Trainer wurde gestern Abend beurlaubt / Nachfolger Popiesch heute erstmals auf der Bank
Die Lausitzer Füchse haben sich gestern Abend von ihrem Cheftrainer Fred Carroll getrennt. Wie die RUNDSCHAU erfuhr, soll heute Thomas Popiesch als Nachfolger des Kanadiers in Weißwasser präsentiert werden. Der Ex-Profi hatte zuletzt den Oberligisten Ratingen trainiert, der kürzlich wegen Zahlungsunfähigkeit seinen Spielbetrieb einstellen musste. Popiesch soll bereits am Abend beim Heimspiel gegen den REV Bremerhaven (Beginn um 19.30 Uhr) die Mannschaft des Tabellenletzten der 2. Liga betreuen und die Talfahrt der vergangenen Wochen stoppen.
Bereits im Vorfeld der gestrigen Krisensitzung am späten Abend hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass die Tage von Carroll gezählt sind. Denn schon vor dem Wochenende machten Gerüchte von einem Ultimatum der Geschäftsführung an den 43-Jährigen die Runde. In jedem Fall gab es die klare Ansage, dass der Coach die Mannschaft schnellstens wieder in eine Zweitliga- taugliche Verfassung bringen muss. Der 3:2-Heimsieg im Penaltyschießen am Freitag im Sachsenderby gegen den ETC Crimmitschau schien ein Anfang zu sein, erwies sich aber nur zwei Tage später als Strohfeuer. Vor allem die Art und Weise des Auftritts bei der 0:10-Niederlage in Landshut muss Carroll wie eine schallende Ohrfeige empfunden haben. Während sich der 43-Jährige am Freitag noch ausdrücklich bei seiner Mannschaft für die Steigerung im letzten Drittel bedankt hatte, zeigte er sich nach der Landshut-Partie konsterniert. «Die Einstellung einiger Spieler war peinlich. Bezeichnend ist, dass sich ein Spieler anschließend sogar bei mir entschuldigt hat.»
Sechs Tore in Unterzahl warfen Fragen nach der Taktik auf. Waren die Vorgaben des Trainers unklar? Konnten die Spieler sie nicht umsetzen? Denn am Wollen sollte es normalerweise nicht liegen.
Einbruch innerhalb von 48 Stunden
Ohnehin müssen sich die meisten Profis fragen lassen, wie es zu diesem Einbruch innerhalb von 48 Stunden kommen konnte. Geschäftsführer Reinert war auch gestern noch schockiert. «Wir wurden abgeschlachtet. Es war kein Feuer, keine Leidenschaft und vor allem kein Teamgeist zu spüren» , fasste er seine Eindrücke zusammen.
Kein Wunder, dass in Weißwasser die Angst vor einem ganz bitteren Winter umgeht. Bis zur entscheidenden Saisonphase mit den Play-down-Spielen im März sind zwar noch vier Monate Zeit, aber im Moment deutet nichts darauf hin, dass die Füchse dann eine intakte Mannschaft in den Kampf um den Klassenerhalt schicken können.
Tischtuch war zerschnitten
Es gehört zu den Gesetzen der Branche, dass der Trainer in solchen Krisensituationen zuerst in den Fokus der Kritik gerät. Dazu kommen gewisse Weißwasseraner «Eigenheiten» . So ist es kein Geheimnis, dass auch menschlich das Tischtuch zwischen Geschäftsführer und Trainer zerschnitten war. Man lebe in einer Demokratie. Deshalb könne jeder seine Meinung sagen, konterte Carroll auf der jüngsten Pressekonferenz sarkastisch die interne Kritik an seiner Person. Aufmerksamen Beobachtern war am Freitag beim letzten gemeinsamen Auftritt in der Öffentlichkeit nicht entgangen, dass sich das Verhältnis zwischen Reinert und Carroll auf die Temperatur der Spielfläche im Fuchsbau abgekühlt hatte.
