P............. Füchse Im FanFocus
Liebe Freunde des traditionsreichen und trainerdoppelbespitzten Weißwasseraner Eishockeys! Nun ist der Tag da, an dem ich die Last der barschen Antwort unseres ehemaligen Kolumnenmitnamensgebers auf der letzten Pressekonferenz der alten Saison auf meine Frage nach seiner da längst beschlossenen Zukunft abgeworfen habe. Damit wäre zunächst aber auch das „P.“ weg und dieser Text hieße nur noch F.I.F.F., was eher nach „blöder Hund ohne i“ klingt. Ihr merkt: Die schöpferische Pause war auch dem Umstand des Grübelns darüber geschuldet, der Kolumne entweder einen neuen Namen zu verpassen oder das „P.“ umzuinterpretieren. Kleinere Umfragen im Bekanntenkreis favorisierten letztere Variante. Wofür aber soll das „P.“ dann neuerdings stehen: POWER- , PLEITE- , PINUNSENARME-, PIMPERLINGSGEPLAGTE- , PIELES, PROVINZ- , PANNEN- , PATENTE oder POTENTE, PENATLYKILLENDE oder POWERPLAYENDE, PHANTASTISCHE oder PHÄNOMENALE, PROMISKUITIVE, PFENNIG- , PICHEL- , PROFI- , PROLETARISCHE oder PROLETEN- , PUCK- oder doch PÄDOPHILE... Entschuldigung- Letzteres geht natürlich zu weit und bezog sich allenfalls auf die strikte Arbeit mit dem Nachwuchs!!!
Ja- was soll und kann es nun sein? R.F.I.F.F. scheidet ebenso aus wie H.F.I.F.F. oder D.F.I.F.F. Auch D.R.F.I.F.F. (für „Doppel- Rs“ – Rohres & Ralles...) oder Z.R.F.I.F.F. (zwei Rs) kämen als Titel nur für Berichte über das tschechische oder finnische Eishockey in Betracht. Ginge es nach den jüngsten Veröffentlichungen der Eishockey-News, dann käme ohnehin nur „PLEITEN- “ in Frage. Während das Blatt auf der Zweitligatitelseite mit der Überschrift: „Crimmitschau oder Weißwasser: Ein Club ‚wackelt’ weiterhin“, daherkommt, wird im ETC- Beitrag nach dem Umblättern Eispiraten- Geschäftsführer René Rudorisch höchst optimistisch und mit den Worten zitiert: „Mit diesen Unterlagen haben wir alle geforderten Details offengelegt, so dass dem grünen Licht nichts mehr im Wege stehen dürfte.“ Im Füchse- Artikel geht es dagegen „nur“ um das Bleiben von Thomas Götz. Na da ist doch zumindest subjektiv deutbar die Spur zum „Wackelkandidaten“ klar gelegt.
Mir ist unverständlich, warum sich unser Eishockeyfachblatt auf boulevardjournalistisches Niveau herab begibt. „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die ... halten!“, würde Dieter Nuhr einwerfen. Dem müsste man diesbezüglich uneingeschränkt beipflichten. Entweder ich habe Infos, die belastbar sind, und lasse was gucken oder es einfach bleiben. Jedenfalls habe ich „nachgehorcht“ und dabei zu erfahren bekommen, dass Weißwasser nicht ernsthaft gemeint sein soll. Damit wäre der Zonk zurück im Sahnpark. Die dortigen Fans mutmaßen ihn bestimmt weiter in der Lausitz. Wem also hat die EHN- Berichterstattung nun wirklich etwas gebracht? Und wer weiß eigentlich, wie es monetär bei den restlichen 12 Bundesligisten ausschaut!? Ich behaupte: Das weiß nicht einmal die ESBG.
