Liebe Freunde des traditionsreichen und dramatischen Weißwasseraner Eishockeys! Unmittelbar nachdem mir mein Arzt bestätigt hat, dass das EKG weiterhin in Ordnung ist, muss ich Euch mein Herz ausschütten: Was war denn das am Dienstag für eine Eisschlacht mit fröhlichem Ausgang??? Wahrscheinlich werden jetzt wieder Diskussionen über den Top- (oder Pre-Play-Off-) Zuschlag vom Zaune brechen. Ich sage Euch: Das Match war mit 12 Euro im Preis- Leistungsverhältnis nicht mehr zu toppen. Nur kann man beim Sport das Gebotene halt selten im Vorfeld kalkulieren. Auch das kann zu Einnahmeverlusten führen...
Das wahrhaft Schöne am ersten Pre-Play-Off-Sieg war doch das sichere Wissen darum, dass die Saison am Freitag noch nicht zu Ende gehen kann. Klar - mit einem 6:1 und einer nervenschonenderen „Performance“ hätte man diese Gewissheit auch erlangen können. Andererseits war die Dienstag- Partie eigentlich auch ein würdiges letztes Saisonheimspiel. Jetzt allerdings darf man auf noch bahnbrechenderen Jubel hoffen – den Gewinn der Runde gegen die großen Landeshauptstädter. Vielleicht hat der Eishockeygott ja so eine ganz besondere blau- gelbe Ecke in seinem Herzen, die dazu führt, dass Dresden überwiegend die belangloseren Spiele gewinnt (auch mal 3:0 im Fuchsbau *g*), Weißwasser dafür die wichtigen...
Klargestellt werden muss sicher auch, dass man der Mannschaft der Eislöwen alles andere als „Seelenlosigkeit“ vorwerfen kann. Was auch immer in den letzten Wochen in Dresden passiert sein mag: Die Truppe arbeitet hart, geschlossen und willensstark. Vielleicht war es sogar ein bisschen unser Glück, dass sie im Abschluss Schwächen offenbarte. Denn zumindest im ersten Drittel haben die Eislöwen fast alles richtig gemacht, waren körperlich präsenter als wir und verdient in Führung. Einer der Unterschiede an jenem denkwürdigen Abend war der „Teps“. Deshalb habe ich mich für einen neuen Teil der Serie „Post vom P.F.E.I.F.F.E.R.“ entschieden. Lest also selbst:
Lieber Marvin Tepper!
Wie kommt man denn zu Nerven wie Drahtseile? Die musst Du einfach haben, um im Penaltyschießen zweimal so eiskalt die Scheibe im Gehäuse unterzubringen. Ich versuche mir das irgendwie vorzustellen. Du und die Mannschaft haben 80 kräftezehrende Minuten in den Beinen. Es steht 4:4. Nun soll auch ein wenig das Glück entscheiden. Denn nach jedem Penaltyschießen verkünden die Trainer: „Penaltyschießen ist eben auch Glückssache.“ Ist Dir nicht auch eingefallen, dass Ihr gegen die Eislöwen in dieser Saison schon zweimal im Shoot-out unterlegen ward, zuletzt fast immer als Verlierer vom Eis musstet, wenn es nach regulärer Spielzeit Remis stand? Oder hat Dir der Gewinn des Penaltyschießens im letzten Hauptrundenmatch in Bietigheim die Sicherheit gegeben, gegen einen im Spiel ganz starken Kellen Briggs anzutreten? Wie muss man sich fühlen, wenn man von offiziell 3.874 Augen – wenn es keine „Einäugigen“ in der Halle gab ;-)) – beobachtet wird, man für die Heimischen der ganz große Hoffnungsträger ist? Denn es war ja nicht Kaufbeuren, gegen das die zweite Heimniederlage in Folge – zudem eine schon vorentscheidende – drohte!
Ist Dir durch den Kopf geschossen, dass Du als Berliner gegen eine Menge Kumpels aus früheren Tagen treffen musst, die Dich vielleicht als „Verbündeten“ wähnten? Hast Du nicht auch den Druck als Zentnerlast gespürt? Wie knipst man den Verstand aus? Hattest Du keine Angst, Du könntest aus- oder wegrutschen, oder ein Haufen gefrorener Spucke auf dem Eis könnte den Puck verspringen lassen?
