Neu-Fuchs Patrick Saggau über die Probleme des deutschen Eishockeys
Patrick Saggau wechselte von den insolventen Moskitos Essen zu den Lausitzer Füchsen nach Weißwasser. Im RUNDSCHAU-Interview berichtet der 24-jährige Stürmer über die Auswirkungen der finanziellen Krise in Essen auf die Spieler. Außerdem sagt er, was sich im deutschen Eishockey ändern muss, damit Insolvenzen wie in Essen und Regensburg künftig vermieden werden.
Patrick Saggau, wie sicher sind Sie, nun bei einem Verein unterschrieben zu haben, bei dem die Gehälter regelmäßig gezahlt werden?
Vor der Saison ist das immer schwer zu sagen. Ich bin ja auch nach Essen in dem Glauben gegangen, dass dort pünktlich gezahlt wird. Es ist doch so: Wenn du als Spieler ordentliche Arbeit ablieferst, dann erwartest du, dass auch das Management ordentlich arbeitet.
Und welches Gefühl haben Sie diesbezüglich in Weißwasser?
Die Füchse haben einen guten Ruf in der Branche. Ich gehe davon aus, dass alles funktioniert.
War es im Rückblick ein Fehler, nach Essen zu gehen?
Nein, ein Fehler war es nicht. Das Umfeld hat gestimmt – bis auf die Gehaltszahlung eben. Teilweise kam das Geld verspätet, teilweise gar nicht.
Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass es finanzielle Probleme gibt?
Es gab praktisch von der ersten Minute an Getuschel. Viele haben sich gefragt: Wie kann sich ein Verein plötzlich so eine teure Mannschaft leisten? Darüber machst du dir im Vorfeld als Spieler natürlich Gedanken. Aber man geht davon aus, dass im Vorstand fähige Leute am Werk sind, die wissen, was sie tun. Als Angestellter des Vereins bleibt dir nichts anderes übrig, als deinen Vorgesetzten zu vertrauen.
Wie haben Sie persönlich die finanziellen Probleme gespürt?
Ganz einfach: Zu dem Zeitpunkt, wo das Geld eigentlich auf dem Konto sein sollte, war es nicht da. Als Grund für den Verzug wurde uns auf Nachfrage gesagt, dass Sponsorenleistungen ausgeblieben sind, man das Problem aber beheben werde. Eine gewisse Zeit kam das Geld auch wirklich. Die kleine Verspätung lässt sich über einen gewissen Zeitraum verschmerzen. Zumal es ja in Eishockey-Deutschland viele Vereine mit der Zahlungsmoral leider nicht so genau nehmen.
Wie haben Sie sich gefühlt, als trotz harten Trainings und der Spiele am Wochenende die vereinbarte Gegenleistung ausblieb?
Natürlich macht man sich Gedanken. Wir müssen ja auch unsere Rechnungen weiterhin bezahlen, zum Beispiel für die Versicherung. Es ist nicht schön, wenn die Rechnungen am 1. des Monats abgebucht werden, das Geld aber erst am 20. kommt. Und etwas essen willst du ja auch. Was mich aber am meisten enttäuscht hat, war die Informationspolitik des Vereins.
Wie sah diese Informationspolitik aus?
Wir als Mannschaft haben auch nicht mehr Informationen bekommen als Außenstehende. Das Management hätte doch ehrlich sagen können: ‚Okay, Jungs, wir haben uns ein wenig verkalkuliert und deshalb jetzt Schwierigkeiten. Aber wir suchen nach neuen Sponsoren, ihr müsst euch ein bisschen gedulden.’ In einer solchen Situation hätte doch kein Spieler auf stur geschaltet und gesagt: ‚Nö, mach ich nicht.’ Letztlich sitzen wir alle in einem Boot.
Gab es auch Spieler, die in massive finanzielle Probleme gestürzt wurden?
Das weiß ich nicht. Und wie gesagt: Zwei, drei Wochen später kam das Geld ja meistens. Aber wenn du als Familienvater eine Frau und zwei Kinder zu versorgen sowie vielleicht noch ein Haus abzubezahlen hast, dann ist das schon ein Problem. Ich bin zum Glück alleinstehend und habe deswegen nicht so große Verpflichtungen.
Inwiefern haben sich die Probleme auf die sportliche Leistung ausgewirkt?
Natürlich hast du in solch einer angespannten Situation den Kopf nicht komplett frei. Zumindest im Unterbewusstsein ist die Sorge um die Zukunft immer da. Außerdem gab es Probleme bei der Materiallieferung. Teilweise kam das Material verspätet, manchmal auch gar nicht, weil der Verein die Rechnungen nicht bezahlen konnte.
Der ehemalige Füchse-Torhüter Nolan McDonald hat damals in einem Offenen Brief die Zustände im deutschen Eishockey massiv kritisiert. Hatte er Recht?
Ja, ich denke schon, dass ein Umdenken stattfinden muss. Die Leute im Vorstand müssen einfach den finanziellen Rahmen einhalten. Wenn man pro Spiel im Schnitt rund 1000 Zuschauer hatte und sagt, in der neuen Saison spielen wir um Platz vier mit und haben deswegen dann gleich 2000 Zuschauer – das ist unseriös. Mit so einer Kalkulation fliegst du in jedem Wirtschaftsunternehmen sofort vor die Tür. Diese Drahtseilakte im Eishockey müssen einfach aufhören.
Bekommen Sie noch Geld von Ihrem ehemaligen Verein?