Womit wir mittendrin sind im diesjährigen Sommertheater. Anders als in den Jahren zuvor besticht diesmal die „Programmvielfalt“. Es gibt keine Liga, die nicht für diverse Schlagzeilen gesorgt hat. Das Schlimme ist: Die Schlagzeilen, begonnen vom Nationalteam bis hinunter in die Landesverbände, sind fast durchweg negativ. Man nähert sich dem Image von Rad- und Reitsport oder Luftschlangenweitwurf immer mehr an. Nicht mehr lange, und man bekommt als Eishockeyfan pro Saison drei soziale Trainingskurse zwangsverordnet. Natürlich geht es in erster Linie mit den Verantwortlichen nach Hause, wenn der Sport zunehmend ins zweite Glied rückt. Wofür wird denn überhaupt noch Profieishockey angeboten? Vielleicht nur, damit reichlich 250 deutsche Spieler und etwa doppelt so viele Ausländer ihr Geld mit ihrem Hobby verdienen dürfen und nicht arbeiten müssen? Fehlende seriöse und vor allem langfristig und im Sinne des Wettkampfes angelegte Strukturen führen Meter für Meter in die Sackgasse. Was hatte Bietigheim denn tatsächlich vom Gewinn der Zweitligameisterschaft? Neben dem den Anhängern gegebenen Stolz und den Prämien für die Cracks doch nur Zerreißproben über das Wie und Weiter, „mutmachende“ Ansagen vom Verband und nun auch noch Debatten in der und mit der Stadt über die DEL- taugliche Eishalle für’s „nächste Mal“.
Bei uns läuft das alles eine Nummer kleiner ab. Und das wahre Sommertheater im Fuchsbau haben in diesem Jahr die Fans gestaltet- mit etwas Unterstützung der Trainerfindungskommission. Als ich nach dem letzten Saisonspiel die Halle verließ, gab mir der Matthias Kliemann als Info zum mutmaßlichen neuen Trainer mit auf den Weg: „Das ist einer, den hat keiner auf der Rechnung.“ Da wir nun wissen, dass uns die Doppelspitze durch die nächste Spielzeit führt, ist auch geklärt: Zwei Coaches hatte offenbar nicht mal der Piele auf der Rechnung und die nun gefundene Lösung wohl tatsächlich (zunächst) keiner. Ob man diese Internbesetzung nun gut oder schlecht findet, kann jeder für sich entscheiden. Maßgeblich ist und bleibt, was „hinten rauskommt“. Auch R & R wissen, dass man sie am Erfolg messen wird. Für eine angemessene Bewertung bedarf es aber auch eines realitätsnah erhobenen Ist- Zustandes. Schon da habe ich mich doch sehr über das gewundert, was hier so an Forderungen und Befindlichkeiten geäußert wurde. Mag auch die Verkündung der Trainerdoppelspitze ein kleines Wunder gewesen sein. Das große Wunder ist, dass es in Weißwassser auch im Jahr 20 nach der Wende noch Profieishockey gibt.
Zum wiederholten Male: Man muss nicht „Insider“ sein, um Eins und Eins zusammenzählen zu können. Deshalb ganz aktuell: Im Januar gingen Sutter und Ortolf. Es kamen Gose, Flamik und Sullivan. Dazu wurde auch über die ehrenvollen und erfolgreichen Bemühungen von Bernd Nadebor berichtet, der Geldgeber zur Finanzierung der # 97 beschaffte. Das darf man dann wohl so interpretieren, dass die drei Neuen etwas mehr kosteten, als durch die Abgänge frei wurde. Sollte da schon, was meines Erachtens mehr als nahe liegt, das Loch im Etat erkennbar gewesen sein, dann ist man zugunsten des sportlichen Erfolges ein hohes wirtschaftliches Risiko gegangen. Der Preis muss nun in der kommenden Spielzeit gezahlt werden. Angesichts der Botschaften aus allen Vereinen und der nicht wegzuleugnenden allgemeinen Krise dürfte doch eines unstrittig sein: Akteure, für die zwei Gehälter fällig werden, weil sie zum kleineren Teil für Eishockey und zum größeren für Entertainment entlohnt werden, wird es so schnell nicht mehr geben. Es helfen aber weder der Blick zurück noch Versuche von Schuldzuweisungen: Mehr denn je ist nur GEMEINSAM der Fuchs am Leben zu halten.