Dann lag die Scheibe im Anstoßkreis. Du bis losgelaufen – elegant, leichtfüßig – wie immer! Ich stelle mir vor, dass bei jedem Blick Richtung Gehäuse das Tor immer kleiner und der Keeper immer größer wird. Plötzlich steht ein Michelin- Männchen vor einer Streichholzschachtel. Wie kann man da noch in die Schachtel treffen? Wann magst Du Dich entschieden haben, wo Du hinzielst? Konntest Du ahnen, wie sich der Torwart bewegt? Beim Ervin Masek hat man gesehen, wie nahe Erfolg und Misserfolg beieinander liegen. Der hatte das schwarze Teil auch am Briggs vorbeigebracht. Dummerweise stand da aber der Pfosten im Wege. An dem hast Du vorbeigeschossen – auf der richtigen Seite. Sogar zweimal!
Du hast über 1.500 Leute in einen unsagbaren Freudentaumel versetzt. Etwa 400 Zuschauer hatten plötzlich das Gefühl, ihr Herz bliebe stehen. Der verzweifelte Blick zur Anzeigetafel hilft nicht weiter. Da steht es unverrückbar: 5:4 – Schluss, Ende, aus! Derweil auf der Füchsebank ein megalauter Jubelschrei die unsagbar hohe Anspannung löst, flüchten sich die Eislöwencracks in die Kabine. Sie wissen: Der Tepper hat uns alles zunichte gemacht. Alle Arbeit, aller Einsatz, aller Willen, alle Raffinesse (Der Trick zum 3:4 war unglaublich gut, selbst wenn ihn unser Manager kannte und davor gewarnt hatte.) – alles umsonst. 80 Minuten und mehr malocht – für Nichts.
Du hast dafür gesorgt, dass das große Dresden die kleinen Füchse weiter fürchten muss. Wenn die Eislöwen jetzt verkünden, sie planten bereits die Fahrt zum ersten Auswärtsspiel im Play-Off-Viertelfinale, dann klingt das etwas wie das berühmte „Pfeifen im Walde“. Wer „pfeifft“ hier eigentlich? ;-)) Der Geist der Abstiegsrunde von 2007 – Du hast ihn aus der Wunderlampe gerieben. Der Mythos Weißwasser lebt.
Ihr habt bewiesen: Füchse geben niemals auf. Die Story um den angeblichen Wechsel von Carsten Gosdeck nach Bremerhaven wurde ausgeblendet. Hoffentlich klappt das auch jetzt, wo die Eislöwen sich offenbar um Jonathan Boutin bemühen. Nein- die Serie ist noch nicht gewonnen. Dennoch hat Deine, unsere Mannschaft schon jetzt dafür gesorgt, dass auch ein Scheitern in den Pre-Play-Offs niemals zu Depressionen bei den Füchse- Fans führen muss. Deine Kaltschnäutzigkeit im Penaltyschießen gibt uns die Gewissheit, das Blau- Gelb mit nur 78 Jahren Eishockeytradition über das reichlich 100- jährige Dresden erfolgreich sein kann. Du hast unser Selbstwertgefühl gefördert, uns die halbe Woche einfach gemacht. Du hast der Mannschaft den Lohn für einen aufopferungsvollen Kampf beschert. Du hältst uns den Traum vom zweiten richtig großen Sieg über Dresden am Leben. Du erntest stellvertretend für ein in diesem Jahr wunderbares Füchse- Team ein dickes Lob!
Wie sehr auch Dir die Glücksgefühle durch den Körper schossen, zeigte nach dem Siegtreffer Deine „Attacke“ auf Ralf Hantschke. Bestimmt hast Du ihm bei der herzlichen Umarmung gleich ein paar Zahlen ins Ohr geflüstert, die Dir auch im nächsten Spieljahr ein blau-gelbes Jersey wert wären. Und selbst wenn Du nach einer starken Saison den Fuchsbau verlassen würdest, hättest Du Dich spätestens jetzt in die Liga der „Ich bin Eishockey in Weißwasser!“- Cracks gespielt.
Du hast nie einen Hehl daraus gemacht, dass Dich die laufende Spielzeit schlauchte. Ich weiß, dass Unterwassermassagen Deine Muskulatur am besten lockern. Deshalb setze ich als Preis für Dein nächstes Tor – eine Unterwassermassage! Einzige Bedingung: Das Spiel, in dem Du triffst, soll auch gewonnen werden. Und Samstag früh gehe ich dann gleich zum Geldautomaten...
