Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Schlau wie ein Fuchs?
16.11.2005 | 23:17 Uhr von
Sorgen machen muss man sich um die Zukunft der Lausitzer Füchse – aus sportlicher Sicht, aber auch aus finanzieller.
Die Fans sind (überwiegend) begeistert – der Dicke ist wieder da. Endlich wieder Stimmung im Fuchsbau, spektakuläre Aktionen, wenn Sean Gagnon seine Gegenspieler attackiert. Abgesehen davon, dass Eishockey-Experten anzweifeln, dass die neueste Reinertsche Verpflichtung aus sportlicher Sicht Sinn macht (zu langsam, schlechte Kondition, zu viel auf der Strafbank), wundert sich auch der Laie über die finanziell scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Lausitzer Füchse.

Zuschauerzahlen zu gering

Nach der katastrophalen Bilanz in den ersten Wochen scheint der anvisierte Zuschauerschnitt von 1 800 pro Spiel nur noch schwer erreichbar. Derzeit – nach neun von 26 Heimspielen – beträgt er gut 1 700 Zuschauer. Das ausverkaufte Derby gegen Dresden schönt die Bilanz aber noch, schließlich kommen die Eislöwen nur noch einmal. Und zu befürchten ist, dass spätestens dann, wenn die Spiele bedeutungslos sind (weil die Playoffs nicht mehr zu erreichen sind) noch mehr Fans weg bleiben.

Der geplante Saisonetat dürfte immer noch nicht gedeckt sein. Ganz normal, beschwichtigt Geschäftsführer René Reinert immer wieder, ein gewisser Teil der Sponsoren wird immer erst im Verlauf der Saison gewonnen. Nur kann man dann dieses Geld für ungeplante Ausgaben verwenden?

Dazu kommen noch die Probleme mit dem Betrieb der Eishalle. Zugegeben, für den Verein, nicht für die Profi-GmbH, zeichnet sich zumindest mittelfristig ein finanzielles Desaster ab. Aber in die Pflicht genommen, das Problem zu lösen, sind letztlich auch die Profis. Was sollen sie schließlich ohne Spielstätte? Ein gelungener Ansatz dazu war die Spendenaktion „Wir sind ein Team“ im Juli und August, deren Idee und Erfolg sich vor allem Geschäftsführer René Reinert zuschreiben lassen kann.

Was aber danach auf der Ausgabenseite unter dessen Verantwortung passierte, muss jedem Anhänger der Füchse Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Nach nur sechs Spieltagen wurde Trainer Horymir Sekera entlassen, so schnell es nur ging und ohne Rücksicht auf die finanziellen Auswirkungen. Jetzt müssen die Lausitzer Füchse fast eine gesamte Saison lang zwei Trainer bezahlen, den bisher ebenso glücklosen Frederick Carroll und den nicht mehr tätigen Sekera.

Dank der (kanadischen) Einkaufspolitik des Geschäftsführers haben die Füchse jetzt acht Ausländer im Kader und damit auf der Gehaltsliste (Goalie McDonald, die Verteidiger Lindmark, Gagnon und Andrews sowie die Stürmer Rocheford, Wikström, Sekera und Warren).

Zwei Ausländer sind zu viel

Das sind zwei mehr, als spielen dürfen. Weitere ausländische Verpflichtungen „drohen“ übrigens nicht, laut ESBG-Durchführungsbestimmungen werden maximal acht Lizenzen pro Saison erteilt.

Andere Vereine lassen sich diese Möglichkeit bis nahe ans Ende der Wechselfrist am 31. Januar offen. Dann kann man viel besser auf aktuelle Entwicklungen im Team reagieren und spart übrigens Geld. Die Lausitzer Füchse haben mit McDonald, Elwing und Glaser jetzt auch drei Profi-Torhüter im Kader, einen mehr als die meisten Vereine der zweiten Liga. Nicht zu vergessen ist, dass die Neuerwerbung Lukas Slavetinsky nach nur 14 Spielen für die Lausitzer schon wieder weggeschickt wurde, runter vom Eis, aber nicht runter von der Gehaltsliste. Fragen, wie das alles finanziert werden soll, müssen also erlaubt sein.