Mich würde interessieren, wie diejenigen, die sofort weitere Spielerverpflichtungen fordern, mit ihrer eigenen Haushaltskasse klar kommen. Denn: Jeder Mitwirkende am Halbfinaleinzug 2008/09 hat doch zunächst seinen Marktwert gesteigert. Ein Ryan MacDonald hat seinen Vertrag bei uns mit Sicherheit nicht zu gekürzten Bezügen verlängert. Erfolg kostet Geld- auch im Jahr danach. Wir werden ihn nicht für alle Akteure bezahlen können und wollen. Wenn dann noch der Lizenzgeber klare Schranken setzt, dann hieße ein Sich- dem- Fanwillen- Beugen Lizenzverstöße und höchste Insolvenzgefahr. Soll das ein guter Weg sein? Ein Geschäftsmann hat mir mal erklärt: „Wenn das Eis dünner wird, musst du schnellere und größere Schritte machen.“ Ich weiß nicht, wie schnell er irgendwann lief. Ich weiß aber, dass er einbrach. So wie Regensburg, Essen, Bad Tölz...
Auch das Verweisen auf die ausbleibenden Zuschauer bei kleinem Kader und die prognostizierten Niederlagen geht als hieb- und stichfestes Argument nicht durch. Ist es lohnenswert, a la Bad Tölz Woche für Woche zwar gutes, aber nicht rechtmäßig „erworbenes“ Eishockey anzubieten, dem schließlich das Highlight verloren geht und bei dem der Sport schließlich gänzlich auf der Strecke bleibt? Ich will lieber ehrliche Wettkämpfe mit regulärem Ausgang sehen.
Noch eins: Was hat uns denn das erfolgreiche Hockey letzten September und Oktober gebracht außer einem Wohlfühlfaktor bis dahin? Gar nichts! Denn spätestens im Dezember/ Januar sind wir abgegangen wie Schmidts Katze (@Cat: Entschuldigung!) und im Februar gerade noch rechtzeitig wieder auferstanden. Deshalb, liebe Doppelspitze: Baut diesmal die Mannschaft ruhig langsam und mit Bedacht auf. Uns drängt in wirtschaftlich schweren Zeiten gar nichts. Holt bis September noch die avisierten Überraschungen und danach das, was die Kohle hergibt. Der Spielermarkt ist voll, die Preise purzeln. Anders, als in den letzten Jahren, würde mir reichen, wenn wir anfangs einigermaßen konkurrenzfähig sind und ab Dezember dann richtig in den Gängen. R & R: Ihr macht das schon!!! Mir hat auch der Manager- Spruch gefallen, wonach ein Vertrag für einen Trainer in Weißwasser schon noch den Status von etwas Besonderem und nicht von Notnagel haben möge. Da liegt zwar reichlich Pathos drin, aber man sollte wissen, was man sich wert ist. Das gilt auch für die Fans. Schielt ruhig nach Dresden. Aber nicht, um zu beneiden. Guckt lieber, ob die vielen jungen Spieler dort Eiszeiten bekommen...
Und wer noch immer nicht glaubt, dass im Eishockey Rezession angesagt ist, hier mal ein paar „Impressionen“ aus der „näheren“ Umgebung:
• Rückzug aus der Oberliga - Eisbären Juniors, Saale Bulls Halle, Blue Lions Leipzig, TEV Miesbach, Piranhas Rostock.
• Auf Aufstieg verzichtet - ERV Schweinfurt, TSV Peißenberg, ECC Preußen Berlin, Harzer Wölfe.
• Auf-/Einstieg gescheitert - EV Duisburg, Hügelsheim Hornets.
Uns steht bestimmt keine einfache Spielzeit bevor. Zumindest würde ich in diesem Jahr nicht darauf wetten, dass wir in die Play- offs kommen...
In diesem Sinne: Bleibt sauber! Und: Alles was recht ist!
Euer Sebastian Matthieu
1 | thingslikehockey | 02.07.2009 @ 23:31
Jawoll ja ;)
P... wie Puckjäger.. ach wie bin ich unkreativ :-/
2 | Crazy Com | 02.07.2009 @ 23:41
Also ich wär ja für P wie Party ;-) @P.F.E.I.F.F.E.R.: Danke für die Kolumne!
