Sportpolitik. Firmenleute der Region forderten den Rücktritt Hartwig Rauhs. Der führt die Vorwürfe auf Missverständnisse zurück.
Da war er nun, der Klassenerhalt für die zweite Liga. Die Fans der Lausitzer Füchse lagen sich in den Armen, die Puckjäger atmeten nach dem rasanten Spiel am Sonntag tief durch – und einige Unternehmer forderten Oberbürgermeister Hartwig Rauh zum Rücktritt auf. Davon erfuhr der jedoch erst am Montag in der Zeitung. „Ich war nicht im Stadion, bin aber vor Spannung fast ins Radio gekrochen“, sagte Rauh am Montag. Der Sieg sei eine wunderschöne Sache – und das sauber gehaltene Füchsetor nun der „Zuckerguss“ zum Saisonfinale.
Dieses Treffen löste die neuerliche Debatte um die Position des Oberbürgermeisters von Weißwasser Hartwig Rauh (parteilos) zur Geschäftsführung des Profi-Vereins aus: Silko Hoffmann vom Fanrat der Lausitzer Füchse überreichte Rauh 2 411 Unterschriften für den Erhalt des Eissports. Foto: Gunnar Schulze
Kritik ja – Angriff nein
Gar nicht schön ist der Vorwurf von Unternehmern wie Bernd Nadebor, Detlef Wolsch oder Jan Garreis. Die schrieben per offenen Brief, der OB solle von seinem Amt zurücktreten, weil er dem „Geschäftsführer der Lausitzer Füchse, Herrn René Reinert, unseriöses Geschäftsgebaren vorgeworfen“ habe. Damit verärgere das Stadtoberhaupt Sponsoren. Auslöser der Aufregung war nicht zuletzt ein Treffen des Fanrats der Lausitzer Füchse mit dem OB – wobei 2 411 Bürgerunterschriften für den Erhalt des Eissports übergeben wurden. Dabei kritisierte Rauh tatsächlich die Führung der Geschäfte bei der Profi-GmbH. „Aber der Vorwurf der Unternehmer geht zu weit – die haben mich missverstanden“, so Rauh. Persönlich habe er nichts gegen Reinert. Jedoch könne er mit diesem nicht herzliche Einigkeit bei Sponsorentreffen zeigen, wenn er ihn kritisieren müsse. Denn: „Ich bin nach wie vor mit Geschäftsentscheidungen nicht einverstanden.“
Beim Fanratstreffen habe er darauf verwiesen, dass in den nächsten sieben Jahren 84 000 Euro in die Entschuldung des Eissports fließen sollen. Damit bleiben für die Profis von 200 000 nur 116 000 Euro – über die Veolia und Stadtwerke bestimmen. Zudem stand der einst geschlossene Konsortialvertrag zur Disposition: Folge: „Die Aufhebung dieser im Etat verplanten Mittel führt zu großen wirtschaftlichen Problemen – und kann nicht akzeptiert werden“, erklärte einst Füchsesprecher Andreas Friebel.
Nun ist das alles wieder auf dem Tisch. „Ich mache gar kein Hehl daraus, dass ich Themen anfasse, vor denen frühere Amtsinhaber Angst hatten“, so Rauh. Aber die Entwicklung gebe ihm Recht: Sei im Januar noch von Insolvenz bei den Füchsen die Rede gewesen, „geht es nun offensichtlich auch mit der Hälfte der Gelder weiter“, so Rauh.
Eissport alleine reicht nicht
Als OB sei er für den Erhalt des Eissports – aber es gebe unter 2 500 Sportbegeisterten der Glasmacherstadt auch andere Sportarten. Zudem drücken finanzielle Belastungen bei Bibliothek, Schwimmhalle oder Tierpark. „Als alleiniger Marketingfaktor für die Stadt ist Eishockey zu wenig“, sagte Rauh. Deshalb würden Sponsoren, Förderer und eine kluge Wirtschaftsführung der Profis für den Erhalt benötigt.
