Nach dem Fast-Crash machen die Lausitzer Füchse ab morgen einen preiswerten Neuanfang
Morgen starten die Lausitzer Füchse mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg in die neue Saison der 2. Eishockey- Bundesliga. Dennoch ist nichts mehr so, wie es nach dem Klassenerhalt am Ende der vergangenen Spielzeit war. Der Traditionsverein aus Weißwasser muss nach seinem Fast-Crash nun einen deutlich preiswerteren Neuanfang mit ungewisser Erfolgsaussicht machen. Am Anfang des Jahres 2006 geriet der Fuchs auf dem Weißwasseraner Eis gehörig ins Straucheln. Sportlich fiel die Mannschaft schon die gesamte Saison hinter die Erwartungen zurück. Und auch wirtschaftlich hatte die Talfahrt tiefe Löcher gerissen. Die Zuschauer blieben weg, die Gewinnung von neuen Sponsoren erwies sich als äußerst schwierig. Zudem sollte eine fest eingeplante Jahresrate von 116 000 Euro des neuen Stadtwerke-Eigentümers Veolia nicht mehr direkt an die für den Zweitliga-Spielbetrieb verantwortliche Füchse-GmbH, sondern nach dem Willen des Stadtparlaments an den Gesamtverein ES Weißwasser fließen (siehe Hintergrund).
«Im Januar wussten wir nicht, wie es weitergehen soll“, blickt Geschäftsführer René Reinert zurück. Der Logistik- Unternehmer und weitere Gesellschafter der Füchse-GmbH sowie einige treue Sponsoren sorgten damals mit zusätzlichen Finanzspritzen dafür, dass der Spielbetrieb weitergehen konnte. Außerdem wurden GmbH-Altverbindlichkeiten aus den vergangenen drei Jahren beglichen.
Der Haken: Ein Teil dieser Gelder war für die kommende Spielzeit vorgesehen. Sie stehen deshalb jetzt nicht mehr zur Verfügung. Zudem mussten die Füchse weitere Rückschläge hinnehmen. Neben der fehlenden Veolia-Rate brachen durch Insolvenzen mit dem Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum Schwarze Pumpe und der Fleischerei Olaf aus Weißwasser zwei Großsponsoren und damit Einnahmen von insgesamt rund 250 000 Euro weg. Zwei weitere Geldgeber zögern noch mit der Fortsetzung ihres Engagements. Die Verhandlungen sollen bis Ende des Monats abgeschlossen sein. «Summen in dieser Größenordnung lassen sich in unserer strukturschwachen Region nur schwer kompensieren“, betont Geschäftsführer Reinert.
Der Etat für die kommende Saison musste deshalb deutlich reduziert werden. Statt wie zuletzt 1,6 Millionen Euro steht jetzt lediglich eine Million Euro zur Verfügung. Damit liegen die Füchse am unteren Ende der Geldrangliste der 2. Liga (siehe Tabelle). Bei der Einreichung der Lizenz-Unterlagen im Mai war man sogar von nur noch 850 000 Euro ausgegangen. «Wir haben in der Zwischenzeit weitere Sponsoren gewinnen können. Deshalb konnten wir den Etat um 150 000 Euro aufstocken“, sagt Reinert.
In der Vergangenheit hatten er und seine Mitstreiter sich oftmals von einem zu optimistischen Ausblick leiten lassen. Dass am Saisonanfang noch nicht der komplette Etat gedeckt ist, gehört in der Branche zwar zum guten Ton. Im Falle der Lausitzer Füchse summierte sich in der Spielzeit 2005/06 dieses vermeintlich kleine Risiko durch den ausbleibenden Erfolg jedoch Stück für Stück zu einem existenzbedrohenden Risiko für den Eissport in Weißwasser. Denn bei der Zusammenstellung des Kaders wurde damals nicht gekleckert, sondern geklotzt. Fast alle Leistungsträger verlängerten ihre Verträge zu verbesserten Konditionen. Dazu kamen Neuzugänge mit großem Potenzial. Mit jeder Niederlage wuchs jedoch die Verunsicherung. Es zeichnete sich ab, dass die erhoffte Refinanzierung des teuren Kaders nicht gelingen würde. Am Ende reichte es in sportlicher Hinsicht wenigstens zum Klassenerhalt.
