Variantendiskussion für neue Eishalle in Weißwasser nimmt Fahrt auf
Ein Cottbuser Planungsbüro wird Weißwassers Stadträten in der Februar-Sitzung erste grundsätzliche Vorstellungen für eine neue Eishalle vorstellen. Nach den Worten von Oberbürgermeister Hartwig Rauh (parteilos) stehen für dieses Projekt drei Varianten zur Debatte: Neubau, Sanierung der alten Halle oder eine so genannte Mischversion, mit Nutzung des Freiluftstadions. «Wir sind angesichts des baulichen Zustandes der alten Halle zum Handeln gezwungen» , so der OB gestern zur RUNDSCHAU. Allerdings werde dies mit Augenmaß, Sachverstand und ohne Zeitdruck getan. Ziel sei es, das Projekt im März dem Bau- und Wirtschaftsausschuss vorzulegen, der dann sein fachliches Urteil fällt und so zur Entscheidungsfindung durch die Stadträte beitragen möchte. Wichtig ist der Weißwasseraner Verwaltung vor allem das Wissen um die Gesamtkosten des Projektes. «Da schauen wir genau hin, möchten von den Planern die finanziellen Belange exakt aufgeschrieben haben – auf Heller und Pfennig» , fährt Rauh fort. Bei Projekten in der Vergangenheit sei dieser Umstand nicht immer buchstabengetreu befolgt worden – manchmal mit fatalen Folgen.
Rauh sieht in der Umsetzung des Vorhabens vor allem eine Zukunftssicherung des Eissports in Weißwasser, der bekanntlich auf eine lange Tradition verweisen kann. Klar ist allen Beteiligten auch, dass die Finanzierung des Eishallen-Vorhabens nur über Fördermittel möglich werden kann. «Die müssen mit einem wasserdichten Konzept beantragt und danach verantwortungsvoll eingesetzt werden» , unterstreicht OB Rauh.
Beim Eissportverein Weißwasser sieht man der Entwicklung gespannt entgegen. Vereinsvorsitzender Bernard Stefan sieht sich in der Auffassung bestätigt, dass nunmehr richtungsweisende Entscheidungen getroffen werden können. «Bewusst muss jedoch allen sein, dass der ESW nicht der Bauherr sein wird» , meinte er kategorisch. Die Stadt Weißwasser trage die Verantwortung dafür, ob und wie die Halle errichtet wird. Allerdings lässt Stefan auch durchblicken, dass die Einbeziehung der Eishockey-Fachleute im Vorfeld stattfindet. «Schließlich ist es unser Ziel, einmal Betreiber der neuen Arena zu sein» , so der Vereins-Chef.
Dass die Kooperation schon weit fortgeschritten ist, bestätigen manche Details. So stellt sich das Architektenteam darauf ein, dass die Zuschauerkapazität der neuen Halle zwischen 3500 und 4000 Personen liegen soll. «Unseren Vorstellungen nach ist die Halle in Ravensburg eine Variante, die auch Weißwasser gut zu Gesicht stehen würde» , sagt Dirk Rohrbach, der stellvertretende ESW-Vorsitzende und langjährige Profi. Die Spielstätte in Dresden hingegen finde weniger Anklang – sie sei schlicht zu groß für die Lausitzer Verhältnisse.
Noch sind alle diese Überlegungen theoretischer Natur, aber sie seien nötig, um am Ende der Variantendiskussion ein optimales Ergebnis präsentieren zu können. Auf der Internetseite es-weißwasser.de wird darüber jedoch schon heftig diskutiert. Für und Wider prallen hier aufeinander. Während die Optimisten dazu neigen, die Platzkapazität von 3500 Plätzen deutlich zu erhöhen ( «Welcher Großsponsor will sich sonst für die Zukunft präsentieren?» ), raten Realisten zur Vorsicht ( «Wir kriegen ja nicht einmal die alte Halle voll.» ). Aus Vereinssicht ist die Diskussion zurzeit zweitrangig. Vorrang hat die spätere Funktionalität. «Schließlich wird der Eissportverein mit Abstand der größte Nutzer der Arena sein. Da müssen selbst Details stimmen» , fuhr Stefan fort.