„Für mich gibt es keinen Grund, die Rücktrittsforderungen ernst zu nehmen“, betonte Rauh. Es sei das Los des Parteilosen, solchen Angriffen stärker ausgesetzt zu sein, als es manch Amtskollegen in Fraktionen erginge. Deren parteiliche Netzwerke würden ja über Stadtgrenzen hinaus wirken. „Ich rufe jetzt zur Besonnenheit“, so Rauh. Nach Ostern lade er die Unterzeichner des offenen Briefes ein. So könnten Missverständnisse vermieden werden.
„Aber der Vorwurf der Unternehmer geht zu weit – die haben mich missverstanden“... - - - Also ob man das nicht hätte ahnen können!!!!!!!
2 | Freezer | 11.04.2006 @ 07:40
typisch politiker, wenn sie in die ecke gedrängt werden, wollen sie nichts mehr gewesen sein
3 | Matze82 | 11.04.2006 @ 07:45
"Ich war nicht im Stadion" Das sagt schon alles. Der OB der Stadt WSW ist beim vieleicht wichtigsten spiel der letzten Jahre nicht anwesend. Das ist schon ein starkes stück.
4 | Snowboarder | 11.04.2006 @ 09:37
Absolut richtig Matze 82,
wenn es der Herr Bürgermeister der Eishockeystadt Weißwasser nicht für nötig erachtet in dieser schweren Lage zum Verein zu halten, in dem er persönlich beim Entscheidungsspiel anwesend ist, sollte man ihn zum Teufel jagen.
Rücktritt, Herr Rauh.
5 | Barts Bruder | 11.04.2006 @ 12:12
Was wäre denn gewesen, wenn er erschienen wäre. dann hätten doch alle selbstgerechten und selbsternannten Wächter des Eishockey in der Stadt geschrien, jetzt kommt der Heuchler. Also mal schön ruhig bleiben. *Rest gelöscht! Die Mods.*
6 | Mozart | 11.04.2006 @ 12:28
@5 Bälle flach halten. Das Verfahren der SA gegen Herrn Krein und Herrn Stabach wurde eingestellt, da nix illegales lief. Also mit solchen Kommentaren sehr vorsichtig sein...
Ciao Mozart!
7 | Barts Bruder | 11.04.2006 @ 14:40
Das war kein Kommentar, sondern eine sachliche Anmerkung. Ich habe auch nicht unterstellt, dass irgendetwas rechtswidrig war. Aber der Fakt, dass bei der Hausdurchsuchung 100.000 € hinter der Waschmaschine gefunden wurden steht erst einmal. Ich habe nicht behauptet, das dies Schwarzgeld oder irgendetwas anderes war.Bitte genau lesen.
8 | Stadtfuchs | 11.04.2006 @ 15:25
Ich lese hier mit dem OB ständig etwas von "MIßverständnissen" - hier, da u. dort. Das übliche Spiel die Fahne erneut im Wind auszurichten. Keine Linie, keine klare Meinung, man weiß bei diesem OB einfach nicht woran man ist. Da ist jeder Wackel-Dackel standfester.
9 | gizmo | 11.04.2006 @ 15:51
"Ich war nicht im Stadion" Das sagt schon alles.Ich glaube das es die Auswärtigen Fans öffters geschafft haben im Füchsbau zu sein und Ihre Mannschaft zu unterstützen als Herr Rauh obwohl er nen kürzeren Weg hat ,wie andere Fans die aus München, Hamburg ect. anreisen. Ciao gizmo
10 | Barts Bruder | 11.04.2006 @ 16:06
Aber jetzt mal sachlich. Mit welchem Recht wird der OB zum Rücktritt aufgefordert. Nur wegen des Eissports? Hat der OB nicht andere Aufgaben als zum Eishockey zu gehen. Es ist doch seine Aufgabe die Stadt zu führen und ALLE Belange im Auge zu haben. Wer von den Leuten, die hier einen Rücktritt fordern weiß denn welche Aufgaben ein OB tatsächlich zu erfüllen hat. Verwaltungsaufgaben per Gesetz usw.
