Füchse verjüngen notgedrungen das Team und bieten eine außergewöhnliche Perspektive
Gleiche Liga, aber ein anderes Gesicht: Die finanziellen Probleme in der Vergangenheit zwingen die Lausitzer Füchse zu einem radikalen Neuaufbau. Der Klassenerhalt in der zweithöchsten Spielklasse soll ab September mit dem jüngsten Team in der Vereinsgeschichte geschafft werden. Statt mit gut dotierten Verträgen wirbt Weißwasser mit einer außergewöhnlichen Perspektive im Profi-Eishockey.
Die Geburt von Reid Connor Carroll könnte sich noch als ein echter Glücksfall für die Lausitzer Füchse erweisen. Vor drei Jahren kam der Knirps auf die Welt und er verlangte seitdem seinem Vater einiges ab. Füttern, Windeln wechseln, den Nuckel reichen, Dreirad reparieren – eben alles, was ein guter Vater in den ersten drei Lebensjahren seines Sprösslings so macht. Die gesammelten Erfahrungen kann Fred Carroll jetzt prima gebrauchen. Denn als Trainer der Füchse wird er Chef einer Mannschaft sein, in der viele Spieler – zumindest Eishockey- spezifisch gesehen – eigentlich noch Pampers tragen müssten. Das Durchschnittsalter beträgt gerade einmal 23 Jahre. So jung war noch nie ein Profiteam in Weißwasser. Das Saisonziel ergibt sich angesichts des Neuaufbaus praktisch von selbst. «Wir wollen am Ende mindestens besser sein als ein anderes Team» , sagt Carroll. Da nur eine Mannschaft absteigt, würde dies den Klassenerhalt bedeuten.
Dieser Klassenerhalt wäre nach den jüngsten Ereignissen in der Tat ein Riesenerfolg. Denn es ist noch gar nicht lange her, da stand das Profi-Eishockey in Weißwasser vor dem Offenbarungseid. «Am Jahresanfang wussten wir nicht, wie es weitergeht» , betont Geschäftsführer René Reinert. Das enttäuschende sportliche Abschneiden brachte die Füchse auch finanziell in eine bedrohliche Schieflage. Es fehlten Zuschauer-Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Außerdem brachen Sponsorengelder weg, die Neugewinnung von Geldgebern erwies sich als äußerst schwierig.
Dass die Saison trotzdem mit einem ausgeglichenen Etat abgeschlossen werden konnte, kommt einem kleinen Wunder gleich. Einige Großsponsoren griffen noch einmal tief in die Tasche, um das klaffende Loch zu schließen und auch Altverbindlichkeiten aus den vergangenen drei Jahren zu begleichen. Dabei handelte es sich allerdings um Geld, das eigentlich für die neue Saison geplant war. Es fehlt deshalb für die kommende Spielzeit. Der Etat wurde um die Hälfte auf 850 000 Euro reduziert. «Wir können jetzt einen kompletten Neustart ohne Schulden machen» , ist Reinert zuversichtlich. Die Turbulenzen der zurückliegenden Saison bezeichnet der Füchse- Chef als «Lehrjahr» . Einen ähnlichen Drahtseilakt soll es künftig nicht mehr geben. Entsprechend vorsichtig ist die Kalkulation. Die Füchse planen nur noch mit 1100 statt zuletzt 1800 Zuschauern. Auch in den Etat sind nur jene Sponsoringverträge eingeflossen, die bereits in trockenen Tüchern sind. «Wir wollen natürlich den größtmöglichen sportlichen Erfolg. Aber nicht um jeden Preis, an erster Stelle steht die Wirtschaftlichkeit. Denn nur so können wir langfristig das Eishockey in Weißwasser erhalten» , beschreibt Reinert die neue Philosophie.
