Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Vater und Sohn Sekera bald im Fuchsbau vereint
28.11.2002 | 14:01 Uhr von
Martin Sekera ist heute zu Verhandlungen in Weißwasser
Eishockey-Duelle zwischen Weißwasser und Crimmitschau sind brisant genug. Morgen jedoch könnte das Sachsenderby in der Füchse-Halle (19.30 Uhr) zum Abend der großen Emotionen werden: Weißwassers Neutrainer Horymir Sekera trifft nur zehn Tage nach der Beurlaubung auf seinen alten Verein aus dem Crimmitschauer Sahnpark.

Der 54-jährige Horymir Sekera, von 1969 bis 1981 Verteidiger beim damaligen tschechischen Spitzenklub Tesla Pardubice, ist Profi genug, um das Spiel mit der "Tränendrüse " nicht mitzumachen. "Natürlich kommt solch eine Konstellation nicht alle Tage vor. Trotzdem ist es für mich eine fast normale Partie. Ich bin jetzt in Weißwasser angestellt und will für Weißwasser siegen " , meint der Coach. Ins "Innere " lässt er sich nicht schauen, nach außen hin blickte er allerdings zumindest dem möglichen Auftritt seines 30-jährigen Sohnes Martin auf Weißwasser-Eis mit gemischten Gefühlen entgegen: "Martin macht, was der Trainer sagt. Doch wenn ich in dieser Situation Coach in Crimmitschau wäre, würde ich Martin in Weißwasser nicht spielen lassen. Das ist für ihn eine große emotionale Belastung. " Gut zwei Stunden nach dieser Feststellung hatte ihn Paul Sommer "erhört " . Sekeras Nachfolger bei den Westsachsen entschied sich gestern Nachmittag dafür, dass Martin nicht zum ETC-Aufgebot in Weißwasser zählen wird. "Er ist nicht mit dem Herzen dabei. Sein Kopf ist zu sehr bei seinem Vater", befand der 50-jährige Sommer, der sich bisher als erfolgreicher Krisenmanager in deutschen Eishockey-Ligen einen Namen gemacht hat.

Gemeinsam geeinigt

Die Personalakte Sekera jun. wird darüber hinaus in Crimmitschau ad acta gelegt: Beide Seiten einigten sich gestern, dass der Vertrag zum 1. Dezember gekündigt wird. Am ersten Advent können Vater und Sohn sozusagen gemeinsam ein Lichtlein anbrennen, wenn die Füchse am Sonntag ins oberbayerische Garmisch reisen. Es ist davon auszugehen, dass der Junior zumindest schon als "Fan " im Füchse-Bus sitzen wird, selbst wenn Weißwassers Geschäftsführer Dr. Klaus Dietze gestern noch ein wenig Geheimniskrämerei betrieb: "Über Personalien sprechen wir erst nach dem Spiel am Freitagabend. Ich kann zur Zeit kein Statement abgeben, weil es nicht der richtige Stil wäre, dass unser Aufsichtsrat Neuigkeiten aus der Zeitung erfährt. Erst werde ich mit den Verantwortlichen sprechen. "

Vertrag auch für Taylor?
Bekommt auch Jamie Taylor einen Vertag?

Da aber nun bereits Crimmitschau gesprochen hat und zudem zu erfahren war, dass Martin Sekera heute zu Vertragsverhandlungen nach Weißwasser kommen soll, ist die Eishockey-Familie Sekera wieder vereint. Und vermutlich wird Dietze am Freitagabend auch bestätigen, dass der 23-jährige Kanadier Jeamie Taylor, der zurzeit im Fuchsbau getestet wird, einen Vertrag erhält. Mit dem Wechsel von Horymir Sekera in die Oberlausitz lag ohnehin schon die "Paketlösung " auf dem Verhandlungstisch. ETC-Manager Klaus Schröder hatte zunächst grünes Licht dafür gegeben, dass Martin seinem Vater nach Weißwasser folgen kann, dann aber die Ampel wieder auf Rot gestellt. Nun kommt die Freigabe. Ein Schalk, wer etwas "Böses " hinter dem Termin 1. Dezember vermutet ­ zwei Tage nach dem Sachsenderby. Mit dem Einsatz von Sekera II erweitern sich beim Lausitzer Zweitligisten die Stürmer-Horizonte erheblich. Denn der 30-Jährige gehörte zum Top-Trio der Crimmitschauer, wenngleich er in der vergangenen Saison lange Zeit verletzt war. Gemeinsam mit Dirk Rohrbach, der bereits im Sommer nach Weißwasser zurückgekehrt war, und seinem tschechischen Landsmann Tomas Bartoska trug der Torjäger wesentlich zum Crimmitschauer Höhenflug in den vergangenen Jahren bei. Morgen allerdings kommen die Westsachsen als Tabellenletzter nach Weißwasser ­ zum Vorletzten. Nach all den Turbulenzen in beiden Lagern schafft dies zusätzliche sportliche Brisanz. Denn der Verlierer des Kellerduells bleibt weiterhin im Dunkeln. Was nach den Pleiten vom vergangenen Wochenende (3:4 gegen Landshut, 1:6 in Freiburg) allein für den ETC spricht, das ist die Bilanz (siehe "Hintergrund " ) gegen den Rivalen: In bisher elf Spielen der damaligen 1. Liga Süd und der jetzigen 2. Bundesliga blieb Crimmitschau neunmal erfolgreich, für die Füchse reicht es lediglich zu einem Sieg und zu einem Unentschieden. Horymir Sekera selbst, der seit 1998 in Crimmitschau tätig war, hat in den letzten beiden Jahren fünfmal den Füchsen den Garaus gemacht ­ nun steht er vor der Aufgabe seines neuen Arbeitgebers, den Spieß umzudrehen. Die Taktik hat er bereits im Kopf, "doch öffentlich sage ich natürlich nichts vor dem Spiel " , meinte Sekera gestern und gesteht eine gewisse Pikanterie. Für den Tschechen ist der ETC ein "gläsernes Team " . Ob dieser Vorteil genutzt werden kann, wird der morgige Abend zeigen. Sein Nachfolger Paul Sommer indes spricht von einem neuen Gesicht der Mannschaft: "Sie wird härter als zuvor und mit vier Reihen spielen. " Wenn es das Personal zulässt.

Nahziel: Platz an der Sonne

Bei allem Spektakel um das Sachsenduell geht der Blick von Horymir Sekera mehr in die Zukunft. "Ein Sieg gegen Crimmitschau ist wichtig, damit der Kontakt zu Platz 13 nicht verloren geht " , meint Sekera. "Noch wichtiger jedoch sind die kommenden Spiele, damit wir unser Nahziel, den elften Rang, erreichen. " Das ist aus Weißwasser-Sicht nach dem verpatzten Start vorerst der Platz an der Sonne, um den Abstiegsspielen zu entgehen. In den vergangenen Tagen hat Sekera in den "Gesichtern geblättert " , jetzt kenne er wenigstens schon die Spieler. Geschäftsführer Dietze wiederum hat mehrmals Sekera zugeschaut: "Wie der die Mannschaft rannimmt, ohne den großen Zampano zu spielen, das hat mir imponiert... " Und freut sich mit Sicherheit schon auf den Junior.

Quelle: Lausitzer Rundschau
238 mal gelesen
 
1 | steff | 29.11.2002 @ 18:56
das wird ein geiles spiel mit neuen trainer zum erfolg
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