3 | Ninocsas | 02.07.2009 @ 23:42
Ich habe damals Prügel bezogen, als ich Gose schrieb...! ;-)
4 | 3liter | 02.07.2009 @ 23:44
Hauptsache das "p" steht nicht für "Pustekuchen" ...
5 | fuechsefan | 02.07.2009 @ 23:58
Schön geschrieben... Jetzt wieder regelmäßig?
6 | Mozart | 03.07.2009 @ 00:17
P.F.I.F.F. wie Pfennigfuchser im Fan-Fokus. ;-)
7 | Mozart | 03.07.2009 @ 00:18
@3 Du hattest Gosse geschrieben...
8 | Howy2008 | 03.07.2009 @ 00:18
Ich persönlich wäre ja für PFEIFFERS FÜCHSE IM FAN FOCUS. Denn der Name ist ja nun mittlerweile zum Markenzeichen geworden. Warum also den Namen ändern, wenn das Produkt gut war? Auf ein Neues, ich freue mich auf den nächsten P.F.I.F.F.! Vielleicht beim nächsten mal in etwas größerer Schrift (für die Alten unter uns :-) )
9 | Icefox | 03.07.2009 @ 00:23
... und die Rezession geht weiter -> Crimmitschau. Danke für die Kolumne :)
10 | Hoywoyfux | 03.07.2009 @ 07:01
Hallo Pfeiffer - Du hast Dir mit Respekt aller Leute Deine eigene Marke geschaffen; in meiner Sprache nennt man sowas "Firmenwert". Somit brauchst Du m.E. nicht basteln, was/wer nun das vakante "P" ersetzt oder womit man es begründen soll. Lass´ es einfach wie es ist, denn es ist gut so !
Und heute hab ich an einigen Stellen wieder herzlich geschmunzelt... Du weißt schon Gruß und schönen Urlaub noch
11 | Dynamix12 | 03.07.2009 @ 08:03
Pfeiffers Füchse Im FanFokus klingt doch klasse. Der Wackelkandidat wurde jetzt auch veröffentlicht. Schade. Bleiben nur 2 für die 2. BL interne Sachsenmeisterschaft. Das zeigt aber auch wie erstklassig die Arbeit der Verantwortlichen bei den Füchsen (EHC und ESW) ist. Denn Crimme hatte sicherlich eine größere Sponsorendecke als der EHC.
12 | Fuchstino | 03.07.2009 @ 09:47
@ 11 hab es auch gerade gelesen und bin geschockt das der ETC keine Lizenz bekommt, und die leidtragenden sind die Fans schade das es keine derbys mehr gibt
13 | mat | 03.07.2009 @ 11:22
nen bisschen hoffnung gibts ja noch für unseren einzig echten derby-gegner. daumen drücken! hauptsache der etc hat sich nen topscorer geangelt - kopfschüttel!
14 | 3liter | 03.07.2009 @ 11:55
Naja, die Kommentare aus Crimmitschau hörten sich ja zumindest optimistisch an. Ich denke, da ist das letzte Wort noch nciht gesprochen. Wie auch immer, ich drücke dem ETC die Daumen, dass sie es schaffen und entsprechend auch die Saison überstehen.
15 | Opi | 03.07.2009 @ 14:15
Na endlich wieder einen PFIFF unseres PFEIFFERS, danke dafür und weiter so. Unterhaltsam und lehrsam(für einige), immer wieder ein Genuss es zu lesen. Ausserdem schliesse ich mich der Meinung vom Hoywoyfux an, es sollte so bleiben wie es ist, es ist für viele eine Institution, die man so erhalten sollte. Gib Dir einen Ruck, Pfeiffer und lass es so, wie es ist. Du würdest vielen einen großen Gefallen tun.Schöne Grüße an Dich, Sebastian!!!
16 | obelix | 03.07.2009 @ 20:49
Endlich Wochenende und wieder ein P.F.I.F.F. zum Schmunzeln und Nachdenken - Herz was willst du mehr? Meine Lieblingswörter im aktuellen P.F.I.F.F. (der Name MUSS bleiben!) sind: trainerdoppelbespitzt, pimperlingsgeplagt und Luftschlangenweitwurf!
