...harte Geduldsprobe
Entscheidung über Finanzhilfe für Eishalle vertagt. Der Stadtrat von Weißwasser hat sich am Mittwoch nicht dazu durchgerungen, dem Eissportverein Weißwasser (ESW) 116 500 Euro an Sponsoringmitteln der Stadtwerke zu gewähren. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Hartwig Rauh (parteilos) haben die Stadträte die Entscheidung darüber auf den 26.April vertagt. Der ESW erwägt jetzt, der Stadt den Betreibervertrag für die jährlich rund 400 000 Euro verschlingende Eissporthalle zum 31.August zu kündigen. Bei ESW-Präsident Dirk Rohrbach ist die Enttäuschung riesig. Er hatte fest mit einem Signal der Stadt für den Eishockey-Sport in Weißwasser gerechnet. Bei einem Jahresetat des Vereins von etwa 240 000 Euro sei der Zuschuss dringend notwendig. Im festen Glauben, von der Stadt nicht im Stich gelassen zu werden, hatte der ESW die kostspielige Betreibung der Eishalle im August vergangenen Jahres übernommen. Weil Rauh darauf drang, so Rohrbach, habe der ESW in dieser Woche noch in aller Eile bei der Stadt einen Antrag für den Erhalt dieser Summe gestellt. Und jetzt diese Entscheidung!
Ebenso enttäuscht sind einige Stadträte selbst – vor allem die CDU-Fraktion. Die nämlich hatte die Entscheidung zu Gunsten des Eissportvereins am Mittwoch mit einem Antrag erzwingen wollen: 116 450 Euro für den ESW zum Betreiben der Halle. Zweimal, so Karl-Heinz Kittan (CDU), wurde der Antrag im Verlauf der Diskussion umformuliert – nur, um von Oberbürgermeister Rauh im nichtöffentlichen Teil der Sitzung vertagt zu werden. Kittan und sein Fraktionskollege Bernhard Waldau verstehen die Welt nicht mehr. Ihnen ist „schleierhaft“, warum Rauh so zaudert und die Mehrheit der Stadträte dabei noch mitmacht.
Antrag war ein Schnellschuss
Stadtrat Timo Schutza von der Freien Wählervereinigung Klartext sieht das anders: „Der Antrag war ein Schnellschuss.“ In ihm sei nicht geklärt, wie und wann das Geld dem verein zukommen soll. „Wir sind alle für den Eishockeysport“, sagt Schutza. Doch eine mehrheitsfähiger Beschlussvorschlag müsse Hand und Fuß haben.
Damit spricht er seinem Oberbürgermeister aus der Seele. „Das Geld“ , so Hartwig Rauh, „soll genau dort ankommen, wo wir es hinhaben wollen.“ Am 26.April, zur nächsten Stadtratssitzung, liege ein Antrag vor, der so sicher auch beschlossen werde. Da ist sich Rauh sicher. Er wehrt sich auch gegen die Kritik, den CDU-Antrag am Mittwoch in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung verwiesen zu haben: „Das hat nichts mit Aussperren der Öffentlichkeit zu tun.“ Vielmehr habe der Verwaltungschef drohenden Schaden von der Stadt Weißwasser abwenden müssen. Rauh erklärte dies mit Blick auf Gläubiger des Vereins wie auch des Eishockey-Zweitligisten EHC Lausitzer Füchse, die als Hauptmieter der Eissporthalle mit dem ESW geschäftlich eng verbunden sind.
Füchse begraben Hoffnung
Der Proficlub EHC hatte sich noch vor einer Woche ebenfalls große Hoffnungen auf die Sponsoringmittel der Stadtwerke gemacht, die drei Jahre lang in Höhe von 200 000 Euro reichlich an ihn geflossen sind. Nach einem Gespräch des EHC-Finanzbeirates Anfang dieser Woche mit dem Oberbürgermeister begrub der Profiklub diese Hoffnung. Rauh verwies auf eine Änderung des Stadtwerkevertrags im März vergangenen Jahres, laut der dem Eissport nicht mehr der Löwenanteil der Sponsoringmittel überlassen werden müsse. Dafür stellte Rauh in Aussicht, dem Verein ESW eine Summe für die Betreibung der Eissporthalle einzuräumen.
Dazu steht der Oberbürgermeister nach wie vor – ohne sich freilich auf eine Summe festzulegen. Er sei außerdem optimistisch, für den ESW-Zuschuss Ende April grünes Licht vom Stadtrat zu bekommen.
