Ein Urlaub geht zu Ende
Der Wecker am Donnerstag morgen hatte wirklich kein Erbarmen, als er gegen 6 Uhr meinte, klingeln zu müssen. Den Koffer hatte ich am Abend zuvor noch größtenteils gepackt und so ging es nach der Morgentoilette durch das erwachende Vancouver zum internationalen Flughafen. Dort wartete die erste Hürde auf mich, denn wer mit Lufthansa fliegt, sollte auch bei Lufthansa einchecken. Dumm gelaufen, dass es davon aber weit und breit keinen Schalter gab. Also das charmante Lächeln aufgesetzt und den nächstbesten Flughafenmitarbeiter gefragt. Der setzte mich spontan auf ein Elektromobil und karrte mich durch den halben Flughafen zum Check-In-Bereich der Air Canada.
Dort ging dann das lustige Spielchen mit den noch lustigeren Automaten wieder los. Pass einlesen - Pass kann nicht gelesen werden. OK, neuer Verusch. Bestätigungsnummer eingeben - Vorgang nicht möglich. Nervös werdend auf zum dritten Versuch. Vor- und Nachname eintippen - AHA, Flug Vancouver - Calgary - Frankfurt. Perfekt. Sitzplatz auswählen, Bordkarten drucken, Gepäckschein drucken - fertig. Aber nach eindringlicher Betrachtung fiel mir auf, dass ich nur eine Bordkarte für Vancouver - Calgary hatte, mein Gepäck aber durchgängig bis Frankfurt aufgegeben war. Also am Gepäckaufgabeschalter (an den man natürlich trotzdem noch musste, früher hat das Flughafenpersonal ja noch alles persönlich gemacht, heute nehmen sie nur noch das Gepäck entgegen) noch mal nachgehakt. Die konnten aber nichts machen, weil angeblich der zweite Flug noch nicht zum Einchecken freigeschalten war, und baten mich, nach Ankunft in Calgary direkt zur nächsten Passkontrolle zu gehen. Mein 22,9 Kilogramm leichtes Köfferchen allerdings verabschiedete sich auf vielleicht Nimmer-Wiedersehen Richtung Frankfurt. Der tschechische Eishockeyspieler vor mir wurde rigoros wegen drei Kilogramm zuviel zum Nachzahlen von 50 Euro verdonnert. Die letzten kanadischen Dollar wurden dann auf dem Flughafen noch in ein Frühstück investiert. Zehn Minuten vor Einlass in die fliegende Dose dann noch mal etwas grössere Hektik, als das Gate getauscht wurde und alle Passagiere mal wieder von A nach B geschickt wurden. Doch letztendlich hob der Flieger ab und landete eine Flugstunde später und eine Zeitzone weiter in Calgary.
Durch den Tausch des Gates und dem damit verbundenen verspäteten Abflug wurde die Zeit zum Anschlussflug natürlich noch knapper, also auf zur nächsten Passkontrolle. Dort hab ich dem Beamten auf Englisch mein Problem erklärt und der schickt mich weiter zum Lufthansa Check-In. Der Dame dort habe ich mein Problem auf deutsch erklärt und die schickt mich 20 Meter weiter zum Service-Schalter. Dem Typen dort musste ich dann ein drittes Mal alles schildern (auf deutsch und englisch) und der schaut dann endlich mal in sein System, um mir dann zu sagen, dass ich auf dem Flug nicht gebucht bin. Ich bleib ja echt relativ lang gelassen, gerade in der Servicewüste Deutschland (und weltweit auch). Aber da hat’s mir gereicht. Dem Herrn am Serviceschalter hab ich meine Flugbestätigung und den Gepäckschein Vancouver - Calgary - Frankfurt auf den Tisch geknallt und ihn gebeten, mir zu erklären, warum mein Gepäck fliegen darf und ich nicht. Darauf hatte er natürlich keine Antwort, telefonierte mit der gleichen Dame vom Check In (!) und dann ging die Diskussion auf Französisch los. Nachdem der Satz “Aber wir haben keine zusätzlichen Mahlzeiten vorbereitet” fiel, hab ich mich dann mal wieder eingeschalten und ihm auf