Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Die Bilanz des Grauens
08.11.2005 | 01:35 Uhr von
Lausitzer Füchse in der Krise: Warum Weißwasser in 16 Spielen nur ein einziger Sieg gelang
Pause! Endlich Pause. Noch nie war die alljährliche Länderspielpause den Lausitzer Füchse aus Weißwasser so willkommen wie im Moment. Bis zum 15. November hat das abgeschlagene Schlusslicht der 2. Eishockey-Bundesliga jetzt Zeit, die Defizite der vergangenen Wochen aufzuarbeiten. Denn die bisherige Ausbeute ist eine Bilanz des Grauens, die den Traditionsverein sportlich und auch wirtschaftlich in eine bedrohliche Lage gebracht hat.
In 16 Spielen gelang den Füchsen nur ein einziger Sieg. Mit sechs Zählern liegt Weißwasser abgeschlagen am Tabellenende. Der Rückstand zum Vorletzten beträgt acht Punkte, der Abstand zu den ursprünglich angepeilten Play-off-Rängen sogar schon 17 Punkte. „Wir stehen genau dort, wo wir hingehören“, lautet die ernüchternde Zwischenbilanz von Cheftrainer Fred Carroll nach einem Viertel der Saison. Pech? Unvermögen? Oder eine Verkettung unglücklicher Umstände? Die RUNDSCHAU nennt die wichtigsten Gründe für die Krise im Fuchsbau.

Große Erwartungshaltung: In der vergangenen Saison überraschten die Füchse als Aufsteiger mit Platz sieben nach der Hauptrunde. Auch die Vorbereitung auf die neue Spielzeit verlief ordentlich. Im DEB-Pokal wurde Erstligist Krefeld Pinguine bezwungen, den Kölner Haien im Testspiel ein Remis abgetrotzt. Doch das 1:4 zum Auftakt in Dresden löste einen Erdrutsch aus. Die folgende Niederlagenserie trafen Mannschaft, sportliche Leitung und auch die Fans völlig unvermittelt.

Erfolgloses Krisen-Management: Man kann den Verantwortlichen im Fuchsbau nicht vorwerfen, dass sie der Talfahrt tatenlos zugeschaut haben. René Reinert als Geschäftsführer hat nahezu alle Instrumente des Krisen-Managements ausgeschöpft. Bereits nach sechs Spieltagen musste Cheftrainer Horymir Sekera gehen. Sein Nachfolger Fred Carroll brachte allerdings bislang nicht die erhoffte Wende. Mit Lukas Slavetinsky wurde in der vergangenen Woche der erste Profi wegen Problemen außerhalb der Eisfläche beurlaubt. Auch Kabinenansprachen in den verschiedensten Lautstärken fanden genau wie Einzelgespräche bereits statt.

Körperliche Defizite: Nur in ganz wenigen Spielen lieferten die Füchse eine konstante Leistung über die kompletten 60 Minuten ab. Den Grund dafür lieferte der Fitnesstest im Olympiastützpunkt Cottbus/Frankfurt (Oder). Ein Großteil der Mannschaft weist körperliche Defizite auf, was auf eine ungenügende individuelle Vorbereitung im Sommer hindeutet.

Fehlende Hackordnung: Die Niederlagenserie hat auch das Gefüge innerhalb der Mannschaft durch einander gebracht. Vermeintliche Leistungsträger wie der letztjährige Topscorer Martin Sekera und Kapitän Mattias Wikström haben in erster Linie mit ihrer eigenen Formschwäche zu tun und können deshalb dem Team kaum Impulse geben. Am Sonntag in Kaufbeuren kassierte Wikström erst eine Zehn-Minuten-Strafe wegen Meckerns und anschließend nach Spielschluss noch eine Spieldauer-Disziplinarstrafe. Er fehlt deshalb in der Partie am nächsten Dienstag in Weißwasser gegen den ESC Moskitos Essen. Lediglich Lars Müller geht derzeit bei den Füchsen als kämpferisches Vorbild voran.

Schwache Abwehr: Mit 67 Gegentreffern ist Weißwasser weiterhin die «Schießbude der Liga» . Einfachste Fehler luden die Gegner geradezu zum Toreschießen ein. Die Neuverpflichtungen sind bislang keine Ver stärkungen. Benjamin Wildgruber war lange verletzt, Daryl Andrews ist eine große Enttäuschung und Lukas Slavetinsky wurde aussortiert. Die beiden Torhüter Sebastian Elwing und Ronny Glaser hatten es zwangsläufig schwer hinter der Wackelabwehr. Allerdings stagnieren auch sie in ihrer Entwicklung.