Herzlichst grüßt Sebastian Matthieu
P.S. Apropos „Eishockey in Weißwasser“: Ein Marvin Tepper allein gewinnt keine Spiele. Wir alle wissen, wie sehr auch ihr als Mannschaft den Einzug in die Play-Offs wollt. Wir alle haben wiederholt gestaunt, welch tolles Team mit kaum zu brechendem Siegeswillen uns eine bisher so erfolgreiche Saison geschenkt hat. Man kann Euch sicherlich bezwingen. Aber man kann Euch nicht „vernichten“.
IHR SEID LUST UND LAUNE!
IHR SEID FREUDE UND LEIDEN!
IHR SEID VIRUS UND THERAPIE!
IHR SEID EISHOCKEY IN WEISSWASSER!!!
In diesem Sinne: „Siegt“ sauber! Und: Alles was recht ist!
1 | Freezer | 18.03.2010 @ 16:48
Gänsehautfeeling - Klasse!!!
2 | thingslikehockey | 18.03.2010 @ 17:25
Yes, grandios, bisher eines der Highlights!
3 | Brian | 18.03.2010 @ 17:26
Es warennur 3872 Augen die zugeschaut haben denn mein Herz funkte nach oben "Mach die Glubschen zu das halte ich sonst nicht mehr aus".
4 | Frank | 18.03.2010 @ 17:44
@Brian Es waren noch weniger, denn die Frage: "Wie waren denn die Penaltys geschossen?" wurde auch mir nach dem Spiel gestellt ;-))) @Sebastian Welcher Trick?
5 | garfield34 | 18.03.2010 @ 17:55
Ein unglaublicher Artikel! EISHOCKEY IN WEISSWASSER! Blau und gelb fließt in den Adern!
6 | lehm | 18.03.2010 @ 17:56
wow..verneig...Danke für das Schmeckerchen zum Feierabend!
7 | Hoki | 18.03.2010 @ 18:09
Eindeutig der " Pfiff des Jahres".
8 | Julia_85 | 18.03.2010 @ 18:17
Wer lässt den Artikel denn mal Tepper zukommen?? Nach der geschickt getarnten Laudatio muss doch Geld und DEL in der Bedeutungslosigkeit verschwinden ;-)
9 | Icefox | 18.03.2010 @ 18:31
Danke Dir Sebastian :)
10 | icemouse | 18.03.2010 @ 19:41
Ja, wirklich ein sehr gelungener Beitrag - passend zum Dienstagfeeling.....sehr cool!
Aber das Boots nach DäDä wechselt mag ich nich wirklich gauben- denke er geht in die DEL......schaun wir mal :o)
11 | Opi | 18.03.2010 @ 19:55
Sebastian: ganz großes Kino!!! Pfiff des Jahres!!!
Nach Fuchs des Jahres, Torwart des Jahres, jetzt unser "Schreiberling" des Jahres!!!
Schön das Du endlich wieder da bist!!!
12 | tanngrismir | 18.03.2010 @ 20:37
GRANDIOS - mehr fällt mir dazu nicht ein. Danke....
13 | Matzl | 18.03.2010 @ 20:41
Nee bitte nicht Boutin nach Dräsdn!! Das halt ich nich aus :-(
14 | DavidH. | 18.03.2010 @ 23:40
Boutin ist für keinen Zweitligaverein mehr bezahlbar würde ich denken
15 | Makkaroni | 19.03.2010 @ 00:09
@ 13
Warum sollte er das machen? Um nur bis Dezember Geld zu bekommen? Die wollen ja noch ganz andere Leute halten .... ^^
@ 14
Trotzdem würden ihn andere gern verpflichten! Dann kann man ja mal an der Stadionmiete sparen - oder so^^
16 | Hoywoyfux | 19.03.2010 @ 00:39
@P.F.E.I.F.F.F.E.R -> wenn wir uns heute sehen sollten, halte mal die Hände auf. Ich möcht` Dich da nicht alleine blechen lassen... ;-)))))
17 | Mr.Blonde | 19.03.2010 @ 08:19
@Frank...Damit ist sicher der eigentlich "plume" Pass durch die Mitte gemeint,den der schnelle Kaartinen nachdem er unsere Nr.5 geschickt umlaufen hat gewonnt locker eingeschoben hat.
