Nochmal olympisches Flair
Der letzte Tag in Vancouver brach eindeutig zu früh an. Aber ich hatte ja noch eine Forderung zu erfüllen. Kann gar nicht verstehen, warum ich vor der Reise gesagt bekommen habe, ich soll mir auch was anderes außer Eishockey anschauen - dabei ist das doch grundsätzlich so ein toller Sport. Bevor jetzt noch irgendjemand auf Fotos wartet, diese Leser muss ich leider enttäuschen, meine Kamera ist am Abend zuvor leider kaputt gegangen. Die Nummer des Spendenkontos gebe ich auf Anfrage gern heraus. Nun denn, es ging gegen 9 Uhr noch ziemlich verschlafen raus aus den Federn und einmal quer durch die ganze Stadt zum British Columbia Institut of Technology (BCIT). Der Universitätsparkplatz diente den Shuttlebussen nach Whistler als Startpunkt.
Um das Prozedere mal kurz zu beschreiben: Wenn man zu den Schneewettbewerben nach Whistler fahren wollte, war man genötigt, zu den Veranstaltungstickets auch Busfahrkarten für das Olympia Busnetz zu kaufen, ein Shuttleservice um die Zuschauer von Vancouver in den 2 Autostunden entfernten Skiort Whistler zu bringen. Allerdings konnte man an den offiziellen Ticketboxen in Vancouver keine Tickets für Whistler kaufen und umgedreht. Hiess im Klartext für mich - kein Ticket, keine Busfahrkarte. Allerdings war die Organisation des ganzen Systems mehr als mangelhaft ausgeführt - eine Busfahrkarte zehn mal kopieren und ruckzuck war man mit 11 Mann drin im Bus. Also Fahrkarte von der Hannoveranerin kopiert gehabt und rein in den Bus… dachte ich. Aber plötzlich wollte der freiwillige Helfer wirklich mein Veranstaltungsticket sehen. Nun war guter Rat teuer. Aber da man an der Hotelrezeption lernt zu schauspielern, hab ich mein Talent zum Besten gegeben. Mit der Erklärung, dass mein Ticket bereits oben bei Freunden in Whistler sei, weil ich schusseliges Ding diese winzigen Stück Papier doch immer verbummel, wurde ich aus Kulanz in den Bus gelassen und los ging’s. Whistler ist ein idyllisches kleines Bergdorf mit Skipisten, wohin das Auge reicht. Eine davon endete gefühlt auf dem Marktplatz des Dorfes. Während einem Rundgang bin ich noch am House of Switzerland vorbeigekommen, in dem natürlich die Viertelfinalpartie zwischen den Eidgenossen und der USA lief. Es war ein spannendes Spiel und wurde lediglich durch ein Treffer in das leere Tor entschieden. Die Schweizer konnten lange Zeit mithalten, mussten sich aber dann mit 0:2 geschlagen geben. Mit einer (nicht originalen) Cervelatwurst in der Hand habe ich mich dort auch mit der Hannoveranerin getroffen und nachdem wir noch ein Ticket auf dem Schwarzmarkt für mich erworben hatten gings los zum Whistler Sliding Centre, der stark kritisierten Bob- und Rodelbahn.
