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Das Ende einer Nachwuchs-Hochburg?
10.03.2006 | 16:52 Uhr von
Weißwasser spielt in der Deutschen Nachwuchsliga vorn mit, Weißwasser wird deutscher Juniorenmeister, Jahr für Jahr erreicht Weißwasser die Endrunde der Schüler-Bundesliga, landet unter den sechs besten deutschen Teams dieser Altersklasse – all das war einmal.

Heute sieht es traurig aus. Die Mannschaft der Deutschen Nachwuchsliga, bestückt mit Talenten wie U20-Nationalspieler Elia Ostwald, Jens Heyer, Toni Ritter, Steve Hanusch und anderen ist als abgeschlagener Tabellenletzter abgestiegen, rein sportlich das dritte Mal binnen vier Jahren.

Bild mit Symbolcharakter. Philipp Rädecker schaut sich nach einem erneuten Gegentreffer enttäuscht um. Am Wochenende gab es gegen Riessersee die beiden letzten Niederlagen (2:6 und 2:4). Foto: Gunnar Schulze
Vorwürfe gegen den Trainer

Aber nicht nur das blanke Ergebnis erregt die Gemüter bei Spielern und (sachverständigen) Eltern: Kein Konzept, keine Taktik, ein Sommertraining mit völlig veralteten Methoden, keine Disziplin in der Mannschaft, so entwickeln sich Spieler nicht weiter. „Aus den durchaus guten Spielern der drei Jahrgänge ist es nicht gelungen, auch eine Mannschaft zu formen. Jeder, der wollte, konnte das sehen. Und der Vorstand hat ein Jahr tatenlos zugesehen, wie die Mannschaft absteigt“, sagt Steffen Thau, Trainer der Nieskyer Tornados und deshalb ein Insider, weil sein Sohn Kevin im jüngeren Jahrgang der Mannschaft mitgespielt hat. „Und wenn man wissen will, wie der Trainer die Mannschaft führt, muss man nur mal auf die Strafminutenstatistik schauen oder in die Umkleidekabine gehen und sich die unglaubliche Unordnung dort zu Gemüte führen“, legt Thau nach.

Besonders ärgert sich Thau auch deshalb, weil ein Jahr zuvor in der Schüler Bundesliga alles noch ganz anders war: Andreas Heinrich hatte die Weißwasseraner Jungs in die Endrunde geführt, wurde aber zwei Wochen vor der Endrunde gefeuert, weil er gegenüber dem Vorstand wohl Klartext über die Bedingungen für den Nachwuchs in Weißwasser geredet hat. Der dritte Platz in der Endrunde, den die Schüler dann erreichten, ist aber unbestritten seiner guten Arbeit zuzurechnen.

Jetzt – unter Trainer Rainer Mann – ist alles anders. Dirk Rohrbach, seit kurzem Vereinsvorsitzender, will die Vorwürfe gegen den Trainer-Haudegen nicht kommentieren, bestätigt aber, „dass sich gerade der jüngere Jahrgang nicht wie erhofft weiterentwickelt hat.“ Und für die nähere Zukunft des Nachwuchseishockeys in Weißwasser sieht es düster aus: Da nur ein einziger Spieler des Jahrgangs 1991 nachrückt, aber acht Spieler aus Altersgründen in der neuen Saison nicht mehr spielen können, wäre eine erneute Teilnahme an der deutschen Nachwuchsliga sowieso kaum möglich gewesen. Eine Spekulation um die Aufstockung der Liga erübrigt sich aus Weißwasseraner Sicht. Auch für die Junioren-Bundesliga bekommt man keine Mannschaft zusammen.

Den Ausweg sieht Dirk Rohrbach im Männerbereich: „Wir werden die Verbandsliga-Mannschaft und das DNL-Team zusammenführen und in der Regionalliga antreten.“ Also eine Liga höher als bisher die Jungfüchse und Nieskyer Tornados.

Was Rohrbach als neue Herausforderung für die Weißwasseraner Jungs sieht, bezeichnet Thau als „endgültiges Aus für viele Nachwuchshoffnungen. Ein Spieler mit 16 oder 17 Jahren sollte in seiner Altersklasse spielen, viel Spielpraxis bekommen und darf körperlich nicht überrannt werden. Sonst kann er sich nicht weiterentwickeln.“ Abgesehen davon, dass ein Aufstieg der Jungfüchse am grünen Tisch laut Ligenleiter Reiner Hobuß noch nicht sicher ist (der einzige sportliche Aufsteiger ist Niesky), sieht Thau, der einige Mannschaften der Regionalliga kennt, weitere Probleme: „Die Jungs treffen auf gestandene Profis, die auch mal austeilen. Wenn so einer wie unser Verteidiger Sebastian Greulich auf einen 16-Jährigen trifft, muss man ja Angst haben.“ Und dann wäre der Kader knapp 40 Spieler groß, Spielpraxis für alle kaum möglich.

Talente verlassen Weißwasser

Eine ganze Reihe von Nachwuchstalenten (Gerüchte besagen bisher acht!) überlegen deshalb, Weißwasser zu verlassen. Entschieden hat sich schon Steve Hanusch, der nach Mannheim wechseln wird. Vater Torsten dazu: „Wir wissen, dass das für einen 15-Jährigen schwierig wird. Aber Weißwasser hat nun mal keine Nachwuchsmannschaft mehr und das Angebot aus Mannheim ist eine einmalige Chance.“

Hoffnung besteht frühestens in ein paar Jahren wieder: „Wir wollen von ganz unten aufbauen, mit dem Jahrgang 1995/1996 in die Schüler-Bundesliga“, sagt Dirk Rohrbach. Zweifel, ob man an die glorreichen Zeiten im Weißwasseraner Nachwuchseishockey jemals wieder anknüpfen kann, sind aber angebracht. Die Basis für die Leistungspyramide ist heute einfach viel schmaler als vor 20 Jahren.

In der neuen Saison werden die Weißwasseraner von den Schülern abwärts in den tiefsten möglichen Ligen spielen, mit manchmal gerade zehn Saisonspielen. Eigentlich zu wenig, um mal ganz groß rauszukommen. Ein neuer Mirko Lüdemann muss schon ganz viel Talent mitbringen, um unter diesen Bedingungen den Sprung zu den Profis zu schaffen.

Quelle: Sächsische Zeitung vom 10.03.2006
399 mal gelesen
 
1 | Zwiebl | 11.03.2006 @ 12:15
Einfach nur traurig.
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