Doppelbelastung: Jungprofi Thomas Götz pendelt zwischen den Füchsen und seinem Beruf
Mit einem Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren schicken die Lausitzer Füchse am Freitag eine der jüngsten Profi-Mannschaften in der Vereinsgeschichte an den Start der 2. Eishockey-Bundesliga. Sie soll trotz fehlender Erfahrung die «Mission Klassenerhalt» vollbringen. Viele Weißwasseraner Spieler müssen dabei jedoch eine Doppelbelastung bewältigen. Ein Beispiel dafür ist Stürmer Thomas Götz. Der ganze normale Wahnsinn beginnt bei ihm bereits frühmorgens um 5 Uhr.
Arbeitsplatz II: Auch im Kraftwerk Boxberg ist Thomas Götz als Elektriker gefordert.Arbeitsplatz I: Auf dem Eis sind von Thomas Götz Leistung und Zuverlässigkeit gefragt. Foto: Kurtas Foto: Aswendt
Dann klingelt der Wecker des 21-Jährigen. Während sich der «durchschnittliche» Eishockey- Spieler im Bett noch einmal umdreht, macht sich der Füchse-Stürmer auf den Weg zur Arbeit in das Kraftwerk Boxberg. Der gelernte Prozessleitelektroniker ist beim Energie- Konzern Vattenfall als Elektriker angestellt. 30 Stunden pro Woche ist er hier tätig. Jeden Tag um 6 Uhr beginnt sein Dienst. Wenn es irgendwie geht ist, versucht er, trotzdem zwei Mal täglich am Training der Füchse teilzunehmen. Meistens ist dies möglich, weil sein Arbeitgeber ein Herz für den traditionsreichen Eissport in Weißwasser hat.
Ab Freitag stehen für Götz zusätzlich zwei Punktspiele am Wochenende auf dem Programm, manchmal wird ein drittes Match am Dienstag hinzukommen. In der vergangenen Saison war er außerdem noch am Samstag für die Verbandsliga- Mannschaft im Einsatz. «Diese Doppelbelastung ist verdammt hart» , gibt der Stürmer ehrlich zu. «Am Ende einer solchen Woche bin ich meistens ganz schön alle.»
«Beide Seiten offenhalten»
Dennoch hat sich Götz ganz bewusst für diese Doppelbelastung entschieden. Und er will sie vorläufig auch beibehalten, «um mir beide Seiten offenzuhalten» . Gleichwohl dürfte die Belastung für den Youngster in der am Freitag mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg beginnenden Zweitliga-Saison noch höher werden als bisher. Denn Götz und die anderen jungen Spieler müssen angesichts des drastischen Sparkurses der Füchse so viel Verantwortung übernehmen wie noch nie in ihrer Karriere. Sie sollen praktisch über Nacht erwachsen werden und die Lücken schließen, die erfahrene Spieler wie Lars Müller, Mattias Wikström oder Mats Lindmark hinterlassen haben. Doch dieser Entwicklungsprozess vollzieht sich logischerweise nicht von heute auf morgen. Das haben die insgesamt sieben Vorbereitungsspiele mit fünf Niederlagen schmerzlich bewiesen. Auch Cheftrainer Fred Carroll weiß, dass die jungen Spieler eigentlich noch Zeit bräuchten, um zu reifen. Zudem müssen genau wie Thomas Götz auch viele andere Youngster eine solche Doppelbel astung wegstecken. Spieler wie Oliver Werlich (19 Jahre), Johann Geddert (20), Daniel Wimmer (19), Christian Rösler (19) oder Marco Noack (19) stecken noch mitten in der Ausbildung und können deshalb nicht an allen Trainingseinheiten teilnehmen.