Pünktlich zum Beginn des dritten Laufes bei der Damen-Bob-Konkurrenz befanden wir uns auf dem Gelände. Doch die Frage der Hannoveranerin, ob ich in den Startbereich hinaufgehen möchte wurde nach wenigen Metern Fussmarsch kategorisch abgelehnt. Da ich an diesem Tag das erste und einzige Mal den extra gekauften Wintermantel und die extra gekauften Winterschuhe getragen habe (hat schön warm gehalten) und die Strecke bis zum Start doch echt steil war, haben wir uns dann in den Zielbereich gestellt. Von unserem Platz auf der Tribüne hatten wir einen guten Blick auf 3 Kurven und den Auslauf. Und um eins mal vorweg zu nehmen - die Dinger sind sch… schnell. Sieht ja im Fernsehen immer irgendwie langsam aus, aber so schnell kannste den Kopf gar nicht rumreissen, wie die Bobs die Piste hinunterjagen. Die aussichtsreichsten Chancen hatten Cathleen Martini und ihre Anschieberin Romy Lobsch, als sie nach dem 3. Lauf auf dem 4. Platz lagen. Doch es kam wie es kommen musste, die Bahn verzeiht keine Fehler und so mussten auch wir einen Sturz mit ansehen, der schlimmer nicht hätte sein können, da es Romy Lobsch auch noch aus dem Bob herausgeschleudert hat. Die ganze Tribüne im Schockzustand - wirklich kein schönes Gefühl. Auch die Sportlerinnen hielten inne. Doch zum Glück konnte ziemlich schnell Entwarnung gegeben werden, die beiden Pilotinnen kamen mit leichten Verletzungen davon und wurden mit Applaus und aufmunterndem Drücken ihrer Kameradinnen gefeiert. Da das mit dem Edelmetall nun leider nicht geklappt hatte, drückten wir nun den Kanadierinnen die Daumen und mit zwei grandiosen Fahrten gelang dem zweiten kanadischen Bob noch der Sprung von 3 auf 2 und somit war der kanadische Doppelsieg perfekt. Ein schönes Erlebnis inmitten der kanadischen Fans zu feiern. Die Rückfahrt nach Vancouver verlief dann relativ unspektakulär in schlafendem Zustand - Bergluft macht halt müde. Zurück an der BCIT ging es auf direktem Wege ins Hostel, denn der Wecker sollte am nächsten Tag noch viel erbarmungsloser sein…
Das weitere sportliche Geschehen wurde auf den Bildschirmen in Whistlers Dorfzentrum verfolgt. So musste man sich mit ansehen, dass die deutsche Langlaufstaffel in das falsche Wachstöpfchen gegriffen hatte und auf dem sechsten Platz das Ziel erreichte. Frenetisch gejubelt haben die Schweden, die überraschend deutlich vor dem norwegischen Quartett und der Mannschaft aus Tschechien einlief. Mehr Grund zur Freude bescherte Stephanie Beckert. Die Erfurterin gewann ihre zweite Silbermedaille bei diesen Spielen und musste sich im 5000m Rennen der Eisschnellläuferinnen nur der Topfavoritin Martina Sablikova aus der Tschechischen Republik geschlagen geben. Bronze holte in ihrer Abschlusssaison Publikumsliebling Clara Hughes aus Kanada. Ohne deutsche Beteiligung verliefen die Wettbewerbe bei der Shorttrack-Staffel und beim Freestylespringen. Während auf dem Eis die Chinesinnen von der Disqualifikation der Südkoreanerinnen profitierten und auf dem Treppchen ganz oben zwischen den Teams aus Kanda und den USA standen, gewann bei den Freestyle Springerinnen Lydia Lassila und holte damit das 2. Gold für ihr Land Australien. Silber und Bronze gingen nach China an Li Nina und Guo Xinxin.
Bilanz des deutschen Teams: 7xGold (Felix Loch/Rodeln, Magdalena Neuner/Biathlon Verfolgung, Tatjana Hüfner/Rodeln, Maria Riesch/Ski Alpin Superkombination, Magdalena Neuner/Biathlon Massenstart, Andre Lange und Kevin Kuske/Zweierbob, Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad/Langlauf Teamspint), 10x Silber (Magdalena Neuner/Biathlon Sprint, Stephanie Beckert/Eisschnellauf 3000m, David Möller/Rodeln, Jenny Wolf/Eisschnelllauf 500m, Kerstin Szymkowiak/Skeleton, Tobias Angerer/Langlauf 30km Verfolgung, Thomas Florschütz und Richard Adjei/Zweierbob, Team Deutschland/Skispringen, Axel Teichmann und Tim Tscharnke/Langlauf Teamsprint, Stephanie Beckert/Eisschnelllauf 5000m), 7xBronze (Aljona Savchenko und Robin Szolkowy/Eiskunstlaufen, Natalie Geisenberger/Rodeln, Patric Leitner und Alexander Resch/Rodeln, Anja Huber/Skeleton, Simone Hauswald/Biathlon Massenstart, Team Deutschland/Biathlonstaffel Damen, Team Deutschland/Norische Kombination)
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Der letzte Tag in Vancouver brach eindeutig zu früh an. Aber ich hatte ja noch eine Forderung zu erfüllen. Kann gar nicht verstehen, warum ich vor der Reise gesagt bekommen habe, ich soll mir auch was anderes außer Eishockey anschauen - dabei ist das doch grundsätzlich so ein toller Sport. Bevor jetzt noch irgendjemand auf Fotos wartet, diese Leser muss ich leider enttäuschen, meine Kamera ist am Abend zuvor leider kaputt gegangen. Die Nummer des Spendenkontos gebe ich auf Anfrage gern heraus. Nun denn, es ging gegen 9 Uhr noch ziemlich verschlafen raus aus den Federn und einmal quer durch die ganze Stadt zum British Columbia Institut of Technology (BCIT). Der Universitätsparkplatz diente den Shuttlebussen nach Whistler als Startpunkt.
