ES Weißwasser verlängert Vertrag nicht mehr - Jungfüchse gemeinsam mit Hobbyspielern in der Sachsenliga.
Morgen ist der offiziell letzte Arbeitstag des erfolgreichen Eishockey-Nachwuchstrainers Rainer Mann beim ES Weißwasser. Arbeiten ist er schon seit zwei Wochen nicht mehr. Rainer Mann ist beurlaubt. Fast gleichzeitig wurde bekannt, dass der Verein die voriges Jahr in der Regionalliga so erfolgreichen Jungfüchse für die Sachsenliga gemeldet hat – mit sechs ehemaligen Jugendspielern und Hobbyspielern von Grün-Weiß. Bequem ist Rainer Mann ganz bestimmt nicht. Anpassen war sicherlich nie sein Ding, mit seiner Meinung hinter dem Berg halten auch nicht. Rainer Mann steht eher für Geradlinigkeit, sportlichen Ehrgeiz und unbedingten Willen: „Ich bin nicht der liebe, gute Onkel. Mein Ziel war es immer, zu gewinnen und gute Sportler auszubilden. Und das geht ohne Härte nicht.“ Also als Trainer ganz der „harte Hund“? So will das der 55-jährige ehemalige DDR-Nationalspieler auch nicht sehen: „Es ist wichtig, dass die Jungs immer wieder kommen wollen. Ohne Vertrauen zum Trainer geht aber nichts, die Anweisungen müssen akzeptiert werden. Man muss aber auch mal lachen können.“
Erfolg hat Rainer Mann mit seinen Methoden in den letzten 26 Jahren gehabt, nachdem er 1977 seine aktive Laufbahn als Stürmer bei Dynamo Weißwasser beendet und sofort als Nachwuchstrainer begonnen hatte. „Damals haben wir im Anfängerbereich rund 100 Kinder ausgesucht, die bei uns mit dem Schlittschuh laufen begonnen haben. Durch das anspruchsvolle Training und die immer höheren Anforderungen blieben am Ende nur die besten Jungs übrig“, erzählt er von den alten Zeiten.
Seit dem Jahrgang um den heute 37-jährigen Andreas Gebauer sind alle bekannten Weißwasseraner Eishockeyspieler durch seine Hände gegangen. Nach der Wende war es zunächst gelungen, die guten Strukturen in Weißwasser aufrecht zu erhalten. Deutscher Jugend- und Juniorenmeister, fünf weitere Podiumsplätze sprechen genauso für sich wie die Erfolge der Jungfüchse in den letzten Jahren in der Regionalliga oder die Zahl der Spieler, die den Sprung in die DEL oder die 2. Bundesliga geschafft haben. Mit der Wende kamen aber auch Probleme: Eine Eisbahn fiel weg, Trainingszeiten wurden geringer, das Niveau der Eishockey-spezifischen Ausbildung musste einfach zurückgehen.
Heute kommen statt der 100 ausgesuchten nur noch um die zehn interessierte Kinder zum Trainingsauftakt bei den Kleinsten! „Und die finanziellen Probleme haben im Gegensatz zu früher eine immer größere Rolle gespielt“, so Rainer Mann. Er selbst hat das auch daran gemerkt, dass die Kostenträger für seine Stelle in den letzten zwölf Jahren ständig wechselten: Verein, Deutscher Eishockeybund, Arbeitsamt, auch mal arbeitslos.
Jetzt ist also ganz Schluss. Was bleibt, ist auch eine Menge Bitterkeit. Nicht so sehr darüber, dass es eben finanzielle Zwänge gibt, sondern eher darüber, wie man mit ihm umgeht, nach 45 Jahren mit Leib und Seele Mitgliedschaft bei „seinem“ Weißwasseraner Eishockeyverein und unbestritten vielen Verdiensten: „Erfahren, dass es für mich nicht mehr weitergeht, habe ich erst einmal hinten herum. Und dann hat mir der Vereinsvorsitzende Ludwig Thomaschk alles über den Gartenzaun mitgeteilt!“
Er mag auch nicht verstehen, weshalb man zugelassen hat, dass etwas funktionierendes kaputt gemacht wird. „Die Erfolge in der Regionalliga waren immer die eines ganzen Teams, zu dem ich neben den Spielern und mir unbedingt auch Co-Trainer Wilfried Sock, Mannschaftsbetreuer Wolfgang Hirsch, den Ex-Vereinsvorsitzenden Joachim Wehrlich und den Nachwuchs-Förderverein zähle“, sagt Rainer Mann.
