Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Interview mit Thomas Popiesch
03.01.2007 | 23:35 Uhr von
WochenKurier und www.es-weisswasser.de präsentieren das große Thomas Popiesch-Interview. Viel Spaß beim Lesen!

Thomas, du betreust die Mannschaft seit mittlerweile 5 Wochen. Hast du diese Aufgabe schon einmal bereut oder siehst du es als große Herausforderung an?
Bereut habe ich es bisher auf gar keinen Fall, ich sehe es eher als große Herausforderung. Man kann hier viel erreichen und hat ein sehr gutes Umfeld, bei dem man sportlich sehr gut arbeiten kann. Ich sehe, dass in der Mannschaft genug sportliches Potential steckt, um den Klassenerhalt zu schaffen. Meine Aufgabe ist es, dieses herauszukitzeln.

Was war dein erster Gedanke, als man dich gefragt hat, ob du das Traineramt in Weißwasser übernehmen würdest?
Das ging alles so furchtbar schnell, dass ich gar nicht groß nachdenken konnte. Nachdem Ratingen in Insolvenz gegangen war, hatte ich keine Arbeit und ich war sehr froh, dass man mir hier soviel Vertrauen entgegengebracht hat und ich hier arbeiten darf.

Einige Trainer vor dir haben im Nachhinein bemängelt, dass ihnen ins sportliche Tagesgeschäft herein geredet wurde. Wie würdest du damit umgehen, falls es dir so gehen würde?
Grundsätzlich ist es so, dass jeder seine Meinung äußern kann, ob es ein Fan, Betreuer oder sonst jemand ist. Da soll es auch einen Meinungsaustausch geben und wenn mich jemand überzeugen kann, dass ich einen Fehler mache oder gemacht habe, dann bin ich der Letzte, der dies nicht akzeptiert. Ich sehe es aber auch so, dass ich im sportlichen Bereich das Sagen haben sollte und jeder sich auf seinem Gebiet einbringen sollte, auf dem er stark ist. Wir haben in Weißwasser viel Potential, lasst es uns gemeinsam nutzen.

Wäre da eventuell ein Sportdirektor für dich hilfreich, der Spielerbeobachtungen übernimmt, vom Sportlichen in Weißwasser akzeptiert ist und weitreichende Kontakte auf dem Spielersektor hat? Siehst du das möglicherweise mit als deine Aufgabe an, die Entwicklung professioneller Strukturen voranzutreiben, die anderswo selbstverständlich sind?
Wir haben hier mit Dirk Rohrbach und einigen anderen Leuten schon viele Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Entscheidend ist, dass man immer sportlich den gleichen Blickwinkel hat. Man muss eine Sprache sprechen, um die richtigen Leute anzurufen und zu verpflichten.

Du hast in deiner Jugend sehr viel mit den Weißwasseraner Nachwuchsmannschaften als Gegner zu tun gehabt. Siehst du die Wiederbelebung der so genannten „Weißwasseraner Schule“ als Möglichkeit, sich längerfristig im Profieishockey zu halten?
Ja, genau so sehe ich das. Weißwasser war lange Zeit führend in der Nachwuchsausbildung und da müssen wir auch wieder hin. Weißwasser braucht junge, ehrgeizige Spieler von hier, die willig sind sich bedingungslos für den Heimatverein einzusetzen. Was ich bisher beobachten konnte, was hier für Anstrengungen unternommen werden, lässt mich hoffen, dass wir schon in ein paar Jahren erste Früchte ernten können.

Wenn du sagst, du siehst was für Anstrengungen unternommen werden, denkst du ja bestimmt nicht nur an die nächsten 1-2 Jahre? Ist das Profieishockey für einen Bundesligatrainer wie dich, nicht zu schnelllebig, um langfristige Konzepte umsetzen zu können?
Ja gut, das Profieishockey ist schon sehr erfolgsabhängig, wenn kein Erfolg da ist, steht immer der Trainer als erstes zur Debatte. Aber als Trainer der Profimannschaft kann ich trotzdem Vorschläge im Verein einbringen, um die vorhandenen Nachwuchstalente stärker zu fordern und zu fördern. Es muss eigentlich auch die Philosophie des Vereins sein, mit Leuten von hier zum Erfolg zu kommen. Wenn man dazu die notwendigen Konzepte entwickelt hat, kann man die zu gegebener Zeit auch mit anderen Leuten fortsetzen.

Also siehst du kurzfristig den Klassenerhalt als Primärziel, willst aber langfristig deine Erfahrungen aus Berlin einbringen, um das Weißwasseraner Eishockey wieder voranzubringen?
Die Geschichte des Eishockeys in Weißwasser hat bewiesen, dass man Nachwuchs ausbilden kann, das dürfte für die Zukunft auch sehr förderlich sein, entsprechende Talente heranzuziehen. Man identifiziert sich mit dem Verein und hofft, dass es wieder aufwärts geht. Bei allem kurzfristigem Erfolgsdruck sollte man nämlich nicht die langfristigen Ziele aus den Augen verlieren.

