Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Rau(h)e Sitten gegen die Lausitzer Füchse
25.05.2005 | 07:21 Uhr von
Verschuldete Stadt Weißwasser entscheidet heute, ob sie sich traditionsreichen Eissport noch leisten kann
Sieg für die Lausitzer Füchse« Niederlage für den Eissport in der Region» Oder Spielwiederholung in vier Wochen an gleicher Stelle« Die Stadträte von Weißwasser beraten bei ihrer Sitzung heute ab 16 Uhr in der Stadtbibliothek darüber, ob der überlebenswichtige öffentliche Zuschuss für die Bewirtschaftung des Eishallen-Komplexes wie geplant von jährlich 460 000 Euro auf null zurückgefahren wird. Das jedenfalls ist die unmissverständliche Forderung von Oberbürgermeister Hartwig Rauh (parteilos). Die Kernfrage lautet also: Kann und will sich die Stadt angesichts einer Verschuldung von knapp 20 Millionen Euro das traditionsreiche Eishockey noch leisten oder setzt sie ihre knapp bemessenen freiwilligen Mittel für andere Zwecke ein» .
Ohne die öffentlichen Zuschüsse, daran lässt Füchse-Geschäftsführer René Reinert keinen Zweifel, sei die Hallenbetreibung nicht machbar. «Die Existenz des Eissports ist in Gefahr» , warnt er. Entsprechend gespannt blicken Reinert, seine Mitstreiter sowie Spieler und Fans auf die heutige Stadtratssitzung. Ihr vorangegangen sind diverse Verhandlungsrunden in den verschiedensten Gremien.

Kluft zwischen Fraktionen
Die Ausgangslage: Klar ist lediglich, dass gar nichts klar ist. Denn durch die einzelnen Fraktionen des Stadtrates geht eine tiefe Kluft. Viele Kommunalpolitiker sind hin- und hergerissen. Einerseits wissen sie sehr wohl um die Imagewirkung des Eissports für Weißwasser. Andererseits sehen sie ihre Gestaltungsmöglichkeiten durch die knappen Kassen eingeengt. «Wir brauchen intelligente Ideen» , fordert Hartmut Schirrock ( «Wir für hier» ), ohne eine Patentlösung liefern zu können. Das Geld, welches man dem Eissport gäbe, müsste an anderer Stelle weggenommen werden, betont SPD-Mann Knut Olbrich. «Darüber müssen wir reden.» Unterstützung für die Füchse signalisiert die CDU in Person von Bernhard Waldau: «Wir sind dafür, den Zuschuss zwar zu reduzieren, aber nicht komplett zu streichen. Realistisch ist eine Größenordnung von 150 000 Euro.» Eine Investition in den Eissport sei mit Blick auf die vielen Nachwuchsspieler auch eine Investition in die Zukunft, so Waldau. «Wir als Stadt müssen gegenüber der Privatwirtschaft ein Zeichen setzen, dass wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen.» Ablehnung kommt dagegen von der PDS. «Bibliothek und Tierpark sind uns wichtiger» , sagt Karin Gründel, genießt mit dieser Ansicht nach RUNDSCHAU-Informationen aber nicht den uneingeschränkten Rückhalt ihrer Fraktion.
Dabei besitzt Oberbürgermeister Hartwig Rauh eigentlich alle Fähigkeiten für einen passablen Eishockey-Spieler. Er kann sich durchsetzen, ist schwer ausrechenbar und lässt sich auch durch Pfiffe wie am Montag während der Fan- Demo (die RUNDSCHAU berichtete) sein Lächeln nicht verderben. Aber Rauh ist eben kein Fan des Eishockeys und darauf auch ein bisschen stolz. Stattdessen sieht sich das Stadtoberhaupt als Sachwalter aller Interessen. Und es sei nunmal kein Geld mehr für die Hallenbetreibung da. «Wir können dem Eissport nur insoweit entgegenkommen, dass wir die Halle personalfrei an den Verein übergeben, damit er nicht die Arbeitsverträge der Mitarbeiter zu öffentlich-rechtlichen Tarifen übernehmen muss» , bot Rauh an. Mehr könne er nicht tun. «Auch wenn mir das Herz blutet.»

