Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Einsilbigkeit im Tabellenkeller
07.11.2006 | 17:57 Uhr von
Eishockey-Profis haben es gut. Sie dürfen nach einer Niederlage unter der Dusche verschwinden. Eishockey-Trainer haben es nicht so gut. Sie müssen nach einer Niederlage in die Pressekonferenz gehen und dort den Medienvertretern, der Vereinsführung und anderen wichtigen Menschen erklären, warum die jetzt unter der Dusche stehenden Spieler zuvor auf dem Eis wieder einmal versagt haben. Der ehemalige Profi-Fred Carroll wünscht sich manchmal die Zeit zurück, wo er nach Niederlagen unter der Dusche stehen durfte. Jetzt aber ist er Trainer der Lausitzer Füchse und muss erklären, warum die Mannschaft zuletzt vier Niederlagen in Serie angehäuft hat und Tabellenschlusslicht der 2. Bundesliga ist. Wer Carroll kennt, weiß, wie sehr er unter der momentanen Talfahrt leidet. Denn der 43 Jahre alte Kanadier arbeitet nicht nur im Eishockey, er lebt diesen Sport. Am Sonntag nach dem 1:5 gegen den Aufsteiger EV Landsberg hätte Carroll am liebsten alle Zuhörer der Pressekonferenz zu den Spielern unter die Dusche geschickt. Weil das natürlich nicht geht, musste der Coach selbst die Misere aufarbeiten. Er tat dies auffallend einsilbig, denn in ihm brodelte es wie in einem Vulkan. Ursachen für die Niederlage? "Der Gegner hat gut ausgebildete Eishockey-Spieler in seinen Reihen", meinte Carroll mehrdeutig. Dass die meisten dieser Spieler in der vergangenen Saison noch in der 3. Liga aktiv waren, erwähnte er nicht. Stattdessen bemängelte der Coach, dass seine Spieler die besprochenen Anweisungen nicht befolgen würden. Wege aus der Krise? "Viel Glück und Geduld." Füchse-Torhüter Nolan McDonald ist für die Nationalmannschaft nominiert! "Ich freue mich für ihn. Da saß wenigstens mal jemand oben auf der Tribüne, der Ahnung vom Eishockey hat", lobte Carroll kurzangebunden und fauchte gleichzeitig gegenüber Unbekannt.
Seine Einsilbigkeit ist menschlich verständlich. Sie lässt aber auch den Schluss zu: Der Kämpfer Carroll ahnt, dass er schon nach einem Viertel der Saison mit seiner Mannschaft vor der Zerreißprobe steht. Zwar war allen Beteiligten klar, dass mit reduziertem Etat und neu formiertem Team nur der Klassenerhalt das realistische Ziel sein. Aber selbst dieses Minimalziel ist in akuter Gefahr. Gegen Landsberg präsentierten sich die Füchse verunsichert, in den letzten Minuten fiel die Mannschaft auseinander. Die Entwicklung stagniert auf unterstem Niveau. Die Länderspiel-Pause sollte deshalb ursprünglich kürzer ausfallen als bei den meisten Kontrahenten. Auf "zwei bis drei Tage" bezifferte der Coach am Sonntag die trainingsfreie Zeit. Nachdem er die Sache einmal überschlafen hatte, wurden daraus immerhin fünf Tage. In jedem Fall gibt es Gesprächsbedarf. Denn Carroll weiß: Die nächste Pressekonferenz kommt bestimmt - am übernächsten Freitag nach dem Heimspiel gegen Crimmitschau. Dann würde er gern mal wieder einen Sieg erklären.

Quelle: Lausitzer Rundschau LR-Sport Printausgabe Seite 21
927 mal gelesen
 
1 | JimPanse | 07.11.2006 @ 20:13
wer verlieren kann, muss auch moral unter der dusche beweisen: bei heimniederlagen á la 1:5 gäb's bei mir kein warmes wasser mehr!
2 | 3liter | 08.11.2006 @ 08:39
man, leidern hier einige unter Relalitätsverlust ...
3 | Fuchs-Blau | 08.11.2006 @ 10:14
Was hat dies denn mit Realitätsverlust zu tun wenn ich täglich träniere etwas eingebläut bekomme und es denn am Ende wieder nicht bringe muß man sich besondere Maßnahmen einfallen lassen bis es klappt .Wenn Du das auf Deiner Arbeit nicht bringst gibt es den "Blauen Brief"? Oder, bei Kindern gibt`s Verbote unter anderem Internet oder so!