Auf ein solches Risiko will sich Reinert künftig nicht mehr einlassen. Er hat sich und den Füchsen einen neuen Realismus verordnet. «Bei den Planungen sind wir diesmal vom schlechtesten aller Fälle ausgegangen“, versichert der Geschäftsführer. So sind beispielsweise statt der in der vergangenen Saison eingeplanten 1800 Besucher pro Heimspiel für die kommende Saison nur noch 1100 Besucher veranschlagt.
Auch beim Kader wurde abgespeckt. Bis auf Torhüter Nolan McDonald und Kapitän Jörg Pohling haben sämtliche Leistungsträger den Fuchsbau verlassen. Die Lücken wurden mit preiswerteren Profis und vor allem jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs aufgefüllt. Ob dieser Billig-Kader das Potenzial für den Klassenerhalt besitzt, müssen die nächsten Monate zeigen. Bereits die Vorbereitungsspiele mit fünf Niederlagen in sieben Partien haben einen Vorgeschmack dafür geliefert, wie schwer die «Mission Klassenerhalt» werden dürfte.
Und wenn das Vorhaben misslingt? «Natürlich wollen wir den sportlichen Erfolg – aber nicht um jeden Preis“, fasst Geschäftsführer René Reinert die neue Denkweise im Fuchsbau zusammen. «Wichtiger ist es, langfristig das Überleben des Eissports in Weißwasser zu sichern. » Aber auch das wird eine reichlich schwere Bürde, die nach den Turbulenzen der Vergangenheit nun auf den schmalen Schultern der vielen jungen Spieler lastet
Zum Thema Veolia – Phantom-Sponsor auf dem Füchse-Trikot
Das angespannte Verhältnis zwischen dem Eissport und der Stadt Weißwasser sorgt einmal mehr für eine Kuriosität. Denn auf dem neuen Trikot der Lausitzer Füchse erscheint mit dem neuen Stadtwerke-Eigentümer Veolia ein Unternehmen als Sponsor, obwohl es der Profi-GmbH überhaupt kein Geld mehr überweist.
Hintergrund ist eine Klausel beim Kauf der Stadtwerke Weißwasser durch Veolia. Darin war vereinbart, dass sich Veolia verpflichtet, zehn Jahre lang jeweils 200 000 Euro an die Profi-GmbH zu überweisen. Diese Summe wurde im Zuge der Entschuldung des Stammvereins später auf rund 116 000 Euro reduziert.
Nach dem Willen des Stadtparlaments wurde die Klausel aus dem Kaufvertrag außerdem dahingehend geändert, dass Veolia das Geld nicht mehr an die Profi-GmbH, sondern an den Stammverein zugunsten der Hallenbetreibung zahlen soll.
Überwiesen wurde die üblicherweise am Jahresanfang fällige Rate für 2006 aber noch nicht. Denn die Stadtwerke machen ihrerseits noch offene Rechnungen des Stammvereins für Strom in der Eishalle geltend. Deshalb steht Anspruch gegen Anspruch. Um die Verhandlungsposition des Stammvereins zu stärken, hat sich die Profi-GmbH bereit erklärt, den Stadtwerken und Veolia mit der Trikotwerbung in der 2. Liga eine unentgeltliche Sponsoringleistung anzubieten.
Guter Artikel. Überhaupt bin ich der Meinung, das die LR in den letzten Tagen recht umfangreich berichtet hat. Seit Tagen beherschten "Wir" die Sportseite, und mal nicht Energie.
