Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Zwischen Toleranz und Tollhaus
12.01.2006 | 05:59 Uhr von
Die strengere Regelauslegung in Deutschland sorgt auch bei den Lausitzer Füchsen für Kuriositäten
Fred Carroll kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. «Seitdem die Schiris konsequenter pfeifen, haben wir weniger Strafminuten» , schüttelt der Cheftrainer der Lausitzer Füchse ungläubig den Kopf.
Was im Umkehrschluss nur heißen kann: Die Profis aus Weißwasser haben sich bestens auf die seit Anfang des Jahres geltende neue Regelauslegung eingestellt. Sie besagt, dass speziell die kleinen Fouls wie Haken, Halten und Behinderung konsequenter geahndet werden (die RUNDSCHAU berichtete). Null Toleranz – das ist das neue Motto auf deutschen Eisflächen und auch bei den Olympischen Winterspielen 2006 im Februar in Turin.
Die Bilanz der Füchse kann sich sehen lassen. Zwei der drei nach dem neuen Regelwerk ausgetragenen Partien wurden gewonnen. Also alles paletti? Nicht ganz! Denn Coach Carroll und seine Spieler, das gibt der 42-Jährige ehrlich zu, kamen sich anfangs durchaus vor wie im Tollhaus. Laut Carroll habe keiner so richtig gewusst, „was erlaubt ist und was nicht“. Denn die neuen Regeln sorgten bisweilen für lustige Kuriositäten auf dem Eis. Knallharte Checks sind nach wie vor erlaubt, eine leichte Behinderung mit dem Arm wird dagegen oftmals abgepfiffen. Die Folge: Die meisten Profi mussten sich von heute auf morgen auf eine komplett neue Spielweise einstellen. „Es geht nicht, dass mitten in der Saison neue Regeln eingeführt werden“, kritisiert Carroll. „Mannschaften, die bei der Zusammenstellung des Kaders eher auf das körperbetonte Spiel gesetzt haben, werden jetzt bestraft“, findet der Weißwass eraner Coach.
Klar ist, dass die neuen Regeln vor allem schnelle und technisch starke Spieler begünstigen. Eher rustikal zupackende Verteidiger wie Weißwasser Sean Gagnon müssen sich dagegen zurückhalten. Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) glaubt, dass alle Beteiligten die Anpassungsprobleme dennoch schnell überwinden werden. «Die neue Regelauslegung macht es den Schiedsrichtern nicht schwieriger, sondern einfacher, weil wir ihnen den Ermessensspielraum genommen haben» , sagte Tripcke der Fachzeitschrift «Eishockey-NEWS» . Fred Carroll freut sich auf mehr Tore und offensiveres Eishockey. Natürlich müsse ein Stürmer nach wie vor dorthin gehen, wo es weh tut. „Aber es tut jetzt nicht mehr ganz so doll weh wie früher.“ (Frank Noack)

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 12.01.2006
1131 mal gelesen
 
1 | cat | 12.01.2006 @ 08:04
Ermessensspielraum für Schiris vereinfacht? Hä, habe ich was verpasst? Gab es den denn wirklich? Schwer zu glauben, das es überhaupt einen gab, wenn man sichdie Leistungen der Streifenhörnchen, zumindestens bei den Füchsespielen, vor Augen hält. Vielleicht müßen ja auch bald alle Spieler einen Rock tragen.
2 | Kasatonov | 12.01.2006 @ 10:25
Mal ehrlich! In der Vergangenheit wurde immer wieder kritisiert, dass die Schiris die Nicklichkeiten der Gaeste idurchgehen lassen, Halten in jeder Form, Haken, und Beinstellen nicht gepfiffen haben. Das sind klare Regelverstoesse. Checks sind kein Regelverstoss - Punkt. Es ist doch zu sehen, dass diese unfaire Spielweise den Spielfluss der eigenen Mannschaft kaputtmacht und die Spieler auf 180 bringt. Endlich ist damit Schluss. Hart aber fair, dagegen eine klare Absage an unfaire Spielweise.
3 | 3liter | 12.01.2006 @ 10:48
Seh ich auch so. Röckchen muss deswegen keiner tragen, erst recht nicht Gagnon. Und die Strafzeiten, welche er in der Regel so bekommt, basieren nur allzu selten auf Haken, Halten oder Behinderung. Für ihn ändert sich überhaupt nix. Regeln sind dazu da, um sie durchzusetzen. Und das wird jetzt (endlich) auch mal gemacht.
4 | Schinzi | 12.01.2006 @ 18:04
hm...nützt uns bloß der Vorteil nix, wenn wir kein PP zustande bringen. siehe Bibi...
5 | Kasatonov | 12.01.2006 @ 19:09
Fuer Unvermoegen kann ich auch nichts. Es war doch klar, dass vor allem zu Beginn der strikteren Regelauslegung die Specialteams gefragt sind. Das war in der NHL wunderschoen zu sehen - "Motown" hat dadurch richtig fett Punkte eingefahren. Es war ja bekannt, dass die Regelung kommt, muss man eben bis zum Abwinken ueben. Die passenden Spieler hat der ESW auch.
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