deutsch gesagt, dass mir die Futterei egal ist. Nun war der Typ noch verdutzter, schickte mich wieder zurück zum Check-In, wo ich dann plötzlich doch eine Bordkarte bekommen habe. Die Zeit war mittlerweile soweit fortgeschritten, der Flieger sollte in wenigen Minuten abheben, also Beine in die Hand genommen und einen weiteren Sprint eingelegt. Erfreulicherweise musste ich nicht wie ein Stier bei der Hatz durch Pamplona unter aller Passagieraugen einmal durch die ganze Maschine bis zur letzten Reihe laufen, sondern durfte ein weiteres Mal den Komfort der First Class geniessen. Warum das Bodenpersonal allerdings so einen Stress gemacht hat, ist mir bis heute schleierhaft. Die Maschine war nur halb gefüllt und Futterei hab ich auch mehr bekommen, als ich vertragen habe. Ob da letztendlich eine Stewardess für hungern musste, war mir in dem Moment mal herzlich egal. Einen unspektakulären Flug, vier Bordkinofilme, neuneinhalb Flugstunden und acht Zeitzonen später kam ich Freitag Morgen in Frankfurt an. Den direkten Zug nach Basel hatte ich um vier läppische Minuten verpasst, ansonsten wäre ich noch vor dem Mittagessen zurück in Zürich gewesen. So wurde es dann doch erst der Nachmittag. Da ich vorsichtshalber vor dem Urlaub meinen Wohnungsschlüssel bei meinem Mitbewohner gelassen hatte, hieß es nun noch Zeit totschlagen und Müdigkeit bekämpfen, bis er mir um halb 7 endlich zu Hause Asyl gewährte. Pünktlich genug, um den Fernseher für die Übertragung der olympischen Wettkämpfe einzuschalten *pfeif*
Vom Donnerstag hatte ich natürlich durch den Flug nicht viel mitbekommen und somit einiges verpasst. Allen voran natürlich der sensationelle Olympiasieg von Viktoria Rebensburg, die sich im zweiten Lauf des Riesenslaloms noch vom sechsten auf den ersten Platz vorschob. Damit liess sie auch die Slowenin Tina Maze und Elisabeth Görgl aus Österreich hinter sich. Auch die Langlauf-Staffel der Damen hatte allen Grund zur Freude. Kathrin Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle, Miriam Gössner und Claudia Nystad gewannen nach einer Aufholjagd Silber und mussten nur das favorisierte norwegische Quartett ziehen lassen. Dritte wurden die Damen aus Finnland. In der Nordischen Kombination konnten Bill Demong und Johnny Spillane aus den USA einen Doppelsieg vor dem Österreicher Bernhard Gruber feiern. Allerdings machte das Springen bei irrugälen Bedingungen den Top-Athleten dieser Sportart das Leben schwer. Björn Kircheisen erreichte als bester Deutscher das Ziel auf dem 20. Platz. Auch bei den Eiskunstläuferinnen war die erst 16jährige Sarah Hecken nur Statistin, kann aber mit ihrem 18. Platz sehr zufrieden sein. Gold ging nach einer traumhaften Kür verdient an die Südkoreanerin Yu-Na Kim vor der Japanerin Mao Asada und Joannie Rochette aus Kanada, die ihre Medaille ihrer kurz zuvor verstorbenen Mutter widmete. Gänzlich ohne deutsche Beteiligung lief das Springen der Freestyler ab, in dem der Weissrusse Alexei Grishin das erste Gold dieser Spiele für sein Land holte. Mit zwei sicheren Sprüngen verwies er den Amerikaner Jeret Peterson und Zhongquing Liu aus China auf die Plätze. Auch im Eishockey wurden die ersten Medaillen verteilt. Die Kanadierinnen gewannen im ersten qualitativ hochwertigen Spiel überhaupt Gold und schlugen die Amerikanerinnen mit 2:0. Das war somit das dritte olympische Gold am Stück. Im kleinen Finale gewann das finnische Team in einem von vielen Nicklichkeiten geprägten Spiel mit 3:2 nach Verlängerung gegen die Schwedinnen.
