher Weg und nur auf ehrenamtlicher Basis realisierbar, hieß es.
Verständnis gezeigt
Die Vereinsvertreter zeigten Verständnis für die Gesamtsituation. Frank Bredow vom PSV wollte wissen, was konkret von den Vereinen verlangt werde. Der OB sagte nur: Aufrechterhalten des Trainings, denn die geringeren Hallenkapazitäten seien eine besondere Herausforderung. Torsten Krautz vom Aquateam wollte die Vereine rechtzeitig einbezogen wissen, sollten sich Nutzungsentgelte ändern. Vereinsmitstreiter René Blümel wies darauf hin, dass trotz aller Einsparungen auch künftig Fachkräfte benötigt werden. Eismeister kann ja auch keiner werden, nur weil er einen Kühlschrank zu Hause hat, meinte er. Karin Seidel von der Wasserwacht bat darum, dass die Nutzung der Schwimmhalle finanzierbar bleibt. Denn 60 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Torsten Negwer vom Eishockeyfreizeitverein sagte, dass der Verein überlege, eine Turnhalle zu übernehmen. Ludwig Thomaschk vom ESW bedankte sich bei der Stadt für die bisherige Unterstützung und Betreibung der Eishalle.
"Ich weiß, dass es künftig nicht mehr so möglich ist. Wir wollen sehen, die Liegenschaft erst mal weiter zu erhalten, aber auch was Neues zu schaffen. Das wird schwer, wir wollen es aber schaffen."
"Dazu müssten alle zusammenstehen und der Stadt helfen, wenn es um die Rahmenbedingungen geht", so Thomaschk. Uns sollte nicht Sorge sein vor dem, was vor uns steht. Das, was seit der Wende hinter uns liegt, war schwieriger, machte Peter Sieger von Grün-Weiß Weißwasser Mut.
(Gabi Nitsche)
Danke HP-Team das es noch geklappt hat! ;-)
Vielleicht hilft dieser Artikel nach den „Heißen“ Diskussionen der letzten Tage die Sicht der Stadtväter ein wenig zu verstehen....
2 | Analyst :-) | 09.03.2005 @ 20:15
die situation ist so wie sie ist, aber scheinbar wurden nach der wende viele Fehler gemacht. Kann mir nicht vorstellen das soooviele Leute in die Bibliothek gehn. Selbst die Schwimmhalle sieht immer leer aus wenn ich in WSW bin. Was kann man im Volkshaus machen, was man woanders nicht kann? Nur der Tierpark ist was schönes in WSW, da gug ich schon 30 jahre rein.
3 | hutsche | 09.03.2005 @ 20:52
Für die die mit den Bedingungen nicht so recht Bescheid wissen: Ich weiß zwar nicht ob es bei der Bibliothek und Schwimmhalle so ist- gehe aber davon aus-, durch meinen Job weiß ich das die genutzten Fördermittel für Gebäudeneubauten/- sanierungen 25 Jahre nachweispflichtig sind. Und zwar für den Zweck wofür sie genehmigt wurden, ansonsten müssen sie zurückgezahlt werden. Demzufolge kann sich jeder ausrechnen was das für die Stadt heißt...
4 | Thorben | 10.03.2005 @ 07:15
@3: Richtig so weit ich es auch weiss. Und das mit der Bibliothek und Schwimmhalle, so habe ich auch schon früher mal geschrieben, waren mit die größten Fehler die die Stadt getan hatte. 1. für was brauch WSW so eine Bibliothek diesen Ausmaßes? Kann mir das jemand von den Herren in der Stadt erklären? Die alte hätte es auch weiterhin getan. Und Schwimmhalle nur eins: die Eintrittspreise und doch leer! Klar das da die Stadt zuschustert. Da funktioniert keine betriebswirtschaftliche Rechnung!
5 | Jörg | 10.03.2005 @ 08:06
Gehen wir halt in die Bibliothek und zum Schwimmen und sparen damit das letzte Vorzeigeobjekt der Stadt tot. Kann Vieles nachvollziehen, was in diesem Artikel steht. Der Zugriff auf die Sponsorengelder der Stadtwerke/ veolia war dennoch nicht gerechtfertigt. Und "gemeinsame Lösungen", die gebraucht werden, sind nun mal nicht nur zugelötete Geldhähne!
6 | turbotox | 10.03.2005 @ 09:30
Jetzt warten wir mal alle ab denn bis jetzt hat sich immer eine „Lösung“ gefunden. Am 17. findet ein Treffen organisiert von LT mit den Verantwortlichen der Stadt,des ESW sowie der Gesellschafter der GmbH statt und die Herren treffen sich nicht umsonst....
"Man hat niemals Zeit, es richtig zu machen, aber immer Zeit, es noch einmal zu machen, aber dafür richtig." In diesem Sinne! Sport Frei.