2 | G-Fly | 14.09.2006 @ 15:31
das ist auch gut so es könnte ruhig öfter so sein
3 | Randpole@guben | 14.09.2006 @ 23:19
jupp
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Morgen starten die Lausitzer Füchse mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg in die neue Saison der 2. Eishockey- Bundesliga. Dennoch ist nichts mehr so, wie es nach dem Klassenerhalt am Ende der vergangenen Spielzeit war. Der Traditionsverein aus Weißwasser muss nach seinem Fast-Crash nun einen deutlich preiswerteren Neuanfang mit ungewisser Erfolgsaussicht machen. Am Anfang des Jahres 2006 geriet der Fuchs auf dem Weißwasseraner Eis gehörig ins Straucheln. Sportlich fiel die Mannschaft schon die gesamte Saison hinter die Erwartungen zurück. Und auch wirtschaftlich hatte die Talfahrt tiefe Löcher gerissen. Die Zuschauer blieben weg, die Gewinnung von neuen Sponsoren erwies sich als äußerst schwierig. Zudem sollte eine fest eingeplante Jahresrate von 116 000 Euro des neuen Stadtwerke-Eigentümers Veolia nicht mehr direkt an die für den Zweitliga-Spielbetrieb verantwortliche Füchse-GmbH, sondern nach dem Willen des Stadtparlaments an den Gesamtverein ES Weißwasser fließen (siehe Hintergrund).
«Im Januar wussten wir nicht, wie es weitergehen soll“, blickt Geschäftsführer René Reinert zurück. Der Logistik- Unternehmer und weitere Gesellschafter der Füchse-GmbH sowie einige treue Sponsoren sorgten damals mit zusätzlichen Finanzspritzen dafür, dass der Spielbetrieb weitergehen konnte. Außerdem wurden GmbH-Altverbindlichkeiten aus den vergangenen drei Jahren beglichen.
Der Haken: Ein Teil dieser Gelder war für die kommende Spielzeit vorgesehen. Sie stehen deshalb jetzt nicht mehr zur Verfügung. Zudem mussten die Füchse weitere Rückschläge hinnehmen. Neben der fehlenden Veolia-Rate brachen durch Insolvenzen mit dem Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum Schwarze Pumpe und der Fleischerei Olaf aus Weißwasser zwei Großsponsoren und damit Einnahmen von insgesamt rund 250 000 Euro weg. Zwei weitere Geldgeber zögern noch mit der Fortsetzung ihres Engagements. Die Verhandlungen sollen bis Ende des Monats abgeschlossen sein. «Summen in dieser Größenordnung lassen sich in unserer strukturschwachen Region nur schwer kompensieren“, betont Geschäftsführer Reinert.
Der Etat für die kommende Saison musste deshalb deutlich reduziert werden. Statt wie zuletzt 1,6 Millionen Euro steht jetzt lediglich eine Million Euro zur Verfügung. Damit liegen die Füchse am unteren Ende der Geldrangliste der 2. Liga (siehe Tabelle). Bei der Einreichung der Lizenz-Unterlagen im Mai war man sogar von nur noch 850 000 Euro ausgegangen. «Wir haben in der Zwischenzeit weitere Sponsoren gewinnen können. Deshalb konnten wir den Etat um 150 000 Euro aufstocken“, sagt Reinert.
In der Vergangenheit hatten er und seine Mitstreiter sich oftmals von einem zu optimistischen Ausblick leiten lassen. Dass am Saisonanfang noch nicht der komplette Etat gedeckt ist, gehört in der Branche zwar zum guten Ton. Im Falle der Lausitzer Füchse summierte sich in der Spielzeit 2005/06 dieses vermeintlich kleine Risiko durch den ausbleibenden Erfolg jedoch Stück für Stück zu einem existenzbedrohenden Risiko für den Eissport in Weißwasser. Denn bei der Zusammenstellung des Kaders wurde damals nicht gekleckert, sondern geklotzt. Fast alle Leistungsträger verlängerten ihre Verträge zu verbesserten Konditionen. Dazu kamen Neuzugänge mit großem Potenzial. Mit jeder Niederlage wuchs jedoch die Verunsicherung. Es zeichnete sich ab, dass die erhoffte Refinanzierung des teuren Kaders nicht gelingen würde. Am Ende reichte es in sportlicher Hinsicht wenigstens zum Klassenerhalt.