Für den Profiklub würde das bedeuten, dass er problemlos seine Zweitliga-Lizenz bekommt. Denn um im Mai für die neue Saison zu beantragen, braucht er in Weißwasser eine Halle mit Betreiber.
ESW-Präsident Dirk Rohrbach stellen Rauhs Äußerungen nicht zufrieden. Er fordert Sponsoringmittel nicht nur für dieses Jahr, sondern für die nächsten sechs Jahre – ohne Verhandlungshickhack. Schon um den Sponsoren Sicherheiten zu geben. „Jedes Jahr so eine Zitterpartie um die Finanzierung machen wir nicht mit.“
Von Daniel Preikschat
LR vom 31.März 2006-03-31
Eishalle kostet jährlich fast 400 000 Euro
Die Eishalle Weißwasser gehört der Stadt, die sie seit August 2005 an den Eissportverein Weißwasser verpachtet. Die Kosten für die Betreibung liegen bei jährlich 380 000 bis 400 000 Euro.
In der Saison – vom 15.August bis 9.April – kauft der Betreiber jeden Monat für 13 500 Euro Strom und für 10 500 Euro Fernwärme. Zum Saison-Auftakt wird die 60 mal 30 Meter große Betonfläche auf minus acht Grad heruntergekühlt und mit Wasser aufgespritzt, sodass eine acht Zentimeter dicke Eisdecke entsteht. Für die Kühlung sorgen Leitungen im Beton, durch die flüssiges Ammoniak strömt. Nach jeder Nutzung kehr eine Eismaschine den Schnee ab und zieht eine neue Schicht auf. Das Stadion fasst 2700 Besucher.
1 | L-X | 31.03.2006 @ 17:54
Eventuell könnte man den Jungs ja bei der Entscheidungsfindung etwas unter die Arme greifen. Auch Bürger haben Rechte. Schaut doch mal dort nach: http://www.buergerbegehren.de/go/sachsenan.htm ich denke 3000 Unterschriften sollte man doch zusammen bekommen...
2 | L-X | 31.03.2006 @ 17:56
...sorry... iss in Sachsen-Anhalt.... in Sachsen isses leider nicht ganz so einfach...
3 | TomSGD | 31.03.2006 @ 18:27
„Wir sind alle für den Eishockeysport“, sagt Schutza. Genau, und bald verkündet dann Herr Rauh (im öffentlichen Teil der nächsten Stadtratssitzung): "Ich liebe Euch doch alle!" Es wird immer verrückter...
4 | Heidi | 31.03.2006 @ 18:29
Wenn" Wir sind alle für den Eishockeysport" stimmt, dann glaube ich wäre dieses ganze Theater eigentlich nicht notwendig, sondern müsste längst positiv geklärt worden sein.
5 | kojoti | 31.03.2006 @ 23:24
nicht nachvollziehbar.
» Die News ist älter als 14 Tage. Die Kommentarfunktion wurde deshalb deaktiviert.
Entscheidung über Finanzhilfe für Eishalle vertagt. Der Stadtrat von Weißwasser hat sich am Mittwoch nicht dazu durchgerungen, dem Eissportverein Weißwasser (ESW) 116 500 Euro an Sponsoringmitteln der Stadtwerke zu gewähren. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Hartwig Rauh (parteilos) haben die Stadträte die Entscheidung darüber auf den 26.April vertagt. Der ESW erwägt jetzt, der Stadt den Betreibervertrag für die jährlich rund 400 000 Euro verschlingende Eissporthalle zum 31.August zu kündigen. Bei ESW-Präsident Dirk Rohrbach ist die Enttäuschung riesig. Er hatte fest mit einem Signal der Stadt für den Eishockey-Sport in Weißwasser gerechnet. Bei einem Jahresetat des Vereins von etwa 240 000 Euro sei der Zuschuss dringend notwendig. Im festen Glauben, von der Stadt nicht im Stich gelassen zu werden, hatte der ESW die kostspielige Betreibung der Eishalle im August vergangenen Jahres übernommen. Weil Rauh darauf drang, so Rohrbach, habe der ESW in dieser Woche noch in aller Eile bei der Stadt einen Antrag für den Erhalt dieser Summe gestellt. Und jetzt diese Entscheidung!
