Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
P.F.I.F.F.
13.08.2009 | 22:41 Uhr von
Liebe Freunde des traditionsreichen und nostalgieschwelgenden Weißwasseraner Eishockeys! Je nach dem, wann diese Zeilen ins Netz kommen und man sie liest: Noch einmal oder keinmal schlafen – dann ist die neue Eiszeit wirklich da. Oder Ihr habt verpennt... Der Josef kommt in den Fuchsbau! Fast noch mehr als auf das erste Testspiel freue ich mich auf den kleinen Teufelskerl. Wenn er auf das Eis läuft, sollten sich alle Anwesenden von den Plätzen erheben, damit sie sich entsprechend tief verneigen können. Einer der größten Sportsmänner, die je in Weißwasser zu erleben waren, hat die Schlittschuh an den Nagel gehängt. Mit 42 Jahren ist er noch tschechischer Meister geworden. Derweil wir in vergleichbarem oder leicht höherem Alter es in 60 Eishockeyminuten vielleicht fünfmal zum Tresen und zurück schaff(t)en, hatte Josef bis zuletzt regelmäßig überdurchschnittlich viel Eiszeit. Warum auch immer ist mir eine Szene in besonderer Erinnerung geblieben: Weißwasser spielte in der Saison 1995/96 in Karl- Marx- Stadt gegen Schwenningen. Kurz vor Schluss lagen wir – wie in Chemnitz praktisch immer – hinten; nämlich 1:3. Da schnappte sich der Josef die Scheibe, stiefelte los und suchte eine 1:1- Situation mit dem damaligen Nationalverteidiger Daniel Nowak. Es war köstlich, wie sich die auf 1,70 Meter verteilten 80 kg gegen den „Dunderklumpen“ Nowak mit 102 kg bei 1,85 Meter behaupteten. Josef zwirbelte dem Kontrahenten einen Knoten in die Beine, schob ihn einfach beiseite und netzte zum 2:3 ein. In dazumal schweren Zeiten sorgte dieses Tor für einen gefühlten Sieg – zumindest bei mir.

Danach bin ich so oft als möglich nach Liberec gefahren, um Josef spielen zu sehen. Egal ob Pilsen, Sparta Prag oder zuletzt Karlsbad: Der kleine Mann mit dem großen Kämpferherzen und der Nummer 9 war immer ein Aktivposten. Keine Über- oder Unterzahl lief ohne Josef. Er spielte immer schnörkellos, fast durchweg fehlerfrei. Nie war zu erkennen, dass da ein Senior rackerte, der der Vater der Mitspieler sein konnte. Und: Er kannte seine Fans aus Weißwasser, vergaß sie nie und nahm sich stets Zeit für Gespräche, Autogramme oder Fotos. Eigentlich gibt es nur einen Wermutstropfen: Schade, dass der Abwehrstratege seine Karriere nicht bei uns ausklingen ließ. Aber neben monetären sprachen wohl auch geschäftliche Belange strikt dagegen. Schon während der letzten Jahre seiner Karriere betätigte sich Josef mehr und mehr in seiner Firma in Tschechien. Die ließ längere Abwesenheiten nicht zu.

Nun kommt er also auf ein „Na shledanou!“ nach Weißwasser. Bereiten wir alle ihm einen gebührenden Empfang. Natürlich ist es vermessen, eine ausverkaufte Halle zu fordern. Andererseits wäre eine Zuschauerzahl im Bereich sonstiger Testspiele in gewissem Maße ein Armutszeugnis. Ein sehr zahlreiches „Lebewohl!“ hat sich der „Eishockeygott“ nun wirklich verdient.

Zumal es neben Josef auch sonst eine ganze Menge zu bestaunen gibt: Die neue Mannschaft ohne Coach in vermutlich neuen Dressen und Gastspieler en masse. Über die wurde ja schon zuhauf diskutiert: Wer verstärkt uns, wer passt menschlich, wer läuft nur mit? Jetzt ist sie da, die Chance, sich ein eigenes Bild zu machen. Und wenn im Fuchsbau neue Kreativität Einzug hält, dann könnte doch in dieser Saison neben der Wahl zum „Fuchs des Jahres“ auch die zum „Unbedingt-Verpflichten-Fuchs“ erfolgen: Die Fans stimmen nach minimal drei Vorbereitungsspielen ab, für wen zwingend noch Geld aufgetrieben werden muss, damit er vertraglich gebunden werden kann. Aber wehe wenn es dann ein Flop werden sollte: Die Stimmzettel (natürlich mit Name, Adresse und Bankverbindung) werden aufbewahrt- Regress inclusive...