Bis in Sachen neuer Eistempel Nägel mit Köpfen zu machen sind, wird trotz der Dringlichkeit wohl noch etwas Zeit vergehen. Bis dahin haben die Fans der Lausitzer Füchse und ihres Nachwuchses ausgiebig Gelegenheit, von der alten Spielstätte Abschied zu nehmen. Zum Thema Spielstätten
Organisiert Eishockey gespielt wird in Weißwasser seit 75 Jahren. Begonnen hat alles auf dem Braunsteich . Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Natureisstadion am Jahnteich errichtet. Ende der 50er-Jahre erlebte das Kunsteisstadion – es war dem Fassungsvermögen nach damals das größte Europas – seine Premiere. Die in den 70er-Jahren erbaute Eishalle gleich nebenan wurde unmittelbar nach der Wende ausschließlich für Eishockeyspiele umgebaut und wird noch heute für Training und Wettkampf genutzt.
(Joachim Langner)
Vor dem Traum steht die Kalkulation (ein Kommentar von J.Langner)
Eishallen wurden in Weißwasser schon viele erbaut – in der Theorie. Speziell nach der Wende blühten Träume, aber zur Reife kamen sie nie. Glücksritter versprachen goldene Zeiten in noch goldeneren Hallen. Aber alle diese Seifenblasen platzten und die alte Halle am Prof.-Wagenfeld-Ring trotzt noch immer allen Versuchen, sie zu entsorgen.
Nun allerdings könnten ihre Jahre gezählt sein. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das Objekt ineffizient bis an die Schmerzgrenze. Ein Neubau, so teuer er zurzeit auch erscheinen mag, bietet aber die Gelegenheit, spätere Betreiberkosten zu verschlanken.
Hier möchte Weißwassers Stadtverwaltung den Hebel ansetzen, genau wissend, welche finanziellen Risiken sie beachten muss, um später nicht im eigenen Angstschweiß zu baden. So gesehen ist es wohl richtig, erst zu kalkulieren und Klarheit zu bekommen und dann an die Realisierung von Eishallen-Neubauträumen zu gehen.
Quelle: LR vom 11.Januar 2008, Lokalteil WSW
1 | elFranzo | 11.01.2008 @ 18:10
Bitte kein Ravensburger-Modell.
2 | hinkelstein | 11.01.2008 @ 18:57
Und warum nicht?
3 | Mozart | 11.01.2008 @ 18:59
Weil da nur an beiden Längsseiten Tribünen sind... Ich wäre fürs Tölzer Modell, die Halle war auch recht günstig...
4 | elFranzo | 11.01.2008 @ 20:49
@2 genau aus dem von Mozart genannten Grund. Zudem finde ich ide Anordnung der Steh und Sitzplätze sehr gewöhnungsbedürftig. Für mich wurde in Ravensburg viel Potential verschenkt. Tölz würde mich auch ansprechen. Nur muss die Kurve nicht unbedingt mit Werbung zu gepflastert werden ;-)
5 | Matzl | 11.01.2008 @ 22:50
@3 würde auch vom Baustil nach WSW passen. Viel Holz. Bloß nich so eine Betongrube wie in DD. Nee
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Ein Cottbuser Planungsbüro wird Weißwassers Stadträten in der Februar-Sitzung erste grundsätzliche Vorstellungen für eine neue Eishalle vorstellen. Nach den Worten von Oberbürgermeister Hartwig Rauh (parteilos) stehen für dieses Projekt drei Varianten zur Debatte: Neubau, Sanierung der alten Halle oder eine so genannte Mischversion, mit Nutzung des Freiluftstadions. «Wir sind angesichts des baulichen Zustandes der alten Halle zum Handeln gezwungen» , so der OB gestern zur RUNDSCHAU. Allerdings werde dies mit Augenmaß, Sachverstand und ohne Zeitdruck getan. Ziel sei es, das Projekt im März dem Bau- und Wirtschaftsausschuss vorzulegen, der dann sein fachliches Urteil fällt und so zur Entscheidungsfindung durch die Stadträte beitragen möchte. Wichtig ist der Weißwasseraner Verwaltung vor allem das Wissen um die Gesamtkosten des Projektes. «Da schauen wir genau hin, möchten von den Planern die finanziellen Belange exakt aufgeschrieben haben – auf Heller und Pfennig» , fährt Rauh fort. Bei Projekten in der Vergangenheit sei dieser Umstand nicht immer buchstabengetreu befolgt worden – manchmal mit fatalen Folgen.
Rauh sieht in der Umsetzung des Vorhabens vor allem eine Zukunftssicherung des Eissports in Weißwasser, der bekanntlich auf eine lange Tradition verweisen kann. Klar ist allen Beteiligten auch, dass die Finanzierung des Eishallen-Vorhabens nur über Fördermittel möglich werden kann. «Die müssen mit einem wasserdichten Konzept beantragt und danach verantwortungsvoll eingesetzt werden» , unterstreicht OB Rauh.