4 | 3liter | 08.11.2006 @ 12:16
Dann vergiß mal nicht, dass wir uns hier über Sport unterhalten, der mit einer "normalen" Arbeit nicht vergleichbar ist. Natürlich müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation zu verbessern, aber GEEIGNETE. Und die kalte Dusche zählt sicherlich nicht dazu. Die taktischen Vorgaben konsequent einzuhalten klingt ziemlich leicht, das funktioniert aber erst, wenn jeder Spieler nicht mehr mit sich selbst zu tun hat (weil beispielsweise das Tempo zu hoch ist).
5 | 3liter | 08.11.2006 @ 12:21
Und genau das scheint ja bei vielen das Problem zu sein. Da kann man nur üben, Spielpraxis sammeln und die Fehler immer wieder ansprechen, auswerten, korrigieren. Dumm ist nur, dass die Sache ziemlich lange dauert. Anders funktioniert es unter diesen Voraussetzungen wohl nicht. Aber das wussten eigentlich alle schon vor der Saison ...
6 | Mozart | 08.11.2006 @ 12:23
@3liter Schön, mal wieder was von dir zu lesen! Sehr gut erkannt die Lage! Ciao Mozart!
7 | 3liter | 08.11.2006 @ 12:29
manche Sachen kann man halt so nicht stehen lassen ... Leider kann ich zur sportlichen Seite aus Mangel an Möglichkeiten, mir die Spiele anzusehen keine Kommentare mehr abegeben.
8 | JimPanse | 08.11.2006 @ 16:35
"die Fehler immer wieder ansprechen, auswerten, korrigieren". mein gott herr samariter, im "kalt duschen" lag nicht der vorschlag für eine geeignete maßnahme, sondern der hinweis darauf, dass manche wohl mal, wie auch #3 schrieb, etwas mehr 'fühlen' müssten, da die immer wieder angesprochenen und ausgewerteten fehler wohl nicht korrigiert werden... ist das so unreell?
9 | 3liter | 08.11.2006 @ 16:50
Wie gesagt, wenn man mit sich selbst und dem möglicherweise zu hohem Niveau zu kämpfen hat und deswegen taktische Fehler macht, kann man bestrafen, wie man will - es wird nichts nützen. Das einzige was in diesen Fällen hilft sind endlose Wiederholungen, Spielpraxis* u.ä. und diese setzen Zeit und Geduld voraus. *Und das auch nur vielleicht.
10 | Brian | 08.11.2006 @ 21:34
Meiner Meinung nachliegt das Problem im Kopf. Die Fehler sind da, der Trainer erklärt es denn Spielern, den Spielern fällt es schwer das Erklärte taktisch umzusetzen, jeder Fehler wird bestraft, sie blockieren, selbst ein Kampf ist nicht mehr möglich. Wir können es drehen wie wir wollen die Ware Mensch braucht Geduld. Wichtig ist nur das die Mannschaft zum Trainer steht, das der Trainer die Mannschaft stark redet, das sich das Gesagte zu Herzen genommen wird, wirklich alle Geduld haben und wie
11 | Brian | 08.11.2006 @ 21:36
so üblich im Sport hoffen.Negativ geht es so: Wir spielne fast nur noch mit 2 Reihen. Gewinnen mit erbarmungslosen Kampf ein paar Spiele mehr in der jetzigen Zeit und sind dann in den Play Downs platt. Geduld Geduld Geduld
12 | Kasatonov | 09.11.2006 @ 09:39
Hello 3liter: Jo aus meiner Sicht haste recht, seh ich auch so. Mehr kann man zu dem Thema eigentlich nicht sagen. Leider wird diese Disku aber nie abebben.
13 | tanngrismir | 09.11.2006 @ 19:58
@ Kasatonov Das diese Diskussion nicht abebben wird ist klar. Wenn es aber wenigstens Menschen mit Verstand und Realitätssinn wären, die hier diskutieren, könnte man sich ja mal dran beteiligen. Aber unter den derzeit herrschenden Sitten laß ichs zum Beispiel lieber. 3Liter, Brian und noch eine Handvoll anderer Schreiberlinge möchte ich hiermit ausdrücklich nicht angesprochen haben .
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