Ebenso enttäuscht sind einige Stadträte selbst – vor allem die CDU-Fraktion. Die nämlich hatte die Entscheidung zu Gunsten des Eissportvereins am Mittwoch mit einem Antrag erzwingen wollen: 116 450 Euro für den ESW zum Betreiben der Halle. Zweimal, so Karl-Heinz Kittan (CDU), wurde der Antrag im Verlauf der Diskussion umformuliert – nur, um von Oberbürgermeister Rauh im nichtöffentlichen Teil der Sitzung vertagt zu werden. Kittan und sein Fraktionskollege Bernhard Waldau verstehen die Welt nicht mehr. Ihnen ist „schleierhaft“, warum Rauh so zaudert und die Mehrheit der Stadträte dabei noch mitmacht.
Antrag war ein Schnellschuss
Stadtrat Timo Schutza von der Freien Wählervereinigung Klartext sieht das anders: „Der Antrag war ein Schnellschuss.“ In ihm sei nicht geklärt, wie und wann das Geld dem verein zukommen soll. „Wir sind alle für den Eishockeysport“, sagt Schutza. Doch eine mehrheitsfähiger Beschlussvorschlag müsse Hand und Fuß haben.
Damit spricht er seinem Oberbürgermeister aus der Seele. „Das Geld“ , so Hartwig Rauh, „soll genau dort ankommen, wo wir es hinhaben wollen.“ Am 26.April, zur nächsten Stadtratssitzung, liege ein Antrag vor, der so sicher auch beschlossen werde. Da ist sich Rauh sicher. Er wehrt sich auch gegen die Kritik, den CDU-Antrag am Mittwoch in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung verwiesen zu haben: „Das hat nichts mit Aussperren der Öffentlichkeit zu tun.“ Vielmehr habe der Verwaltungschef drohenden Schaden von der Stadt Weißwasser abwenden müssen. Rauh erklärte dies mit Blick auf Gläubiger des Vereins wie auch des Eishockey-Zweitligisten EHC Lausitzer Füchse, die als Hauptmieter der Eissporthalle mit dem ESW geschäftlich eng verbunden sind.
Füchse begraben Hoffnung
Der Proficlub EHC hatte sich noch vor einer Woche ebenfalls große Hoffnungen auf die Sponsoringmittel der Stadtwerke gemacht, die drei Jahre lang in Höhe von 200 000 Euro reichlich an ihn geflossen sind. Nach einem Gespräch des EHC-Finanzbeirates Anfang dieser Woche mit dem Oberbürgermeister begrub der Profiklub diese Hoffnung. Rauh verwies auf eine Änderung des Stadtwerkevertrags im März vergangenen Jahres, laut der dem Eissport nicht mehr der Löwenanteil der Sponsoringmittel überlassen werden müsse. Dafür stellte Rauh in Aussicht, dem Verein ESW eine Summe für die Betreibung der Eissporthalle einzuräumen.
Dazu steht der Oberbürgermeister nach wie vor – ohne sich freilich auf eine Summe festzulegen. Er sei außerdem optimistisch, für den ESW-Zuschuss Ende April grünes Licht vom Stadtrat zu bekommen.
Für den Profiklub würde das bedeuten, dass er problemlos seine Zweitliga-Lizenz bekommt. Denn um im Mai für die neue Saison zu beantragen, braucht er in Weißwasser eine Halle mit Betreiber.
ESW-Präsident Dirk Rohrbach stellen Rauhs Äußerungen nicht zufrieden. Er fordert Sponsoringmittel nicht nur für dieses Jahr, sondern für die nächsten sechs Jahre – ohne Verhandlungshickhack. Schon um den Sponsoren Sicherheiten zu geben. „Jedes Jahr so eine Zitterpartie um die Finanzierung machen wir nicht mit.“
Von Daniel Preikschat
LR vom 31.März 2006-03-31
Eishalle kostet jährlich fast 400 000 Euro
Die Eishalle Weißwasser gehört der Stadt, die sie seit August 2005 an den Eissportverein Weißwasser verpachtet. Die Kosten für die Betreibung liegen bei jährlich 380 000 bis 400 000 Euro.
In der Saison – vom 15.August bis 9.April – kauft der Betreiber jeden Monat für 13 500 Euro Strom und für 10 500 Euro Fernwärme. Zum Saison-Auftakt wird die 60 mal 30 Meter große Betonfläche auf minus acht Grad heruntergekühlt und mit Wasser aufgespritzt, sodass eine acht Zentimeter dicke Eisdecke entsteht. Für die Kühlung sorgen Leitungen im Beton, durch die flüssiges Ammoniak strömt. Nach jeder Nutzung kehr eine Eismaschine den Schnee ab und zieht eine neue Schicht auf. Das Stadion fasst 2700 Besucher.