Aber Carroll weiß auch, dass diese Zeit zum Reifen eigentlich nicht da ist. Er hat die Youngster in seinen Formationen fest eingeplant. Ohne sie könnten die Füchse derzeit überhaupt kein konkurrenzfähiges Team auf das Eis schicken. Deshalb ist der Coach hin- und hergerissen zwischen dem Verständnis für die komplizierte Situation seiner Jungprofis und den sportlichen Ambitionen. «Ich hatte gehofft» , betont Carroll, «dass sich diese Entwicklung der Jungs schneller vollzieht. Aber wir müssen einfach Geduld mit ihnen haben.»
Vor allem in den Testpartien gegen hochkarätige Gegner wie den tschechischen Meister Sparta Prag (1:4), Slovan Liberec (1:7) oder im Pokal gegen DEL-Absteiger Kassel Huskies (1:5) bekamen die Youngster ihrer Defizite schonungslos vor Augen geführt. Patzer im Stellungsspiel, mangelndes Durchsetzungsvermögen, fehlende Cleverness vor dem gegnerischen Tor – die Mängelliste ließe sich beliebig verlängern. Sie ist für Spieler in diesem Alter allerdings nicht ungewöhnlich. Deshalb lässt Carroll derzeit noch mildernde Umstände gelten. «Die jungen Spieler haben im Training gut mitgezogen, obwohl es für sie durch die Doppelbelastung nicht immer einfach ist» , sagt der Trainer. Gleichwohl hat er kritisch registriert, dass einige der Youngster nach einem ordentlichen Beginn in den vergangenen zwei Wochen «in ein Loch gefallen» seien. Carroll macht dafür die Tatsache verantwortlich, dass die körperliche Belastung im Männerbereich ungleich höher ist als im Nachwuchs. Er fordert deshalb auch im Kopf eine hundertprozentige Leistungsbereitschaft. «Eishockey-Profi zu sein, ist viel mehr, als nur das Trikot der Füchse anzuziehen.»
Viel Spielpraxis holen
Thomas Götz ist trotz des morgendlichen Aufstehens um 5 Uhr froh darüber, regelmäßig das blau-gelbe Trikot tragen zu dürfen. Denn er wird in Weißwasser so viel Spielpraxis bekommen wie bei kaum einem anderen Verein der 2. Liga. Im Vergleich zu vielen Alterskollegen kann der Stürmer seine Erfahrungen auf dem Eis sammeln und muss nicht auf der Ersatzbank auf einen Kurzeinsatz warten. «Darüber bin ich sehr glücklich» , betont er. «Ich hoffe, ich kann das große Vertrauen, das Verein und Trainer in mich setzen, möglichst bald zurückzahlen.»
Sehr schöner Artikel! Da wissen hoffentlich jetzt einige, wie sie die Leistungen der jungen Spieler einzuschätzen haben. Jungs, haut rein! Ciao Mozart!
2 | Anubis | 13.09.2006 @ 16:49
sollte sich nen gewisser axel mal durchlesen.
3 | Odin | 13.09.2006 @ 17:58
@Mozart, ich glaube nicht, dass es an Respekt vor den Leistung der Spieler mangelt. Vielmehr daran, dass einige (mich inbegriffen) mehr oder weniger große Zweifel plagen, ob sie dem Gewachsen sind und sie nicht etwa übernehmen.
4 | Odin | 13.09.2006 @ 18:11
Und wenn man FC Worte genau ließt, erkennt man, dass er die selben Befürchtungen hat. Wie soll ein junger Spieler diese Doppelbelastung lange durchhalten. Ein Sportler braucht doch auch seine Ruhephasen zwischen durch, um wieder 100% physisch und psychisch eisatzbereit zu sein. Und da spielt es auch keine Rolle, dass er die Strapatzen freiwillig stämmt! Wenn die Nummer mal nicht gewaltig gegen den Baum geht.......
5 | Mozart | 13.09.2006 @ 19:28
Und was schlägst du als Gegenmaßnahme vor? Billige Stars holen? Wieso ist die GF erst gar nicht auf diese Idee gekommen? Man, zeig bissel Optimismus und stehe mit dem Team den schweren Weg durch! Hier ist noch keine Bundesligaminute gespielt und alle trauern... Wäre es den Zweiflern lieber gewesen, wir treten gar nicht mehr an? Wir müssen es nehmen wie es kommt und UNSER Team bedingungslos unterstützen! Ciao Mozart!