Dabei sagt die Erfahrung des Vorjahres, dass Eindrücke aus den ersten Tests durchaus trügen können. Mir zumindest hatte sich im letzten August kein Kontingentspieler aufgedrängt, den ich in die Kategorie „Säule“ eingeordnet hätte. Welche Entwicklung beispielsweise ein Rome, Mizzi oder MacDonald später nahmen, dürfte allen in bester Erinnerung sein. Immer wieder fällt bei der Nennung von „Wunschweiterverpflichtungen“ auch der Name Young. Herr Lehrer: Ich weiß da was! Unsere sportliche Leitung hält regelmäßigen Kontakt zu Kevin, der wohl noch unter die Rubrik „vertragslos“ fällt. Als Probespieler muss der sich in Weißwasser bestimmt nicht beweisen. Noch scheint nicht aller Tage Young zu sein... Einfach mal den passenden Geldgeber an Matthias Kliemann vermitteln- und schon könnte es recht schnell gehen!

Eher nicht so schnell gegangen ist es bei der Einbürgerung von Nolan McDonald. Klar wäre es schön gewesen, ihn mit Hannover im Fuchsbau zu sehen. Zumal ja ein Teil unserer Jungs noch gewusst hätte, wo er besonders verwundbar ist... Allerdings habe ich nie verstanden, unter welchen Gesichtspunkten er den deutschen Pass bekommen sollte. Sicher kenne ich seine verwandschaftlichen und Haustierverhältnisse nicht im Detail. Aber seit ich vom erfolgreichen Deutsch- Test hörte und sich damit aufdrängte, die Aufenthaltsdauer in Bundesrepublikanien solle Türen öffnen, da wurde offenkundig, dass nur eine sehr, sehr, sehr wohlwollende Ausländerbehörde a la Freiburg, wo alles Deutsch wurde, was fehlerfrei Knödel dämpfen konnte, die deutsche Staatsangehörigkeit zuerkennen würde. Spätestens zwei Tage nach dem jeweils letzten Saisonspiel düste Nolan ab gen Kanada, um selten vor dem 1. August zurückzukehren. Ein dauernder Aufenthalt in unserer „ausgemerkelten Republik“ ist so wohl kaum nachzuweisen. Andererseits haben wir in unserem Land ja nicht so viel zu verschenken. Da sind Pässe noch das geringere Übel...

Gar nicht übel waren die Zugriffszahlen auf den letzten P.F.I.F.F. Vermutlich war es sogar Rekord! Und daher geht mein uneingeschränkter Dank nach Dresden, wo man zwar offenbar in Sachen Humor nun völlig unerfahren (Ich wollte nicht unterbelichtet schreiben- man provoziert doch nicht!) ist, dafür mit reichlich Frust die Kolumne ins dortige Forum verlinkte. Ganz ehrlich: Mehr als einen an Deutlichkeit nicht zu übertreffenden Hinweis auf Satire hielt ich nicht für erforderlich, um Missverständnisse zu vermeiden. Aber die Landeshauptstadt ist eben doch ein ganz anderes Pflaster. Zumal es dort einen User namens „supi“ gibt, der einfach zu viel weiß und mit diesem Wissen auch noch nicht einmal hinter dem Berge hält. So schnell gerät die Justiz dann ins Zwielicht! Eins muss man „supi“ aber lassen: Der hat die zwinkernden Augen erkannt. Das war ja nur Wenigen dort vergönnt. Und weil ich nur wenige Löwenfans kenne, die meist alles „supi“ finden, sage ich mal: Es muss sich bei „supi“ um einen „Motorradkonstrukteur“ handeln, und zwar jenen, der die „TS“ erfand... Na – sTIMmts? ;-))

Welch reizende Wirkung das Wort „Dresden“ immer wieder entfaltet, belegt ja die aktuelle Debatte über Sascha Haches laute Gedanken. Und diese Debatte zeigt zwei Dinge: Es gibt im eigenen Lager mindestens vergleichbar viele „Patienten“ wie bei den Eislöwen, bei denen das Hören oder Lesen des Namens des Erzfeindes für sich selbst überholende Gedankengänge und das Durchschlagen der „dunklen Seite“ der Seele sorgt. Leute: Bewahrt doch Ruhe und Stil!!! Denn zweitens gibt es absolut keinen Grund, egal welchem Verein gegenüber auch immer, sich aus Fankreisen für Weißwasser mit besonders solidem Wirtschaften zu brüsten. Natürlich ist und war es richtig, mit unseren eigenen Problemen offensiv umzugehen. Das war aber nicht in jedem Jahr so. Angefangen mit der Insolvenz dereinst in der Ära von Dr. Dietze über die Konsoldierungssaison mit einem geplanten Etat von 850.000 Euro, der zunächst Fred Carrol den Job und später nicht unerhebliche „Zuschüsse“ kostete, ehe das Happyend mit dem Klassenerhalt folgte, begann am Ende fast jeder Spielzeit das große Rechnen und Jonglieren. Jeder kennt die Namen unserer „Retter“, denen man nicht dankbar genug sein kann. Insofern: Lasst alle den Zeigefinger stecken und uns hoffen, dass KEINEN der sächsischen Vereine der wirtschaftliche Kollaps ereilt. Denn ein Ende in nur einem der drei Standorte würde auch die Kontrahenten schwer treffen. Und: Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass es nur wenige Zweitligisten gibt, die kein „Loch“ vor sich her schieben. Irgendwann kommt die Wahrheit immer ans Licht. Ungeachtet dessen bleibt zunehmend auch eins auf der Strecke: Fairness! Das: „Wir sind alle Eishockeyfans!“, sollte endlich wieder gelebt werden. Der Sommer ist rum, der Eishockeyentzug kann ab sofort wieder durch Eishallenbesuche bekämpft werden und mit den Gedanken wird hoffentlich auch der Kopf wieder frei. Ich jedenfalls freue mich schon auf wieder erhitzte, aber auch realitätsnahe und faire Istzustandsanalysen mit „supi“.