18 | P.F.E.I.F.F.E.R | 19.03.2010 @ 09:07
@17:Kaartinen kam durch die bereits zuvor geöffnete Tür von der Wechselbank auf's Eis gestürmt, derweil sich hinten beim Bully einer vom Eis schlich...
19 | eisloewe62 | 19.03.2010 @ 11:11
@18 TOP-Bericht, ganz ehrlich!
*Den Trick*, nun wenn ihr mal einen Fanstammtisch der Dresdenr Eislöwen besucht, dann würdet ihr den sogarerfahren haben, hat damals S.Mann verraten ;)
Boutin? Das lese ich hier zum 1.Mal, warum beunruhigst du damit eher die eigenen Fans?
20 | Andi | 19.03.2010 @ 12:36
@ eisloewe62- da war der P.F.E.I.F.F.E.R nicht der 1. Stnd heut schon in der Lausitzer Rundschau. Aber das beunruhigt hier glaub ich noch niemanden. Das er schwer zu halten sein wird ist hier glaub ich jedem klar. Ich glaub auch nicht, dass er bei euch landen wird, sondern eher in der DEL. In DD wird ja wohl nächste Saison auch ein Sparkurs fällig werden und da dürfte ein Boutin auch nicht wirklich ins Budget passen.
21 | tanngrismir | 19.03.2010 @ 14:38
@ 20. Spoarkurs in dd?? Wo denkst du hin? Man möchte ja gerne Briggs, Kaartinen und Jarett halten. O-Ton Ziesche: " Essieht gut aus das alle drei bleiben."
22 | Opi | 19.03.2010 @ 15:13
@21, so isses, Sparkurs kann ich mir bei denen schwer vorstellen. Wird ja lieber die teure Variante genommen.
23 | Fuchs-Blau | 19.03.2010 @ 17:09
Kann uns doch nur recht sein,wenn man dann vor saisonende das finanzielle aus verkündet gibt es wenigstens für uns den klassenerhalt!
24 | Uki | 19.03.2010 @ 18:21
ja der artikel is einfach nur erste sahne, beifall klatsch, und bisher sind doch alles nur gerüchte wer wann und ob wohin wechseln soll muß darf will.... ist fast so spannend wie das letzte spiel... und ich bin ein einäugiger also berechnung neu starten....
25 | P.F.E.I.F.F.E.R | 19.03.2010 @ 19:03
@24: Okay: Zunächst mal Uki -1 und Brian -2 - das macht noch 3.871 Augen. Jetzt frage bitte bei den restlichen Zuschauern nach, wer bei Teps Penalty weggeguckt hat- und schon gibt's ne verlässliche Zahl ;-))
26 | -Fuchs- | 19.03.2010 @ 22:52
@ Opi : Dynamo bekommt weiterhin Geld für,s Stadion, also werden die Möven auch weiterhin die Option für die " teure Variante " haben. Die habens halt gut und wir sollten nicht neidisch sein, Es ist wie im wahren Leben , die einen predigen Wasser , die Anderen saufen Wein, nur zu dumm daß wir uns auf Dauer nur Wasser leisten können, ist halt unser Geburtsfehler,zu weit Östlich, aber schöne Landschaft!!!
27 | twdd | 20.03.2010 @ 00:01
...in Grenznähe gibt es offensichtlich viele Leute mit wenig Selbstbewusstsein!
28 | Senator | 20.03.2010 @ 00:06
Hallo?! Jemand zu Hause?
29 | Taubentreter | 20.03.2010 @ 01:54
R.E.S.P.E.K.T. @ P.F.E.I.F.F.E.R..... Ein wunderbares Stück Text...bin echt begeistert! Wie würden die Ami's sagen..."Really Awesome.." TT!
30 | SEFI | 20.03.2010 @ 13:07
@27: Ist das Dein Standardspruch? Bringst Du den jetzt alle 2 Wochen?
