Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Zelluloid weckte Lust auf Puckjagd
04.12.2002 | 16:51 Uhr von
Eishockey ist in Weißwasser seit 70 Jahren zu Hause/ "Osram-Jungs " als Gründerväter
Nicht nur in der heutigen Zeit hat es die Eishockeygeneration schwer. Auch früher zur Anfangszeit des Weißwasseraner Traditionssports hatten es die Lehnigk, Bertko, Rohrbach, Schulz, Dutschke, Priwatzki und Co. nicht gerade einfach. Wie schwer der Anfang war, als einige Jungen aus der "Osram-Ecke " nach einem Kino-Besuch beschlossen hatten, organisiert die Freizeit mit Eishockey zu gestalten, wissen wohl nur jene Leute, die in den Gründungsjahren des Weißwasseraner Eishockeysports auf den Kufen standen.

Sie waren begeistert von einem Beitrag in der damaligen Kino-Wochenschau, die ein Eishockeyspiel des Schlittschuhklubs Berlin zeigte. Die Weißwasseraner Cracks von einst mussten neben dem Üben lange für ihre Ausrüstung sparen, eine eigne Wettkampfstätte bauen, ehe sie 1932 einen Verein gründeten. Anfangs zahlte jeder Unentwegte 50 Pfennige vom kargen Arbeitslohn, der um die 17 Reichsmark wöchentlich betrug. Alle fieberten dem ersten richtigen Match entgegen. Und das ging verloren. Im Winter 1934 mussten sich die mit grün-weiß gestreiften Trikots spielenden Weißwasseraner auf dem Spremberger Schlossteich der dortigen "Skizunft " glatt 0:5 geschlagen geben. Mit derselben Pleite endete wenig später die Heimpremiere auf dem Braunsteich gegen den EV Görlitz. Als sich die ersten großen Erfolge mit dem Titel des Schlesischen Meisters einstellten, beendete der zweite Weltkrieg vorerst die sportlichen Ambitionen. Für acht Weißwasseraner Spieler dieses Vereins endete dieser grausige Krieg mit dem Tod. Trotz dieses schmerzlichen Einschnitts gab es damals rührige Sportler und Funktionäre, die so zielstrebig, wie sie den Beginn organisiert hatten, während des Feldzuges weiter darum bemüht waren, den Verein am Leben zu erhalten. Sofort nach Kriegsende scharten sie Rückkehrer um sich, um an der Verwirklichung hehrer Pläne zu arbeiteten ­ dem wettkampfmäßigen Eishockeyspiel in einem Stadion mit Zuschauertraversen. Allen voran schritt dabei Günter Lehnigk, der wohl mit Recht als Vater des Eishockeysports in Weißwasser ­ von 1929 bis in die 60-er Jahre ­ bezeichnet werden darf. Er verstand es immer wieder zu begeistern und mitzureißen. In den Jahren ab 1949 konnten Siegfried und Paul Mann, Hans Mack, Kurt Stürmer, Günter Schischefski und später "Hanne " Frenzel, (als erster "Ausländer " im Weißwasseraner Team), Manfred Buder, Heinz Kuczera, Jürgen Johne und andere die Leute in und um Weißwasser mit ihren Leistungen und dem ersten DDR-Meistertitel begeistern. Mit Unterstützung der Stadt und anderen Institutionen wurde zuerst das Stadion am Jahnteich gebaut. 1959 feierte das damals modernste Eishockey-Freiluftstadion Europas in Weißwasser seine Premiere. In den 60-er Jahren wurden die Leistungen weiter gesteigert und bei Länderspielen sogar Siege gegen Schweden, Kanada, CSSR und ein Unentschieden gegen Weltmeister Sowjetunion erzielt. Größte Erfolge bei Weltmeisterschaften waren 5. Plätze und bei der Europameisterschaftswertung 1966 in Ljubljana die Bronzemedaille. Neun Sportler aus Weißwasser waren damals in der DDR- Nationalmannschaft vertreten (Manfred Buder, Erich und Helmut Novy, Joachim Franke, Heinz Schildan, Bernd Poindl, Rainer Tudyka, Rüdiger Noack und Klaus Hirche). Eine wohl einmalige Klub-Mannschaftsleistung der Weißwasseraner sind 16 Meisterschaftsmedaillen, erkämpft in ununterbrochener Folge, und insgesamt 26 Titel. 1968 erfüllte sich auch der Wunsch der Eishockeyspieler aus Weißwasser, einmal an Olympischen Spielen teilnehmen zu können. Manfred Buder und andere hatten dazu im Abstand von vier Jahren zweifach bei Ausscheidungswettkämpfen Anlauf genommen. Aber erst 1968 konnten Buder und weitere fünf Sportler aus Weißwasser (Rüdiger Noack, Bernd Poindl, Klaus Hirche, Wilfried Sock und Helmut Novy sowie Wolfgang Nickel als Trainer) in Grenoble als Mitglieder der ersten selbstständigen DDR-Olympia-Mannschaft teilnehmen. Ein wohl unvergessliches Erlebnis. Leider konnte man in den Wettkämpfen nach nervenaufreibenden "Qualifizierungsvorbereitungsspielen " , die ausnahmslos gut gelangen, die dadurch geweckten Hoffnungen der "Ewald-Sportführung " auf einen Medaillenplatz nicht erfüllen. Der unpopuläre Beschluss der damaligen DDR-Sportführung, Eishockey aus dem Olympia-Förderplan zu nehmen und nur medaillenintensive Sportarten zu hofieren, hat die erfolgreich begonnene Leistungsentwicklung des Eishockeysports enorm geschädigt. Nur durch die Unterstützung der damaligen Sportvereinigung Dynamo, der Stadt Weißwasser sowie dem unbändigen Willen der Spieler und Fans, auch mit nur zwei Mannschaften die Kufenhatz in der Republik leistungsmäßig weiter zu betreiben, erhielt den Eishockeysport in den folgenden 30 Jahren mit erfolgreichen Teilnahmen an A-und B-Weltmeisterschaften am Leben. Eine von internationalen Eishockeyexperten hoch eingeschätzte Leistung. Als die Wende mit der Einheit Deutschlands kam, glaubte Klaus Hirche ­ wie viele andere auch ­ dass die Leistungsstärke der Deutschen Nationalmannschaft enorm an Stärke gewinnen würde. "Mit unserer Organisation und Nachwuchsförderung, den Potenzialen der DHfK und der Sportschule in Köln, der ökonomischen Stärke der Altbundesländer, wäre es auch denkbar gewesen " , so die "Schwarze Maske " . Viele bekannte Gründe, wie zum Beispiel der ungesunde hohe Anteil an Ausländern in der höchsten deutschen Eishockeyliga und damit die Delegierung der Verantwortung in Über- und Unterlegenheitssituationen auf sie, der Erfolgsdruck auf die Trainer, engen die Entwicklungsmöglichkeiten des deutschen Eishockeys stark ein. Zum Glück hat Weißwasser (noch) Sponsoren, die ihre Unterstützung nicht von irrealen Zielstellungen ­ wie Meister der Bundesliga oder DEL-Aufstieg ­ abhängig machen.

Quelle: Lausitzer Rundschau
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