Entsprechend zurückhaltend fiel die Einkaufspolitik aus. Mit Johannes Saßmannshausen (Bad Nauheim), Martin Masak (Crimmitschau) und Markus Witting (Krefeld) wurde gestern die Verpflichtung von drei weiteren Spielern bekannt gegeben, die in das neue Gehaltsgefüge passen. Zwölf Profis haben den Verein verlassen. Gesucht werden noch ein ausländischer Verteidiger und mindestens ein deutscher Stürmer. Außerdem müssen Youngster wie André Mücke (23) und Thomas Götz (20) praktisch über Nacht erwachsen werden. Sie sind nach ihren guten Ansätzen nun als Leistungsträger gefragt. Denn der Kader besteht vor allem aus jungen Eigengewächsen aus Weißwasser, die sich auf deutlich höherem Niveau bewähren müssen. «Für die Jungs ist es eine große Chance. Sie kommen aus dem Nachwuchs und werden auf Anhieb viel Spielzeit in der 2. Liga erhalten» , sieht es Trainer Carroll positiv. Rückschläge auf dem beschwerlichen Weg des Neuaufbaus hat er einkalkuliert. «Wir alle müssen mit der jungen Mannschaft vor allem Geduld haben» , appelliert er an die Fans. (Frank Noack)
Zur Sache
Vorläufiger Füchse-Kader für die Saison 2006/07
Tor: Nolan McDonald (28 Jahre), Martin Niemz (23/Tornado Niesky), Oliver Werlich (19/eigener Nachwuchs).
Abwehr: Johan Geddert (20/eigener Nachwuchs), André Koalick (22), Johannes Saßmannshausen (21/Rote Teufel Bad Nauheim), Robert Bartlick (23), Daniel Wimmer (19/eigener Nachwuchs), Martin Masak (30/ETC Crimmitschau), Markus Witting (27/Krefeld Pinguine).
Angriff: Marcel Leyva (25), André Mücke (23), Matt Hubbauer (23/ Columbia Inferno), Lanny Gare (27/Victoria Salom Kings), Benjamin Thiede (24/Blue Lions Leipzig), Christian Rösler (19/eigener Nachwuchs), Jörg Pohling (31), Dennis Melchior (83/ Tornado Niesky), Benjamin Hecker (26/Tölzer Löwen), Marco Noack (19/eigener Nachwuchs), Thomas Götz (20).
Jörg Pohling wird neuer Füchse-Kapitän
Trainer Fred Carroll hat Routinier Jörg Pohling zum neuen Kapitän der Lausitzer Füchse bestimmt. Mit 31 Jahren ist der Stürmer der älteste Spieler im stark verjüngten Team.
«Jörg hat vor allem in der Endphase der vergangenen Saison sehr stark gespielt und Verantwortung übernommen. Er hat gezeigt, wie wichtig ihm das Eishockey in Weißwasser ist» , betonte Carroll.
Pohling löst Mattias Wikström ab, der zu Ligakonkurrent Grizzly Adams Wolfsburg wechselte. Der bisherige Vize-Kapitän Lars Müller spielt künftig für die Moskitos aus Essen. (Eig. Ber./noc)
Weißwasser testet gegen Topteams aus Tschechien
Zwei Vergleiche gegen tschechische Topteams bilden die Höhepunkte der Vorbereitung der Lausitzer Füchse auf die am 15. September startende Zweitliga-Saison. Voraussichtlich am 18. oder 19. August gastiert mit Sparta Prag der amtierende Meister der Extraliga in Weißwasser. Am 25. August geht es dann in Jonsdorf gegen Liberec. Offizieller Trainingsstart ist am 1. August. Zwei Tage später finden die ersten Leistungstests statt, bevor die Mannschaft von Chefcoach Fred Carroll ins Trainingslager nach Tschechien reist. Hier der derzeitige Vorbereitungsplan:
1. August: Trainingsstart in Weißwasser
7. bis 16. August: Trainingslager in Most (Tschechien); geplant ist mindestens ein Testspiel gegen Gastgeber Most
18. oder 19. August: Saisoneröffnung in Weißwasser mit einem Testspiel gegen Sparta Prag
25. August: Testspiel in Jonsdorf gegen Liberec (Beginn um 18 Uhr)
26. August: Testspiel in Weißwasser gegen die Eisbären Juniors (19.30 Uhr)
1. September: Pokalspiel in Weißwasser gegen die Kassel Huskies (19.30 Uhr)
3. September: Testspiel in Berlin gegen die Eisbären Juniors
6. September: Testspiel bei den Hannover Indians (20 Uhr)
10. September: Testspiel in Weißwasser gegen die Hannover Indians (17 Uhr)
15. September: Punktspielstart in der 2. Bundesliga
Gleiche Liga, aber ein anderes Gesicht: Die finanziellen Probleme in der Vergangenheit zwingen die Lausitzer Füchse zu einem radikalen Neuaufbau. Der Klassenerhalt in der zweithöchsten Spielklasse soll ab September mit dem jüngsten Team in der Vereinsgeschichte geschafft werden. Statt mit gut dotierten Verträgen wirbt Weißwasser mit einer außergewöhnlichen Perspektive im Profi-Eishockey.
