Nach Jahren der Dürre steht der Eishockey-Standort Weißwasser wieder für die Nachwuchsförderung. Trotzdem tun sich die Lausitzer Füchse schwer, einen Partner in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu finden, der per Förderlizenz einige Talente nach Weißwasser schickt. Infrage kommt Berlin, aber die Eisbären zeigen kein Interesse.
Um die Laune von Füchse Manager Ralf Hantschke in den Keller zu schicken, genügt in diesen Tagen die Erwähnung des Namens Steve Hanusch. Dabei kann der 19-jährige Youngster von den Eisbären Berlin überhaupt nichts dafür, dass er zum Streitfall zwischen den Füchsen und dem Club aus der Hauptstadt geworden ist. Schon in der zurückliegenden Saison, als Hanusch noch per Förderlizenz bei den Eislöwen Dresden spielte, wollte Hantschke den gebürtigen Cottbuser zurück nach Weißwasser holen. In diesem Sommer setzte Hantschke sein Werben fort - ohne Erfolg. Hanusch wird auf Wunsch der Eisbären in Crimmitschau spielen. »Hier im Fuchsbau kennt er das Umfeld, hier hätte er sich gut weiterentwickeln können«, klagt der Manager.
Der Fall Hanusch steht exemplarisch für die erfolglose Suche der Füchse nach einem Partner in der DEL. Seit Jahren putzt Hantschke Klinken. Doch gerade Weißwasser hat es aufgrund der Lage schwer. Vielen Erstligisten ist der weite Anreiseweg ein Dorn im Auge, wenn es darum geht, junge Spieler per Förderlizenz zu verleihen, damit sie Wettkampfpraxis bekommen. Da die Spieler oft erst Mitte der Woche anreisen, ist laut Hantschke »der Aufwand relativ groß«. Dahinter steht die Sorge vor dem Image der abgelegenen Provinz.
Erst Dresden, nun in Crimmitschau: Der Ex-Weißwasseraner Steve Hanusch sollte in dieser Saison eigentlich das Füchse-Trikot tragen. Die Eisbären legten jedoch ihr Veto ein.Fotos: Imago/2, Aswendt
Doch Hantschke weiß auch, dass dieses geografische Argument im Fall Hanusch nicht als Begründung taugt. Im vergangenen Jahr spielte der Youngster im Rahmen der umfangreichen Kooperation mit den Eislöwen in Dresden. Inzwischen haben sich die Eisbären in Richtung Crimmitschau orientiert mit der Folge, dass Weißwasser - nicht nur bei der Personalie Hanusch - wieder außen vor bleibt. Entsprechend sauer ist Hantschke auf den Hauptstadt-Club: »Wir vermissen aus Berlin den Respekt für unsere Arbeit und für die Eishockey-Tradition hier in Weißwasser.«
In der Tat wurden nach den Jahren des finanziellen Kahlschlags die Strukturen für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit mühsam wieder aufgebaut. Zudem verfügt das Zweitliga-Team in Dirk Rohrbach über einen Coach, der zuvor den Nachwuchs betreut hat und ihm nach wie vor verbunden ist. Kurzum: Gute Bedingungen, um junge Spieler zu fördern.
Dass ein in Weißwasser ausgebildeter Spieler wie Hanusch nicht zu seinem Heimatverein, sondern nach Crimmitschau ausgeliehen wird, ist für die Füchse-Verantwortlichen sehr schmerzhaft. Dass Eisbären-Manager Peter John Lee seit Wochen nicht auf Anfragen aus Weißwasser zur Personalie Hanusch reagiert hat, findet Hantschke befremdlich. »So etwas ist unter Kollegen nicht üblich«, kritisiert der Manager.
Am morgigen Freitag gastiert der Erstligist EHC Wolfsburg (18.30 Uhr) zum Testspiel in Weißwasser. Vielleicht eine neue Chance für die Füchse, denn bis nach Wolfsburg ist es schließlich nur unwesentlich weiter als nach Berlin.