Deshalb verwunderte es nicht, dass schnell erste Namen von möglichen Nachfolgern die Runde machten. So bestanden Kontakte in die Slowakei. Aber auch Popiesch gehörte zum engeren Kandidatenkreis. Die Hauptaufgabe hat Reinert klar formuliert. «Die Mannschaft ist nicht so schlecht wie sie sich in Landshut präsentiert hat. Jetzt geht es darum, das Potenzial aus jedem einzelnen Spieler wieder herauszukitzeln.»
Denn auch das wirtschaftliche Überleben des Traditionsvereins hängt ganz eng am sportlichen Erfolg. Sollte sich die Talfahrt fortsetzen, ist die angepeilte Zuschauerzahl von 1100 Besuchern pro Heimspiel kaum zu realisieren. Zudem dürfte das Interesse von potenziellen Sponsoren spürbar nachlassen. «Mit sechs Punkten oder mehr Rückstand auf den vorletzten Platz brauchen wir gar nicht erst losgehen und um neue Gelder bitten» , schätzt Reinert realistisch ein. So gesehen ist es fünf vor zwölf im Fuchsbau. Denn: Derzeit liegt Weißwasser schon fünf Punkte hinter Crimmitschau zurück. Zudem hoffen die Westsachsen noch auf drei Zähler aus dem abgebrochenen Spiel beim EHC Wolfsburg.
Am Nachmittag sah es noch gut aus
Die heutige Partie gegen Bremerhaven galt deshalb als letzte Chance für Carroll sein. Der Coach ging davon aus, dass er auf der Bank sitzen würde. «Ich lebe zwar von Minute zu Minute. Aber bis jetzt hat mir niemand meine Entlassung mitgeteilt» , sagte Carroll am Nachmittag der RUNDSCHAU. Zu diesem Zeitpunkt kannte er noch nicht das Ergebnis der Krisensitzung. (Frank Noack)
Respekt, die LR scheint nen späten Redaktionsschluss zu haben...
2 | Blacki | 21.11.2006 @ 05:19
Zu hoffen bleibt das die Mannschaft dieses bitter notwendige Zeichen zum Anlass nimmt endlich ihr Potential abzurufen.
Weiter runter gehts bekanntlich während der Saison nicht mehr also Herr Popiesch den Profis in Hintern getreten auf gehts :-)
3 | Matzl | 21.11.2006 @ 07:47
Die Ursachen dieser ganzen Sch...ße wurden wieder nicht beseitigt. Das wird nur ein "Strohfeuer" und der nächste Triner wird verbraten :-( Zum Kotzen.......
4 | Taubentreter | 21.11.2006 @ 10:48
Hmm... Ob das der richtige Weg ist???? Eigentlich war ja jedem vor der Saison klar wohin die Reise geht....Ich verstehs nicht.*koppschüttel*
5 | Lischi | 21.11.2006 @ 11:01
Mich interessiert nur eins: Wo nimmt der Verein aufeinmal die ganzen Pfenge her, denn jetzt haben wir schon Spieler nachgekauft und haben jetzt zwei Trainer auf der Gehaltsliste, oder sehe ich das falsch?
6 | Picard | 21.11.2006 @ 11:06
Der Trainer ist ja bekanntlich das schwächste Glied...
7 | Staif | 21.11.2006 @ 12:37
Es ist doch einfach alles nur Scheiße. Ich bin enttäuscht von den Verantwortlichen. Ein Ultimatum, wenn man weiß, daß sehr starke Gegner kommen und dann gleich nen neuen Trainer parat. Unterste Schublade! Mich sieht man vorerst nicht mehr im Fuchsbau! Verarsche am Fan. Wir sind hier nicht bei den Mighty Ducks, wo der Trainer aus Volltrotteln Sieger machen kann!
8 | hokka | 21.11.2006 @ 13:23
Auch für mich völlig unverständlich. Man wusste doch vor der Saison bereits, mit welcher Hungertruppe man aufläuft.
9 | Brian | 21.11.2006 @ 14:21
Das ist schon klar Leute aber das: Wie verliert man? und : Wie hoch verliert man? sollte man bei aller Symphatie nicht aus den Augen verlieren.
