Flucht und drei Konkurse: "Professor" hat viel erlebt
Sie nennen ihn Professor, Student oder Eule – wegen seiner markanten Brille. Doch auch ohne sie hat Radek Vit den Durchblick. Der neue Center des Eishockey-Zweitligisten EHC Wolfsburg besitzt eine bewegte Vergangenheit, sportlich und menschlich. Gestern stellte der Klub den Neu-Grizzly vor.
Geboren und aufgewachsen im tschechischen Pilsen, kam Vit mit 13 Jahren nach Landshut. Gemeinsam mit den Eltern und Bruder Pavel kehrte er nach einem Deutschland-Urlaub nicht mehr in die Heimat zurück. "Die Eltern hatten uns nicht in den Plan eingeweiht. Erst als wir in Deutschland waren, fragten sie uns, ob wir hierbleiben wollen. Warum nicht", erinnert sich der heute 28-Jährige an einen der einschneidendsten Momente seines Lebens.
In der Jugend des traditionsreichen EV Landshut setzten die Brüder Radek und Pavel Vit (spielt zurzeit beim ESC Dresden) ihre beim HC Skoda Pilsen begonnene Eishockey-Karrieren fort. 1991 wechselte der ein Jahr ältere Radek nach Augsburg (Junioren und 2.Liga) und 1993 weiter nach Freiburg (1.Liga). "Nach vier Wochen aber musste der Klub Insolvenz anmelden." Sofort ging es für ihn weiter nach Frankfurt (2.Liga), wo er bis 1995 blieb und ab ’94 DEL spielte.
Nach dem Wechsel zum DEL-Rivalen Weißwasser/Chemnitz folgte nach nur einer Saison dort der nächste Konkurs. Der Verein rettete sich in die 2.Bundesliga. Von 1998 bis 2000 machte Vit dann Station beim Liga-Konkurrenten EHC Neuwied – bis zu einem altbekannten Ende: Konkurs! "Ich scheine vielen meiner Klubs kein Glück gebracht zu haben", scherzt der zweifache Familienvater. "Ich bin eigentlich kein Wandervogel, sondern bleibe länger da, wo es mir gefällt."
Den Beweis konnte er bei seinem jüngsten Arbeitgeber antreten. Drei komplette Saisons absolvierte der Stürmer für die Schwaben. In der Zeit verbuchte er 150Zweitliga-Einsätze, 50Treffer, 72Torvorlagen (zusammen 122Scorerpunkte) und 130Strafminuten. Seine statistisch erfolgreichste Spielzeit war 2001/2002 (51Spiele, 52Punkte), seine schwächste die abgelaufene (50Spiele, 31Punkte).
Kein Wunder, dass der EHC den Spieler schon vor einem Jahr holen wollte. "Wir hatten uns in Heilbronn in einer Sportsbar getroffen", berichtet EHC-Boss Karl-Heinz Lorenz. Da entschied sich Vit noch gegen die Grizzlies, diesmal nicht – warum? "Eigentlich war ich mir mit dem HEC einig. Aber zum Schluss ist einiges vorgefallen", begründet er. Was, will er nicht sagen: "Das gehört nicht in die Öffentlichkeit."
Vit spricht mit ruhiger Stimme, wählt seine Sätze mit Bedacht und ist höchst unterhaltsam. Zum Beispiel die Erklärung für den Blaustich im Haar: "Das Färben hat länger gedauert als die Play-offs", sagt er zum diesjährigen Heilbronner Erstrunden-Aus gegen Landshut. Ein ähnliches Schicksal teilte der EHC. Doch zukünftig wird das anders, deswegen ist Vit hier: "Das Entscheidende für meinen Wechsel war die sportliche Perspektive. Der EHC will in die DEL, das hat mir imponiert." Wenn der "Professor" so spielt, wie er spricht, wird er ein Führungsspieler.
schön mal wieder was von radek zu hören...wünsche ihm da viel erfolg.
finde ihn immernoch voll super!
