Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Sensibler Dampfmacher
13.11.2007 | 07:54 Uhr von
Carsten Gosdeck feiert in Weißwasser seine Auferstehung und verschwieg sogar eine Verletzung
Carsten Gosdeck hat maßgeblichen Anteil am Aufschwung der Lausitzer Füchse in der 2. Bundesliga. Der Stürmer ist drittbester Scorer des Tabellenachten und feiert nach jahrelanger Stagnation eine Art Auferstehung in Weißwasser. Selbst eine Knie-Verletzung, die er der Öffentlichkeit verschwieg, konnte den gebürtigen Kölner nicht stoppen. „Für mich ist es bislang die Saison meines Lebens“, sagt Gosdeck.

Wertvolle Neuverpflichtung: Füchse-Stürmer Carsten Gosdeck (l.) hat in 17 Partien zehn Tore geschossen und konnte acht Assists verbuchen. Foto: Aswendt
Seine Knieverletzung galt im Fuchsbau als geheime Kommandosache. Zugezogen hatte sich Gosdeck die Blessur schon am 26. Oktober in der Partie bei den Wild Wings Schwenningen. Um die Gegenspieler in den damals noch verbleibenden drei Partien bis zur Länderspiel-Pause nicht einzuladen, den Stürmer an der sensiblen Stelle ganz besonders zu attackieren, erbat er sich strengste Diskretion. Erst jetzt in der zwei wöchigen Länderspiel- Pause erzählt Gosdeck exklusiv in der RUNDSCHAU erstmals von seinen Schmerzen. „Ich habe mich drei Spiele lang fitspritzen lassen, um die Schmerzen nicht zu spüren“, blickt der 28-Jährige zurück.
Bei dem folgenschweren Zusammenprall in Schwenningen hatte er sich einen Anriss des Innenbandes und Schäden am Innenmeniskus zugezogen. Eine solche Verletzung muss zwar nicht mehr zwangsläufig operiert werden, erfordert aber normalerweise eine Pause von vier bis sechs Wochen. Gosdeck spielte jedoch weiter und biss in diesen drei Spielen auf die Zähne.
Erst jetzt in der Länderspiel-Pause gab er dem lädierten Knie die dringend erforderliche Ruhe. Gestern trainierte Gosdeck erstmals wieder auf dem Eis. Sein Ziel: Am Freitag im nächsten Heimspiel gegen den SC Riessersee will er unbedingt dabeisein. Gosdeck wird mit einer extra für ihn angefertigten Knieschiene aus Kunststoff auflaufen. Sie wurde in den USA angefertigt und soll in dieser Woche in Weißwasser ein treffen. «Diese Schiene gibt dem Knie mehr Stabilität. Wenn ich sie trage, dann dürfte eigentlich nichts mehr passieren. Zu 95 Prozent werde ich gegen Riessersee spielen» , ist der Stürmer optimistisch.

Auf Anhieb Leistungsträger
Gosdeck will unbedingt eine Pause vermeiden und weiterspielen, weil er ganz genau spürt, dass es für ihn derzeit so gut läuft wie schon lange nicht mehr. Der Wechsel vom EV Landsberg nach Weißwasser hat sich für beide Seiten gelohnt. In 17 Partien konnte Gosdeck zehn Tore und acht Assists verbuchen. Er schwang sich im Fuchsbau auf Anhieb zum Leistungsträger auf. „Wir spielen klar strukturiertes, einfaches Eishockey. Das kommt mir entgegen“, betont der Stürmer.
Sein persönlicher Aufschwung hängt eng mit Füchse-Trainer Thomas Popiesch zusammen. Beide standen für die Moskitos Essen bis vor zwei Jahren noch gemeinsam auf dem Eis. In dieser Zeit haben sie sich schätzen gelernt. Deshalb scheute sich Popiesch auch nicht davor, seinen einstigen Spezi nach Weißwasser zu holen, obwohl dem der Ruf vorauseilte, sein zweifellos vorhandenes Talent nicht immer hundertprozentig auf dem Eis umgesetzt zu haben. „Thomas war einer der wichtigsten Faktoren, dass ich nach Weißwasser gewechselt bin. Er weiß, wie er mich anpacken muss. Bislang funktioniert es hervorragend“, findet Gosdeck.

