Liebe Freunde des traditionsreichen und trauernden Weißwasseraner Eishockeys! Es ist heuer ein ganz stiller P.F.I.F.F. Noch nie war die Entscheidung, ob und gegebenenfalls was man schreibt, so schwer wie diesmal. Als mich die Nachricht vom Tode Bernd Nadebors am Ostersamstag erreichte, bin ich aus allen Wolken gefallen. Denn wenige Tage zuvor, am 30. März, hatte Bernd Geburtstag – den 62. Da ich seine Krankengeschichte der letzten Wochen in groben Zügen – auch die dramatischen Entwicklungen zuletzt – kannte, verwunderte es mich nicht, dass sein Handy ausgeschaltet war. Also rief ich in seiner Firma an. Der Mann am Telefon notierte die Namen der Gratulanten und berichtete, Bernd sei auf dem Wege der Besserung. Das empfand ich als richtig gute vorösterliche Botschaft. Denn Bernd hatte trotz aller Probleme immer Optimismus verbreitet, wirkte nur selten verzagt. Und weil ja die neue Medizintechnik eine Menge möglich macht, schien es mir nur noch eine Frage der Zeit, bis Bernd Nadebor „wieder da sein“ würde. Mit dem heutigen Wissensstand überlege ich allerdings, ob das mit der Besserung wirklich so war. Es wäre mehr als nur ein typischer „Nadebor“ gewesen, die Leute in Ruhe und Sicherheit zu wiegen. Denn – zumindest kannte ich ihn so – eines war nie sein Ding: Im Mittelpunkt stehen, in aller Munde zu sein. Er war so wichtig für seine Firma, für die vielen Projekte, die er begleitete. Er war für viele seiner Bezugspersonen eine Art „väterlicher Freund“. Aber selbst wichtig nahm sich Bernd Nadebor nie. Fast war es dem bekennenden Familienmenschen peinlich, als er im Jahr 2001 mit dem Preis für den „Unternehmer des Jahres“ geehrt wurde und Norbert Blüm die Laudatio hielt.
Zu seinem 60. Geburtstag war die Ansage klar: „Schenkt mir ja kein Geld. Spendet lieber für die Wiederbeschaffung der Löwen am Pücklerschloss.“ Der Aufruf fruchtete. Es kam ein erkleckliches Sümmchen für die Leos zusammen! So war sie, seine soziale Ader.
Natürlich kreuzten sich unsere Wege ausschließlich durch das Eishockey. In der Ära des Geschäftsführers Dr. Klaus Dietze entdeckte der „Sponsor Nadebor“ sein Herz für den schnellsten Mannschaftssport der Welt. Und wie! Ich erinnere mich an glorreiche Siege unserer „Helden“, nach denen Bernd Nadebor auf den Stühlen der VIP- Tribüne stehend und schalschwingend tanzte. Ich erinnere mich an die von ihm organisierte Dankesaktion für Dr. Dietze. Mit zahlreichen Spruchbändern mit Slogans wie „Danke, Doc!“ hatte Bernd Firmenmitarbeiter unter die Zuschauer „geschmuggelt“, um die damalige Arbeit des Geschäftsführers nach einer sportlich erfolgreichen Spielzeit zu würdigen. Auch diese Aktion zeigte sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, das auch zutage trat, als der Verein Insolvenz anmelden musste. Dass es auf hohem Niveau weitergehen konnte, war auch und gerade ein Verdienst von Bernd Nadebor, der sich zusehends zur „Lebensversicherung“ für das Weißwasseraner Eishockey entwickelte. Wann immer auch eine größere Lücke im Etat klaffte, damit konfrontiert hatte Bernd stets einen „Plan“.
Vielleicht ist ja der Begriff „Mäzen“ irgendwo negativ vorbelegt, was allerdings kaum nachzuvollziehen ist. Angeblich hatte das Profieishockey in Weißwasser nie ein Mäzen. Für mich war Bernd Nadebor der „heimliche Mäzen“. Denn er rückte nie in den Vordergrund. Im Gegenteil: Sobald es „ungemütlich“ zu werden drohte, hielt er sich heraus. Wie überhaupt er sich in Nebenrollen am wohlsten fühlte. Besuchte er die Fußballspiele seiner Rot- Weißen Bad Muskauer, dann gerierte er sich nie als der große „Macher“. Unscheinbar stand er am Spielfeldrand und verfolgte das Geschehen auf dem Rasen. Ab und an – so erzählte er es mir – sei er von Besuchern darauf angesprochen worden, dass Bad Muskau doch eine Art „Werksverein vom Nadebor“ sei. Dann habe er still in sich hineingelächelt: „Klar- nur mit solchen Bekloppten geht etwas vorwärts.“
Positiv bekloppt war Bernd Nadebor allemal. Ihm haben wir z.B. maßgeblich die letztjährige Rückholaktion von Carsten Gosdeck zu verdanken. Oder auch ein Mattias Wikström spielte dereinst hauptsächlich deswegen in Blau- Gelb, weil er mit dem „Ziehvater Nadebor“ gut im Bunde war.