Um das Prozedere mal kurz zu beschreiben: Wenn man zu den Schneewettbewerben nach Whistler fahren wollte, war man genötigt, zu den Veranstaltungstickets auch Busfahrkarten für das Olympia Busnetz zu kaufen, ein Shuttleservice um die Zuschauer von Vancouver in den 2 Autostunden entfernten Skiort Whistler zu bringen. Allerdings konnte man an den offiziellen Ticketboxen in Vancouver keine Tickets für Whistler kaufen und umgedreht. Hiess im Klartext für mich - kein Ticket, keine Busfahrkarte. Allerdings war die Organisation des ganzen Systems mehr als mangelhaft ausgeführt - eine Busfahrkarte zehn mal kopieren und ruckzuck war man mit 11 Mann drin im Bus. Also Fahrkarte von der Hannoveranerin kopiert gehabt und rein in den Bus… dachte ich. Aber plötzlich wollte der freiwillige Helfer wirklich mein Veranstaltungsticket sehen. Nun war guter Rat teuer. Aber da man an der Hotelrezeption lernt zu schauspielern, hab ich mein Talent zum Besten gegeben. Mit der Erklärung, dass mein Ticket bereits oben bei Freunden in Whistler sei, weil ich schusseliges Ding diese winzigen Stück Papier doch immer verbummel, wurde ich aus Kulanz in den Bus gelassen und los ging’s. Whistler ist ein idyllisches kleines Bergdorf mit Skipisten, wohin das Auge reicht. Eine davon endete gefühlt auf dem Marktplatz des Dorfes. Während einem Rundgang bin ich noch am House of Switzerland vorbeigekommen, in dem natürlich die Viertelfinalpartie zwischen den Eidgenossen und der USA lief. Es war ein spannendes Spiel und wurde lediglich durch ein Treffer in das leere Tor entschieden. Die Schweizer konnten lange Zeit mithalten, mussten sich aber dann mit 0:2 geschlagen geben. Mit einer (nicht originalen) Cervelatwurst in der Hand habe ich mich dort auch mit der Hannoveranerin getroffen und nachdem wir noch ein Ticket auf dem Schwarzmarkt für mich erworben hatten gings los zum Whistler Sliding Centre, der stark kritisierten Bob- und Rodelbahn.
