Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Presseschau: Sächsische Zeitung vom 19.10.2005
19.10.2005 | 00:31 Uhr von
Leere Tribünen – Füchse-Fans wollen die Profis wachrütteln
Erst nach zehn Minuten des Freitagspiels gegen Straubing wollen die Fans ins Stadion kommen – ohne Fahnen.

Geisterstimmung im Fuchsbau! Vor einer Minuskulisse müssen die Lausitzer Füchse ihr Zweitbundesligaspiel bestehen. Die Kassen am Einlasshäuschen bleiben leer. Wer weiß, ob da die Gehälter pünktlich gezahlt werden können!

Kein Angst, so weit ist es lange noch nicht. Aber zumindest für die ersten zehn Minuten des Heimspiels gegen Straubing am Freitag sollen die Profis diesen Albtraum fühlen können. Die Fans haben ganz einfach Angst um ihren Verein und wollen mit ihrem Wegbleiben die Spieler wachrütteln.

Ronny Schneider, Sprecher der Fangruppe Blue Sons Weißwasser und Mitinitiator der Aktion sagt dazu: „Eigentlich wollten wir die Aktion schon zeitiger starten. Aber dann war ja jede Woche ein anderer Trainer da und wir wollten fair mit ihm umgehen. Wir haben gehofft und gehofft, aber irgendwann reicht es uns einmal. Das Wegbleiben in den ersten Minuten ist für uns eine Möglichkeit, unsere Unzufriedenheit zu zeigen.“

Also werden die Fans zehn Minuten lang draußen mitfiebern, bibbern, dass ihre Lieblinge nicht zurück liegen, wenn sie dann endlich den Fuchsbau stürmen. „Wir hoffen, sie dann mit einem positiven Spielstand begrüßen zu können“, sagt Füchse-Geschäftsführer René Reinert, der die Fanaktion respektiert: „Ich bin ja selbst genauso unzufrieden. Die Misere ist mir unerklärlich. Die Mannschaft ist doch stark genug. Die Spieler haben schon bewiesen, dass sie Eishockey spielen können. Ich denke, es fehlt vor allem der Glaube an sich selbst.“

Die Ursachen für die Niederlagenserie liegen aus Sicht der Fans aber tiefer. „Viele von uns haben alle fünf Heimspiele gesehen, eine ganze Reihe waren auch zu den Auswärtspartien. Wir können uns also ein Urteil erlauben. Wir erwarten, dass jeder Spieler kämpferisch alles gibt. Die Spieler müssen endlich zeigen, dass sie das Geld wert sind, das sie verdienen.“

Gerüchten, dass Geld – genauer verspätete Gehaltszahlungen – eine Ursache für mangelnde Leistungen sein könnte, tritt Reinert entschieden entgegen: „Wir haben gestern Vormittag fristgerecht die Oktobergehälter überwiesen.“ Er hofft, dass der Umschwung mit dem neuen Trainer Frederick Carroll möglichst schnell gelingt. „Seine Trainingsmethoden mit verstärktem Konditionstraining und den neuen Übungen im Fitness-Studio kommen bei den Spielern gut an. Sie haben selbst gemerkt, dass in der Schlussphase oft auch die Kraft fehlte.“

Carroll will seine Mannschaft ab sofort immer dienstags eine Stunde lang Tae-Boe-Übungen im Weißwasseraner Fitness-Studio „Body-style“ absolvieren lassen. Dabei werden Schritte und Bewegungen aus Selbstverteidigung und Boxen mit schneller Musik kombiniert.

Vielleicht hilft ja das – zumindest kommen die Spieler auf andere Gedanken. Wenn nicht – sieht es düster aus. Ronny Schneider: „Wir schaffen jedes Wochenende elf Euro für eine Karte ins Stadion. Wenn das so weiter geht mit den Niederlagen, bleiben wohl immer mehr weg.“ Und dann könnte der Albtraum mit der Geisterstimmung und dem fehlenden Geld doch wahr werden. (Frank Thümmler)

Quelle: Sächsische Zeitung Lokalteil WSW vom 19.10.2005
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