Das letzte Gehalt, das noch offen war, habe ich als Insolvenzgeld vom Arbeitsamt bekommen. (Mit PATRICK SAGGAU sprach Frank Noack)
Patrick Saggau wechselte von den insolventen Moskitos Essen zu den Lausitzer Füchsen nach Weißwasser. Im RUNDSCHAU-Interview berichtet der 24-jährige Stürmer über die Auswirkungen der finanziellen Krise in Essen auf die Spieler. Außerdem sagt er, was sich im deutschen Eishockey ändern muss, damit Insolvenzen wie in Essen und Regensburg künftig vermieden werden.
Patrick Saggau, wie sicher sind Sie, nun bei einem Verein unterschrieben zu haben, bei dem die Gehälter regelmäßig gezahlt werden?
Vor der Saison ist das immer schwer zu sagen. Ich bin ja auch nach Essen in dem Glauben gegangen, dass dort pünktlich gezahlt wird. Es ist doch so: Wenn du als Spieler ordentliche Arbeit ablieferst, dann erwartest du, dass auch das Management ordentlich arbeitet.
Und welches Gefühl haben Sie diesbezüglich in Weißwasser?
Die Füchse haben einen guten Ruf in der Branche. Ich gehe davon aus, dass alles funktioniert.
War es im Rückblick ein Fehler, nach Essen zu gehen?
Nein, ein Fehler war es nicht. Das Umfeld hat gestimmt – bis auf die Gehaltszahlung eben. Teilweise kam das Geld verspätet, teilweise gar nicht.
Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass es finanzielle Probleme gibt?
Es gab praktisch von der ersten Minute an Getuschel. Viele haben sich gefragt: Wie kann sich ein Verein plötzlich so eine teure Mannschaft leisten? Darüber machst du dir im Vorfeld als Spieler natürlich Gedanken. Aber man geht davon aus, dass im Vorstand fähige Leute am Werk sind, die wissen, was sie tun. Als Angestellter des Vereins bleibt dir nichts anderes übrig, als deinen Vorgesetzten zu vertrauen.
Wie haben Sie persönlich die finanziellen Probleme gespürt?
Ganz einfach: Zu dem Zeitpunkt, wo das Geld eigentlich auf dem Konto sein sollte, war es nicht da. Als Grund für den Verzug wurde uns auf Nachfrage gesagt, dass Sponsorenleistungen ausgeblieben sind, man das Problem aber beheben werde. Eine gewisse Zeit kam das Geld auch wirklich. Die kleine Verspätung lässt sich über einen gewissen Zeitraum verschmerzen. Zumal es ja in Eishockey-Deutschland viele Vereine mit der Zahlungsmoral leider nicht so genau nehmen.
Wie haben Sie sich gefühlt, als trotz harten Trainings und der Spiele am Wochenende die vereinbarte Gegenleistung ausblieb?
Natürlich macht man sich Gedanken. Wir müssen ja auch unsere Rechnungen weiterhin bezahlen, zum Beispiel für die Versicherung. Es ist nicht schön, wenn die Rechnungen am 1. des Monats abgebucht werden, das Geld aber erst am 20. kommt. Und etwas essen willst du ja auch. Was mich aber am meisten enttäuscht hat, war die Informationspolitik des Vereins.
Wie sah diese Informationspolitik aus?
Wir als Mannschaft haben auch nicht mehr Informationen bekommen als Außenstehende. Das Management hätte doch ehrlich sagen können: ‚Okay, Jungs, wir haben uns ein wenig verkalkuliert und deshalb jetzt Schwierigkeiten. Aber wir suchen nach neuen Sponsoren, ihr müsst euch ein bisschen gedulden.’ In einer solchen Situation hätte doch kein Spieler auf stur geschaltet und gesagt: ‚Nö, mach ich nicht.’ Letztlich sitzen wir alle in einem Boot.
Gab es auch Spieler, die in massive finanzielle Probleme gestürzt wurden?
Das weiß ich nicht. Und wie gesagt: Zwei, drei Wochen später kam das Geld ja meistens. Aber wenn du als Familienvater eine Frau und zwei Kinder zu versorgen sowie vielleicht noch ein Haus abzubezahlen hast, dann ist das schon ein Problem. Ich bin zum Glück alleinstehend und habe deswegen nicht so große Verpflichtungen.
Inwiefern haben sich die Probleme auf die sportliche Leistung ausgewirkt?
Natürlich hast du in solch einer angespannten Situation den Kopf nicht komplett frei. Zumindest im Unterbewusstsein ist die Sorge um die Zukunft immer da. Außerdem gab es Probleme bei der Materiallieferung. Teilweise kam das Material verspätet, manchmal auch gar nicht, weil der Verein die Rechnungen nicht bezahlen konnte.
Der ehemalige Füchse-Torhüter Nolan McDonald hat damals in einem Offenen Brief die Zustände im deutschen Eishockey massiv kritisiert. Hatte er Recht?
Ja, ich denke schon, dass ein Umdenken stattfinden muss. Die Leute im Vorstand müssen einfach den finanziellen Rahmen einhalten. Wenn man pro Spiel im Schnitt rund 1000 Zuschauer hatte und sagt, in der neuen Saison spielen wir um Platz vier mit und haben deswegen dann gleich 2000 Zuschauer – das ist unseriös. Mit so einer Kalkulation fliegst du in jedem Wirtschaftsunternehmen sofort vor die Tür. Diese Drahtseilakte im Eishockey müssen einfach aufhören.
Bekommen Sie noch Geld von Ihrem ehemaligen Verein?
Das letzte Gehalt, das noch offen war, habe ich als Insolvenzgeld vom Arbeitsamt bekommen.
(Mit PATRICK SAGGAU sprach Frank Noack)
Quelle: Lausitzer Rundschau vom 26. Juli. 2008