In Erinnerung geblieben sind auch die vielen kleinen Zeichen der Wertschätzung, die Bernd Nadebor von „seinen Cracks“ erfuhr. Als „Wikki“ ihm damals nach dem gegen München im letzten Saisonspiel gesicherten Klassenerhalt den Helm schenkte, wollte Bernd ihn gar nicht mehr absetzen, stolzierte „blaubehelmt“ direkt in den VIP- Raum und durch den Kabinentrakt. Nie mehr werde ich nun das fröhliche Blitzen in seinen Augen sehen können, wenn er von „seinen“ Jungs nach Toren den Puck „serviert“ bekam: „Der Gosdeck hatte mir ein Tor und den Puck versprochen. Hier ist er!“
Ob irgendwann wieder jemand auf die Idee kommen wird, den Schiedsrichtern zum Nikolaus oder Weihnachtsfest einen kleinen Geschenkekorb auf’s Eis zu stellen, ist eher zweifelhaft. Bernd Nadebor hatte auch für solche „Einlagen“ das richtige Faible.
In einer Zeit, in der mannigfaltige Debatten darüber geführt werden, ob denn ein Boutin, Tepper oder Gosdeck nach dem Vereinswechsel zu ersetzen sein werden, ist der Bernd Nadebor still und leise von dieser Welt gegangen. Natürlich werden die Lausitzer Füchse auch im kommenden Spieljahr einen konkurrenzfähigen Kader haben. Aber die Lücke, die der Tod von Bernd Nadebor riss, wird sich nicht schließen lassen. Ein Familienvater, Mensch, Freund und Gönner von der „Güte“ eines Bernd Nadebor ist einfach nicht zu ersetzen.
Mein besonderes Mitgefühl gilt seiner Ehefrau, seinen Töchtern und der Enkeltochter. Das Weißwasseraner Eishockey ist im mehrfachen Sinne des Wortes ein großes Stück ärmer geworden.
Servus, Bernd! Du wirst uns allen ganz sehr fehlen!
Tief betroffen grüßt Sebastian Matthieu
1 | lakrototti | 08.04.2010 @ 13:35
Super geschrieben! Da gibt es nicht viel hinzuzufügen! So einen Mann kann man nicht ersetzen! Ein großer Freund und Förderer des Eishockey in WSW ist nicht mehr. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen! Danke Bernd!!!
2 | eagleeye | 08.04.2010 @ 13:37
Ohne Worte! Danke!
3 | Frank | 08.04.2010 @ 13:44
Klasse geschrieben, Sebastian. Auch mein herzliches Beileid den Hinterbliebenen.
4 | Andi | 08.04.2010 @ 16:08
Besser kann man es nicht ausdrücken.
5 | rene72 | 08.04.2010 @ 16:33
Das trifft den Nagel einfach mitten auf den Kopf.
6 | dynamo | 08.04.2010 @ 17:56
Besser kann mans nicht schreiben, danke. Bernd du bleibst ewig in Erinnerung!!!
7 | Ruhmi | 08.04.2010 @ 18:05
sehr schön geschrieben, und bewegend.... Die Szenen mit Wikkis Helm seh ich heut noch vor meinem geistigen Auge, Damals ist er mit den leuchtenden Augen eines Kleinkindes zu Weihnachten durch die Halle geschossen. War lustig anzusehen.... Ruhe in Frieden Bernd!
8 | Roy | 08.04.2010 @ 22:25
Mir fehlen die Worte. Danke für die Worte. Wir werden Ihn nie vergessen. Danke Bernd für alles was du getan hast.
9 | Opi | 09.04.2010 @ 20:34
Sebastian, Dein Pfiff hat mir eine Gänsehaut gebracht. Super geschrieben, danke für die Worte.
Er wird uns sehr fehlen!
10 | Taubentreter | 10.04.2010 @ 12:14
Klasse Sebastian....
Nun ist Herr Nadebor unter der Erde...Wie du schon sagtest: Die Lücke die er hinterlässt, wird schwer bis garnicht zu schliessen sein. R.I.P.
11 | martinalein | 10.04.2010 @ 12:39
schliesse mich ohne weitere worte an.ruhe in frieden,bernd nadebor
12 | Fuchstino | 13.04.2010 @ 10:04
Unser Dietmar Hopp der Lausitz ist von uns gegangen und nie war ein Songtitel treffender wie dieser ,Nur die besten sterben jung, er hat soviel Herz in die Region und den Sport gebracht das man nur den Hut vor ihn ziehen kann um leise danke zu sagen.Mein Mitgefühl gilt der Familie Nadebor
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Zu seinem 60. Geburtstag war die Ansage klar: „Schenkt mir ja kein Geld. Spendet lieber für die Wiederbeschaffung der Löwen am Pücklerschloss.“ Der Aufruf fruchtete. Es kam ein erkleckliches Sümmchen für die Leos zusammen! So war sie, seine soziale Ader.