10 | Staif | 21.11.2006 @ 14:46
@Brian: Genau und da stellt sich bei mir die Frage, ob daran wirklich allein der Trainer schuld ist. Das verneine ich und deswegen spreche ich den entscheidenden Herren den Charakter ab!
11 | Brian | 21.11.2006 @ 15:04
Ja aber der Trainer ist auch Zahnrad im Uhrwerkmund dummerweise das Billigste und Schwächste aber auch ein ganz Entscheidenes.
12 | Klaus | 21.11.2006 @ 15:28
Kann nur hoffen, dass Popiesch seinem Charakter treu geblieben ist und sich NICHTS sagen lässt. So wie er es als Nachwuchsspieler in Ostberlin getan hat. Also Thomas, zeig dem Reinert gleich von Anfang an was SACHE ist. Eishockeyfachmann bist du und nicht Reinert.
13 | Vollkaracho | 21.11.2006 @ 16:21
Das war ja wiedermal Typisch Vorstand. Der Trainerkopf ist der erste, der rollt. Was gibt es für ,,Arbeitsverweigerung''??
14 | Odin | 21.11.2006 @ 16:28
Auweija, Klaus hat wahr gesprochen..... @Brian, wie oft gab es denn dieses Jahr Klatschen? Meine mich zu erinnern, dass es in den Jahren zu vor auch deftige Watschen gab. Das unter anderen Trainern, anderen Kadern und bekanntlich auch ganz anderen Vorraussetzungen. Kein Grund jemanden auf so hinterfo..ige Art und Weise rauszukicken. Nirgends war zu lesen ob es diverse andere Lösungversuche gab, man Gründe genannt hat, warum es nicht läuft.......
15 | Odin | 21.11.2006 @ 16:35
0:10 verloren.......ok ich hab keine große Ahnung vom Spielverständnis (wie es z.B. ein Spieler hat oder vielmehr haben sollte). Aber wenn ich schon 4...5...o. 6:0 hinten liege, keine Chance habe etwas zu reißen, sollte man dann nicht mit Mann und Maus verteidigen und sich mit Kontern begnügen um daraus kein 0:10 werden zulassen........Braucht es dazu den Verstand eines Trainers oder sollte der des Spielers ausreichen???
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Die Lausitzer Füchse haben sich gestern Abend von ihrem Cheftrainer Fred Carroll getrennt. Wie die RUNDSCHAU erfuhr, soll heute Thomas Popiesch als Nachfolger des Kanadiers in Weißwasser präsentiert werden. Der Ex-Profi hatte zuletzt den Oberligisten Ratingen trainiert, der kürzlich wegen Zahlungsunfähigkeit seinen Spielbetrieb einstellen musste. Popiesch soll bereits am Abend beim Heimspiel gegen den REV Bremerhaven (Beginn um 19.30 Uhr) die Mannschaft des Tabellenletzten der 2. Liga betreuen und die Talfahrt der vergangenen Wochen stoppen.
Bereits im Vorfeld der gestrigen Krisensitzung am späten Abend hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass die Tage von Carroll gezählt sind. Denn schon vor dem Wochenende machten Gerüchte von einem Ultimatum der Geschäftsführung an den 43-Jährigen die Runde. In jedem Fall gab es die klare Ansage, dass der Coach die Mannschaft schnellstens wieder in eine Zweitliga- taugliche Verfassung bringen muss. Der 3:2-Heimsieg im Penaltyschießen am Freitag im Sachsenderby gegen den ETC Crimmitschau schien ein Anfang zu sein, erwies sich aber nur zwei Tage später als Strohfeuer. Vor allem die Art und Weise des Auftritts bei der 0:10-Niederlage in Landshut muss Carroll wie eine schallende Ohrfeige empfunden haben. Während sich der 43-Jährige am Freitag noch ausdrücklich bei seiner Mannschaft für die Steigerung im letzten Drittel bedankt hatte, zeigte er sich nach der Landshut-Partie konsterniert. «Die Einstellung einiger Spieler war peinlich. Bezeichnend ist, dass sich ein Spieler anschließend sogar bei mir entschuldigt hat.»