17 | rene72 | 03.07.2009 @ 21:59
wie immer geiles Teil ;-) weiter so
18 | alexis | 03.07.2009 @ 22:58
Danke P.F.E.I.F.F.E.R für diese amüsanten und nachdenklich stimmenden Worte...
19 | Andi | 04.07.2009 @ 11:05
Der P.F.E.I.F.F.E.R pfeifft endlich wieder. Das hat ganz schön gefehlt. Vielen Dank für den wieder mal grandiosen Beitrag.
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Liebe Freunde des traditionsreichen und trainerdoppelbespitzten Weißwasseraner Eishockeys! Nun ist der Tag da, an dem ich die Last der barschen Antwort unseres ehemaligen Kolumnenmitnamensgebers auf der letzten Pressekonferenz der alten Saison auf meine Frage nach seiner da längst beschlossenen Zukunft abgeworfen habe. Damit wäre zunächst aber auch das „P.“ weg und dieser Text hieße nur noch F.I.F.F., was eher nach „blöder Hund ohne i“ klingt. Ihr merkt: Die schöpferische Pause war auch dem Umstand des Grübelns darüber geschuldet, der Kolumne entweder einen neuen Namen zu verpassen oder das „P.“ umzuinterpretieren. Kleinere Umfragen im Bekanntenkreis favorisierten letztere Variante. Wofür aber soll das „P.“ dann neuerdings stehen: POWER- , PLEITE- , PINUNSENARME-, PIMPERLINGSGEPLAGTE- , PIELES, PROVINZ- , PANNEN- , PATENTE oder POTENTE, PENATLYKILLENDE oder POWERPLAYENDE, PHANTASTISCHE oder PHÄNOMENALE, PROMISKUITIVE, PFENNIG- , PICHEL- , PROFI- , PROLETARISCHE oder PROLETEN- , PUCK- oder doch PÄDOPHILE... Entschuldigung- Letzteres geht natürlich zu weit und bezog sich allenfalls auf die strikte Arbeit mit dem Nachwuchs!!!
Ja- was soll und kann es nun sein? R.F.I.F.F. scheidet ebenso aus wie H.F.I.F.F. oder D.F.I.F.F. Auch D.R.F.I.F.F. (für „Doppel- Rs“ – Rohres & Ralles...) oder Z.R.F.I.F.F. (zwei Rs) kämen als Titel nur für Berichte über das tschechische oder finnische Eishockey in Betracht. Ginge es nach den jüngsten Veröffentlichungen der Eishockey-News, dann käme ohnehin nur „PLEITEN- “ in Frage. Während das Blatt auf der Zweitligatitelseite mit der Überschrift: „Crimmitschau oder Weißwasser: Ein Club ‚wackelt’ weiterhin“, daherkommt, wird im ETC- Beitrag nach dem Umblättern Eispiraten- Geschäftsführer René Rudorisch höchst optimistisch und mit den Worten zitiert: „Mit diesen Unterlagen haben wir alle geforderten Details offengelegt, so dass dem grünen Licht nichts mehr im Wege stehen dürfte.“ Im Füchse- Artikel geht es dagegen „nur“ um das Bleiben von Thomas Götz. Na da ist doch zumindest subjektiv deutbar die Spur zum „Wackelkandidaten“ klar gelegt.
Mir ist unverständlich, warum sich unser Eishockeyfachblatt auf boulevardjournalistisches Niveau herab begibt. „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die ... halten!“, würde Dieter Nuhr einwerfen. Dem müsste man diesbezüglich uneingeschränkt beipflichten. Entweder ich habe Infos, die belastbar sind, und lasse was gucken oder es einfach bleiben. Jedenfalls habe ich „nachgehorcht“ und dabei zu erfahren bekommen, dass Weißwasser nicht ernsthaft gemeint sein soll. Damit wäre der Zonk zurück im Sahnpark. Die dortigen Fans mutmaßen ihn bestimmt weiter in der Lausitz. Wem also hat die EHN- Berichterstattung nun wirklich etwas gebracht? Und wer weiß eigentlich, wie es monetär bei den restlichen 12 Bundesligisten ausschaut!? Ich behaupte: Das weiß nicht einmal die ESBG.