Ein französches Sprichwort sagt: Einen schlauen Fuchs fängt man nicht zweimal in derselben Falle. Eine Insolvenz haben die Füchse schon hinter sich, und die Fans hoffen, dass Geschäftsführer René Reinert schlau wie ein Fuchs ist. (Frank Thümmler)

Quelle: Sächsische Zeitung Lokalteil WSW vom 17.11.2005
882 mal gelesen
 
1 | Frank | 16.11.2005 @ 23:29
Da ich i.d.R. recht scheibfaul bin freut es mich immer wieder, wenn jemand anderes den Nagel aber sowas von auf den Kopf trifft: *UNTERSCHREIB*
2 | kojoti | 16.11.2005 @ 23:30
sehr wertend. sehr wertend. zwar sind die gestellten fragen schon irgendwie berechtigt, aber gehandelt werden mußte, was den trainer und den kader betraf. reinert is aber auch derjenige, der seinen namen hergeben muss, wenn die karre im dreck versinkt...nich die profis....und nich die trainer. und seit wann diskutiert man die finanzpolitk eines unternehmens in der lokalpresse? die berichterstattung in der sz is nich wirklich ne unterstützung in letzter zeit, wie ich finde.
3 | rene72 | 16.11.2005 @ 23:42
Schlecht recherchiert Herr Thümmler, der Passus mit Slava ist falsch.
4 | Frank | 16.11.2005 @ 23:51
@3 Bekommt er kein Geld mehr? Wurde er fristlos gekündigt?
5 | rene72 | 17.11.2005 @ 00:43
Man kann Arbeitsverträge auch anders beenden.
6 | Aigars44 | 17.11.2005 @ 02:22
sekera kann doch als nachwuchstrainer für kulabuchov eingesetzt werden! wenn er eh weiterbezahlt wird kann er auch was für den verein tun
7 | rene72 | 17.11.2005 @ 08:05
@6 ein guter Vorschlag, nur mußt du dann noch einen Dolmetscher einstellen.
8 | Erwin | 17.11.2005 @ 08:13
@7: Wieso? Der ewige Kranke Vait und Sohnemann Martin können doch einen Crashkurs entweder für Papa oder für den Nachwuchs geben. ;-)
9 | Senator | 17.11.2005 @ 11:53
Zu beachten ist, das wir seit Saisonbeginn praktisch fast Null Punktprämien zahlen mussten. Das sollte den Zuschauerschwund ausgleichen. Vadim's Gehalt weg, Slava's ebenso, Vait als Sportinvaliden melden oder in die Regioliga...1-2 andere irgendwie in die Oberliga...und alles kann gut werde. Ach und in der Abstiegsrunde kann man ganz gutes Geld einspielen !
10 | Hoywoyfux | 17.11.2005 @ 13:29
Sehe es ähnlich wie kojoti - RR ist Geschäftsführer und es ist sein Name, der auf dem Spiel steht. Damit hat er Verantwortung übernommen und wer dies tut, der kann auch fallen. Man kann über manches Detail streiten (z.B. Sekera-Ablösung), aber er hat was getan. Dennoch sind die Warnungen der SZ nicht ganz von der Hand zu weisen. Doch man darf nicht vergessen, die GmbH ist eine PRIVATE Kapitalgesellschaft und da entscheidet nun mal logischerweise der, der das Geld hat. Und da setze ich ein -
11 | Hoywoyfux | 17.11.2005 @ 13:30
fach betriebswirtschaftliches Geschick voraus. Und dies muß ich nunmal den Herren an der Spitze der GmbH einfach unterstellen. Und damit wissen sie, was sie tun. Alles andere wäre eine Riesenenttäuschung.
12 | Senator | 17.11.2005 @ 13:40
Das geschriebene ist nicht komplett abzuweisen. Ganz drinnen steckt aber am Ende nunmal eher RR als die SZ. Und Kojoti gebe ich auch Recht (RR riskiert viel).
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