Auf ein solches Risiko will sich Reinert künftig nicht mehr einlassen. Er hat sich und den Füchsen einen neuen Realismus verordnet. «Bei den Planungen sind wir diesmal vom schlechtesten aller Fälle ausgegangen“, versichert der Geschäftsführer. So sind beispielsweise statt der in der vergangenen Saison eingeplanten 1800 Besucher pro Heimspiel für die kommende Saison nur noch 1100 Besucher veranschlagt.
Auch beim Kader wurde abgespeckt. Bis auf Torhüter Nolan McDonald und Kapitän Jörg Pohling haben sämtliche Leistungsträger den Fuchsbau verlassen. Die Lücken wurden mit preiswerteren Profis und vor allem jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs aufgefüllt. Ob dieser Billig-Kader das Potenzial für den Klassenerhalt besitzt, müssen die nächsten Monate zeigen. Bereits die Vorbereitungsspiele mit fünf Niederlagen in sieben Partien haben einen Vorgeschmack dafür geliefert, wie schwer die «Mission Klassenerhalt» werden dürfte.
Und wenn das Vorhaben misslingt? «Natürlich wollen wir den sportlichen Erfolg – aber nicht um jeden Preis“, fasst Geschäftsführer René Reinert die neue Denkweise im Fuchsbau zusammen. «Wichtiger ist es, langfristig das Überleben des Eissports in Weißwasser zu sichern. » Aber auch das wird eine reichlich schwere Bürde, die nach den Turbulenzen der Vergangenheit nun auf den schmalen Schultern der vielen jungen Spieler lastet
Zum Thema Veolia – Phantom-Sponsor auf dem Füchse-Trikot
Das angespannte Verhältnis zwischen dem Eissport und der Stadt Weißwasser sorgt einmal mehr für eine Kuriosität. Denn auf dem neuen Trikot der Lausitzer Füchse erscheint mit dem neuen Stadtwerke-Eigentümer Veolia ein Unternehmen als Sponsor, obwohl es der Profi-GmbH überhaupt kein Geld mehr überweist.
Hintergrund ist eine Klausel beim Kauf der Stadtwerke Weißwasser durch Veolia. Darin war vereinbart, dass sich Veolia verpflichtet, zehn Jahre lang jeweils 200 000 Euro an die Profi-GmbH zu überweisen. Diese Summe wurde im Zuge der Entschuldung des Stammvereins später auf rund 116 000 Euro reduziert.
Nach dem Willen des Stadtparlaments wurde die Klausel aus dem Kaufvertrag außerdem dahingehend geändert, dass Veolia das Geld nicht mehr an die Profi-GmbH, sondern an den Stammverein zugunsten der Hallenbetreibung zahlen soll.
Überwiesen wurde die üblicherweise am Jahresanfang fällige Rate für 2006 aber noch nicht. Denn die Stadtwerke machen ihrerseits noch offene Rechnungen des Stammvereins für Strom in der Eishalle geltend. Deshalb steht Anspruch gegen Anspruch. Um die Verhandlungsposition des Stammvereins zu stärken, hat sich die Profi-GmbH bereit erklärt, den Stadtwerken und Veolia mit der Trikotwerbung in der 2. Liga eine unentgeltliche Sponsoringleistung anzubieten.
Quelle: Lausitzer Rundschau "Themen des Tages" vom 14.09.2006