Am Freitag gab es dann einen weiteren Grund zum Jubeln. Nicht allerdings für die deutschen Biathlon-Männer, die in ihrem Staffelrennen nur auf dem fünften Rang landeten. Die beiden Strafrunden von Andreas Birnbacher konnten seine Kollegen Simon Schempp, Arnd Peiffer und Michael Greis nicht mehr kompensieren. Somit blieben die deutschen Biathlon-Männer ohne jegliches Edelmetall bei diesen Spielen. Die Norweger sicherten sich Gold und konnten das österreichische Team und das Quartett aus Russland auf Distanz halten. Nein, Jubeln durfte Maria Riesch, die nach dem Olympiasieg in der Superkombination nun auch mit dem ersten Platz im Slalom beschert wurde. Als Favoritin gestartet wurde sie Ihrer Rolle gerecht und verwies Marlies Schild aus Österreich und die Tschechin Sarka Zahrobska auf die Plätze. Im “Schrubb, du Luder” der Damen sicherten sich die Schwedischen Hausfrauen Gold und besiegten in einem spannenden Finale den Gastgeber Kanada erst nach Extra End. Keine Chance hatten die Schweizerinnen im kleinen Finale, die sich mit 6:12 den Chinesinnen geschlagen geben mussten. Das Deutsche Curlingteam beendete das Turnier auf dem sechsten Rang. Die deutschen Snowboarderinnen kamen im Parallelslalom nicht über die undankbaren Plätze 4 und 5 (Anke Karstens) hinaus. Gold holte die Niederländerin Nicolien Sauerbreij vor Ekaterina Ilyukhina aus Russland. Im kleinen Finale unterlag Selina Jörg der Österreicherin Marion Kreiner, die damit Bronze sicherte. Freude auch bei den Shorttrack-Herren. Der Deutschkanadier Tyson Heung konnte mit seinem fünften Rang über 500m zufrieden sein. Gold ging an den Kanadier Charles Hamelin vor Si-Bak Sung aus Südkorea und Francois-Louis Tremblay aus Kanda. Die beiden Kanadier durften sich im anschliessenden Staffelrennen über eine weitere Goldmedaille freuen und auch der Koreaner feierte seine zweite Silbermedaille an diesem Abend. Bronze konnten die Amerikaner erringen. Bei den 1000m der Damen kam die deutsche Starterin Aika Klein nicht über das Viertelfinale hinaus. Die Medaillen gingen an Meng Wang aus China, Katherine Reutter aus den USA und die Südkoreanerin Seung-Hi Park.
Bilanz des deutschen Teams: 9xGold (Felix Loch/Rodeln, Magdalena Neuner/Biathlon Verfolgung, Tatjana Hüfner/Rodeln, Maria Riesch/Ski Alpin Superkombination, Magdalena Neuner/Biathlon Massenstart, Andre Lange und Kevin Kuske/Zweierbob, Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad/Langlauf Teamspint, Viktoria Rebensburg/Ski Alpin Riesenslalom, Maria Riesch/Ski Alpin Riesenslalom), 11x Silber (Magdalena Neuner/Biathlon Sprint, Stephanie Beckert/Eisschnellauf 3000m, David Möller/Rodeln, Jenny Wolf/Eisschnelllauf 500m, Kerstin Szymkowiak/Skeleton, Tobias Angerer/Langlauf 30km Verfolgung, Thomas Florschütz und Richard Adjei/Zweierbob, Team Deutschland/Skispringen, Axel Teichmann und Tim Tscharnke/Langlauf Teamsprint, Stephanie Beckert/Eisschnelllauf 5000m, Team Deutschland/Langlaufstaffel Damen), 7xBronze (Aljona Savchenko und Robin Szolkowy/Eiskunstlaufen, Natalie Geisenberger/Rodeln, Patric Leitner und Alexander Resch/Rodeln, Anja Huber/Skeleton, Simone Hauswald/Biathlon Massenstart, Team Deutschland/Biathlonstaffel Damen, Team Deutschland/Norische Kombination)
1 | dolphin girl | 14.03.2010 @ 12:55
"Schrubb, du Luder" :-O Ich könnt mich wegschmeissen... :-D Vielen Dank für die interessanten Berichte eines anscheinend aufregenden Urlaubs! :-))
2 | Howy2008 | 14.03.2010 @ 13:35
Herzlichen Dank für die interessanten und wirklich witzigen Berichte. Ich hoffe, dass Du zur Hockey-WM fährst und uns von dort auch so fein auf dem Laufenden hältst (da musste ja nicht fliegen :-)).....