Womit wir mittendrin sind im diesjährigen Sommertheater. Anders als in den Jahren zuvor besticht diesmal die „Programmvielfalt“. Es gibt keine Liga, die nicht für diverse Schlagzeilen gesorgt hat. Das Schlimme ist: Die Schlagzeilen, begonnen vom Nationalteam bis hinunter in die Landesverbände, sind fast durchweg negativ. Man nähert sich dem Image von Rad- und Reitsport oder Luftschlangenweitwurf immer mehr an. Nicht mehr lange, und man bekommt als Eishockeyfan pro Saison drei soziale Trainingskurse zwangsverordnet. Natürlich geht es in erster Linie mit den Verantwortlichen nach Hause, wenn der Sport zunehmend ins zweite Glied rückt. Wofür wird denn überhaupt noch Profieishockey angeboten? Vielleicht nur, damit reichlich 250 deutsche Spieler und etwa doppelt so viele Ausländer ihr Geld mit ihrem Hobby verdienen dürfen und nicht arbeiten müssen? Fehlende seriöse und vor allem langfristig und im Sinne des Wettkampfes angelegte Strukturen führen Meter für Meter in die Sackgasse. Was hatte Bietigheim denn tatsächlich vom Gewinn der Zweitligameisterschaft? Neben dem den Anhängern gegebenen Stolz und den Prämien für die Cracks doch nur Zerreißproben über das Wie und Weiter, „mutmachende“ Ansagen vom Verband und nun auch noch Debatten in der und mit der Stadt über die DEL- taugliche Eishalle für’s „nächste Mal“.
Bei uns läuft das alles eine Nummer kleiner ab. Und das wahre Sommertheater im Fuchsbau haben in diesem Jahr die Fans gestaltet- mit etwas Unterstützung der Trainerfindungskommission. Als ich nach dem letzten Saisonspiel die Halle verließ, gab mir der Matthias Kliemann als Info zum mutmaßlichen neuen Trainer mit auf den Weg: „Das ist einer, den hat keiner auf der Rechnung.“ Da wir nun wissen, dass uns die Doppelspitze durch die nächste Spielzeit führt, ist auch geklärt: Zwei Coaches hatte offenbar nicht mal der Piele auf der Rechnung und die nun gefundene Lösung wohl tatsächlich (zunächst) keiner. Ob man diese Internbesetzung nun gut oder schlecht findet, kann jeder für sich entscheiden. Maßgeblich ist und bleibt, was „hinten rauskommt“. Auch R & R wissen, dass man sie am Erfolg messen wird. Für eine angemessene Bewertung bedarf es aber auch eines realitätsnah erhobenen Ist- Zustandes. Schon da habe ich mich doch sehr über das gewundert, was hier so an Forderungen und Befindlichkeiten geäußert wurde. Mag auch die Verkündung der Trainerdoppelspitze ein kleines Wunder gewesen sein. Das große Wunder ist, dass es in Weißwassser auch im Jahr 20 nach der Wende noch Profieishockey gibt.
Zum wiederholten Male: Man muss nicht „Insider“ sein, um Eins und Eins zusammenzählen zu können. Deshalb ganz aktuell: Im Januar gingen Sutter und Ortolf. Es kamen Gose, Flamik und Sullivan. Dazu wurde auch über die ehrenvollen und erfolgreichen Bemühungen von Bernd Nadebor berichtet, der Geldgeber zur Finanzierung der # 97 beschaffte. Das darf man dann wohl so interpretieren, dass die drei Neuen etwas mehr kosteten, als durch die Abgänge frei wurde. Sollte da schon, was meines Erachtens mehr als nahe liegt, das Loch im Etat erkennbar gewesen sein, dann ist man zugunsten des sportlichen Erfolges ein hohes wirtschaftliches Risiko gegangen. Der Preis muss nun in der kommenden Spielzeit gezahlt werden. Angesichts der Botschaften aus allen Vereinen und der nicht wegzuleugnenden allgemeinen Krise dürfte doch eines unstrittig sein: Akteure, für die zwei Gehälter fällig werden, weil sie zum kleineren Teil für Eishockey und zum größeren für Entertainment entlohnt werden, wird es so schnell nicht mehr geben. Es helfen aber weder der Blick zurück noch Versuche von Schuldzuweisungen: Mehr denn je ist nur GEMEINSAM der Fuchs am Leben zu halten.