31 | Opi | 21.03.2010 @ 20:28
Mh Fuchs Recht haste, aber mit unserem sauberen Wasser haben wir das beste aus der Saison gemacht, siehe heut Abend. Wir haben den guten Wein ganz schön dünne gemacht!:-)
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Das wahrhaft Schöne am ersten Pre-Play-Off-Sieg war doch das sichere Wissen darum, dass die Saison am Freitag noch nicht zu Ende gehen kann. Klar - mit einem 6:1 und einer nervenschonenderen „Performance“ hätte man diese Gewissheit auch erlangen können. Andererseits war die Dienstag- Partie eigentlich auch ein würdiges letztes Saisonheimspiel. Jetzt allerdings darf man auf noch bahnbrechenderen Jubel hoffen – den Gewinn der Runde gegen die großen Landeshauptstädter. Vielleicht hat der Eishockeygott ja so eine ganz besondere blau- gelbe Ecke in seinem Herzen, die dazu führt, dass Dresden überwiegend die belangloseren Spiele gewinnt (auch mal 3:0 im Fuchsbau *g*), Weißwasser dafür die wichtigen...
Klargestellt werden muss sicher auch, dass man der Mannschaft der Eislöwen alles andere als „Seelenlosigkeit“ vorwerfen kann. Was auch immer in den letzten Wochen in Dresden passiert sein mag: Die Truppe arbeitet hart, geschlossen und willensstark. Vielleicht war es sogar ein bisschen unser Glück, dass sie im Abschluss Schwächen offenbarte. Denn zumindest im ersten Drittel haben die Eislöwen fast alles richtig gemacht, waren körperlich präsenter als wir und verdient in Führung. Einer der Unterschiede an jenem denkwürdigen Abend war der „Teps“. Deshalb habe ich mich für einen neuen Teil der Serie „Post vom P.F.E.I.F.F.E.R.“ entschieden. Lest also selbst:
Lieber Marvin Tepper!
Wie kommt man denn zu Nerven wie Drahtseile? Die musst Du einfach haben, um im Penaltyschießen zweimal so eiskalt die Scheibe im Gehäuse unterzubringen. Ich versuche mir das irgendwie vorzustellen. Du und die Mannschaft haben 80 kräftezehrende Minuten in den Beinen. Es steht 4:4. Nun soll auch ein wenig das Glück entscheiden. Denn nach jedem Penaltyschießen verkünden die Trainer: „Penaltyschießen ist eben auch Glückssache.“ Ist Dir nicht auch eingefallen, dass Ihr gegen die Eislöwen in dieser Saison schon zweimal im Shoot-out unterlegen ward, zuletzt fast immer als Verlierer vom Eis musstet, wenn es nach regulärer Spielzeit Remis stand? Oder hat Dir der Gewinn des Penaltyschießens im letzten Hauptrundenmatch in Bietigheim die Sicherheit gegeben, gegen einen im Spiel ganz starken Kellen Briggs anzutreten? Wie muss man sich fühlen, wenn man von offiziell 3.874 Augen – wenn es keine „Einäugigen“ in der Halle gab ;-)) – beobachtet wird, man für die Heimischen der ganz große Hoffnungsträger ist? Denn es war ja nicht Kaufbeuren, gegen das die zweite Heimniederlage in Folge – zudem eine schon vorentscheidende – drohte!
Ist Dir durch den Kopf geschossen, dass Du als Berliner gegen eine Menge Kumpels aus früheren Tagen treffen musst, die Dich vielleicht als „Verbündeten“ wähnten? Hast Du nicht auch den Druck als Zentnerlast gespürt? Wie knipst man den Verstand aus? Hattest Du keine Angst, Du könntest aus- oder wegrutschen, oder ein Haufen gefrorener Spucke auf dem Eis könnte den Puck verspringen lassen?
Dann lag die Scheibe im Anstoßkreis. Du bis losgelaufen – elegant, leichtfüßig – wie immer! Ich stelle mir vor, dass bei jedem Blick Richtung Gehäuse das Tor immer kleiner und der Keeper immer größer wird. Plötzlich steht ein Michelin- Männchen vor einer Streichholzschachtel. Wie kann man da noch in die Schachtel treffen? Wann magst Du Dich entschieden haben, wo Du hinzielst? Konntest Du ahnen, wie sich der Torwart bewegt? Beim Ervin Masek hat man gesehen, wie nahe Erfolg und Misserfolg beieinander liegen. Der hatte das schwarze Teil auch am Briggs vorbeigebracht. Dummerweise stand da aber der Pfosten im Wege. An dem hast Du vorbeigeschossen – auf der richtigen Seite. Sogar zweimal!