Natürlich kreuzten sich unsere Wege ausschließlich durch das Eishockey. In der Ära des Geschäftsführers Dr. Klaus Dietze entdeckte der „Sponsor Nadebor“ sein Herz für den schnellsten Mannschaftssport der Welt. Und wie! Ich erinnere mich an glorreiche Siege unserer „Helden“, nach denen Bernd Nadebor auf den Stühlen der VIP- Tribüne stehend und schalschwingend tanzte. Ich erinnere mich an die von ihm organisierte Dankesaktion für Dr. Dietze. Mit zahlreichen Spruchbändern mit Slogans wie „Danke, Doc!“ hatte Bernd Firmenmitarbeiter unter die Zuschauer „geschmuggelt“, um die damalige Arbeit des Geschäftsführers nach einer sportlich erfolgreichen Spielzeit zu würdigen. Auch diese Aktion zeigte sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, das auch zutage trat, als der Verein Insolvenz anmelden musste. Dass es auf hohem Niveau weitergehen konnte, war auch und gerade ein Verdienst von Bernd Nadebor, der sich zusehends zur „Lebensversicherung“ für das Weißwasseraner Eishockey entwickelte. Wann immer auch eine größere Lücke im Etat klaffte, damit konfrontiert hatte Bernd stets einen „Plan“.
Vielleicht ist ja der Begriff „Mäzen“ irgendwo negativ vorbelegt, was allerdings kaum nachzuvollziehen ist. Angeblich hatte das Profieishockey in Weißwasser nie ein Mäzen. Für mich war Bernd Nadebor der „heimliche Mäzen“. Denn er rückte nie in den Vordergrund. Im Gegenteil: Sobald es „ungemütlich“ zu werden drohte, hielt er sich heraus. Wie überhaupt er sich in Nebenrollen am wohlsten fühlte. Besuchte er die Fußballspiele seiner Rot- Weißen Bad Muskauer, dann gerierte er sich nie als der große „Macher“. Unscheinbar stand er am Spielfeldrand und verfolgte das Geschehen auf dem Rasen. Ab und an – so erzählte er es mir – sei er von Besuchern darauf angesprochen worden, dass Bad Muskau doch eine Art „Werksverein vom Nadebor“ sei. Dann habe er still in sich hineingelächelt: „Klar- nur mit solchen Bekloppten geht etwas vorwärts.“
Positiv bekloppt war Bernd Nadebor allemal. Ihm haben wir z.B. maßgeblich die letztjährige Rückholaktion von Carsten Gosdeck zu verdanken. Oder auch ein Mattias Wikström spielte dereinst hauptsächlich deswegen in Blau- Gelb, weil er mit dem „Ziehvater Nadebor“ gut im Bunde war.
In Erinnerung geblieben sind auch die vielen kleinen Zeichen der Wertschätzung, die Bernd Nadebor von „seinen Cracks“ erfuhr. Als „Wikki“ ihm damals nach dem gegen München im letzten Saisonspiel gesicherten Klassenerhalt den Helm schenkte, wollte Bernd ihn gar nicht mehr absetzen, stolzierte „blaubehelmt“ direkt in den VIP- Raum und durch den Kabinentrakt. Nie mehr werde ich nun das fröhliche Blitzen in seinen Augen sehen können, wenn er von „seinen“ Jungs nach Toren den Puck „serviert“ bekam: „Der Gosdeck hatte mir ein Tor und den Puck versprochen. Hier ist er!“
Ob irgendwann wieder jemand auf die Idee kommen wird, den Schiedsrichtern zum Nikolaus oder Weihnachtsfest einen kleinen Geschenkekorb auf’s Eis zu stellen, ist eher zweifelhaft. Bernd Nadebor hatte auch für solche „Einlagen“ das richtige Faible.
In einer Zeit, in der mannigfaltige Debatten darüber geführt werden, ob denn ein Boutin, Tepper oder Gosdeck nach dem Vereinswechsel zu ersetzen sein werden, ist der Bernd Nadebor still und leise von dieser Welt gegangen. Natürlich werden die Lausitzer Füchse auch im kommenden Spieljahr einen konkurrenzfähigen Kader haben. Aber die Lücke, die der Tod von Bernd Nadebor riss, wird sich nicht schließen lassen. Ein Familienvater, Mensch, Freund und Gönner von der „Güte“ eines Bernd Nadebor ist einfach nicht zu ersetzen.
Mein besonderes Mitgefühl gilt seiner Ehefrau, seinen Töchtern und der Enkeltochter. Das Weißwasseraner Eishockey ist im mehrfachen Sinne des Wortes ein großes Stück ärmer geworden.
Servus, Bernd! Du wirst uns allen ganz sehr fehlen!
Tief betroffen grüßt Sebastian Matthieu