Mich würde interessieren, wie diejenigen, die sofort weitere Spielerverpflichtungen fordern, mit ihrer eigenen Haushaltskasse klar kommen. Denn: Jeder Mitwirkende am Halbfinaleinzug 2008/09 hat doch zunächst seinen Marktwert gesteigert. Ein Ryan MacDonald hat seinen Vertrag bei uns mit Sicherheit nicht zu gekürzten Bezügen verlängert. Erfolg kostet Geld- auch im Jahr danach. Wir werden ihn nicht für alle Akteure bezahlen können und wollen. Wenn dann noch der Lizenzgeber klare Schranken setzt, dann hieße ein Sich- dem- Fanwillen- Beugen Lizenzverstöße und höchste Insolvenzgefahr. Soll das ein guter Weg sein? Ein Geschäftsmann hat mir mal erklärt: „Wenn das Eis dünner wird, musst du schnellere und größere Schritte machen.“ Ich weiß nicht, wie schnell er irgendwann lief. Ich weiß aber, dass er einbrach. So wie Regensburg, Essen, Bad Tölz...
Auch das Verweisen auf die ausbleibenden Zuschauer bei kleinem Kader und die prognostizierten Niederlagen geht als hieb- und stichfestes Argument nicht durch. Ist es lohnenswert, a la Bad Tölz Woche für Woche zwar gutes, aber nicht rechtmäßig „erworbenes“ Eishockey anzubieten, dem schließlich das Highlight verloren geht und bei dem der Sport schließlich gänzlich auf der Strecke bleibt? Ich will lieber ehrliche Wettkämpfe mit regulärem Ausgang sehen.
Noch eins: Was hat uns denn das erfolgreiche Hockey letzten September und Oktober gebracht außer einem Wohlfühlfaktor bis dahin? Gar nichts! Denn spätestens im Dezember/ Januar sind wir abgegangen wie Schmidts Katze (@Cat: Entschuldigung!) und im Februar gerade noch rechtzeitig wieder auferstanden. Deshalb, liebe Doppelspitze: Baut diesmal die Mannschaft ruhig langsam und mit Bedacht auf. Uns drängt in wirtschaftlich schweren Zeiten gar nichts. Holt bis September noch die avisierten Überraschungen und danach das, was die Kohle hergibt. Der Spielermarkt ist voll, die Preise purzeln. Anders, als in den letzten Jahren, würde mir reichen, wenn wir anfangs einigermaßen konkurrenzfähig sind und ab Dezember dann richtig in den Gängen. R & R: Ihr macht das schon!!! Mir hat auch der Manager- Spruch gefallen, wonach ein Vertrag für einen Trainer in Weißwasser schon noch den Status von etwas Besonderem und nicht von Notnagel haben möge. Da liegt zwar reichlich Pathos drin, aber man sollte wissen, was man sich wert ist. Das gilt auch für die Fans. Schielt ruhig nach Dresden. Aber nicht, um zu beneiden. Guckt lieber, ob die vielen jungen Spieler dort Eiszeiten bekommen...
Und wer noch immer nicht glaubt, dass im Eishockey Rezession angesagt ist, hier mal ein paar „Impressionen“ aus der „näheren“ Umgebung:
• Rückzug aus der Oberliga - Eisbären Juniors, Saale Bulls Halle, Blue Lions Leipzig, TEV Miesbach, Piranhas Rostock.
• Auf Aufstieg verzichtet - ERV Schweinfurt, TSV Peißenberg, ECC Preußen Berlin, Harzer Wölfe.
• Auf-/Einstieg gescheitert - EV Duisburg, Hügelsheim Hornets.
Uns steht bestimmt keine einfache Spielzeit bevor. Zumindest würde ich in diesem Jahr nicht darauf wetten, dass wir in die Play- offs kommen...
In diesem Sinne: Bleibt sauber! Und: Alles was recht ist!
Euer Sebastian Matthieu