Die Geburt von Reid Connor Carroll könnte sich noch als ein echter Glücksfall für die Lausitzer Füchse erweisen. Vor drei Jahren kam der Knirps auf die Welt und er verlangte seitdem seinem Vater einiges ab. Füttern, Windeln wechseln, den Nuckel reichen, Dreirad reparieren – eben alles, was ein guter Vater in den ersten drei Lebensjahren seines Sprösslings so macht. Die gesammelten Erfahrungen kann Fred Carroll jetzt prima gebrauchen. Denn als Trainer der Füchse wird er Chef einer Mannschaft sein, in der viele Spieler – zumindest Eishockey- spezifisch gesehen – eigentlich noch Pampers tragen müssten. Das Durchschnittsalter beträgt gerade einmal 23 Jahre. So jung war noch nie ein Profiteam in Weißwasser. Das Saisonziel ergibt sich angesichts des Neuaufbaus praktisch von selbst. «Wir wollen am Ende mindestens besser sein als ein anderes Team» , sagt Carroll. Da nur eine Mannschaft absteigt, würde dies den Klassenerhalt bedeuten.
Dieser Klassenerhalt wäre nach den jüngsten Ereignissen in der Tat ein Riesenerfolg. Denn es ist noch gar nicht lange her, da stand das Profi-Eishockey in Weißwasser vor dem Offenbarungseid. «Am Jahresanfang wussten wir nicht, wie es weitergeht» , betont Geschäftsführer René Reinert. Das enttäuschende sportliche Abschneiden brachte die Füchse auch finanziell in eine bedrohliche Schieflage. Es fehlten Zuschauer-Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Außerdem brachen Sponsorengelder weg, die Neugewinnung von Geldgebern erwies sich als äußerst schwierig.
Dass die Saison trotzdem mit einem ausgeglichenen Etat abgeschlossen werden konnte, kommt einem kleinen Wunder gleich. Einige Großsponsoren griffen noch einmal tief in die Tasche, um das klaffende Loch zu schließen und auch Altverbindlichkeiten aus den vergangenen drei Jahren zu begleichen. Dabei handelte es sich allerdings um Geld, das eigentlich für die neue Saison geplant war. Es fehlt deshalb für die kommende Spielzeit. Der Etat wurde um die Hälfte auf 850 000 Euro reduziert. «Wir können jetzt einen kompletten Neustart ohne Schulden machen» , ist Reinert zuversichtlich. Die Turbulenzen der zurückliegenden Saison bezeichnet der Füchse- Chef als «Lehrjahr» . Einen ähnlichen Drahtseilakt soll es künftig nicht mehr geben. Entsprechend vorsichtig ist die Kalkulation. Die Füchse planen nur noch mit 1100 statt zuletzt 1800 Zuschauern. Auch in den Etat sind nur jene Sponsoringverträge eingeflossen, die bereits in trockenen Tüchern sind. «Wir wollen natürlich den größtmöglichen sportlichen Erfolg. Aber nicht um jeden Preis, an erster Stelle steht die Wirtschaftlichkeit. Denn nur so können wir langfristig das Eishockey in Weißwasser erhalten» , beschreibt Reinert die neue Philosophie.