Sechs Tore in Unterzahl warfen Fragen nach der Taktik auf. Waren die Vorgaben des Trainers unklar? Konnten die Spieler sie nicht umsetzen? Denn am Wollen sollte es normalerweise nicht liegen.
Einbruch innerhalb von 48 Stunden
Ohnehin müssen sich die meisten Profis fragen lassen, wie es zu diesem Einbruch innerhalb von 48 Stunden kommen konnte. Geschäftsführer Reinert war auch gestern noch schockiert. «Wir wurden abgeschlachtet. Es war kein Feuer, keine Leidenschaft und vor allem kein Teamgeist zu spüren» , fasste er seine Eindrücke zusammen.
Kein Wunder, dass in Weißwasser die Angst vor einem ganz bitteren Winter umgeht. Bis zur entscheidenden Saisonphase mit den Play-down-Spielen im März sind zwar noch vier Monate Zeit, aber im Moment deutet nichts darauf hin, dass die Füchse dann eine intakte Mannschaft in den Kampf um den Klassenerhalt schicken können.
Tischtuch war zerschnitten
Es gehört zu den Gesetzen der Branche, dass der Trainer in solchen Krisensituationen zuerst in den Fokus der Kritik gerät. Dazu kommen gewisse Weißwasseraner «Eigenheiten» . So ist es kein Geheimnis, dass auch menschlich das Tischtuch zwischen Geschäftsführer und Trainer zerschnitten war. Man lebe in einer Demokratie. Deshalb könne jeder seine Meinung sagen, konterte Carroll auf der jüngsten Pressekonferenz sarkastisch die interne Kritik an seiner Person. Aufmerksamen Beobachtern war am Freitag beim letzten gemeinsamen Auftritt in der Öffentlichkeit nicht entgangen, dass sich das Verhältnis zwischen Reinert und Carroll auf die Temperatur der Spielfläche im Fuchsbau abgekühlt hatte.
Deshalb verwunderte es nicht, dass schnell erste Namen von möglichen Nachfolgern die Runde machten. So bestanden Kontakte in die Slowakei. Aber auch Popiesch gehörte zum engeren Kandidatenkreis. Die Hauptaufgabe hat Reinert klar formuliert. «Die Mannschaft ist nicht so schlecht wie sie sich in Landshut präsentiert hat. Jetzt geht es darum, das Potenzial aus jedem einzelnen Spieler wieder herauszukitzeln.»
Denn auch das wirtschaftliche Überleben des Traditionsvereins hängt ganz eng am sportlichen Erfolg. Sollte sich die Talfahrt fortsetzen, ist die angepeilte Zuschauerzahl von 1100 Besuchern pro Heimspiel kaum zu realisieren. Zudem dürfte das Interesse von potenziellen Sponsoren spürbar nachlassen. «Mit sechs Punkten oder mehr Rückstand auf den vorletzten Platz brauchen wir gar nicht erst losgehen und um neue Gelder bitten» , schätzt Reinert realistisch ein. So gesehen ist es fünf vor zwölf im Fuchsbau. Denn: Derzeit liegt Weißwasser schon fünf Punkte hinter Crimmitschau zurück. Zudem hoffen die Westsachsen noch auf drei Zähler aus dem abgebrochenen Spiel beim EHC Wolfsburg.
Am Nachmittag sah es noch gut aus
Die heutige Partie gegen Bremerhaven galt deshalb als letzte Chance für Carroll sein. Der Coach ging davon aus, dass er auf der Bank sitzen würde. «Ich lebe zwar von Minute zu Minute. Aber bis jetzt hat mir niemand meine Entlassung mitgeteilt» , sagte Carroll am Nachmittag der RUNDSCHAU. Zu diesem Zeitpunkt kannte er noch nicht das Ergebnis der Krisensitzung. (Frank Noack)
Quelle: Lausitzer Rundschau vom 21.11.2006