Am Freitag in einer Woche startet die 2. EishockeyBundesliga in die neue Saison. Wie viele Konkurrenten arbeiten auch die Lausitzer Füchse an der Komplettierung ihres Kaders. Immer beliebter bei den Clubs wird in Zeiten knapper Kassen das Testen von Probespielern. Try-outs sind der neue Trend. Sie bieten Chancen, haben jedoch auch Schattenseiten.
Am Mittwochmittag haben die Füchse auf ihrer Internetseite die Verpflichtung von Verteidiger Bastian Steingroß bekannt gegeben. Eine logische Verpflichtung – mag man meinen. Immerhin hat der 27-Jährige fast die komplette Vorbereitung im Fuchsbau absolviert. Aber: So selbstverständlich ist eine solche Verpflichtung beim Blick zu den Konkurrenten in der 2. Liga dann wieder doch nicht. Denn fast alle Clubs müssen sparen und greifen deshalb zwar neuerdings verstärkt auf das Instrument der Try-outs zurück. Aber viele der Spieler, die zur Probe bei einem Verein mittrainieren und auch spielen dürfen, müssen anschließend wieder gehen. Try-outs sind in Nordamerika gang und gäbe, jetzt kommen sie auch hier in Deutschland immer mehr in Mode. „Uns als Verein kommt es entgegen, dass wir die Spieler in dieser Zeit genau testen können, sportlich und auch charakterlich. Wir kaufen also nicht die Katze im Sack“, sagt Füchse-Manager Ralf Hantschke.
Weniger Arbeitsplätze
Möglich geworden ist dieser neue Trend durch die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Clubs. Sie müssen ihre Kosten herunterfahren und sparen vor allem an der Breite des Kaders. Deshalb werden weniger Spieler verpflichtet. Es gibt also viele Bewerber für weniger Arbeitsplätze. „Da es sehr viele Spieler auf dem Markt gibt, nutzen die Vereine natürlich die Möglichkeit aus, um die Spieler zu testen“, erklärt Spielerberater Klaus Hille in einem Interview der Fachzeitschrift „Eishockey News“.
Auch die Füchse haben diesen Trend für sich entdeckt. Mit den Verteidigern Robin Sochan, Bastian Steingroß und David Vychodil sowie Stürmer Arturs Krumnisch haben sie in der Vorbereitung gleich vier Probespieler getestet. Allerdings sind sie dabei einen anderen Weg gegangen als so mancher Konkurrent. Während Probespieler nämlich vorzugsweise nur wenige Tage vorspielen dürfen, war das Weißwasseraner Quartett voll in die Mannschaft integriert. Die vier Probespieler haben einen Großteil der Saisonvorbereitung im Fuchsbau absolviert und kamen auch in mehreren Testpartien zum Einsatz. Selbst eigene Trikots mit den Spielernamen auf dem Rücken hatten die Füchse für sie anfertigen lassen.
Und dennoch: Obwohl die Namen in goldenem Schriftzug auf den Trikots stehen, bedeutet das Abenteuer Try-out für die meisten Profis eine ungewisse Zukunft. Sie müssen sich auf dem Eis beweisen. Die Saisonvorbereitung ist für sie nicht nur Saisonvorbereitung, sondern knallharter Kampf um einen Vertrag. „Für die nordamerikanischen Spieler ist dies kein Problem, die sind es aus ihrer Heimat gewohnt, vorspielen zu müssen und haben dieses Prozedere schon oft mitgemacht“, erklärt Spielerberater Hille.
Anders sei es laut Hille bei den deutschen Spielern. „Für die Älteren ist es oft eine völlig neue Situation. Die Jüngeren sehen das sportlich und wollen sich beweisen.“
Wie sich die Zeiten geändert haben, zeigt vor allem das Beispiel Robin Sochan. Der 32-jährige Verteidiger spielt seit neun Jahren in Deutschland und hat seine Fähigkeiten bei vielen Vereinen unter Beweis gestellt. In der 2. Liga stehen für Sochan insgesamt 202 Einsätze zu Buche. Dass ein so erfahrener Profi trotzdem in die Try-outs muss, zeigt die dramatischen Veränderungen auf dem Spielermarkt. Auch die Gehälter sind wegen der Wirtschaftskrise um 25 bis 30 Prozent gesunken. „Spieler, die in den vergangenen Jahren für uns absolut unbezahlbar waren, sind jetzt plötzlich zu ganz anderen Konditionen auf dem Markt“, betont Hantschke.