Beim Eissportverein Weißwasser sieht man der Entwicklung gespannt entgegen. Vereinsvorsitzender Bernard Stefan sieht sich in der Auffassung bestätigt, dass nunmehr richtungsweisende Entscheidungen getroffen werden können. «Bewusst muss jedoch allen sein, dass der ESW nicht der Bauherr sein wird» , meinte er kategorisch. Die Stadt Weißwasser trage die Verantwortung dafür, ob und wie die Halle errichtet wird. Allerdings lässt Stefan auch durchblicken, dass die Einbeziehung der Eishockey-Fachleute im Vorfeld stattfindet. «Schließlich ist es unser Ziel, einmal Betreiber der neuen Arena zu sein» , so der Vereins-Chef.
Dass die Kooperation schon weit fortgeschritten ist, bestätigen manche Details. So stellt sich das Architektenteam darauf ein, dass die Zuschauerkapazität der neuen Halle zwischen 3500 und 4000 Personen liegen soll. «Unseren Vorstellungen nach ist die Halle in Ravensburg eine Variante, die auch Weißwasser gut zu Gesicht stehen würde» , sagt Dirk Rohrbach, der stellvertretende ESW-Vorsitzende und langjährige Profi. Die Spielstätte in Dresden hingegen finde weniger Anklang – sie sei schlicht zu groß für die Lausitzer Verhältnisse.
Noch sind alle diese Überlegungen theoretischer Natur, aber sie seien nötig, um am Ende der Variantendiskussion ein optimales Ergebnis präsentieren zu können. Auf der Internetseite es-weißwasser.de wird darüber jedoch schon heftig diskutiert. Für und Wider prallen hier aufeinander. Während die Optimisten dazu neigen, die Platzkapazität von 3500 Plätzen deutlich zu erhöhen ( «Welcher Großsponsor will sich sonst für die Zukunft präsentieren?» ), raten Realisten zur Vorsicht ( «Wir kriegen ja nicht einmal die alte Halle voll.» ). Aus Vereinssicht ist die Diskussion zurzeit zweitrangig. Vorrang hat die spätere Funktionalität. «Schließlich wird der Eissportverein mit Abstand der größte Nutzer der Arena sein. Da müssen selbst Details stimmen» , fuhr Stefan fort.
Bis in Sachen neuer Eistempel Nägel mit Köpfen zu machen sind, wird trotz der Dringlichkeit wohl noch etwas Zeit vergehen. Bis dahin haben die Fans der Lausitzer Füchse und ihres Nachwuchses ausgiebig Gelegenheit, von der alten Spielstätte Abschied zu nehmen.
Zum Thema Spielstätten
Organisiert Eishockey gespielt wird in Weißwasser seit 75 Jahren. Begonnen hat alles auf dem Braunsteich . Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Natureisstadion am Jahnteich errichtet. Ende der 50er-Jahre erlebte das Kunsteisstadion – es war dem Fassungsvermögen nach damals das größte Europas – seine Premiere. Die in den 70er-Jahren erbaute Eishalle gleich nebenan wurde unmittelbar nach der Wende ausschließlich für Eishockeyspiele umgebaut und wird noch heute für Training und Wettkampf genutzt.
(Joachim Langner)
Vor dem Traum steht die Kalkulation (ein Kommentar von J.Langner)
Eishallen wurden in Weißwasser schon viele erbaut – in der Theorie. Speziell nach der Wende blühten Träume, aber zur Reife kamen sie nie. Glücksritter versprachen goldene Zeiten in noch goldeneren Hallen. Aber alle diese Seifenblasen platzten und die alte Halle am Prof.-Wagenfeld-Ring trotzt noch immer allen Versuchen, sie zu entsorgen.
Nun allerdings könnten ihre Jahre gezählt sein. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das Objekt ineffizient bis an die Schmerzgrenze. Ein Neubau, so teuer er zurzeit auch erscheinen mag, bietet aber die Gelegenheit, spätere Betreiberkosten zu verschlanken.
Hier möchte Weißwassers Stadtverwaltung den Hebel ansetzen, genau wissend, welche finanziellen Risiken sie beachten muss, um später nicht im eigenen Angstschweiß zu baden. So gesehen ist es wohl richtig, erst zu kalkulieren und Klarheit zu bekommen und dann an die Realisierung von Eishallen-Neubauträumen zu gehen.
Quelle: LR vom 11.Januar 2008, Lokalteil WSW