Du hattest in einem Spiel gegen Dresden, als du noch in Essen aktiv warst, eine Szene, die dich sicherlich noch ewig verfolgen wird. Du liefst alleine auf das leere Tor zu und triffst es nach eleganter Körpertäuschung aus 2 Metern nicht. Hat dich schon jemand aus der Mannschaft daraufhin angesprochen?
Noch hat sich niemand getraut. (TP lacht) Ich habe gedacht, ich biete den Zuschauern noch etwas und das ging schief. In dem Moment habe ich mich lächerlich gemacht, aber dafür bin ich mittlerweile dank des Internets weltberühmt. (TP grinst)

Weil wir gerade das Thema Essen hatten. Du hast mit 41 Jahren selbst noch auf dem Eis gestanden. Ist das für dich jetzt von Vorteil, dass du deinen Spielern vorleben kannst, dass man selbst im hohen Alter für einen Eishockeyspieler noch Leistung bringen kann?
Vorteil direkt nicht, aber ich kann den Leuten damit beweisen, dass man mit viel Arbeit, auch ausserhalb der Eisfläche, ein bestimmtes Leistungsniveau erreichen kann. Es muss in die Köpfe rein, dass es gerade die zusätzlichen persönlichen Anstrengungen sind, die einen zum Erfolg bringen. Dann geht es auch nicht mehr um jung oder alt, sondern nur noch um gut oder schlecht. Dafür muss man aber auch im Sommer professionell arbeiten.

Stichwort Sommer. Letztes Jahr gab es erstmals ein koordiniertes Sommertraining in Weißwasser. Wie stehst du dazu?
Egal wo ich Trainer bin oder sein werde, dies ist das allererste was ich einführen werde, die Komplettbetreuung der Sportler über´s ganze Jahr. Es kann nicht angehen, dass die Spieler 8 Monate im Team trainieren und sich dann 4 Monate selbst kümmern müssen. Das gibt es in keiner anderen Prosfisportart. Viele ältere Spieler wissen, was sie im Sommer machen müssen. Aber gerade die jüngeren sind da etwas unbeholfen, die kommen aus dem Nachwuchs, wo sie das ganze Jahr betreut wurden und sollen sich auf einmal selbstständig fit halten. Die trainieren zwar auch, aber manchmal eben nicht richtig. Bei einem vernünftigem Sommertraining kann man auch als allererstes sofort sichtbare Erfolge in der Saison erkennen.

Wie willst du dies aber überwachen, wenn du selbst nur Vertrag über 8 Monate hast? Läuft da viel über Delegierung oder willst du selbst so oft wie möglich vor Ort sein?
Man muss ja nicht permanent vor Ort sein, aber man kann wie gesagt delegieren, Pläne erstellen, Tests durchführen und auch selbst das Training bei Gelegenheit leiten. Da gibt es schon Mittel und Wege dies höchst effizient zu überwachen und zu lenken.

Was ist für dich eigentlich der größte Unterschied zwischen deiner früheren Spieler- und jetzigen Trainerlaufbahn?
Als Spieler ist man immer zuerst für sich selbst verantwortlich, jetzt als Trainer für 20 bis 25 Leute. Man muss als Trainer immer den richtigen Weg finden, auch mal Diplomat sein, um den Erfolg des Teams zu sichern, als Spieler konnte man da immer etwas direkter sein.

Für dich ist das Trainergeschäft noch relativ neu. Du bist jetzt beim Tabellenschlusslicht der 2.Liga angestellt und es hängt in Weißwasser immer etwas mehr als anderswo dran. Kannst du noch ruhig schlafen oder beschäftigt dich die schwere Aufgabe bis tief in die Nacht?
Das habe ich früher als Spieler kaum für möglich gehalten, aber als Trainer beschäftigt man sich doch schon mal bis mitten in der Nacht mit seiner Aufgabe. Komplett schlaflose Nächte hatte ich bisher noch nicht, aber man will Veränderungen zum besseren erreichen und da gibt es noch viel zu tun und zu grübeln.

Du hattest in einem früheren Gespräch einmal angesprochen, dass du die Fans als wichtigstes Kapital eines Vereins ansiehst. Wie willst du es schaffen, dass die Mannschaft die Fans wieder dazu bringt, in die Halle zu kommen, um sie anzufeuern?
Man hat gegen Landshut und Kassel gesehen, dass die Fans es sofort honorieren, wenn die Mannschaft alles in die Wagschale wirft, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten ist. Wenn das die Mannschaft dauerhaft bringt, kommen auch die Zuschauer bei dann zu erwartenden Erfolgen zurück. Der Zuschauer will ja nicht immer eine „nicht erfolgreiche“ Mannschaft sehen. Die wollen sehen, dass sich die Mannschaft den Arsch aufreißt und erfolgreich ist, die haben dafür viel Geld bezahlt und wollen unterhalten werden.