Probespieler Robin Sochan erhielt einen Vertrag im Fuchsbau. Viele Profis bei anderen Clubs mussten wieder gehen. Fotos: Noack/Aswendt
Neben der sportlichen Leistung wird für die Vereine bei der Weiterverpflichtung von Probespielern die wirtschaftliche Seite ohnehin immer wichtiger. Auch die Füchse haben sich erst nach reiflicher Überlegung entschieden, die Probespieler Sochan und Steingroß unter Vertrag zu nehmen. Vychodil wurde dagegen wieder nach Hause geschickt, obwohl auch der Tscheche dem Kader gut getan hätte. „Mit seiner robusten Art verkörpert er einen Spielertyp, den wir so zurzeit noch nicht im Kader haben“, gibt Trainer Dirk Rohrbach aber unumwunden zu. Obwohl sich die Situation in der Verteidigung durch die Verletzung von Marcel Linke (Handbruch) und der familiär bedingten Abreise von Reagan Rome zugespitzt hat, konnten die Füchse aus finanziellen Gründen nicht alle Probespieler weiterverpflichten.
Reader wartet
Solche Erfahrungen machen die Profis auch bei anderen Clubs. Der Ex-Weißwasseraner Alan Reader beispielsweise hält sich derzeit bei seinem letztjährigen Verein SC Riessersee fit – allerdings ohne Aussicht auf einen Vertrag für die neue Saison. Auf dem Spielermarkt tue sich derzeit „so gut wie nichts“, klagt der beste Riesserseer Stürmer der vergangenen Saison. Readers Analyse klingt wenig verheißungsvoll: „Die Vereine, die Geld haben, sind schon gut bestückt und die, die neue Spieler bräuchten, haben kein Geld.“
Nach Linke freue ich mich außerordentlich über den Neuzugang Sochan, der mir bei den Möwen schon sehr angenehm aufgefallen ist. Wenn man sich den Artikel von Hr. Noack durchliest, kommt man schon zum Schluß, dass wir (im Rahmen unserer Möglichkeiten) eigentlich ganz gut aufgestellt sind. Der Ausfall von Rome und Linke war nicht vorhersehbar. Ich wünsche mir somit von ganzem Herzen, dass die gestellten Zahnräder ab Freitag nächste Woche ineinandergreifen.
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Am Mittwochmittag haben die Füchse auf ihrer Internetseite die Verpflichtung von Verteidiger Bastian Steingroß bekannt gegeben. Eine logische Verpflichtung – mag man meinen. Immerhin hat der 27-Jährige fast die komplette Vorbereitung im Fuchsbau absolviert. Aber: So selbstverständlich ist eine solche Verpflichtung beim Blick zu den Konkurrenten in der 2. Liga dann wieder doch nicht. Denn fast alle Clubs müssen sparen und greifen deshalb zwar neuerdings verstärkt auf das Instrument der Try-outs zurück. Aber viele der Spieler, die zur Probe bei einem Verein mittrainieren und auch spielen dürfen, müssen anschließend wieder gehen. Try-outs sind in Nordamerika gang und gäbe, jetzt kommen sie auch hier in Deutschland immer mehr in Mode. „Uns als Verein kommt es entgegen, dass wir die Spieler in dieser Zeit genau testen können, sportlich und auch charakterlich. Wir kaufen also nicht die Katze im Sack“, sagt Füchse-Manager Ralf Hantschke.
Weniger Arbeitsplätze
Möglich geworden ist dieser neue Trend durch die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Clubs. Sie müssen ihre Kosten herunterfahren und sparen vor allem an der Breite des Kaders. Deshalb werden weniger Spieler verpflichtet. Es gibt also viele Bewerber für weniger Arbeitsplätze. „Da es sehr viele Spieler auf dem Markt gibt, nutzen die Vereine natürlich die Möglichkeit aus, um die Spieler zu testen“, erklärt Spielerberater Klaus Hille in einem Interview der Fachzeitschrift „Eishockey News“.