Finanzielle Probleme: Obwohl die Spielergehälter jeden Monat pünktlich überwiesen wurden, steht die Spielbetriebs-GmbH unter wirtschaftlichem Druck. Die Play-off-Prämien für die vergangene Saison wurden gestrichen. Bislang konnte noch keine Hallenmiete an den Stammverein ES Weißwasser gezahlt werden. Zudem ist die Mannschaft teurer als in der vergangenen Saison. Geschäftsführer René Reinert hat keinen Hehl daraus gemacht, dass man wirtschaftlich in Vorleistung gegangen sei, um die sportliche Substanz weiter zu erhöhen. Die Füchse sind deshalb mehr denn je zu sportlichem Erfolg verdammt. (Frank Noack)

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 08.11.2005
1593 mal gelesen
 
1 | Mozart | 08.11.2005 @ 01:36
Harter Tobak, aber endlich mal Klartext... Hoffentlich reißt die sportliche (finanzielle) Talfahrt nicht den eV mit, dann wäre die ganze Spendenaktion für´n Arsch gewesen... Ciao Mozart!
2 | Odin | 08.11.2005 @ 06:46
jep, Recht haste. Sogar in dem Artikel wiedersprechen die sich. ordentliche Vorbereitung-körperliche Defizite???
3 | Thorben | 08.11.2005 @ 06:46
Die finazielle Talfahrt wird wohl einiges mitreißen! Und am Ende stehen wir mit großen Augen da und sehen aus wie ein Schellfisch wenns donnert! Ich habe übelste Ahnungen was hier so abgehen wird! Ist mir schlecht! Freu mich auf noch jedes verbleibende Heimspiel, damit meine Erinnerungen an Eishockey in WSW vertieft wird!
4 | Jörg | 08.11.2005 @ 08:09
@2: Da oben steht was von "ungenügender individueller Vorbereitung..." Und dass man nach einem langen Sommer mal für 6 Wochen mehr Lust und Kraft hat, ist ganz natürlich. So richtig wird sich erst ab Ende November/ Anfang Dezember zeigen, wie die Spieler im Sommer die Grundlagen gelegt haben!
5 | Stadtfuchs | 08.11.2005 @ 11:36
"wirtschaftliche Vorleistung" ... ich glaube so nannte man das zu PEV-Zeiten der DEL auch, als man Schulden machte.
6 | Arethusa | 08.11.2005 @ 14:38
Wirtschaftliche Vorleistung klingt aber ehr danach das R.R. aus eigener Tasche zahlt.
7 | Axel Schweiss | 08.11.2005 @ 18:40
Die Frage ist für mich für was hier Geld gezahlt wird?Für das Geld was man investiert hat muss man ordentlich mitspielen können.Truppen wie Kaufbeuren zeigen wie es gemacht wird.Wenig Geld aber man holt das Optimale raus.Nicht wie bei uns wo man sich von Spiel zu Spiel zum Obst macht.Tschau Axel.
8 | Reimann | 08.11.2005 @ 19:41
@7 Wieso fragst Du das?Scheintst es doch am besten selbst zu wissen!
9 | maikäfer | 09.11.2005 @ 13:28
@6 R.R. und aus eigener Tasche. Der war wirklich gut. "Bislang konnte noch keine Hallenmiete an den Stammverein ES Weißwasser gezahlt werden." Mann o Mann, wo soll das hinführen. Wirtschaftliche Vorleistung bedeutet, dass man Verträge gemacht hat, die man wahrscheinlich nicht erfüllen kann. Würde mich nicht wundern, wenn bald die ersten Füchse in München oder Rostock spielen.
10 | Guerrero | 09.11.2005 @ 15:45
Wirtschaftliche Vorleistung hiesse ja dann, mit dem Erfolg vor(aus)geplant ?
11 | EHC- Pressesprecher | 09.11.2005 @ 16:19
Die in der LR gemachte Aussage zur Hallenmiete ist falsch. Den Rest dazu gibt es im offizellen Forum unter Anfragen.
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