Aus seiner Sicht wäre es ohne weiteres möglich gewesen, die Forderung der Jungfüchse, ihnen die Ausbildungsentschädigung von jährlich 400 Euro zu erlassen, zu erfüllen. Jetzt sind „seine Spieler“ in alle Winde zerstreut, einige auch in Niesky untergekommen. Leid tun Rainer Mann die talentierten Spieler, die jetzt aus der DNL-Mannschaft aufrücken. Das in der Sachsenliga gemeldete Team mit sechs ESW-Nachwuchsspielern und einigen Grün-Weiß-Hobbyspielern ist für diese Talente aus seiner Sicht ein Desaster. „Die Anforderungen im Wettkampf sind mit denen in der Regionalliga nicht vergleichbar. Für ein vernünftiges Training braucht man mindestens zehn bis zwölf gute Leute und gute Torhüter. Dies ist nicht mehr gegeben. Die Talente werden sich also rückwärts entwickeln. Das ist nicht mehr der ES Weißwasser, mit dem ich mich mein Leben lang identifiziert habe.“ Unbequeme Worte von Rainer Mann, ganz so, wie man ihn kennt.
Tragisch sind die Umstände seines Abschiedes vom Eissport Weißwasser. Vielen Dank an Rainer Mann für seine jahrelange, aufopferungsvolle Tätigkeit für den Eishockeysport in Weißwasser.
2 | oli81 | 05.09.2003 @ 10:01
denke auch, der verein macht sich das ziemlich leicht...was machen die denn, wenn sekera irgendwann mal gehen wird??
3 | turbotox | 05.09.2003 @ 12:36
Dann kommt ein anderer und macht weiter! Die Marktwirtschaft geht nun mal nicht an Herrn Mann vorbei. Nackte Realität dieser Gesellschaft. Sport ist nicht mehr Sport sondern ein Geschäft.
4 | Rolf | 05.09.2003 @ 12:54
Über die Person Reiner Mann werde ich mich nicht äußern. Unbestritten sind seine Erfolge im Nachwuchsbereich des Eishockey in Weißwasser. In jedem Fall ist mit der jetzigen Situation die Nachwuchsschmiede WSW beendet. DANKE!!!
5 | oli81 | 05.09.2003 @ 13:06
is wirklich schade, das personen trotz erfolg gehen müßen...da haben wir uns sicher ein eigentor geschossen...!
6 | turbo | 05.09.2003 @ 14:22
hier ist in allen kommentaren immer die Rede vom "Nachwuchs" Fakt ist, das es den in Weißwasser nicht mehr gibt. Wenn sich pro Jahrgang nur noch ca 15 Kids anmelden. Danke Rainer für die tollen Jahre...
7 | Skolari | 05.09.2003 @ 17:09
Wie will man erfolgreich bleiben, wenn die erfolgreichsten Trainer gehen müssen?Wiedermal ein Anfang bom Ende!Warum müssen eigentlich immer irgendwelche Leute kommen ein auf Chef machen und immer mehr kaputt machen?VIELEN DANK an Rainer Mann!!!!!!!!!
8 | Silo | 05.09.2003 @ 20:42
Danke! Es wird auch mal Zeit das andere Leute auch mal merken was hier in diesem Verein eigentlich los ist! Das kaputt machen geht nur noch eine Weile und dann gibt es keinen Eishockeysport mehr in WSW!!! Dank dem Vorstand mit der sauberen Weste!!!
9 | niemand | 05.09.2003 @ 23:24
Danke, Doc!
10 | matthias | 06.09.2003 @ 09:41
Auch ein Dankeschön von mir an Rainer Mann. Ein ehrlicher Mensch der gesagt hat was hier falsch läuft und dafür wurde seine Mannschaft kaputt gemacht und er entlassen. Mal sehen was al nächstes kommt... einfach nur noch traurig.
11 | hoffi | 06.09.2003 @ 19:03
und wieder geht einer mit hockeyverstand. u.der wird immer dünner beim verein!