3 | alexis | 14.03.2010 @ 16:31
Ich fürchte, lieber Howy, da muss ich dich enttäuschen, was die deutschen Spiele angeht. Wenn überhaupt, dann bin ich nur beim Eröffnungsspiel des Grounds wegen dabei ;)
4 | Howy2008 | 14.03.2010 @ 23:36
Schade, Schade, müssen wir halt auf Sotchi warten
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Der Wecker am Donnerstag morgen hatte wirklich kein Erbarmen, als er gegen 6 Uhr meinte, klingeln zu müssen. Den Koffer hatte ich am Abend zuvor noch größtenteils gepackt und so ging es nach der Morgentoilette durch das erwachende Vancouver zum internationalen Flughafen. Dort wartete die erste Hürde auf mich, denn wer mit Lufthansa fliegt, sollte auch bei Lufthansa einchecken. Dumm gelaufen, dass es davon aber weit und breit keinen Schalter gab. Also das charmante Lächeln aufgesetzt und den nächstbesten Flughafenmitarbeiter gefragt. Der setzte mich spontan auf ein Elektromobil und karrte mich durch den halben Flughafen zum Check-In-Bereich der Air Canada.
Dort ging dann das lustige Spielchen mit den noch lustigeren Automaten wieder los. Pass einlesen - Pass kann nicht gelesen werden. OK, neuer Verusch. Bestätigungsnummer eingeben - Vorgang nicht möglich. Nervös werdend auf zum dritten Versuch. Vor- und Nachname eintippen - AHA, Flug Vancouver - Calgary - Frankfurt. Perfekt. Sitzplatz auswählen, Bordkarten drucken, Gepäckschein drucken - fertig. Aber nach eindringlicher Betrachtung fiel mir auf, dass ich nur eine Bordkarte für Vancouver - Calgary hatte, mein Gepäck aber durchgängig bis Frankfurt aufgegeben war. Also am Gepäckaufgabeschalter (an den man natürlich trotzdem noch musste, früher hat das Flughafenpersonal ja noch alles persönlich gemacht, heute nehmen sie nur noch das Gepäck entgegen) noch mal nachgehakt. Die konnten aber nichts machen, weil angeblich der zweite Flug noch nicht zum Einchecken freigeschalten war, und baten mich, nach Ankunft in Calgary direkt zur nächsten Passkontrolle zu gehen. Mein 22,9 Kilogramm leichtes Köfferchen allerdings verabschiedete sich auf vielleicht Nimmer-Wiedersehen Richtung Frankfurt. Der tschechische Eishockeyspieler vor mir wurde rigoros wegen drei Kilogramm zuviel zum Nachzahlen von 50 Euro verdonnert. Die letzten kanadischen Dollar wurden dann auf dem Flughafen noch in ein Frühstück investiert. Zehn Minuten vor Einlass in die fliegende Dose dann noch mal etwas grössere Hektik, als das Gate getauscht wurde und alle Passagiere mal wieder von A nach B geschickt wurden. Doch letztendlich hob der Flieger ab und landete eine Flugstunde später und eine Zeitzone weiter in Calgary.
