Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Eismacher mit Hockeyspieler-Seele
05.11.2006 | 23:30 Uhr von
Um richtig gutes Eis herzustellen, braucht es nur zweierlei, sagt Frank Braun: „Klares Wasser und Kälte.“ Alles weitere ist Betriebsgeheimnis und wird nicht verraten, fügt der 58-Jährige mit einem Augenzwinkern hinzu. Braun ist Experte: Als Eismeister sorgt er dafür, dass im Weißwasseraner Fuchsbau alles glatt läuft.

Eismeister Frank Braun sitzt weit oben – und hat nie den Kontakt zum Boden verloren. Mit viel Wissen, Gefühl und der Eismaschine zaubert er spiegelglattes Parkett im Fuchsbau. Foto: Gunnar Schulze
Und er ist ein Veteran des DDR-Eishockeysports, der schon seit frühester Kindheit mit den Kufen verbunden ist. Mit vier Jahren steht Frank Braun zum ersten Mal auf dem Eis – auf dem des Dorfteiches, hundert Meter von seinem Elternhaus in Frankenhausen entfernt.

Puckjagd von Kindheit an

Als Eisschnellläufer fängt er an, nach zwei Jahren wechselt Braun zum schnellen Spiel mit Puck und Krummstock. „Bei uns im Ort war es Tradition, dass jeder Junge Eishockey spielte“, erinnert er sich. Eine Lehre als Maschinenbauer absolviert er, dann stürzt Braun sich voll und ganz auf den Sport. 1967 bis 1970 spielt er beim Armeesportklub „Vorwärts“ Crimmitschau.

Im September 1970 wird der Eishockeysport als „nicht förderungswürdig“ eingestuft und Braun nach Weißwasser delegiert. Nicht nur die sportlichen Möglichkeiten, auch die Aussicht auf eine eigene Wohnung ziehen Braun, der mit Frau und Kind bei den Schwiegereltern lebt, in die Oberlausitz.

Dort erlebt er ein ungeheures Gemeinschaftsgefühl. Dynamo Weißwasser spielt, anders als die Berliner Konkurrenz, regelmäßig vor vollem Haus: „Die ganze Bevölkerung stand hinter dem Eishockey“, erinnert sich Frank Braun. Bis zu 15 000 Besucher kommen pro Spiel: „Davon träumt man heutzutage.“

Nicht nur die Glanzleistungen in der Liga und die Meistertitel beeindrucken: 270 Länderspiele absolviert der Verteidiger für die DDR-Auswahl und sichert sich damit einen Platz in der ewigen Bestenliste des Eishockeysports – nur drei andere haben mehr auf dem Konto: Dietmar Peters (315), Dieter Frenzel (296) und Roland Peters (279).

Schützenhilfe für Heimatklub

1983 beendet Frank Braun seine aktive Karriere, doch das Weißwasseraner Eis lässt ihn nicht los: Erst wird er Platzmeister, seit 1987 ist er Eismeister. Noch einmal schlüpft er in das Crimmitschauer Trikot – in der Saison 1990/91 spielt er, bereits 45-jährig, für seinen neu erstandenen Heimatklub: „Ich wollte dem Verein wieder auf die Beine helfen.“

Doch seine neue Heimat verlassen, das kommt für Frank Braun nicht in Frage. „Ich bin Weißwasser immer treu geblieben.“ Und will das auch weiterhin, denn hier gibt es alles, was sein Herz begehrt – Pilze und Blaubeeren zum Beispiel in den Wäldern rund um die Glasmacherstadt. Auch wenn die Folgen des voranschreitenden Tagebaus bereits empfindlich zu spüren sind: „Alle meine Pilzecken sind weg.“

Im Sport ist leider ebenfalls vieles nicht mehr, wie es war. Einerseits sagen Politiker, sagt Braun, dass es Aufgabe des Sports ist, die Jugend von der Straße zu holen: „Aber wer kann sich das heute noch leisten?“ Für eine Torwartausrüstung legt man heute gut und gerne 1000 Euro auf den Tisch. Das weiß er, weil sein Enkel bei den Bambinis zwischen den Pfosten steht. Doch der kleine Morten ist ein wenig aus der Art geschlagen: „In unserer Familie waren alle Feldspieler“ – auch Tochter Daniela und Sohn Marco.

Vom Garten in den Fuchsbau

Dem hilft er mit Haus und Garten, tauscht kühles Eisgrau gegen wildes Grün. Im Garten arbeitet er genauso gerne wie in der Eishalle, wo er für alles zuständig ist, was mit dem Betrieb des Objekts zu tun hat – für das Eis, das immer wieder aufbereitet werden muss, was tausende Liter Wasser verschlingt. Auch um Kälteanlagen, Heizung, Lüftung kümmert er sich, erledigt Reparaturen und kontrolliert die Technik.

Das macht viel Arbeit, vor allem während der Saison, in der er fast jedes Wochenende in der Eishalle verbringt und verfolgt, wie sich die Füchse schlagen: „Ich würde mir wünschen, dass sie sich in der zweiten Bundesliga festsetzen – auf einem einstelligen Tabellenplatz.“

Leben und Arbeit

Biografie: Geboren 1948 in Frankenhausen bei Crimmitschau, 1967 bis 1970 beim ASK „Vorwärts“ Crimmitschau, 1970 Wechsel zur SG Dynamo Weißwasser, zig Meistertitel und Länderspiele, 1983 Ende der aktiven Karriere, seit 1987 Eismeister.
Halle: Die Eishalle entstand 1974/75 als Trainingshalle, vor allem für den Eisschnelllauf. Nach der Wende wurde die Halle für den Eishockeybetrieb umgerüstet.

Quelle: Sächsische Zeitung Lokalteil WSW vom 06.11.2006
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