Entsprechend zurückhaltend fiel die Einkaufspolitik aus. Mit Johannes Saßmannshausen (Bad Nauheim), Martin Masak (Crimmitschau) und Markus Witting (Krefeld) wurde gestern die Verpflichtung von drei weiteren Spielern bekannt gegeben, die in das neue Gehaltsgefüge passen. Zwölf Profis haben den Verein verlassen. Gesucht werden noch ein ausländischer Verteidiger und mindestens ein deutscher Stürmer. Außerdem müssen Youngster wie André Mücke (23) und Thomas Götz (20) praktisch über Nacht erwachsen werden. Sie sind nach ihren guten Ansätzen nun als Leistungsträger gefragt. Denn der Kader besteht vor allem aus jungen Eigengewächsen aus Weißwasser, die sich auf deutlich höherem Niveau bewähren müssen. «Für die Jungs ist es eine große Chance. Sie kommen aus dem Nachwuchs und werden auf Anhieb viel Spielzeit in der 2. Liga erhalten» , sieht es Trainer Carroll positiv. Rückschläge auf dem beschwerlichen Weg des Neuaufbaus hat er einkalkuliert. «Wir alle müssen mit der jungen Mannschaft vor allem Geduld haben» , appelliert er an die Fans. (Frank Noack)
Zur Sache
Vorläufiger Füchse-Kader für die Saison 2006/07
Tor: Nolan McDonald (28 Jahre), Martin Niemz (23/Tornado Niesky), Oliver Werlich (19/eigener Nachwuchs).
Abwehr: Johan Geddert (20/eigener Nachwuchs), André Koalick (22), Johannes Saßmannshausen (21/Rote Teufel Bad Nauheim), Robert Bartlick (23), Daniel Wimmer (19/eigener Nachwuchs), Martin Masak (30/ETC Crimmitschau), Markus Witting (27/Krefeld Pinguine).
Angriff: Marcel Leyva (25), André Mücke (23), Matt Hubbauer (23/ Columbia Inferno), Lanny Gare (27/Victoria Salom Kings), Benjamin Thiede (24/Blue Lions Leipzig), Christian Rösler (19/eigener Nachwuchs), Jörg Pohling (31), Dennis Melchior (83/ Tornado Niesky), Benjamin Hecker (26/Tölzer Löwen), Marco Noack (19/eigener Nachwuchs), Thomas Götz (20).
Jörg Pohling wird neuer Füchse-Kapitän
Trainer Fred Carroll hat Routinier Jörg Pohling zum neuen Kapitän der Lausitzer Füchse bestimmt. Mit 31 Jahren ist der Stürmer der älteste Spieler im stark verjüngten Team.
«Jörg hat vor allem in der Endphase der vergangenen Saison sehr stark gespielt und Verantwortung übernommen. Er hat gezeigt, wie wichtig ihm das Eishockey in Weißwasser ist» , betonte Carroll.
Pohling löst Mattias Wikström ab, der zu Ligakonkurrent Grizzly Adams Wolfsburg wechselte. Der bisherige Vize-Kapitän Lars Müller spielt künftig für die Moskitos aus Essen. (Eig. Ber./noc)
Weißwasser testet gegen Topteams aus Tschechien
Zwei Vergleiche gegen tschechische Topteams bilden die Höhepunkte der Vorbereitung der Lausitzer Füchse auf die am 15. September startende Zweitliga-Saison. Voraussichtlich am 18. oder 19. August gastiert mit Sparta Prag der amtierende Meister der Extraliga in Weißwasser. Am 25. August geht es dann in Jonsdorf gegen Liberec. Offizieller Trainingsstart ist am 1. August. Zwei Tage später finden die ersten Leistungstests statt, bevor die Mannschaft von Chefcoach Fred Carroll ins Trainingslager nach Tschechien reist. Hier der derzeitige Vorbereitungsplan:
1. August: Trainingsstart in Weißwasser
7. bis 16. August: Trainingslager in Most (Tschechien); geplant ist mindestens ein Testspiel gegen Gastgeber Most
18. oder 19. August: Saisoneröffnung in Weißwasser mit einem Testspiel gegen Sparta Prag
25. August: Testspiel in Jonsdorf gegen Liberec (Beginn um 18 Uhr)
26. August: Testspiel in Weißwasser gegen die Eisbären Juniors (19.30 Uhr)
1. September: Pokalspiel in Weißwasser gegen die Kassel Huskies (19.30 Uhr)
3. September: Testspiel in Berlin gegen die Eisbären Juniors
6. September: Testspiel bei den Hannover Indians (20 Uhr)
10. September: Testspiel in Weißwasser gegen die Hannover Indians (17 Uhr)
15. September: Punktspielstart in der 2. Bundesliga
Quelle: Lausitzer Rundschau vom 12.07.2006