Du hast über 1.500 Leute in einen unsagbaren Freudentaumel versetzt. Etwa 400 Zuschauer hatten plötzlich das Gefühl, ihr Herz bliebe stehen. Der verzweifelte Blick zur Anzeigetafel hilft nicht weiter. Da steht es unverrückbar: 5:4 – Schluss, Ende, aus! Derweil auf der Füchsebank ein megalauter Jubelschrei die unsagbar hohe Anspannung löst, flüchten sich die Eislöwencracks in die Kabine. Sie wissen: Der Tepper hat uns alles zunichte gemacht. Alle Arbeit, aller Einsatz, aller Willen, alle Raffinesse (Der Trick zum 3:4 war unglaublich gut, selbst wenn ihn unser Manager kannte und davor gewarnt hatte.) – alles umsonst. 80 Minuten und mehr malocht – für Nichts.
Du hast dafür gesorgt, dass das große Dresden die kleinen Füchse weiter fürchten muss. Wenn die Eislöwen jetzt verkünden, sie planten bereits die Fahrt zum ersten Auswärtsspiel im Play-Off-Viertelfinale, dann klingt das etwas wie das berühmte „Pfeifen im Walde“. Wer „pfeifft“ hier eigentlich? ;-)) Der Geist der Abstiegsrunde von 2007 – Du hast ihn aus der Wunderlampe gerieben. Der Mythos Weißwasser lebt.
Ihr habt bewiesen: Füchse geben niemals auf. Die Story um den angeblichen Wechsel von Carsten Gosdeck nach Bremerhaven wurde ausgeblendet. Hoffentlich klappt das auch jetzt, wo die Eislöwen sich offenbar um Jonathan Boutin bemühen. Nein- die Serie ist noch nicht gewonnen. Dennoch hat Deine, unsere Mannschaft schon jetzt dafür gesorgt, dass auch ein Scheitern in den Pre-Play-Offs niemals zu Depressionen bei den Füchse- Fans führen muss. Deine Kaltschnäutzigkeit im Penaltyschießen gibt uns die Gewissheit, das Blau- Gelb mit nur 78 Jahren Eishockeytradition über das reichlich 100- jährige Dresden erfolgreich sein kann. Du hast unser Selbstwertgefühl gefördert, uns die halbe Woche einfach gemacht. Du hast der Mannschaft den Lohn für einen aufopferungsvollen Kampf beschert. Du hältst uns den Traum vom zweiten richtig großen Sieg über Dresden am Leben. Du erntest stellvertretend für ein in diesem Jahr wunderbares Füchse- Team ein dickes Lob!
Wie sehr auch Dir die Glücksgefühle durch den Körper schossen, zeigte nach dem Siegtreffer Deine „Attacke“ auf Ralf Hantschke. Bestimmt hast Du ihm bei der herzlichen Umarmung gleich ein paar Zahlen ins Ohr geflüstert, die Dir auch im nächsten Spieljahr ein blau-gelbes Jersey wert wären. Und selbst wenn Du nach einer starken Saison den Fuchsbau verlassen würdest, hättest Du Dich spätestens jetzt in die Liga der „Ich bin Eishockey in Weißwasser!“- Cracks gespielt.
Du hast nie einen Hehl daraus gemacht, dass Dich die laufende Spielzeit schlauchte. Ich weiß, dass Unterwassermassagen Deine Muskulatur am besten lockern. Deshalb setze ich als Preis für Dein nächstes Tor – eine Unterwassermassage! Einzige Bedingung: Das Spiel, in dem Du triffst, soll auch gewonnen werden. Und Samstag früh gehe ich dann gleich zum Geldautomaten...
Herzlichst grüßt Sebastian Matthieu
P.S. Apropos „Eishockey in Weißwasser“: Ein Marvin Tepper allein gewinnt keine Spiele. Wir alle wissen, wie sehr auch ihr als Mannschaft den Einzug in die Play-Offs wollt. Wir alle haben wiederholt gestaunt, welch tolles Team mit kaum zu brechendem Siegeswillen uns eine bisher so erfolgreiche Saison geschenkt hat. Man kann Euch sicherlich bezwingen. Aber man kann Euch nicht „vernichten“.
IHR SEID LUST UND LAUNE!
IHR SEID FREUDE UND LEIDEN!
IHR SEID VIRUS UND THERAPIE!
IHR SEID EISHOCKEY IN WEISSWASSER!!!
In diesem Sinne: „Siegt“ sauber! Und: Alles was recht ist!