300 000 Euro Defizit
Doch dieses Herzblut hilft den Füchsen laut Geschäftsführer René Reinert nicht wirklich weiter. Trotz Ausschöpfung sämtlicher Einsparpotenziale bleibt seinen Angaben zufolge immer noch ein zu erwartendes Defizit von rund 300 000 Euro. Reinert lehnt es ab, diese Summe aus dem Saisonetat abzuzweigen. «Dies würde die Qualität der Ausbildung des Nachwuchses und die Konkurrenzfähigkeit des Profiteams beeinträchtigen» , meint der Füchse-Chef. Bis zum 30. Juni muss der Zweitligist bei der Eishockey-Spielbetriebs-Gesellschaft (ESBG) einen gültigen Mietvertrag über eine Spielstätte für die neue Saison vorlegen. Andernfalls ist die Lizenz in Gefahr.
Die Stadträte von Weißwasser stehen also vor einer schweren Entscheidung. Sie stellen heute die Weichen für die Zukunft der Lausitzer Füchse. Immerhin beschert ihnen das Tauziehen auch in der Sommerpause landesweite Aufmerksamkeit. «Der Eishockeysport hatte schon oft Probleme. Bisher ist es uns immer gelungen, ihn am Leben zu erhalten» , zeigt sich die sächsische Sozialministerin Helma Orosz und frühere Oberbürgermeisterin von Weißwasser optimistisch. Orosz appelliert unverhohlen an die Adresse der Stadträte: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so herzlos ist, sich der Rettungsaktion in den Weg zu stellen.»
(Frank Noack)

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 25.05.05
846 mal gelesen
 
1 | szdd | 25.05.2005 @ 08:08
Wenn man aus der Ferne diese Nachrichten so hört, dann fragt man sich: "Ist das jetzt Theater, oder sind die wirklich so .........?" Was bitteschön kann in einer Stadt wie WSW wichtiger sein, als das letzte Stückchen besondere Lebensqualität nämlich das Eishockey? Das ist das Einzige, was diesen Ort noch aus der grauen trostlosen Masse ostdeutscher Verliererstädte heraushebt. Andere würden für ein solches Aushängeschild "morden".
2 | Kasatonov | 25.05.2005 @ 10:29
"morden"...fragt sich nur, wenn "morden",wenn in den letzten 10 Jahren schon alle potenziellen Kandidaten um die Ecke gebracht wurden. Irgendwann muss man dann die Klinge bei sich selbst ansetzen - ich glaube das Finale findet gerade statt.
3 | lehm | 25.05.2005 @ 11:36
und schon stehste vorm höhepunkt wa?
4 | bärchen | 25.05.2005 @ 14:40
ich will frau orosz zurück!! für wsw ist es schade, dass sie so ein gutes angebot bekommen hat. aber das hätte jeder angenommen. auch wenn kein geld da ist, hätte sie nach einer lösung gesucht. von wegen, dem rauh blutet das herz. ich lach mich schlapp
5 | p.e.187 | 25.05.2005 @ 19:30
das ist mal - in ansaetzen zumindest - der erste sachliche bericht seit wochen. und 20 mio schulden der stadt sind wohl sicher ein grund warum sich ein obm zur schiessbudenfigur einer interessengemeinschaft (esw ehc und anhang) machen lassen muss. keiner will die traditionsstaette verlieren - ausser frau gruendel - aber das mag hier sowieso keiner mehr hoeren. als stadt / staat hat man eben allen buergern gegenueber verpflichtungen. diese begruenden sind nicht nur im ego unserer regional-...
6 | p.e.187 | 25.05.2005 @ 19:32
...politiker sondern sind durch hoehere instanzen unseres foerdaralistischen staatenprinzips zu suchen (bibliothek ...ist bildung am volk und klar geregelt) ich hoffe instaendig, dass sich das hier positiv ausgeht... mt traurigem blick aus der ferne
7 | szdd | 26.05.2005 @ 08:14
Ist das Eishockey in WSW erstmal kaputtgemacht (vielleicht ist es das sogar schon?), dann kann die Stadt ruhig und gelassen ihren anderen vielfältigen "Verpflichtungen gegenüber allen Bürgern" nachgehen und der letzte macht dann das Licht aus!
» Die News ist älter als 14 Tage. Die Kommentarfunktion wurde deshalb deaktiviert.
MATCHUP
 
SOMMERPAUSE
LETZTER SPIELTAG
So. 29.03.26
  1 2 3 F
LF 0 0 0 0
KH 0 0 0 0
KURZTABELLE
1. Krefeld Pinguine 114
2. Kassel Huskies 106
3. Star Bulls Rosen 97
4. Ravensburg Tower 91
5. SC Bietigheim St 89
6. EV Regensburg 81
7. Lausitzer Füchse 79
8. EV Landshut 76
9. Düsseldorfer EG 74
10. Eispiraten Crimm 68
11. EHC Freiburg 61
12. Blue Devils Weid 57
13. EC Bad Nauheim 55
14. ESV Kaufbeuren 44
KALENDER
LINKS
ADMINISTRATION