Zweigleisig planten Dresdens Eislöwen ein ganzes Jahr. Vom Aufstieg in die Eliteliga DEL war vor dem Bundesliga-Start im September in der Eishalle an der Pieschener Allee die Rede. Immerhin stand der Aufsteiger aus Elbflorenz im Vorjahr im Halbfinale der Meisterschaft. „Wir wollten uns dem sportlichen Anspruch stellen, hatten bewiesen, dass wir mithalten können. Das waren wir unseren Fans schuldig“, verteidigt Vereins-Präsidentin Barbara Lässig die ausgegebene Marschroute. Korrigiert wurde das Ziel erst, als der Gang in die Abstiegsspiele feststand. Doch auch da sahen Vorstand und Management den nun eingetretenen Abstieg in die Oberliga als unmöglichstes aller Szenarien an.
Das umjubelte „Wunder von Weißwasser“: Die am wenigsten hatten, machten daraus viel. Die viel hatten machten daraus zu wenig. Zusammenhalt und der Glaube an die eigene Kraft stärkten die Lausitzer Füchse. Fotos (2): Peter Aswendt
Mit 1:3 verloren die Eislöwen am Dienstag bei den Lausitzer Füchsen. Die Weißwasseraner entschieden das sächsische Abstiegs-Derby (4:2 Siege in der auf sieben Partien angesetzten Serie) für sich. Dieser Ausgang entbehrt nicht einer gewissen Ironie und hat Ursachen.
Andere Ansprüche
Verschiedene Ziele gebot schon die Etatplanung. Die Eislöwen verfügten über 1,45 Millionen Euro, konnten nach Lizenzerteilung noch Sponsoren wie Skoda-Deutschland gewinnen. Über zwei Drittel der Hauptrunde (52 Spiele) zweifelte keiner am Einzug in die Aufstiegsspiele. Manager Jan Tabor durfte Zugänge verpflichten. Als Dresden als Neunter aus den Play-off-Rängen rutschte, verkündete Stürmer David Musial überzeugt: „Wenn wir noch Achter werden, schlagen wir Tabellenführer Kassel.“
In Weißwasser galt stets „Sparflamme“. Ein auf 850000 Euro reduziertes Budget (Vergleich: Kassel Huskies 3,4Millionen) verhinderte teure Transfers. Pikanterweise erhielt der 41-jährige Trainer Thomas Popiesch eine Spielerlizenz für den Notfall. Geschäftsführer Rene Reinert gesteht: „Mehr als der Klassenerhalt und finanziell eine Schwarze Null wäre utopisch gewesen.“
Ansatz zur Analyse
Beide Teams wechselten in der Hauptrunde die Trainer. In Weißwasser löste Popiesch den glücklosen Kanadier Fred Carroll ab. Das bezeichnete Geschäftsführer Reinert nach dem Abstiegs-Gipfel als „Glücksgriff des Jahres“. Um Sicherheit zu vermitteln, banden die Lausitzer den aus Berlin stammenden Coach noch vor den Abstiegsspielen bis 2010 an den Verein. Bei den Eislöwen kam der seit gestern 42-jährige Slowake Stefan Mikes, weil Alt-Trainer Jiri Kochta nach der Pleiten-Serie im Januar die Brocken hinwarf. Ob Mikes wie vereinbart die Mannschaft in der Oberliga betreut, darüber schweigt der Vorstand noch. Überhaupt gaben sich die sichtlich angekratzten Dresdner in den letzten Wochen einsilbig, sagten demonstrativ die Pressekonferenzen nach den Spielen ab.
