Jörg Pohling führt dieses Jahr zum ersten Mal die Lausitzer Füchse an.
Ein lang gezogener Pfiff gellt durch den kalten Fuchsbau - das Abendtraining der Profis ist beendet. Die Tür in der Bande fliegt auf, und ab geht es in Richtung Kabinen. Einer nach dem anderen stapft an den Trainingskiebitzen vorbei. Blaugelb, dick gepanzert mit Helm und Schläger. Einer ist besonders gut auszumachen. Die langen blonden Haare unter dem Helm heben die Nummer 80 deutlich hervor. Keine Frage - die Eishockeycracks des ES Weißwasser sind mehr als nur Sportler. Für eine Region, die nicht viele Helden kennt, sind sie Hoffnungsträger. Wenn sie auflaufen, brüllt der Fuchsbau seine Gladiatoren nach vorn. In zwei Tagen geht der Kampf in eine neue Runde. Dann beginnt die neue Saison, und die katastrophalen Ergebnisse in den Vorbereitungsspielen lassen auf nichts Gutes hoffen. Der Kader ist mit dem der Vorsaison kaum zu vergleichen, über ein Dutzend neue Gesichter sind dabei.
Auf ihm ruhen die Hoffnungen vieler Eishockeyfans: Jörg Pohling, Kapitän der Lausitzer Füchse. Foto: Steffen Unger
Die Nr. 80 allerdings, die kennt in Weißwasser jeder. Steckt doch in diesem Trikot schon immer derselbe: Jörg Pohling, Spitzname „Golle“. Und der hat jetzt vor allem eines: mächtig Durst. "Ich brauch schnell was zu trinken“, sagt Pohling auf dem engen Gang in die Kabine, und nimmt den Helm ab. Die blonden Haare hängen über der verschwitzten Stirn. Links blitzt ein silberner Ohrring, dazwischen ein Grinsen im Dreitagebart. Drinnen in den alten Umkleideräumen ist es so, wie es sein muss: Gerüche von Schweiß und Shampoo vermischen sich, aus den Duschen ziehen Dampfschwaden. Gelächter, Türeknallen. Für Jörg Pohling ist das ein vertrauter Teil seines Lebens: Kein Spieler ist schon so lange hier. Seit 26 Jahren läuft er im Fuchsbau auf - "und das ohne dabei an einen anderen Verein zu denken“, so Pohling.
Kentucky-Bar ist Geschichte
Mit vier Jahren war er das erste Mal im Eisstadion zu Besuch, kurz darauf fing er im Verein an. Seitdem hat er sich von der Jugend bis ganz nach vorne gespielt - und im Sommer den verletzungsbedingt ausgeschiedenen Dirk Rohrbach als Kapitän abgelöst. Das Amt scheint der logische Höhepunkt seiner Karriere - auch wenn der 31-Jährige früher schon mal als ewiges Talent verschrien war. Ein Lautsprecher ist Pohling allerdings nicht. "Ich mag es etwas ruhiger - auch privat. Seit vier Jahren ist er mit seiner Freundin fest zusammen, die Freizeit ist dementsprechend entspannt. Die Nächte, in denen er um die Häuser gezogen ist, oder in der Kentucky-Bar am Turnerheim gefeiert hat, sind Geschichte. "Die wilden Zeiten, als ich noch immer auf der Piste war, sind vorbei", sagt Pohling. Er lässt es inzwischen etwas gemächlicher angehen. "Ich treff mich abends gerne mit Freunden zum Kartenspielen" verrät er. Bei Skat und Doppelkopf wird dann gemütlich gezockt. Und manchmal auch auf die Bundesliga gewettet. Da setzt er natürlich auf seinen Lieblingsverein. Dynamo oder Energie? Weit gefehlt, die Königsblauen sind es, die es ihm angetan haben. "Mein Vater hatte zu DDR Zeiten immer einen Wimpel von Schalke 04 an der Wand hängen, da blieb mir keine andere Wahl“ , erklärt Pohling fast entschuldigend.
Das Geheimnis der Nummer
Für sein eigenes Team setzt der Kapitän zum Saisonstart auf realistische Ziele: "Wir werden um den Klassenerhalt kämpfen“, so die Prognose: "Aber auch für einige positive Überraschungen sorgen." Dass dies gelingt, dafür trägt er diesmal mehr Verantwortung denn je. Nicht nur die vielen jüngeren Spieler werden diesmal aufschauen, wenn die Nr. 80 aufs Eis geht. Aber warum eigentlich jedes Jahr das Trikot mit der 80? "1980 hab ich hier doch angefangen", sagt Jörg Pohling und grinst wieder.
Rohrbach als Kapitän abgelöst. War ich letzte Saison im falschen Stadion?