Wenn es denn in diesem Spieljahr „Füchse geben niemals auf!“, heißt, dann bezieht sich das meines Erachtens kaum auf die nicht selten sinnfreien Forenduelle mit Blau- Weiß oder Rot- Weiß. Kann man dem Sebastian Klenner glauben, so wird das Team diesen unbändigen Behauptungswillen in sich tragen. Die Ansage, wonach die Mannschaft der Star ist, gilt 2009/10 in Eishockey- Weißwasser mehr denn je. Wenn dann die Fans gleichfalls nie aufgeben, stehen wir schon zu Siebt auf dem Eis. Welch hoffnungsvolle Aussicht!!! Weil aber der Slogan „Füchse geben niemals auf!“, Jahr für Jahr und Spiel für Spiel zählt, hätte ich mir eher ein Saisonmotto a la „Mit wenig Moos ne Menge los!“, gewünscht. Egal: Erfolg ist, wenn man trotzdem lacht. Und das möglichst schnell und oft.

In diesem Sinne: Bleibt sauber! Und: Alles was recht ist!
Euer Sebastian Matthieu
1796 mal gelesen
 
1 | stesi | 13.08.2009 @ 22:49
wat für ein text,einfach klasse.
2 | Polly | 13.08.2009 @ 23:49
sehr sehr fein :) dann sage ich mal *lasst die spiele beginnen*
3 | 3liter | 13.08.2009 @ 23:54
Schönes Ding du. Und mal ehrlich ... ich fände es traurig, wenn DD oder der ETC nicht mehr unter uns weilen würden. Wessen Forums soll man denn dann zutexten? Und was mach ich ohne Feindbild? Nee, nee, das wäre doch langweilig.
4 | Heidi | 14.08.2009 @ 06:44
schön geschrieben - wie immer... Note 1+; Heute Morgen in der Sz hat Herr Laudusch aus WsW auch einen kurzen Leserbrief bzw. -meinung zun den Eislöwen abgegeben.
5 | rene72 | 14.08.2009 @ 07:38
wie immer Klasse
6 | Eddy08 | 14.08.2009 @ 10:04
Ganz große Klasse, hoffentlich kommt es auch in allen Köpfen an. Daumen hoch...es ist das beste was ich seit langem auf diesem Gebiet gelesen habe ... zu Herrn Ladusch sei gesagt, er soll sich erstmal informieren, dann um das Wohl unseres ESW kümmern und dann kann er nach anderen Vereinen schielen...erst wenn kein Dreck mehr vor unserer Tür liegt ... ich wünsch euch einen schönen Tag
7 | cat | 14.08.2009 @ 10:19
Einfach "supi" der Text, laßt uns aufbrechen in dasGefilde des Fuchsbaus und Josef ehren, wie es ihm gebührt. Heut wenigstens. Die anderen sind andermal dran. See You All Tonight
8 | Opi | 14.08.2009 @ 10:27
Ein Text zum geniessen!!! Wie immer absolute Klasse!! Vor allem finde ich das Motto Klasse, das wär noch mal ne Malstunde im Bunker wert: MIT WENIG MOOS NE MENGE LOS!!! Also, lasst es uns angehen!!!
9 | Andi | 14.08.2009 @ 12:57
Mr. P.F.E.I.F.F.E.R - ich verneige mich vor ihrer Schreibkunst und heut abend natürlich vor uns Joseph
10 | SCHWEDE | 14.08.2009 @ 13:18
Ansprechender Text, Respekt! Und heut abend sollten wir alle nochmal Joseph "huldigen". Ein absuluter Sportsmann durch und durch, ein Kämpfer vor dem Herren, wei es sie ihn heut nicht mehr allzuoft gibt. Man sollte Joseph in die "Hall of Fame" des Hockeys von WSW aufnehmen. Mein persönlicher "Hall of Famer" ist erschon lange!
11 | Hoywoyfux | 15.08.2009 @ 21:32
Danke fürs 3.Drittel. ;-) Den Rest schreib ich Dir per Email.
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