Anfänger im Angriff
Popiesch setzte beim Dauer-Schlusslicht auf eine Verbesserung der Athletik, baute junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Angriffsreihen ein. „Es war zwar teilweise frustrierend, immer wieder als Verlierer vom Eis zu gehen, aber es stand fest, dass wir unsere Kraft auf die Playdowns konzentrieren mussten“, erklärt Popiesch. Sein Dresdner Kollege Mikes stand Dienstag kurz vor Mitternacht enttäuscht vor dem Lausitzer Fuchsbau und fand kaum griffige Erklärungen für das Debakel: „Ich glaubte bis zur letzten Sekunde, dass wir gewinnen. In der Mannschaft steckt so viel Potenzial. Weißwasser war in der Abstiegsrunde sportlich gleichwertig und etwas bissiger als meine Spieler.“ Mikes sieht eine Ursache in den leichtfertig abgegebenen Punkten gegen die Tabellennachbarn Regensburg und München, was den Abwärtstrend einleitete. Was er in seiner kurzen Amtszeit wohl überhörte waren Spannungen unter den größtenteils in Tschechien oder in der Slowakei geborenen Spielern. Aus disziplinarischen Gründen wurde Top-Torjäger Robert Brezina sogar kurzfristig suspendiert. Getuschelt wurde im Dresdner Vip-Raum von „Legionären, die, wenn es darauf ankommt, die Füße hoch nehmen“.
Aktuelle Aussichten
Wie geht es weiter? Eislöwen-Präsidentin Lässig, Manager Tabor und ihr Vorstand verließen am Dienstag Weißwasser schon nach dem zweiten Drittel. In einer Kneipe suchten sie bis früh um drei Ansätze für einen Neuanfang in der dritten Liga. Tabor will wohl nur weitermachen, wenn ihm ein Team zur Verfügung steht, das den sofortigen Wiederaufstieg ermöglicht. Bis Mitte April müssen die Lizenz-Unterlagen eingereicht sein. Die Liga-Leitung verlangt künftig auch von Oberligisten 25000Euro Eintritts-Gebühr. Viele Fragen sind offen: Welche Spieler unterschreiben Verträge? Wer vermarktet die neue Eishalle? Bleiben die Geldgeber im Boot? Die Vereinbarung mit Hauptsponsor Skoda galt nur für Liga zwei. Alle wollen klare Bilder, doch die Zeit rennt.
Früh um drei Uhr war gestern auch in Weißwasser noch nicht Schluss – mit der Jubelfeier. Und weil man gerade in so guter Stimmung war, beschloss die Fan-Gemeinde: Weil wir nun am Freitag frei haben, fahren wir nach Crimmitschau. Die Eispiraten spielen gegen Kaufbeuren (Stand 3:3). Silko Hoffmann vom Füchse-Fanrat ist optimistisch: „Nachdem unsere Mission Klassenerhalt geschafft ist, wäre es doch schön, wenn noch ein zweites sächsisches Team in der Bundesliga bliebe.“ (Andree Merbt)
Andere Ansprüche
Verschiedene Ziele gebot schon die Etatplanung. Die Eislöwen verfügten über 1,45 Millionen Euro, konnten nach Lizenzerteilung noch Sponsoren wie Skoda-Deutschland gewinnen. Über zwei Drittel der Hauptrunde (52 Spiele) zweifelte keiner am Einzug in die Aufstiegsspiele. Manager Jan Tabor durfte Zugänge verpflichten. Als Dresden als Neunter aus den Play-off-Rängen rutschte, verkündete Stürmer David Musial überzeugt: „Wenn wir noch Achter werden, schlagen wir Tabellenführer Kassel.“
In Weißwasser galt stets „Sparflamme“. Ein auf 850000 Euro reduziertes Budget (Vergleich: Kassel Huskies 3,4Millionen) verhinderte teure Transfers. Pikanterweise erhielt der 41-jährige Trainer Thomas Popiesch eine Spielerlizenz für den Notfall. Geschäftsführer Rene Reinert gesteht: „Mehr als der Klassenerhalt und finanziell eine Schwarze Null wäre utopisch gewesen.“
Ansatz zur Analyse
Beide Teams wechselten in der Hauptrunde die Trainer. In Weißwasser löste Popiesch den glücklosen Kanadier Fred Carroll ab. Das bezeichnete Geschäftsführer Reinert nach dem Abstiegs-Gipfel als „Glücksgriff des Jahres“. Um Sicherheit zu vermitteln, banden die Lausitzer den aus Berlin stammenden Coach noch vor den Abstiegsspielen bis 2010 an den Verein. Bei den Eislöwen kam der seit gestern 42-jährige Slowake Stefan Mikes, weil Alt-Trainer Jiri Kochta nach der Pleiten-Serie im Januar die Brocken hinwarf. Ob Mikes wie vereinbart die Mannschaft in der Oberliga betreut, darüber schweigt der Vorstand noch. Überhaupt gaben sich die sichtlich angekratzten Dresdner in den letzten Wochen einsilbig, sagten demonstrativ die Pressekonferenzen nach den Spielen ab.