Pünktlich zum Beginn des dritten Laufes bei der Damen-Bob-Konkurrenz befanden wir uns auf dem Gelände. Doch die Frage der Hannoveranerin, ob ich in den Startbereich hinaufgehen möchte wurde nach wenigen Metern Fussmarsch kategorisch abgelehnt. Da ich an diesem Tag das erste und einzige Mal den extra gekauften Wintermantel und die extra gekauften Winterschuhe getragen habe (hat schön warm gehalten) und die Strecke bis zum Start doch echt steil war, haben wir uns dann in den Zielbereich gestellt. Von unserem Platz auf der Tribüne hatten wir einen guten Blick auf 3 Kurven und den Auslauf. Und um eins mal vorweg zu nehmen - die Dinger sind sch… schnell. Sieht ja im Fernsehen immer irgendwie langsam aus, aber so schnell kannste den Kopf gar nicht rumreissen, wie die Bobs die Piste hinunterjagen. Die aussichtsreichsten Chancen hatten Cathleen Martini und ihre Anschieberin Romy Lobsch, als sie nach dem 3. Lauf auf dem 4. Platz lagen. Doch es kam wie es kommen musste, die Bahn verzeiht keine Fehler und so mussten auch wir einen Sturz mit ansehen, der schlimmer nicht hätte sein können, da es Romy Lobsch auch noch aus dem Bob herausgeschleudert hat. Die ganze Tribüne im Schockzustand - wirklich kein schönes Gefühl. Auch die Sportlerinnen hielten inne. Doch zum Glück konnte ziemlich schnell Entwarnung gegeben werden, die beiden Pilotinnen kamen mit leichten Verletzungen davon und wurden mit Applaus und aufmunterndem Drücken ihrer Kameradinnen gefeiert. Da das mit dem Edelmetall nun leider nicht geklappt hatte, drückten wir nun den Kanadierinnen die Daumen und mit zwei grandiosen Fahrten gelang dem zweiten kanadischen Bob noch der Sprung von 3 auf 2 und somit war der kanadische Doppelsieg perfekt. Ein schönes Erlebnis inmitten der kanadischen Fans zu feiern. Die Rückfahrt nach Vancouver verlief dann relativ unspektakulär in schlafendem Zustand - Bergluft macht halt müde. Zurück an der BCIT ging es auf direktem Wege ins Hostel, denn der Wecker sollte am nächsten Tag noch viel erbarmungsloser sein…
Das weitere sportliche Geschehen wurde auf den Bildschirmen in Whistlers Dorfzentrum verfolgt. So musste man sich mit ansehen, dass die deutsche Langlaufstaffel in das falsche Wachstöpfchen gegriffen hatte und auf dem sechsten Platz das Ziel erreichte. Frenetisch gejubelt haben die Schweden, die überraschend deutlich vor dem norwegischen Quartett und der Mannschaft aus Tschechien einlief. Mehr Grund zur Freude bescherte Stephanie Beckert. Die Erfurterin gewann ihre zweite Silbermedaille bei diesen Spielen und musste sich im 5000m Rennen der Eisschnellläuferinnen nur der Topfavoritin Martina Sablikova aus der Tschechischen Republik geschlagen geben. Bronze holte in ihrer Abschlusssaison Publikumsliebling Clara Hughes aus Kanada. Ohne deutsche Beteiligung verliefen die Wettbewerbe bei der Shorttrack-Staffel und beim Freestylespringen. Während auf dem Eis die Chinesinnen von der Disqualifikation der Südkoreanerinnen profitierten und auf dem Treppchen ganz oben zwischen den Teams aus Kanda und den USA standen, gewann bei den Freestyle Springerinnen Lydia Lassila und holte damit das 2. Gold für ihr Land Australien. Silber und Bronze gingen nach China an Li Nina und Guo Xinxin.
Bilanz des deutschen Teams: 7xGold (Felix Loch/Rodeln, Magdalena Neuner/Biathlon Verfolgung, Tatjana Hüfner/Rodeln, Maria Riesch/Ski Alpin Superkombination, Magdalena Neuner/Biathlon Massenstart, Andre Lange und Kevin Kuske/Zweierbob, Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad/Langlauf Teamspint), 10x Silber (Magdalena Neuner/Biathlon Sprint, Stephanie Beckert/Eisschnellauf 3000m, David Möller/Rodeln, Jenny Wolf/Eisschnelllauf 500m, Kerstin Szymkowiak/Skeleton, Tobias Angerer/Langlauf 30km Verfolgung, Thomas Florschütz und Richard Adjei/Zweierbob, Team Deutschland/Skispringen, Axel Teichmann und Tim Tscharnke/Langlauf Teamsprint, Stephanie Beckert/Eisschnelllauf 5000m), 7xBronze (Aljona Savchenko und Robin Szolkowy/Eiskunstlaufen, Natalie Geisenberger/Rodeln, Patric Leitner und Alexander Resch/Rodeln, Anja Huber/Skeleton, Simone Hauswald/Biathlon Massenstart, Team Deutschland/Biathlonstaffel Damen, Team Deutschland/Norische Kombination)