2 | HeavensDJ | 14.09.2006 @ 01:52
alleine schon die vorstellung das diese nr. 80 eine verstärkung sein soll... lässt mich wahrscheinlich jedes spiel im falschen stadion gewesen sein!
3 | Puck | 14.09.2006 @ 01:59
mecker, mecker,
Dann machts doch selber und besser
4 | Thorben | 14.09.2006 @ 07:39
Ich höre schon wie am Freitag nach 23:00 Uhr sich alle die Mäuler zerfetzen! Mein Gott wir wissen doch alle was uns für eine Situation diese Saison erwartet!
5 | Scottie | 14.09.2006 @ 07:45
@1 das frag ich mich auch grad! aber naja man kann ja immer dazu lernen ;-) *grinz*
Und na klar is ne total sch... Situation aber man muss doch Positiv denken :-)
*auf geht´s Füchse, auf geht`s*
6 | Rocco Roletti | 14.09.2006 @ 12:07
Welcher Profi (außer Felski) bleibt sein Leben lang bei ein und dem selben Verein? he?
Es gibt Fans die würdigen so etwas.
7 | Odin | 14.09.2006 @ 15:39
@6, die meisten aber nur mit ihrer Klappe, wieviele würden an solcher Stelle ihrem Idealismus treu bleiben und der Heimat den Rücken stärken, wenn die Talentscouts mit den großen Verrtägen locken? Übel nehmen kann man es aber auch niemandem wenn er geht. Typen wie "Golle" gibt es leider viel zu wenige!
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Ein lang gezogener Pfiff gellt durch den kalten Fuchsbau - das Abendtraining der Profis ist beendet. Die Tür in der Bande fliegt auf, und ab geht es in Richtung Kabinen. Einer nach dem anderen stapft an den Trainingskiebitzen vorbei. Blaugelb, dick gepanzert mit Helm und Schläger. Einer ist besonders gut auszumachen. Die langen blonden Haare unter dem Helm heben die Nummer 80 deutlich hervor. Keine Frage - die Eishockeycracks des ES Weißwasser sind mehr als nur Sportler. Für eine Region, die nicht viele Helden kennt, sind sie Hoffnungsträger. Wenn sie auflaufen, brüllt der Fuchsbau seine Gladiatoren nach vorn. In zwei Tagen geht der Kampf in eine neue Runde. Dann beginnt die neue Saison, und die katastrophalen Ergebnisse in den Vorbereitungsspielen lassen auf nichts Gutes hoffen. Der Kader ist mit dem der Vorsaison kaum zu vergleichen, über ein Dutzend neue Gesichter sind dabei.
Kentucky-Bar ist Geschichte
Mit vier Jahren war er das erste Mal im Eisstadion zu Besuch, kurz darauf fing er im Verein an. Seitdem hat er sich von der Jugend bis ganz nach vorne gespielt - und im Sommer den verletzungsbedingt ausgeschiedenen Dirk Rohrbach als Kapitän abgelöst. Das Amt scheint der logische Höhepunkt seiner Karriere - auch wenn der 31-Jährige früher schon mal als ewiges Talent verschrien war. Ein Lautsprecher ist Pohling allerdings nicht. "Ich mag es etwas ruhiger - auch privat. Seit vier Jahren ist er mit seiner Freundin fest zusammen, die Freizeit ist dementsprechend entspannt. Die Nächte, in denen er um die Häuser gezogen ist, oder in der Kentucky-Bar am Turnerheim gefeiert hat, sind Geschichte. "Die wilden Zeiten, als ich noch immer auf der Piste war, sind vorbei", sagt Pohling. Er lässt es inzwischen etwas gemächlicher angehen. "Ich treff mich abends gerne mit Freunden zum Kartenspielen" verrät er. Bei Skat und Doppelkopf wird dann gemütlich gezockt. Und manchmal auch auf die Bundesliga gewettet. Da setzt er natürlich auf seinen Lieblingsverein. Dynamo oder Energie? Weit gefehlt, die Königsblauen sind es, die es ihm angetan haben. "Mein Vater hatte zu DDR Zeiten immer einen Wimpel von Schalke 04 an der Wand hängen, da blieb mir keine andere Wahl“ , erklärt Pohling fast entschuldigend.
Das Geheimnis der Nummer
Für sein eigenes Team setzt der Kapitän zum Saisonstart auf realistische Ziele: "Wir werden um den Klassenerhalt kämpfen“, so die Prognose: "Aber auch für einige positive Überraschungen sorgen." Dass dies gelingt, dafür trägt er diesmal mehr Verantwortung denn je. Nicht nur die vielen jüngeren Spieler werden diesmal aufschauen, wenn die Nr. 80 aufs Eis geht. Aber warum eigentlich jedes Jahr das Trikot mit der 80? "1980 hab ich hier doch angefangen", sagt Jörg Pohling und grinst wieder.
Quelle: Sächsische Zeitung Lausitzsport vom 13.09.2006