Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Dietzes schwerer Gang
23.05.2003 | 07:16 Uhr von
Weißwassers Füchse vor endgültigem Rutsch in die Drittklassigkeit
Weißwassers Füchse-Chef Dr. Klaus Dietze steht vor einem schweren Gang. In München entscheidet morgen die Eishockey-Spielbetriebs-Gesellschaft mbH (ESBG) über die Lizenzen und damit Klasseneinteilung von zweiter Bundesliga und Oberliga in der kommenden Saison. Die Lizenz haben die Füchse sicher – bei der Daumenfrage jedoch müssen Dietze und seine Profis zittern.

Geht der Daumen nach oben (2. Bundesliga) oder unten (Oberliga)? Noch vor wenigen Tagen war Dietze in seinem Glauben nicht zu erschüttern, dass trotz des sportlichen Abstiegs im kommenden Winter Weißwassers Fans weiterhin Zweitliga-Eishockey sehen werden. Sein Argument: Einige Vereine werden die Lizenz-Prüfung nicht überstehen, sodass die Füchse wie auch Mitabsteiger Bremerhaven als «Nachrücker» im Zweitliga-Haus bleiben.
Kurz vor dem ESBG-Ultimo jedoch bekennt Dietze, dass «mir inzwischen etwas mulmig wird» . Der GmbH-Geschäftsführer der Lausitzer Füchse hat nach einer Lesestunde in der Durchführungs-Bestimmung der ESBG (wieder)entdeckt, dass die Nachrücker-Regel (siehe Hintergrund) gegenüber der vorangegangenen Saison modifiziert wurde.
Im Klartext heißt das: Gehen in der 2. Liga Vereine pleite, rückt zunächst der Oberliga-Zweite nach – vor den Absteigern. So also steht auf der gegenwärtigen Nachrückerliste der ESC Dresden als Play-off-Finalist der Oberliga vor Bremerhaven und Weißwasser. Ein Klassement, das die Füchse-Träume jäh zerstören könnte.
Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass die ESBG und der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) morgen in München aus der Welt der Gummiparagrafen und Immer-Wieder-Kompromisse heraustreten und zu ihren eigenen Statuten stehen, haben die Füchse schlechte Karten für den Klassenerhalt am grünen Tisch.
Momentan kristallieren sich zwölf Vereine heraus, die ab September in der 2. Liga (14 Mannschaften) spielen werden: Bad Nauheim, Bietigheim, Crimmitschau, Duisburg, Heilbronn, Kaufbeuren, Landshut, Regensburg, Riessersee, Straubing, Wolfsburg und Aufsteiger Weiden, dem der Lizenzerhalt bereits signalisiert wurde. Bei dieser Papierrechnung wird vorausgesetzt, dass Freiburg in die DEL aufsteigt (Entscheidung nächste Woche) und DEL-Zwangsabsteiger Schwenningen sowie die insolvente Bad-Tölz-GmbH keine Zweitliga-Lizenz erhalten. In diesem Fall würden Dresden und Bremerhaven als Nachrücker die Liga komplettieren.
Weißwasser hätte somit nur dann eine Zweitliga-Chance, wenn morgen Mannschaften durch die Lizenzierung fallen. Der SC Riessersee wäre beispielsweise ein Kandidat. Klaus Dietze versteht die Werdenfelser Eishockey-Welt ohnehin nicht: «Die wollen sogar in die DEL, wenn Freiburg scheitert. Dabei warten die Spieler des SCR immer noch auf Gehälter vergangener Monate. Das begreife ich nicht.» Im Zugspitzland jongliert zurzeit ein vorbestrafter Mäzen mit Millionen, die bislang noch nicht gesehen wurden. Schein-Geld hat leider auch schon Lizenzen gebracht. Bei allen Planspielen: Morgen kann natürlich auch alles anders kommen, wenn erneut Gummi und Kompromiss die ESBG-Szene beherrschen sollten. Die Bundesliga könnte zum Beispiel erweitert werden. Denn Tölz strebt plötzlich wieder den Liga-Erhalt an, Schwenningen und Bremerhaven haben sogar den Gang vor das DEB-Schiedsgericht angedroht. Im Münchner Stadel kündigen sich Krach und Säbelgefechte an – mit der Aussicht auf wochenlange Nachspielzeit.
«Der Ehrliche ist immer der Dumme» , beklagt sich Dietze. «Wir haben seit 13 Jahren erstmals keine Schulden gemacht und einen sicheren Etat erstellt. Andere haben gepokert und teure Spieler gekauft. Wir haben darauf verzichtet und werden nun möglicherweise bestraft.» Recht hat er. Nur: Weißwasser hat statt teurer mitunter «falsche» Spieler gekauft und eine katastrophale sportliche Saison hingelegt. Der Ehrliche muss deshalb nicht immer der Klügste sein.

Hintergrund Die Nachrücker

«Müssen Ligen, bei denen es direkte Auf- oder Absteiger gibt, aufgefüllt werden, gilt folgende Rangfolge für Nachrücker:

1. zuerst die Vereine der darunter liegenden Ligen, die nicht direkt aufgestiegen sind, jeweils in der Reihenfolge ihrer sportlichen Qualifikation, sofern die LEV (Landesverbände/d.A.) ihre Zustimmung erteilen.
2. danach die Absteiger aus der betroffenen Liga jeweils in der Reihenfolge ihrer sportlichen Qualifikation.» (ESBG)

Quelle: Lausitzer Rundschau
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