11 | Picard | 11.04.2006 @ 16:16
@10 Muß Dir da Recht geben. Die ganze Diskusion ist mittlerweile sehr unsachlich sogar beleidigend und läßt wenig Raum für beide Seiten auf einander zuzugehen. Man hat sicherlich nur zusammen eine Chance die man sich aber gerade mit Anfeindungen und Unterstellungen verbaut. Zu einer Diskusion gehört, Argumente von beiden Seiten zu hören und sachlich Auszuwerten. Denkt mal drüber nach...
12 | Arni | 11.04.2006 @ 16:25
Nur komisch das es bis jetzt 4 Leute nicht geschafft haben sich mit der Stadt zu einigen. Da kann nicht alles rund gelaufen sein bei der Stadt. Und dieser OB soll endlich mal Fahne bekennen, er spricht mit gespaltener Zunge!.
13 | rene72 | 11.04.2006 @ 16:51
@7 Na und? Was haben 100.000€ hinter Stabachs Waschmaschine mit Dieter Krein zu tun? Und alle Anschuldigungen haben sich damals als üble haltlose Verleumdungen eines geschassten Spielerberaters herausgestellt, die von einem profilneurotischem Staatsanwalt mit viel Trara verfolgt wurden.
@12 sehe ich genauso, immer waren die Leute vom Eishockey die Uneinsichtigen und Unfähigen. Es lag nie an der Stadt.
14 | Jörg | 11.04.2006 @ 16:54
@11:Von der einen Seite sind schon genügend Leute mit dem "aufeinander-zu"- Willen gekommen.Die wurden alle in die Deppen-Ecke gerückt.In dem Wort "Wille" steckt was von wollen- nicht von ständigen Missverständnissen!!!
15 | Hoywoyfux | 11.04.2006 @ 23:01
@6 mozart, völlig richtig gemacht ! Du hast hier Barts Bruder juristische Folgen erspart... Und Du Barts Bruder versteh`diese gelbe Karte als gut gemeinten Hinweis. Zur Sache : Ein aus Steuergeldern bezahlter OB hat einfach nicht das Recht, so den Unternehmern entgegen zu treten. Diese Herren könnten ihr Geld auch für sich verbrauchen - was tun sie aber ? - sie pumpen es permanent in den Sport ! Und das ist für mich gesellschaftliche Verantwortung. Und sie bedenken nicht nur den Eissport.
16 | Hoywoyfux | 11.04.2006 @ 23:05
Ein jeder, der mit offenen Augen durch WSW und Umgebung geht, sieht die Namen der ESW-Sponsoren auch bei anderen Vereinen. Sicher setzen sie die Priorität beim Eissport (aus gutem Grund), doch sie bewirken durch ihr Tun im Grunde genommen mehr, als es der OB durch seine Presse-erklärungen jemals kann. Herr Rauh, verprellen sie diese Leute nicht, die bereit sind, Verantwortung zu tragen !!!
17 | Kasatonov | 12.04.2006 @ 16:53
Wie lange ist denn der Hr. Rauh schon der Oberste Meister der Buerger der Stadt Weisswasser? Gabs da nicht schon Leute vorher auf dieser Position? Lief da alles rund? Gabs da keine finanziellen Schwierigkeiten? Hat da die Stadt nicht jahrelang auf Kosten des Schuldenberges Geld in den Profisport gepumpt? Kann es sein, dass der spaete Vogel Pech hat - das ach so heroische Tun der Vorgaenger/-in ausbaden muss? Ihr macht es euch leicht, ganz leicht. Es ist ja auch soooo einfach.
18 | Andi | 12.04.2006 @ 16:57
Na Kasatonov dann geh mal zu Onkel Rauh und weint gemeinsam wegen uns bösen Eishockey-Fans.
19 | Klaus | 12.04.2006 @ 19:45
@18, böse wäre sicher das Falsche. Naiv würde eher zutreffen.
20 | Andi | 13.04.2006 @ 08:40
@19 wenn du meinst, das wir Füchse-Fans naiv sind, nur weil wir fordern, das der OB einmal ein "klares" Wort zum Thema Eishockey sagt und nicht ständig alles als Missverständnisse abtut was die Gegenseite sagt, dann tust du mir echt leid. Die Leute hier wollen nur das der Herr Rauh endlich mal ehrlich seine Einstellung zum EH preisgibt. Und wenn diese Einstellung positiv sein sollte, dann soll er die Zahlung der Sponsorengelder nicht verzögern, sondern die Beschlußfassung forcieren.