Zum Thema:
Stichwort FörderlizenzMit der Förderlizenz-Regelung soll jungen Spielern die Chance gegeben werden, in einer anderen Liga Wettkampfpraxis zu sammeln. Die Talente stehen beim ausleihenden Club auf der Lohnliste, kommen aber beim Kooperationspartner zum Einsatz. Im Idealfall profitieren alle Seiten: Der Erstligist, weil seine Talente nicht auf der Bank sitzen, sondern Wettkampfpraxis bekommen. Der Zweitligist kann preiswert seinen Kader auffüllen. Und natürlich der Spieler, der sich unter Wettkampfbedingungen weiterentwickelt. (Von Frank Noack)
*kopfkratz* "unwesentlich weiter als nach Berlin" WSW-O2 World Berlin 165 km, WSW-EisArena WOB 282 km
2 | thingslikehockey | 26.08.2010 @ 11:53
Naja, über eine Aufwandsentschädigung, wie bei der FIFA, kann man ja diskutieren. Allerdings versteh' ich die jetzige Aufregung nich ganz. Sicherlich kann man sich ärgern, dass er nich zu uns kommt, allerdings brauch man das doch keinem übel nehmen, der Spieler ist unter Vertrag in Berlin, die können doch machen, was sie wollen. Sollte Ede einigermaßen fit werden zum Saisonstart, find ichs jetzt auch nich soo dramatisch. Hätte uns in der Breite geholfen, aber in der Spitze vllt. auch nich unbed.
3 | derlen | 26.08.2010 @ 12:40
Wenn man den Hanusch am ltz. Sonntag in Jonsdorf rumgurken gesehen hat...
4 | Alter Schwede | 26.08.2010 @ 12:58
Wenn man manche User rumsappeln lässt ... ;-)
5 | derlen | 26.08.2010 @ 13:07
Waren Sie in Jonsdorf mit vor Ort? Alter Schwede, man man man... ;-)
6 | Alter Schwede | 26.08.2010 @ 14:48
Erstens gestehe ich jedem Spieler schwache Tage zu. Zweitens erst recht, wenn er 19 Jahre jung ist und über Potential verfügt. Drittens er aus WSW stammt. Und dann bitte mal die eigenen Postings von hier und im Forum gegenüberstellen ... ;-)
7 | tanngrismir | 26.08.2010 @ 16:42
Mir stellt sich in dem Zusammenhang die Frage: Wie förderlich ist es für die Entwicklung eines Spielers, wenn er schon im 2. Jahr hintereinnander bei nem Verein spielen MUSS zu dem er eigentlich nicht will?
8 | thingslikehockey | 26.08.2010 @ 20:20
Einhergehend mit deiner Frage, stellt sich mir folgende: Ist das Potential dann so groß?
9 | tanngrismir | 26.08.2010 @ 20:41
@ 8. Würde Berlin so´n Trara drum machen wenn es nicht SO groß wäre? Bzw. würde man es sich leisten einen Spieler zu behalten und zu bezahlen wenn er nicht so großes Potential hätte? Fragen über Fragen....
10 | Che | 26.08.2010 @ 20:47
Provinz bleibt eben Provinz - da werden wohl noch alte Rechnungen von den tappsigen Eisbären beglichen - schließlich hatte man längere Zeit vor ca. 20 Jahren nicht viel zu lachen im Stadion bzw. der umgebauten Trainingshalle in WSW (mit dabei immer Vadda Otto H.) - kaum war die Staatsmacht und good ol' Erich Mielke (RIP)- dem Bewahrer des DDR-Hockeys- weg entlud sich blinder Hass gegenüber den Hauptstädtern - Dynamo war lange ein Schimpfwort, hat ca. 15 Jahre gedauert, bis man zur Besinnung kam
11 | willithefish | 26.08.2010 @ 22:29
also ich meine, das der kleene otto mal ein gans großer otto werden kann, nur muß er sich auch mal von den eisbären tennen ! und alle die,die ihn dies nicht zutrauen, sollten dann eines besseren belehrt werden ! und nun nach vor schauen und mit dem was wir an spielern haben das best mögliche ergebniss in der saison raus holen !
12 | 3liter | 27.08.2010 @ 09:04
@11 Wenn er ein Großer werden will, dann ist er nirgendwo besser aufgehoben als bei den Eisbären. Oder sind die letzten 10 Jahre an dir vorbei gegangen? Welcher DEL-Verein ist denn die Nr. 1 was die erfolgreiche Nachwuchsarbeit angeht?