916 Zuschauer gegen Landshut bedeuteten Negativrekord in dieser Saison in Weißwasser. Bist du sehr enttäuscht gewesen, dass die Fans der Mannschaft ihre Unterstützung versagen?
Enttäuscht ja, aber auch mit sehr viel Verständnis, wenn die Mannschaft so eine Negativserie hinlegt und unzureichende Leistungen bringt. Man hofft aber immer noch, dass bei hoffentlich zu erwartenden Erfolgen auch die Halle wieder voller wird.

Im Internet äußern sich viele Fans zu ihrem Team. Schaust du selbst manchmal dort nach, um zu sehen wie die Stimmung ist?
Zur Zeit habe ich zu Hause leider selbst noch kein Internet, aber man muss sich natürlich immer die Meinung der Fans anhören, weil man selbst dabei lernen kann, zum Beispiel, wie die allgemeine Lage von den Fans gesehen wird, aber man sollte dies nicht als allgemein gültig hinnehmen. Aber ein wichtiger Sensor ist es schon.

Weihnachten ist eigentlich immer ein Fest der Familie, Eishockeyspieler sind da aber immer sehr aktiv. Erst als Spieler, jetzt als Trainer hast du doch sicherlich kaum Zeit, um die Feiertage mit deiner 8-jährigen Tochter verbringen zu können. Haßt du den Job manchmal dafür?
Hassen nicht gerade, aber es ist schon sehr unangenehm, aber ich habe mir halt diesen Beruf selbst ausgesucht. Ich habe meine Familie zu Weihnachten aus Krefeld ein paar Tage hierher geholt, sodass wir ein paar Tage miteinander verbringen können.

Willst du den Fans zum Abschluss des Gespräches noch etwas speziell sagen?
Allen Fans, Sponsoren und Verantwortlichen der Füchse wünsche ich, von dieser Stelle aus, ein gesundes neues Jahr und uns allen größtmögliche Erfolge. Ich hoffe, man sieht sich demnächst wieder zahlreicher in der Eishalle, die Mannschaft hat gegen Kassel und Landshut bewiesen, dass sie gewillt ist bis zum Letzten zu kämpfen.

Quelle Fotos: WochenKurier (3)

(Interview wurde am 22.12.2006 nach dem Kassel-Spiel geführt)
2756 mal gelesen
 
1 | Staif | 04.01.2007 @ 12:48
Sehr diplomatisch ;-) das Ganze und an beiden Enden (Fans und Vorstand) ein bißchen gestreichelt :-) So wie`s sein muß. Von mir alles Gute, daß er seine Vorstellungen entfalten kann.
2 | Mozart | 04.01.2007 @ 18:52
Nur mal ne Frage... Für manche das Interview zu lang, sodass man es nicht komplett gelesen hat? Wundere mich nur, dass nicht diskutiert wird... Ciao Mozart!
3 | tanngrismir | 04.01.2007 @ 19:27
Also ich hab´s jetzt komplett gelesen. Zumindest is er optimistisch was die Zukunft angeht - wenn ich mich recht erinnere hab ich solche oder so ähnliche Worte schon von einigen Trainern in WSW gehört. Wir werden einfach abwarten müssen, wie sich die Mannschaft und auch TP den Rest der Saison präsentieren und wie dieses Himmelfahrtskommando ausgeht und dann werden wir weitersehen müssen was sich von seinen Visionen in der "Schlangengrube WSW" bewerkstelligen läßt. Vielleicht klappts ja endlich..
4 | tanngrismir | 04.01.2007 @ 19:28
..mal, daß ein Konzept (von ALLEN Beteiligten)durchgezogen wird und der Mann in Ruhe arbeiten kann.......
5 | Alter Schwede | 04.01.2007 @ 19:29
Vielleicht das Beste, wenn mal nicht jedes Wort filetiert wird ... da es ganz schnell in dumpfer Huldigung oder (andere Richtung) dumpfes Auseinandernehmen endet! Vielleicht hilft allen Beteiligten mal ein Schuss Gelassenheit ... ;-)
6 | hutsche | 04.01.2007 @ 19:37
@5 Recht haste
7 | Thorben | 05.01.2007 @ 11:35
@2: Net zu lang, genau richtig. Einfache Worte! Mich würde nur mal das Konzept für die langfristige Talentschmiede interessieren, gibt es da was neues? @3: Himmelfahrtskommando klingt gut :-)
8 | S.W.A.T. | 11.01.2007 @ 10:11
Talenteschmiede! Der e.V. hat sicherlich Pläne, wie WSW wieder zur "Schmiede" werden könnte. Meiner Meinung nach, ist ohne Internat nicht zu machen. Der Einzugsbereich von Kindern mit sportlichen Ambizionen muss größer werden, sonst wird das nix. Dazu müssen Sponsoren gefunden & vor allem die schulischen Voraussetzungen geschaffen werden. Ergo, es muss schnellstens ein sportlich-pädagogisches Konzept erstellt werden. Sportschulen waren nicht schlecht. Nur so kann es aufwärts gehen.
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