6 | Axel Schweiss | 13.09.2006 @ 19:45
@5 Das werden wir auch machen daran soll es nicht scheitern.Aber ich hoffe es kommt auch was zurück.Tschau Axel.
7 | Odin | 13.09.2006 @ 19:51
Hab ich was zu sagen?! Verdiene ich mein Geld damit, diese Entscheidungen zu treffen? Nein! Ich finde die Situation eben alles andere als gelungen. Und es ist auch Tatsache, dass F.C. damit sowas von angep..t wird! Auch wenn der Verein es sich nicht leisten kann, sich die Leute auszusuchen.......... Wieviele Chefs genemigen ihren Angestellten einen Nebenjob wenn sie dem eigentlichen nicht 100% nachkommen können. Und so sind nun mal die Fakten.
8 | Odin | 13.09.2006 @ 19:52
Das ist nichts gegen die Person Götz! Aber Realität und Hoffnung sind zweierlei Paar Schuhe.
9 | Brian | 13.09.2006 @ 22:28
Odin das ist ehrlich gesagt Gülle was du schreibst.
10 | Odin | 14.09.2006 @ 14:46
@9, das ist das meine Meinung/sind das meine durch aus berechtigten Zweifel, und wie du das nennst ist mir ehrlich gesagt Wurscht. Traurig finde ich es nur, dass andere Sichtweisen hier nicht mehr diskutiert werden können, ohne so "qualitativ hochwertige" Kommentare zu ernten. Schade! Aber Diskussionen sind keine, wenn nur eine Meinung akzeptiert wird.
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Mit einem Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren schicken die Lausitzer Füchse am Freitag eine der jüngsten Profi-Mannschaften in der Vereinsgeschichte an den Start der 2. Eishockey-Bundesliga. Sie soll trotz fehlender Erfahrung die «Mission Klassenerhalt» vollbringen. Viele Weißwasseraner Spieler müssen dabei jedoch eine Doppelbelastung bewältigen. Ein Beispiel dafür ist Stürmer Thomas Götz. Der ganze normale Wahnsinn beginnt bei ihm bereits frühmorgens um 5 Uhr.
Dann klingelt der Wecker des 21-Jährigen. Während sich der «durchschnittliche» Eishockey- Spieler im Bett noch einmal umdreht, macht sich der Füchse-Stürmer auf den Weg zur Arbeit in das Kraftwerk Boxberg. Der gelernte Prozessleitelektroniker ist beim Energie- Konzern Vattenfall als Elektriker angestellt. 30 Stunden pro Woche ist er hier tätig. Jeden Tag um 6 Uhr beginnt sein Dienst. Wenn es irgendwie geht ist, versucht er, trotzdem zwei Mal täglich am Training der Füchse teilzunehmen. Meistens ist dies möglich, weil sein Arbeitgeber ein Herz für den traditionsreichen Eissport in Weißwasser hat.
Ab Freitag stehen für Götz zusätzlich zwei Punktspiele am Wochenende auf dem Programm, manchmal wird ein drittes Match am Dienstag hinzukommen. In der vergangenen Saison war er außerdem noch am Samstag für die Verbandsliga- Mannschaft im Einsatz. «Diese Doppelbelastung ist verdammt hart» , gibt der Stürmer ehrlich zu. «Am Ende einer solchen Woche bin ich meistens ganz schön alle.»