2 | WSWaner | 09.05.2003 @ 10:04
Ich glaube auch, Radek hat hier in WSW saubere Arbeit geleistet (im Gegensatz zu manch Anderen). Schade, dass wir ihm keine Perspektive bieten können. Viel Glück Radek !
3 | Kiesi | 09.05.2003 @ 10:23
ein absolut sympatischer typ
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Sie nennen ihn Professor, Student oder Eule – wegen seiner markanten Brille. Doch auch ohne sie hat Radek Vit den Durchblick. Der neue Center des Eishockey-Zweitligisten EHC Wolfsburg besitzt eine bewegte Vergangenheit, sportlich und menschlich. Gestern stellte der Klub den Neu-Grizzly vor.
Geboren und aufgewachsen im tschechischen Pilsen, kam Vit mit 13 Jahren nach Landshut. Gemeinsam mit den Eltern und Bruder Pavel kehrte er nach einem Deutschland-Urlaub nicht mehr in die Heimat zurück. "Die Eltern hatten uns nicht in den Plan eingeweiht. Erst als wir in Deutschland waren, fragten sie uns, ob wir hierbleiben wollen. Warum nicht", erinnert sich der heute 28-Jährige an einen der einschneidendsten Momente seines Lebens.
In der Jugend des traditionsreichen EV Landshut setzten die Brüder Radek und Pavel Vit (spielt zurzeit beim ESC Dresden) ihre beim HC Skoda Pilsen begonnene Eishockey-Karrieren fort. 1991 wechselte der ein Jahr ältere Radek nach Augsburg (Junioren und 2.Liga) und 1993 weiter nach Freiburg (1.Liga). "Nach vier Wochen aber musste der Klub Insolvenz anmelden." Sofort ging es für ihn weiter nach Frankfurt (2.Liga), wo er bis 1995 blieb und ab ’94 DEL spielte.
Nach dem Wechsel zum DEL-Rivalen Weißwasser/Chemnitz folgte nach nur einer Saison dort der nächste Konkurs. Der Verein rettete sich in die 2.Bundesliga. Von 1998 bis 2000 machte Vit dann Station beim Liga-Konkurrenten EHC Neuwied – bis zu einem altbekannten Ende: Konkurs! "Ich scheine vielen meiner Klubs kein Glück gebracht zu haben", scherzt der zweifache Familienvater. "Ich bin eigentlich kein Wandervogel, sondern bleibe länger da, wo es mir gefällt."
Den Beweis konnte er bei seinem jüngsten Arbeitgeber antreten. Drei komplette Saisons absolvierte der Stürmer für die Schwaben. In der Zeit verbuchte er 150Zweitliga-Einsätze, 50Treffer, 72Torvorlagen (zusammen 122Scorerpunkte) und 130Strafminuten. Seine statistisch erfolgreichste Spielzeit war 2001/2002 (51Spiele, 52Punkte), seine schwächste die abgelaufene (50Spiele, 31Punkte).
Kein Wunder, dass der EHC den Spieler schon vor einem Jahr holen wollte. "Wir hatten uns in Heilbronn in einer Sportsbar getroffen", berichtet EHC-Boss Karl-Heinz Lorenz. Da entschied sich Vit noch gegen die Grizzlies, diesmal nicht – warum? "Eigentlich war ich mir mit dem HEC einig. Aber zum Schluss ist einiges vorgefallen", begründet er. Was, will er nicht sagen: "Das gehört nicht in die Öffentlichkeit."
Vit spricht mit ruhiger Stimme, wählt seine Sätze mit Bedacht und ist höchst unterhaltsam. Zum Beispiel die Erklärung für den Blaustich im Haar: "Das Färben hat länger gedauert als die Play-offs", sagt er zum diesjährigen Heilbronner Erstrunden-Aus gegen Landshut. Ein ähnliches Schicksal teilte der EHC. Doch zukünftig wird das anders, deswegen ist Vit hier: "Das Entscheidende für meinen Wechsel war die sportliche Perspektive. Der EHC will in die DEL, das hat mir imponiert." Wenn der "Professor" so spielt, wie er spricht, wird er ein Führungsspieler.
Quelle: newsclick.de