Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Kasper-Theater in Weißwassers Fuchsbau
08.05.2003 | 14:58 Uhr von
Neuer ESW-Chef Ludwig Thomaschk sieht sich als Vermittler in einem zerstrittenen Verein
Seit Dienstag Abend, kurz vor Mitternacht, hat der ES Weißwasser endlich eine neue Führungscrew. Zum ESW-Vorsitzenden wurde der sächsische CDU-Landtagsabgeordnete Ludwig Thomaschk gewählt. Als Stellvertreter unterstützt ihn der Unternehmer Klaus Günther. Zum Vorstand gehören weiterhin Matthias Broda als Schatzmeister, der noch aktive Profi Torsten Hanusch (Jugendwart) und der Weißwasseraner Andreas Marx in der Funktion des Beisitzers. Unter dem Strich blieb allerdings ein ziemlich fader Beigeschmack bei allen Beteiligten.

Denn der Abend wurde beherrscht von hitzigen Diskussionen, persönlichen Eifersüchteleien und sogar Manipulationsvorwürfen. Als "Kasper-Theater" empfand der neue ESW-Vorsitzende diese Wahlveranstaltung. So intrigant gehe es nicht einmal in der Politik zu, bekannte Thomaschk. Er habe angesichts der Umstände sogar in Erwägung gezogen, seine Kandidatur kurzfristig wieder zurückzunehmen. "Aber damit hätte ich all die Leute vor den Kopf gestoßen, die mich im Vorfeld zu diesem Schritt ermuntert haben."

Hintergrund für die Streitigkeiten und das offenkundige Kompetenzgerangel ist die besondere Struktur des Lausitzer Traditionsvereins, der quasi aus zwei Lagern besteht. Auf der einen Seite der Stammverein, in dem sämtliche Nachwuchsmannschaften organisiert sind. Auf der anderen Seite die aus dem Stammverein ausgegliederte Spielbetriebs-GmbH der Profis. Beide Abteilungen sind rechtlich selbstständige Gebilde, allerdings über einen Kooperationsvertrag miteinander verbunden. Im Rahmen dieses Kooperationsvertrages erhält der ESW jährlich 80 000 Euro von der GmbH, die im Gegenzug den Zugriff auf die talentiertesten Nachwuchsspieler des Vereins hat.

Schon im Vorfeld der Wahlveranstaltung war es zu einem heftigen Schlagabtausch gekommen. Während sich GmbH-Geschäftsführer Dr. Klaus Dietze für eine Modernisierung der Nachwuchsstrukturen stark machte und alle vier hauptamtlichen Trainerstellen erstmals öffentlich ausschreiben möchte, befürchtete sein großer Widersacher Joachim Werlich ein schrittweises Abschmelzen der Nachwuchsarbeit, um so Kosten einzusparen. Er forderte insbesondere mehr Fingerspitzengefühl beim Umgang mit den Übungsleitern ein. "So kann man einfach nicht mit Menschen umgehen", warf er Dietze vor.

Bei einer derart offen zur Schau getragenen Unversöhnlichkeit kam sich selbst Weißwassers Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) machtlos vor. "Ich habe vergeblich versucht zu vermitteln. Es ist jedoch auch nicht meine Aufgabe als Oberbürgermeisterin, den Schiedsrichter zwischen erwachsenen und intelligenten Menschen zu spielen", betonte sie. Den zerstrittenen Gruppen, so Orosz, gehe es offenbar nicht mehr um die Sache an sich, sondern nur noch um persönliche Differenzen. "Warum kann nicht endlich Schluss sein mit den alten Geschichten? Wir müssen Weißwasser gemeinsam als Sportstadt etablieren. Das ist einer der wenigen Strohhalme in unserer strukturschwachen Region", appellierte die Kommunalpolitikerin.

In der Kampfabstimmung um den Vorstandsvorsitz setzte sich letztlich der von Dietze vorgeschlagene Ludwig Thomaschk mit 140 zu 78 Stimmen gegen Joachim Werlich durch. Beide Kandidaten hatten vorab übrigens kategorisch ausgeschlossen, gemeinsam im Vorstand zu arbeiten.

Überschattet wurde die Wahl des CDU-Politikers allerdings von mehr oder weniger offen ausgesprochenen Manipulationsvorwürfen. Denn beide Lager hatten im Vorfeld versucht, möglichst viele Sympathisanten um sich zu scharen. So gingen am Montag, also einen Tag vor der Wahl, noch 150 (!) neue Mitgliedsanträge auf der ESW-Geschäftsstelle ein. Die Zahl der Mitglieder hatte sich deshalb schlagartig von 206 auf 356 und damit um knapp 50 Prozent erhöht. Aus diesem Grunde musste die mit Spannung erwartete Veranstaltung kurzfristig von der 6. Grundschule in den größeren Saal des Volkshauses verlegt werden.

"Es kann doch nicht sein, dass Leute, die erst einen Tag Mitglied in unserem Verein sind, jetzt über Wohl und Wehe des ES Weißwasser entscheiden", erklärte René Just vom Nachwuchs-Förderverein. Zielscheibe seiner Kritik war vor allem der Krauschwitzer Unternehmer Bernd Nadebor, der gleichzeitig langjähriger Sponsor der Füchse und Mitgesellschafter der Profi-Spielbetriebs-GmbH ist. Nadebor, so die Darstellung seiner Gegner, soll einen Teil seiner Belegschaft kurzfristig als Vereinsmitglieder geworben haben, um den von ihm favorisierten Ludwig Thomaschk als Vereinsvorsitzenden zu inthronisieren.

Vorwürfe zurückgewiesen

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage wies Bernd Nadebor diese Vorwürfe zurück. "Richtig ist, dass wir in der Firma natürlich über den Eissport hier in Weißwasser diskutieren. Er ist mittlerweile auch vielen meiner Leute ans Herz gewachsen. Letztlich sind es aber alles erwachsene Menschen, die sich selbst eine Meinung bilden können und eigenständig entscheiden, wem sie ihre Stimmen geben."

Auch den im Internet verbreiteten Vorwurf, er bezahle die Beiträge für die ESW-Mitgliedschaft seiner Angestellten, wies Nadebor zurück. Er habe aus zahlungstechnischen Gründen zwar den ersten Monatsbeitrag für sie beglichen. Dies werde aber auf dem Gehaltszettel wieder verrechnet, versicherte der Unternehmer.

In jedem Fall sieht sich der neue ESW-Chef Ludwig Thomaschk jetzt vor allem als Vermittler zwischen den zerstrittenen Lagern gefragt. "Wir müssen die Sommerpause nutzen, um schnellstmöglich zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zurückzukehren. Und dazu brauche ich sowohl die Profiabteilung als auch den Nachwuchs", warb der Politiker um einen Schulterschluss zugunsten des Eishockeysports in Weißwasser.

Quelle: lr-online.de
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