Auch die Füchse haben diesen Trend für sich entdeckt. Mit den Verteidigern Robin Sochan, Bastian Steingroß und David Vychodil sowie Stürmer Arturs Krumnisch haben sie in der Vorbereitung gleich vier Probespieler getestet. Allerdings sind sie dabei einen anderen Weg gegangen als so mancher Konkurrent. Während Probespieler nämlich vorzugsweise nur wenige Tage vorspielen dürfen, war das Weißwasseraner Quartett voll in die Mannschaft integriert. Die vier Probespieler haben einen Großteil der Saisonvorbereitung im Fuchsbau absolviert und kamen auch in mehreren Testpartien zum Einsatz. Selbst eigene Trikots mit den Spielernamen auf dem Rücken hatten die Füchse für sie anfertigen lassen.
Und dennoch: Obwohl die Namen in goldenem Schriftzug auf den Trikots stehen, bedeutet das Abenteuer Try-out für die meisten Profis eine ungewisse Zukunft. Sie müssen sich auf dem Eis beweisen. Die Saisonvorbereitung ist für sie nicht nur Saisonvorbereitung, sondern knallharter Kampf um einen Vertrag. „Für die nordamerikanischen Spieler ist dies kein Problem, die sind es aus ihrer Heimat gewohnt, vorspielen zu müssen und haben dieses Prozedere schon oft mitgemacht“, erklärt Spielerberater Hille.
Anders sei es laut Hille bei den deutschen Spielern. „Für die Älteren ist es oft eine völlig neue Situation. Die Jüngeren sehen das sportlich und wollen sich beweisen.“
Wie sich die Zeiten geändert haben, zeigt vor allem das Beispiel Robin Sochan. Der 32-jährige Verteidiger spielt seit neun Jahren in Deutschland und hat seine Fähigkeiten bei vielen Vereinen unter Beweis gestellt. In der 2. Liga stehen für Sochan insgesamt 202 Einsätze zu Buche. Dass ein so erfahrener Profi trotzdem in die Try-outs muss, zeigt die dramatischen Veränderungen auf dem Spielermarkt. Auch die Gehälter sind wegen der Wirtschaftskrise um 25 bis 30 Prozent gesunken. „Spieler, die in den vergangenen Jahren für uns absolut unbezahlbar waren, sind jetzt plötzlich zu ganz anderen Konditionen auf dem Markt“, betont Hantschke.
Neben der sportlichen Leistung wird für die Vereine bei der Weiterverpflichtung von Probespielern die wirtschaftliche Seite ohnehin immer wichtiger. Auch die Füchse haben sich erst nach reiflicher Überlegung entschieden, die Probespieler Sochan und Steingroß unter Vertrag zu nehmen. Vychodil wurde dagegen wieder nach Hause geschickt, obwohl auch der Tscheche dem Kader gut getan hätte. „Mit seiner robusten Art verkörpert er einen Spielertyp, den wir so zurzeit noch nicht im Kader haben“, gibt Trainer Dirk Rohrbach aber unumwunden zu. Obwohl sich die Situation in der Verteidigung durch die Verletzung von Marcel Linke (Handbruch) und der familiär bedingten Abreise von Reagan Rome zugespitzt hat, konnten die Füchse aus finanziellen Gründen nicht alle Probespieler weiterverpflichten.
Reader wartet
Solche Erfahrungen machen die Profis auch bei anderen Clubs. Der Ex-Weißwasseraner Alan Reader beispielsweise hält sich derzeit bei seinem letztjährigen Verein SC Riessersee fit – allerdings ohne Aussicht auf einen Vertrag für die neue Saison. Auf dem Spielermarkt tue sich derzeit „so gut wie nichts“, klagt der beste Riesserseer Stürmer der vergangenen Saison. Readers Analyse klingt wenig verheißungsvoll: „Die Vereine, die Geld haben, sind schon gut bestückt und die, die neue Spieler bräuchten, haben kein Geld.“
Von Frank Noack
Quelle: Lausitzer Rundschau vom 03.September 2009