Durch den Tausch des Gates und dem damit verbundenen verspäteten Abflug wurde die Zeit zum Anschlussflug natürlich noch knapper, also auf zur nächsten Passkontrolle. Dort hab ich dem Beamten auf Englisch mein Problem erklärt und der schickt mich weiter zum Lufthansa Check-In. Der Dame dort habe ich mein Problem auf deutsch erklärt und die schickt mich 20 Meter weiter zum Service-Schalter. Dem Typen dort musste ich dann ein drittes Mal alles schildern (auf deutsch und englisch) und der schaut dann endlich mal in sein System, um mir dann zu sagen, dass ich auf dem Flug nicht gebucht bin. Ich bleib ja echt relativ lang gelassen, gerade in der Servicewüste Deutschland (und weltweit auch). Aber da hat’s mir gereicht. Dem Herrn am Serviceschalter hab ich meine Flugbestätigung und den Gepäckschein Vancouver - Calgary - Frankfurt auf den Tisch geknallt und ihn gebeten, mir zu erklären, warum mein Gepäck fliegen darf und ich nicht. Darauf hatte er natürlich keine Antwort, telefonierte mit der gleichen Dame vom Check In (!) und dann ging die Diskussion auf Französisch los. Nachdem der Satz “Aber wir haben keine zusätzlichen Mahlzeiten vorbereitet” fiel, hab ich mich dann mal wieder eingeschalten und ihm auf deutsch gesagt, dass mir die Futterei egal ist. Nun war der Typ noch verdutzter, schickte mich wieder zurück zum Check-In, wo ich dann plötzlich doch eine Bordkarte bekommen habe. Die Zeit war mittlerweile soweit fortgeschritten, der Flieger sollte in wenigen Minuten abheben, also Beine in die Hand genommen und einen weiteren Sprint eingelegt. Erfreulicherweise musste ich nicht wie ein Stier bei der Hatz durch Pamplona unter aller Passagieraugen einmal durch die ganze Maschine bis zur letzten Reihe laufen, sondern durfte ein weiteres Mal den Komfort der First Class geniessen. Warum das Bodenpersonal allerdings so einen Stress gemacht hat, ist mir bis heute schleierhaft. Die Maschine war nur halb gefüllt und Futterei hab ich auch mehr bekommen, als ich vertragen habe. Ob da letztendlich eine Stewardess für hungern musste, war mir in dem Moment mal herzlich egal. Einen unspektakulären Flug, vier Bordkinofilme, neuneinhalb Flugstunden und acht Zeitzonen später kam ich Freitag Morgen in Frankfurt an. Den direkten Zug nach Basel hatte ich um vier läppische Minuten verpasst, ansonsten wäre ich noch vor dem Mittagessen zurück in Zürich gewesen. So wurde es dann doch erst der Nachmittag. Da ich vorsichtshalber vor dem Urlaub meinen Wohnungsschlüssel bei meinem Mitbewohner gelassen hatte, hieß es nun noch Zeit totschlagen und Müdigkeit bekämpfen, bis er mir um halb 7 endlich zu Hause Asyl gewährte. Pünktlich genug, um den Fernseher für die Übertragung der olympischen Wettkämpfe einzuschalten *pfeif*
Vom Donnerstag hatte ich natürlich durch den Flug nicht viel mitbekommen und somit einiges verpasst. Allen voran natürlich der sensationelle Olympiasieg von Viktoria Rebensburg, die sich im zweiten Lauf des Riesenslaloms noch vom sechsten auf den ersten Platz vorschob. Damit liess sie auch die Slowenin Tina Maze und Elisabeth Görgl aus Österreich hinter sich. Auch die Langlauf-Staffel der Damen hatte allen Grund zur Freude. Kathrin Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle, Miriam Gössner und Claudia Nystad gewannen nach einer Aufholjagd Silber und mussten nur das favorisierte norwegische Quartett ziehen lassen. Dritte wurden die Damen aus Finnland. In der Nordischen Kombination konnten Bill Demong und Johnny Spillane aus den USA einen Doppelsieg vor dem Österreicher Bernhard Gruber feiern. Allerdings machte das Springen bei irrugälen Bedingungen den Top-Athleten dieser Sportart das Leben schwer. Björn Kircheisen erreichte als bester Deutscher das Ziel auf dem 20. Platz. Auch bei den Eiskunstläuferinnen war die erst 16jährige Sarah Hecken nur Statistin, kann aber mit ihrem 18. Platz sehr zufrieden sein. Gold ging nach einer traumhaften Kür verdient an die Südkoreanerin Yu-Na Kim vor der Japanerin Mao Asada und Joannie Rochette aus Kanada, die ihre Medaille ihrer kurz zuvor verstorbenen Mutter widmete. Gänzlich ohne deutsche Beteiligung lief das Springen der Freestyler ab, in dem der Weissrusse Alexei Grishin das erste Gold dieser Spiele für sein Land holte. Mit zwei sicheren Sprüngen verwies er den Amerikaner Jeret Peterson und Zhongquing Liu aus China auf die Plätze. Auch im Eishockey wurden die ersten Medaillen verteilt. Die Kanadierinnen gewannen im ersten qualitativ hochwertigen Spiel überhaupt Gold und schlugen die Amerikanerinnen mit 2:0. Das war somit das dritte olympische Gold am Stück. Im kleinen Finale gewann das finnische Team in einem von vielen Nicklichkeiten geprägten Spiel mit 3:2 nach Verlängerung gegen die Schwedinnen.