13 | willithefish | 27.08.2010 @ 12:55
wenn ich nur von einem zweitliga verein zum anderen geschickt werde ist das nicht die entwicklung die man sich vorstellt. ich habe auch nicht behauptet das die eisbären ein schlechter verein sei oder schlechte nachwuchsarbeit leisten ! aber es gibt auch andere vereine die solch spieler wir steve groß raus bringen können und nicht nur die eisbären ! meine meinung und deine ist halt ne andere ! punkt
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Um die Laune von Füchse Manager Ralf Hantschke in den Keller zu schicken, genügt in diesen Tagen die Erwähnung des Namens Steve Hanusch. Dabei kann der 19-jährige Youngster von den Eisbären Berlin überhaupt nichts dafür, dass er zum Streitfall zwischen den Füchsen und dem Club aus der Hauptstadt geworden ist. Schon in der zurückliegenden Saison, als Hanusch noch per Förderlizenz bei den Eislöwen Dresden spielte, wollte Hantschke den gebürtigen Cottbuser zurück nach Weißwasser holen. In diesem Sommer setzte Hantschke sein Werben fort - ohne Erfolg. Hanusch wird auf Wunsch der Eisbären in Crimmitschau spielen. »Hier im Fuchsbau kennt er das Umfeld, hier hätte er sich gut weiterentwickeln können«, klagt der Manager.
Der Fall Hanusch steht exemplarisch für die erfolglose Suche der Füchse nach einem Partner in der DEL. Seit Jahren putzt Hantschke Klinken. Doch gerade Weißwasser hat es aufgrund der Lage schwer. Vielen Erstligisten ist der weite Anreiseweg ein Dorn im Auge, wenn es darum geht, junge Spieler per Förderlizenz zu verleihen, damit sie Wettkampfpraxis bekommen. Da die Spieler oft erst Mitte der Woche anreisen, ist laut Hantschke »der Aufwand relativ groß«. Dahinter steht die Sorge vor dem Image der abgelegenen Provinz.
Doch Hantschke weiß auch, dass dieses geografische Argument im Fall Hanusch nicht als Begründung taugt. Im vergangenen Jahr spielte der Youngster im Rahmen der umfangreichen Kooperation mit den Eislöwen in Dresden. Inzwischen haben sich die Eisbären in Richtung Crimmitschau orientiert mit der Folge, dass Weißwasser - nicht nur bei der Personalie Hanusch - wieder außen vor bleibt. Entsprechend sauer ist Hantschke auf den Hauptstadt-Club: »Wir vermissen aus Berlin den Respekt für unsere Arbeit und für die Eishockey-Tradition hier in Weißwasser.«
In der Tat wurden nach den Jahren des finanziellen Kahlschlags die Strukturen für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit mühsam wieder aufgebaut. Zudem verfügt das Zweitliga-Team in Dirk Rohrbach über einen Coach, der zuvor den Nachwuchs betreut hat und ihm nach wie vor verbunden ist. Kurzum: Gute Bedingungen, um junge Spieler zu fördern.
Dass ein in Weißwasser ausgebildeter Spieler wie Hanusch nicht zu seinem Heimatverein, sondern nach Crimmitschau ausgeliehen wird, ist für die Füchse-Verantwortlichen sehr schmerzhaft. Dass Eisbären-Manager Peter John Lee seit Wochen nicht auf Anfragen aus Weißwasser zur Personalie Hanusch reagiert hat, findet Hantschke befremdlich. »So etwas ist unter Kollegen nicht üblich«, kritisiert der Manager.
Am morgigen Freitag gastiert der Erstligist EHC Wolfsburg (18.30 Uhr) zum Testspiel in Weißwasser. Vielleicht eine neue Chance für die Füchse, denn bis nach Wolfsburg ist es schließlich nur unwesentlich weiter als nach Berlin.
Zum Thema:
Stichwort FörderlizenzMit der Förderlizenz-Regelung soll jungen Spielern die Chance gegeben werden, in einer anderen Liga Wettkampfpraxis zu sammeln. Die Talente stehen beim ausleihenden Club auf der Lohnliste, kommen aber beim Kooperationspartner zum Einsatz. Im Idealfall profitieren alle Seiten: Der Erstligist, weil seine Talente nicht auf der Bank sitzen, sondern Wettkampfpraxis bekommen. Der Zweitligist kann preiswert seinen Kader auffüllen. Und natürlich der Spieler, der sich unter Wettkampfbedingungen weiterentwickelt.
(Von Frank Noack)
Quelle: Lausitzer Rundschau