«Beide Seiten offenhalten»
Dennoch hat sich Götz ganz bewusst für diese Doppelbelastung entschieden. Und er will sie vorläufig auch beibehalten, «um mir beide Seiten offenzuhalten» . Gleichwohl dürfte die Belastung für den Youngster in der am Freitag mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg beginnenden Zweitliga-Saison noch höher werden als bisher. Denn Götz und die anderen jungen Spieler müssen angesichts des drastischen Sparkurses der Füchse so viel Verantwortung übernehmen wie noch nie in ihrer Karriere. Sie sollen praktisch über Nacht erwachsen werden und die Lücken schließen, die erfahrene Spieler wie Lars Müller, Mattias Wikström oder Mats Lindmark hinterlassen haben. Doch dieser Entwicklungsprozess vollzieht sich logischerweise nicht von heute auf morgen. Das haben die insgesamt sieben Vorbereitungsspiele mit fünf Niederlagen schmerzlich bewiesen. Auch Cheftrainer Fred Carroll weiß, dass die jungen Spieler eigentlich noch Zeit bräuchten, um zu reifen. Zudem müssen genau wie Thomas Götz auch viele andere Youngster eine solche Doppelbel astung wegstecken. Spieler wie Oliver Werlich (19 Jahre), Johann Geddert (20), Daniel Wimmer (19), Christian Rösler (19) oder Marco Noack (19) stecken noch mitten in der Ausbildung und können deshalb nicht an allen Trainingseinheiten teilnehmen.
Aber Carroll weiß auch, dass diese Zeit zum Reifen eigentlich nicht da ist. Er hat die Youngster in seinen Formationen fest eingeplant. Ohne sie könnten die Füchse derzeit überhaupt kein konkurrenzfähiges Team auf das Eis schicken. Deshalb ist der Coach hin- und hergerissen zwischen dem Verständnis für die komplizierte Situation seiner Jungprofis und den sportlichen Ambitionen. «Ich hatte gehofft» , betont Carroll, «dass sich diese Entwicklung der Jungs schneller vollzieht. Aber wir müssen einfach Geduld mit ihnen haben.»
Vor allem in den Testpartien gegen hochkarätige Gegner wie den tschechischen Meister Sparta Prag (1:4), Slovan Liberec (1:7) oder im Pokal gegen DEL-Absteiger Kassel Huskies (1:5) bekamen die Youngster ihrer Defizite schonungslos vor Augen geführt. Patzer im Stellungsspiel, mangelndes Durchsetzungsvermögen, fehlende Cleverness vor dem gegnerischen Tor – die Mängelliste ließe sich beliebig verlängern. Sie ist für Spieler in diesem Alter allerdings nicht ungewöhnlich. Deshalb lässt Carroll derzeit noch mildernde Umstände gelten. «Die jungen Spieler haben im Training gut mitgezogen, obwohl es für sie durch die Doppelbelastung nicht immer einfach ist» , sagt der Trainer. Gleichwohl hat er kritisch registriert, dass einige der Youngster nach einem ordentlichen Beginn in den vergangenen zwei Wochen «in ein Loch gefallen» seien. Carroll macht dafür die Tatsache verantwortlich, dass die körperliche Belastung im Männerbereich ungleich höher ist als im Nachwuchs. Er fordert deshalb auch im Kopf eine hundertprozentige Leistungsbereitschaft. «Eishockey-Profi zu sein, ist viel mehr, als nur das Trikot der Füchse anzuziehen.»
Viel Spielpraxis holen
Thomas Götz ist trotz des morgendlichen Aufstehens um 5 Uhr froh darüber, regelmäßig das blau-gelbe Trikot tragen zu dürfen. Denn er wird in Weißwasser so viel Spielpraxis bekommen wie bei kaum einem anderen Verein der 2. Liga. Im Vergleich zu vielen Alterskollegen kann der Stürmer seine Erfahrungen auf dem Eis sammeln und muss nicht auf der Ersatzbank auf einen Kurzeinsatz warten. «Darüber bin ich sehr glücklich» , betont er. «Ich hoffe, ich kann das große Vertrauen, das Verein und Trainer in mich setzen, möglichst bald zurückzahlen.»
Quelle: Lausitzer Rundschau vom 13.09.2006