ich sage danke rainer, du bist zu gut fürs "Geschäft o. wie immer sich das nennt"
12 | opa | 07.09.2003 @ 19:37
Ship of Fools-Ihr bekommt die Füchse aus Eishockeydeutschland bereinigt, keine Bange, dauert nicht mehr lange
13 | Kasatonov | 10.09.2003 @ 21:01
Game over! Bye bye. Nach der Wende Chaos bei der SGD D, heute auch noch beim ESW... - haben beide ihren Reiy verloren - es bestimmen nur noch die Eitelkeiten
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Morgen ist der offiziell letzte Arbeitstag des erfolgreichen Eishockey-Nachwuchstrainers Rainer Mann beim ES Weißwasser. Arbeiten ist er schon seit zwei Wochen nicht mehr. Rainer Mann ist beurlaubt. Fast gleichzeitig wurde bekannt, dass der Verein die voriges Jahr in der Regionalliga so erfolgreichen Jungfüchse für die Sachsenliga gemeldet hat – mit sechs ehemaligen Jugendspielern und Hobbyspielern von Grün-Weiß. Bequem ist Rainer Mann ganz bestimmt nicht. Anpassen war sicherlich nie sein Ding, mit seiner Meinung hinter dem Berg halten auch nicht. Rainer Mann steht eher für Geradlinigkeit, sportlichen Ehrgeiz und unbedingten Willen: „Ich bin nicht der liebe, gute Onkel. Mein Ziel war es immer, zu gewinnen und gute Sportler auszubilden. Und das geht ohne Härte nicht.“ Also als Trainer ganz der „harte Hund“? So will das der 55-jährige ehemalige DDR-Nationalspieler auch nicht sehen: „Es ist wichtig, dass die Jungs immer wieder kommen wollen. Ohne Vertrauen zum Trainer geht aber nichts, die Anweisungen müssen akzeptiert werden. Man muss aber auch mal lachen können.“
Erfolg hat Rainer Mann mit seinen Methoden in den letzten 26 Jahren gehabt, nachdem er 1977 seine aktive Laufbahn als Stürmer bei Dynamo Weißwasser beendet und sofort als Nachwuchstrainer begonnen hatte. „Damals haben wir im Anfängerbereich rund 100 Kinder ausgesucht, die bei uns mit dem Schlittschuh laufen begonnen haben. Durch das anspruchsvolle Training und die immer höheren Anforderungen blieben am Ende nur die besten Jungs übrig“, erzählt er von den alten Zeiten.
Seit dem Jahrgang um den heute 37-jährigen Andreas Gebauer sind alle bekannten Weißwasseraner Eishockeyspieler durch seine Hände gegangen. Nach der Wende war es zunächst gelungen, die guten Strukturen in Weißwasser aufrecht zu erhalten. Deutscher Jugend- und Juniorenmeister, fünf weitere Podiumsplätze sprechen genauso für sich wie die Erfolge der Jungfüchse in den letzten Jahren in der Regionalliga oder die Zahl der Spieler, die den Sprung in die DEL oder die 2. Bundesliga geschafft haben. Mit der Wende kamen aber auch Probleme: Eine Eisbahn fiel weg, Trainingszeiten wurden geringer, das Niveau der Eishockey-spezifischen Ausbildung musste einfach zurückgehen.
Heute kommen statt der 100 ausgesuchten nur noch um die zehn interessierte Kinder zum Trainingsauftakt bei den Kleinsten! „Und die finanziellen Probleme haben im Gegensatz zu früher eine immer größere Rolle gespielt“, so Rainer Mann. Er selbst hat das auch daran gemerkt, dass die Kostenträger für seine Stelle in den letzten zwölf Jahren ständig wechselten: Verein, Deutscher Eishockeybund, Arbeitsamt, auch mal arbeitslos.
Jetzt ist also ganz Schluss. Was bleibt, ist auch eine Menge Bitterkeit. Nicht so sehr darüber, dass es eben finanzielle Zwänge gibt, sondern eher darüber, wie man mit ihm umgeht, nach 45 Jahren mit Leib und Seele Mitgliedschaft bei „seinem“ Weißwasseraner Eishockeyverein und unbestritten vielen Verdiensten: „Erfahren, dass es für mich nicht mehr weitergeht, habe ich erst einmal hinten herum. Und dann hat mir der Vereinsvorsitzende Ludwig Thomaschk alles über den Gartenzaun mitgeteilt!“
Er mag auch nicht verstehen, weshalb man zugelassen hat, dass etwas funktionierendes kaputt gemacht wird. „Die Erfolge in der Regionalliga waren immer die eines ganzen Teams, zu dem ich neben den Spielern und mir unbedingt auch Co-Trainer Wilfried Sock, Mannschaftsbetreuer Wolfgang Hirsch, den Ex-Vereinsvorsitzenden Joachim Wehrlich und den Nachwuchs-Förderverein zähle“, sagt Rainer Mann.
Aus seiner Sicht wäre es ohne weiteres möglich gewesen, die Forderung der Jungfüchse, ihnen die Ausbildungsentschädigung von jährlich 400 Euro zu erlassen, zu erfüllen. Jetzt sind „seine Spieler“ in alle Winde zerstreut, einige auch in Niesky untergekommen. Leid tun Rainer Mann die talentierten Spieler, die jetzt aus der DNL-Mannschaft aufrücken. Das in der Sachsenliga gemeldete Team mit sechs ESW-Nachwuchsspielern und einigen Grün-Weiß-Hobbyspielern ist für diese Talente aus seiner Sicht ein Desaster. „Die Anforderungen im Wettkampf sind mit denen in der Regionalliga nicht vergleichbar. Für ein vernünftiges Training braucht man mindestens zehn bis zwölf gute Leute und gute Torhüter. Dies ist nicht mehr gegeben. Die Talente werden sich also rückwärts entwickeln. Das ist nicht mehr der ES Weißwasser, mit dem ich mich mein Leben lang identifiziert habe.“ Unbequeme Worte von Rainer Mann, ganz so, wie man ihn kennt.
Quelle:sz-online