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Zu einer Gesprächsrunde über die künftige Zusammenarbeit hatte Oberbürgermeister Hartwig Rauh Vertreter von Weißwasseraner Vereinen zu Wochenbeginn ins Rathaus eingeladen. Dieses Pfund, ehrenamtlich vor allem für Kinder und Jugendliche da zu sein, brauche Weißwasser künftig verstärkt, wandte sich Oberbürgermeister Hartwig Rauh am Montagnachmittag an die Vertreter von Weißwasseraner Sportvereinen. Dann legte Rauh die prekäre finanzielle Lage der Stadt dar und versuchte Verständnis zu finden, warum aus der Vergangenheit gewohnte Dinge künftig kaum noch machbar sind. Nicht, weil wir das nicht mehr wollen, sondern weil wir dazu gezwungen sind.
Eine Familie in Not
Rauh verglich die Situation mit einer Familie in Not, die von der Bank keine Darlehen mehr erhält, weil sie schon zu viel Schulden hat und mit dem Abzahlen kaum noch hinterher kommt. So ergeht es auch Weißwasser. "Nur sind es bei uns nicht die Banken, sondern es ist die Rechtsaufsichtsbehörde, also das Landratsamt, das von uns verlangt, zu sparen. Denn die Pro-Kopf-Verschuldung in Weißwasser beträgt 900 Euro. Jährlich werden um die 600 000 Euro gebraucht für die Abzahlung der Kredite. Zwar sei die Stadt durch den Anteilsverkauf der Stadtwerke zu etwas Barem gekommen, doch das ist auch bald aufgebraucht.", rechnete er den Vereinsvertretern vor.
Das alles bedeutet auch, dass von 2,4 Millionen Euro, die bis dato für freiwillige Aufgaben im Bereich Sport, Kultur usw. zur Verfügung standen, künftig nur noch rund die Hälfte bereitstehen. Wie schwer es ist, weiteres Einsparpotenzial zu finden, erläuterte Rauh an Beispielen: Die Bibliothek schluckt jährlich 300 000 Euro Zuschuss. An Schließung darf niemand denken, denn sie ist mit Fördermitteln gebaut worden, die dann zurückgezahlt werden müssten. Gleiches trifft auf die Schwimmhalle zu mit einem Defizit von rund 250 000 Euro im Jahr. Für das Jahnbad waren es bisher nur 30 000 Euro. Doch ohne privates Engagement muss es geschlossen werden, so Rauh klipp und klar. Beim Tierpark nannte er 190 000 Euro. Ihn zu schließen, geht kaum, denn da sind ja die Tiere . . . 250 000 Euro Zuschuss musste die Stadt in der Vergangenheit für das Volkshaus hinlegen. Die zehn Sporthallen in Weißwasser kosten pro Jahr jeweils zwischen 10- und 30 000 Euro. Hier kündigte er an, dass zwei abgerissen werden. Die Betreibung des Eisstadions erfolgt künftig durch den Eissport selbst. Ziel ist die personalfreie Übergabe, so Rauh.
Den Hut zog er vor allem vor jenen, die sich ehrenamtlich und unentgeltlich insbesondere für die Kinder und Jugendlichen in den Vereinen engagieren. Dort wo es möglich war, habe die Stadt mit einigen Mitarbeitern Unterstützung gegeben. Doch aufgrund der Personalreduzierungen ist das nicht mehr machbar. Weißwasser hat 2800 aktive Sportler in den Vereinen. Für Weißwasser als Sportstadt eine super Sache, so Rauh. Dies auch unter veränderten Bedingungen aufrecht zu erhalten, sei kein einfacher Weg und nur auf ehrenamtlicher Basis realisierbar, hieß es.
Verständnis gezeigt
Die Vereinsvertreter zeigten Verständnis für die Gesamtsituation. Frank Bredow vom PSV wollte wissen, was konkret von den Vereinen verlangt werde. Der OB sagte nur: Aufrechterhalten des Trainings, denn die geringeren Hallenkapazitäten seien eine besondere Herausforderung. Torsten Krautz vom Aquateam wollte die Vereine rechtzeitig einbezogen wissen, sollten sich Nutzungsentgelte ändern. Vereinsmitstreiter René Blümel wies darauf hin, dass trotz aller Einsparungen auch künftig Fachkräfte benötigt werden. Eismeister kann ja auch keiner werden, nur weil er einen Kühlschrank zu Hause hat, meinte er. Karin Seidel von der Wasserwacht bat darum, dass die Nutzung der Schwimmhalle finanzierbar bleibt. Denn 60 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Torsten Negwer vom Eishockeyfreizeitverein sagte, dass der Verein überlege, eine Turnhalle zu übernehmen. Ludwig Thomaschk vom ESW bedankte sich bei der Stadt für die bisherige Unterstützung und Betreibung der Eishalle.
"Ich weiß, dass es künftig nicht mehr so möglich ist. Wir wollen sehen, die Liegenschaft erst mal weiter zu erhalten, aber auch was Neues zu schaffen. Das wird schwer, wir wollen es aber schaffen."
"Dazu müssten alle zusammenstehen und der Stadt helfen, wenn es um die Rahmenbedingungen geht", so Thomaschk. Uns sollte nicht Sorge sein vor dem, was vor uns steht. Das, was seit der Wende hinter uns liegt, war schwieriger, machte Peter Sieger von Grün-Weiß Weißwasser Mut.
(Gabi Nitsche)
Quelle: Lausitzer Rundschau (Lokalteil WSW) vom 09.03.05