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Da war er nun, der Klassenerhalt für die zweite Liga. Die Fans der Lausitzer Füchse lagen sich in den Armen, die Puckjäger atmeten nach dem rasanten Spiel am Sonntag tief durch – und einige Unternehmer forderten Oberbürgermeister Hartwig Rauh zum Rücktritt auf. Davon erfuhr der jedoch erst am Montag in der Zeitung. „Ich war nicht im Stadion, bin aber vor Spannung fast ins Radio gekrochen“, sagte Rauh am Montag. Der Sieg sei eine wunderschöne Sache – und das sauber gehaltene Füchsetor nun der „Zuckerguss“ zum Saisonfinale.
Gar nicht schön ist der Vorwurf von Unternehmern wie Bernd Nadebor, Detlef Wolsch oder Jan Garreis. Die schrieben per offenen Brief, der OB solle von seinem Amt zurücktreten, weil er dem „Geschäftsführer der Lausitzer Füchse, Herrn René Reinert, unseriöses Geschäftsgebaren vorgeworfen“ habe. Damit verärgere das Stadtoberhaupt Sponsoren. Auslöser der Aufregung war nicht zuletzt ein Treffen des Fanrats der Lausitzer Füchse mit dem OB – wobei 2 411 Bürgerunterschriften für den Erhalt des Eissports übergeben wurden. Dabei kritisierte Rauh tatsächlich die Führung der Geschäfte bei der Profi-GmbH. „Aber der Vorwurf der Unternehmer geht zu weit – die haben mich missverstanden“, so Rauh. Persönlich habe er nichts gegen Reinert. Jedoch könne er mit diesem nicht herzliche Einigkeit bei Sponsorentreffen zeigen, wenn er ihn kritisieren müsse. Denn: „Ich bin nach wie vor mit Geschäftsentscheidungen nicht einverstanden.“
Beim Fanratstreffen habe er darauf verwiesen, dass in den nächsten sieben Jahren 84 000 Euro in die Entschuldung des Eissports fließen sollen. Damit bleiben für die Profis von 200 000 nur 116 000 Euro – über die Veolia und Stadtwerke bestimmen. Zudem stand der einst geschlossene Konsortialvertrag zur Disposition: Folge: „Die Aufhebung dieser im Etat verplanten Mittel führt zu großen wirtschaftlichen Problemen – und kann nicht akzeptiert werden“, erklärte einst Füchsesprecher Andreas Friebel.
Nun ist das alles wieder auf dem Tisch. „Ich mache gar kein Hehl daraus, dass ich Themen anfasse, vor denen frühere Amtsinhaber Angst hatten“, so Rauh. Aber die Entwicklung gebe ihm Recht: Sei im Januar noch von Insolvenz bei den Füchsen die Rede gewesen, „geht es nun offensichtlich auch mit der Hälfte der Gelder weiter“, so Rauh.
Eissport alleine reicht nicht
Als OB sei er für den Erhalt des Eissports – aber es gebe unter 2 500 Sportbegeisterten der Glasmacherstadt auch andere Sportarten. Zudem drücken finanzielle Belastungen bei Bibliothek, Schwimmhalle oder Tierpark. „Als alleiniger Marketingfaktor für die Stadt ist Eishockey zu wenig“, sagte Rauh. Deshalb würden Sponsoren, Förderer und eine kluge Wirtschaftsführung der Profis für den Erhalt benötigt.
„Für mich gibt es keinen Grund, die Rücktrittsforderungen ernst zu nehmen“, betonte Rauh. Es sei das Los des Parteilosen, solchen Angriffen stärker ausgesetzt zu sein, als es manch Amtskollegen in Fraktionen erginge. Deren parteiliche Netzwerke würden ja über Stadtgrenzen hinaus wirken. „Ich rufe jetzt zur Besonnenheit“, so Rauh. Nach Ostern lade er die Unterzeichner des offenen Briefes ein. So könnten Missverständnisse vermieden werden.
Quelle: Sächsische Zeitung Lokalteil WSW vom 11.04.2006