Am Freitag gab es dann einen weiteren Grund zum Jubeln. Nicht allerdings für die deutschen Biathlon-Männer, die in ihrem Staffelrennen nur auf dem fünften Rang landeten. Die beiden Strafrunden von Andreas Birnbacher konnten seine Kollegen Simon Schempp, Arnd Peiffer und Michael Greis nicht mehr kompensieren. Somit blieben die deutschen Biathlon-Männer ohne jegliches Edelmetall bei diesen Spielen. Die Norweger sicherten sich Gold und konnten das österreichische Team und das Quartett aus Russland auf Distanz halten. Nein, Jubeln durfte Maria Riesch, die nach dem Olympiasieg in der Superkombination nun auch mit dem ersten Platz im Slalom beschert wurde. Als Favoritin gestartet wurde sie Ihrer Rolle gerecht und verwies Marlies Schild aus Österreich und die Tschechin Sarka Zahrobska auf die Plätze. Im “Schrubb, du Luder” der Damen sicherten sich die Schwedischen Hausfrauen Gold und besiegten in einem spannenden Finale den Gastgeber Kanada erst nach Extra End. Keine Chance hatten die Schweizerinnen im kleinen Finale, die sich mit 6:12 den Chinesinnen geschlagen geben mussten. Das Deutsche Curlingteam beendete das Turnier auf dem sechsten Rang. Die deutschen Snowboarderinnen kamen im Parallelslalom nicht über die undankbaren Plätze 4 und 5 (Anke Karstens) hinaus. Gold holte die Niederländerin Nicolien Sauerbreij vor Ekaterina Ilyukhina aus Russland. Im kleinen Finale unterlag Selina Jörg der Österreicherin Marion Kreiner, die damit Bronze sicherte. Freude auch bei den Shorttrack-Herren. Der Deutschkanadier Tyson Heung konnte mit seinem fünften Rang über 500m zufrieden sein. Gold ging an den Kanadier Charles Hamelin vor Si-Bak Sung aus Südkorea und Francois-Louis Tremblay aus Kanda. Die beiden Kanadier durften sich im anschliessenden Staffelrennen über eine weitere Goldmedaille freuen und auch der Koreaner feierte seine zweite Silbermedaille an diesem Abend. Bronze konnten die Amerikaner erringen. Bei den 1000m der Damen kam die deutsche Starterin Aika Klein nicht über das Viertelfinale hinaus. Die Medaillen gingen an Meng Wang aus China, Katherine Reutter aus den USA und die Südkoreanerin Seung-Hi Park.
Bilanz des deutschen Teams: 9xGold (Felix Loch/Rodeln, Magdalena Neuner/Biathlon Verfolgung, Tatjana Hüfner/Rodeln, Maria Riesch/Ski Alpin Superkombination, Magdalena Neuner/Biathlon Massenstart, Andre Lange und Kevin Kuske/Zweierbob, Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad/Langlauf Teamspint, Viktoria Rebensburg/Ski Alpin Riesenslalom, Maria Riesch/Ski Alpin Riesenslalom), 11x Silber (Magdalena Neuner/Biathlon Sprint, Stephanie Beckert/Eisschnellauf 3000m, David Möller/Rodeln, Jenny Wolf/Eisschnelllauf 500m, Kerstin Szymkowiak/Skeleton, Tobias Angerer/Langlauf 30km Verfolgung, Thomas Florschütz und Richard Adjei/Zweierbob, Team Deutschland/Skispringen, Axel Teichmann und Tim Tscharnke/Langlauf Teamsprint, Stephanie Beckert/Eisschnelllauf 5000m, Team Deutschland/Langlaufstaffel Damen), 7xBronze (Aljona Savchenko und Robin Szolkowy/Eiskunstlaufen, Natalie Geisenberger/Rodeln, Patric Leitner und Alexander Resch/Rodeln, Anja Huber/Skeleton, Simone Hauswald/Biathlon Massenstart, Team Deutschland/Biathlonstaffel Damen, Team Deutschland/Norische Kombination)