Trainer fordert Konstanz
Aber wie muss man ihn eigentlich an packen? Obwohl der robuste Stürmer auf dem Eis zu den absoluten Dampfmachern gehört, beschreibt ihn Popiesch als durchaus sensibel. „Carsten braucht für seine Spielweise großes Selbst bewusstsein. Deshalb reden wir viel miteinander. Ich versuche, ihm immer den Glauben an die eigene Stärke zu vermitteln“, beschreibt der Füchse-Coach das Erfolgsgeheimnis. Doch Popiesch wäre nicht Popiesch, wenn er seinen einstigen Mitspieler nicht ganz besonders in die Pflicht nehmen würde. Eben weil er um dessen Potenzial weiß. Dieses Potenzial reichte in den vergangenen zehn Jahren zwar zu mehreren Gastspielen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Wirklich etablieren konnte sich Gosdeck in der höchsten Spielklasse jedoch nicht. „Carsten muss diese Leistungen, die er in der laufenden Saison bisher gezeigt hat, über einen längeren Zeitraum nachweisen. Dann kann er auch höhere Ansprüche anmelden“, fordert Popiesch.
Gosdeck macht ebenfalls keinen Hehl daraus, dass er irgendwann noch einmal in die DEL zurückkehren möchte. Vorerst hat er sich jedoch die Play-off-Teilnahme mit den Lausitzer Füchsen zum Ziel gesetzt. Und so geradlinig wie derzeit auf dem Eis gibt sich der Stürmer auch bei der Saisonprognose: „Wenn wir so weitermachen und von Verletzungen einigermaßen verschont bleiben, dann ist Platz fünf bis acht absolut realistisch.“ Um dieses Ziel nicht zu gefährden, wird Gosdeck weiterhin auf die Zähne beißen und vielleicht auch wieder das eine oder andere Wehwehchen verschweigen. Denn die Saison seines Lebens soll schließlich so positiv weitergehen. VON FRANK NOACK

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 13.11.2007
943 mal gelesen
 
1 | Brian | 13.11.2007 @ 10:18
Auch ein Söldner. Aber ein richtig Guter.
2 | Fuchstino | 13.11.2007 @ 10:53
Carsten ist für mich die überraschung der Saison bisher. Weiter so
3 | martenn | 13.11.2007 @ 11:53
@brian: jeder profispieler ist irgendwo ein söldner, weil er damit nun mal seinen lebensunterhalt verdient... ich finde carsten ist ein super typ und bisher macht er sein ding viel besser als erwartet... also carsten weiter wie bisher
4 | Brian | 13.11.2007 @ 11:56
Nichts anderes habe ich geschrieben. Nur ersparte ich mir eine tiefgründigere Erklärung des Begriffes Söldner.
5 | Polly | 13.11.2007 @ 12:09
besonders in den schwäbischen Spielen hat er mir gefallen, und auch zu Hause hab ich von ihm IMMER ein soldie und gute Leistung gesehen. Mach weiter so Carsten.
6 | martenn | 13.11.2007 @ 12:10
@brian: für mich hat das wort söldner aber immer so einen faden beigeschmack, den ich für carsten nicht gelten lassen würde;-)
7 | Odin | 13.11.2007 @ 13:40
@Trainer Popiesch. manchmal ist es besser, seine Rezepte für sich zu behalten. Ist das Geheimnis um eine Rezeptur erst mal gelüftet, verliert sie nicht selten ihren Reiz.
8 | ottoNULLvier | 13.11.2007 @ 15:52
@odin na ann gehts eben in die gewürzmischungsabteiluzng!
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