Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Eine Frage des Glaubens
30.12.2005 | 02:05 Uhr von
Fred Carroll redet die Füchse stark – und hat immer öfter Erfolg damit
Die Lausitzer Füchse finden langsam zurück zu alter Leistungsstärke in der 2. Eishockey-Bundesliga. Beim 2:1-Heimsieg gegen den EHC Wolfsburg bewiesen sie zudem eine tolle Moral. Für Trainer Fred Carroll ist der Aufschwung ohnehin eine Frage des Selbstvertrauens. «Die Spieler glauben wieder an sich» , sagt Carroll. Er redet sein Team deshalb ganz bewusst stark – und hat immer öfter Erfolg damit.

Nach dem achten Saisonerfolg der Füchse am Mittwoch Abend gab es einen mächtigen Knall. Rums! Die Probleme mit dem Mikrofon während der Pressekonferenz versuchte der Weißwasseraner Coach auf unorthodoxe Weise mit einem Schlag gegen die Tischkante zu beheben. Seine Spieler ließen es zuvor ebenfalls ordentlich krachen und feierten ausgelassen den Heimsieg, für den Dirk Rohrbach (1:1/39.) und Martin Sekera mit einem spektakulären Sololauf (2:1/47.) gesorgt hatten.
Die Gastgeber bestätigten in der spannenden Partie vor 2211 Zuschauern auch ohne die gesperrten Leistungsträger Sean Gagnon, Richard Rochefort und Lars Müller ihren seit Wochen anhaltenden Aufwärtstrend, der nur durch den Ausrutscher gegen Kaufbeuren (1:5) etwas getrübt wurde. «Als ich nach Weißwasser kam, habe ich eine Mannschaft vorgefunden, die nicht zweitliga-tauglich war. Inzwischen ist diese Mannschaft absolut zweitliga-tauglich» , betont Carroll. In seiner Analyse setzt der 42-Jährige sogar noch einen drauf und lobt insbesondere den deutlich verbesserten Fitnesszustand. «Läuferisch können wir mit allen Mannschaften mithalten. Auch vor Topteams wie Straubing und Dresden brauchen wir uns nicht zu verstecken.» Rums!
Solche markigen Lobesworte kamen Carroll in den vergangenen Wochen nur selten über die Lippen. Denn der Coach, der nach sechs Spieltagen den glücklosen Horymir Sekera abgelöst hatte, sparte nicht mit schonungsloser Kritik in der Öffentlichkeit. Doch inzwischen redet Carroll die Füchse lieber stark, als sie verbal zu schwächen. Zumal er mit dieser Methode immer öfter Erfolg hat. Und so hob der Trainer nach dem Sieg gegen Wolfsburg ganz bewusst die mannschaftliche Geschlossenheit als Schlüssel zum Erfolg hervor. «Ich versuche den Spielern zu vermitteln, dass sie positiv denken müssen. Jeder muss an sich, seine eigenen Fähigkeiten und die Fähigkeiten des Nebenmannes glauben» , fordert Carroll.
Bei den Profis trifft er dabei offenbar auf offene Ohren. Sie haben erkannt, dass sich mit diesem Glauben an die eigene Stärke auch so manche spielerische Schwäche wettmachen lässt. Denn gegen Wolfsburg war durchaus das Fehlen der drei Leistungsträger spürbar. Trotz optischer Überlegenheit in den Dritteln zwei und drei produzierten die Gastgeber unter dem Strich zu wenig Torgefahr. Dennoch fiel der Sieg hochverdient aus, weil DEL-Absteiger Wolfsburg nicht viel mehr zu bieten hatte, als einige klangvolle Namen aus besseren Zeiten. «Es war sicher kein großes Spiel. Aber wir haben uns den Sieg mit viel Einsatz erkämpft» , meint Stürmer Michael Kreitl, der als Spieler des Tages ausgezeichnet wurde. Und auch er hebt die psychologische Komponente hervor. «Solche knappen Siege sind enorm wichtig für das Selbstvertrauen.»
Dennoch schleppen die Füchse nach wie vor die Hypothek des katastrophalen Saisonstarts mit sich herum. Mit 27 Punkten sind sie Vorletzter der 2. Liga. Allerdings ist Bad Tölz als Tabellen-12. nur noch vier Zähler entfernt. Glaubt man an den unerschütterlichen Glauben von Fred Carroll, dann ist im Fuchsbau insgeheim sogar noch Hoffnung auf die Play-offs vorhanden. «So lange wie wir rechnerisch eine Chance haben, werden wir um den achten Platz kämpfen» , verspricht er vor dem heutigen schweren Auswärtsspiel beim REV Bremerhaven (Beginn: 20 Uhr). «Wenn die Mannschaft so weitermacht, ist vieles möglich.» Angesichts von 19 Punkten Rückstand zum Tabellenachten Kaufbeuren wäre der Play-off-Einzug allerdings ein echter Kracher.

Lausitzer Füchse – EHC Wolfsburg 2:1 (0:1, 1:0, 1:0)
Tore: 0:1 Simon (3.) 1:1 Rohrbach (39.), 2:1 Sekera (47.); Schiedsrichter: Markus Huber (Memmingen); Zuschauer: 2211; Strafminuten: 18 /20 + 10 (Gödtel).
RUNDSCHAU-Spieler des Tages der Füchse:
Michael Kreitl.

VON FRANK NOACK

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 30.12.2005
569 mal gelesen
 
1 | Fuchs | 30.12.2005 @ 02:22
der achte platz is obwohl ich ein großer optimist bin fast unmöglich!
2 | Ninocsas | 30.12.2005 @ 08:23
Ich sage Dir, dass packen die noch!
3 | Stadtfuchs | 30.12.2005 @ 09:21
Solange man sich insgeheim dieses Ziel setzt an das Erreichen des Ziels glaubt, soll es nur gut sein. Öffentlich würde ich das aber nicht gebetsmühlenartig abspulen. Das ist bei der momentanen Tabellensituation einfach vermessen. Schließlich wird man auch von anderen an solchen Zielen gemessen ...
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