Anfänger im Angriff
Popiesch setzte beim Dauer-Schlusslicht auf eine Verbesserung der Athletik, baute junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Angriffsreihen ein. „Es war zwar teilweise frustrierend, immer wieder als Verlierer vom Eis zu gehen, aber es stand fest, dass wir unsere Kraft auf die Playdowns konzentrieren mussten“, erklärt Popiesch. Sein Dresdner Kollege Mikes stand Dienstag kurz vor Mitternacht enttäuscht vor dem Lausitzer Fuchsbau und fand kaum griffige Erklärungen für das Debakel: „Ich glaubte bis zur letzten Sekunde, dass wir gewinnen. In der Mannschaft steckt so viel Potenzial. Weißwasser war in der Abstiegsrunde sportlich gleichwertig und etwas bissiger als meine Spieler.“ Mikes sieht eine Ursache in den leichtfertig abgegebenen Punkten gegen die Tabellennachbarn Regensburg und München, was den Abwärtstrend einleitete. Was er in seiner kurzen Amtszeit wohl überhörte waren Spannungen unter den größtenteils in Tschechien oder in der Slowakei geborenen Spielern. Aus disziplinarischen Gründen wurde Top-Torjäger Robert Brezina sogar kurzfristig suspendiert. Getuschelt wurde im Dresdner Vip-Raum von „Legionären, die, wenn es darauf ankommt, die Füße hoch nehmen“.
Aktuelle Aussichten
Wie geht es weiter? Eislöwen-Präsidentin Lässig, Manager Tabor und ihr Vorstand verließen am Dienstag Weißwasser schon nach dem zweiten Drittel. In einer Kneipe suchten sie bis früh um drei Ansätze für einen Neuanfang in der dritten Liga. Tabor will wohl nur weitermachen, wenn ihm ein Team zur Verfügung steht, das den sofortigen Wiederaufstieg ermöglicht. Bis Mitte April müssen die Lizenz-Unterlagen eingereicht sein. Die Liga-Leitung verlangt künftig auch von Oberligisten 25000Euro Eintritts-Gebühr. Viele Fragen sind offen: Welche Spieler unterschreiben Verträge? Wer vermarktet die neue Eishalle? Bleiben die Geldgeber im Boot? Die Vereinbarung mit Hauptsponsor Skoda galt nur für Liga zwei. Alle wollen klare Bilder, doch die Zeit rennt.
Früh um drei Uhr war gestern auch in Weißwasser noch nicht Schluss – mit der Jubelfeier. Und weil man gerade in so guter Stimmung war, beschloss die Fan-Gemeinde: Weil wir nun am Freitag frei haben, fahren wir nach Crimmitschau. Die Eispiraten spielen gegen Kaufbeuren (Stand 3:3). Silko Hoffmann vom Füchse-Fanrat ist optimistisch: „Nachdem unsere Mission Klassenerhalt geschafft ist, wäre es doch schön, wenn noch ein zweites sächsisches Team in der Bundesliga bliebe.“ (Andree Merbt)
Quelle: Sächsische Zeitung Regionalsport vom 29.03.2007