Es ist ein Abschied, der nicht nur bei den Fans in der Lausitz alte Erinnerungen wach werden lässt: In Weißwasser wird das legendäre Wilhelm-Pieck-Eisstadion abgerissen. An seiner Stelle entsteht eine neue Halle für die Puckjäger. Am heutigen Samstag steigt die Abschiedsparty im heißgeliebten Hexenkessel.
Es muss an jenem Wintertag ziemlich warm im ersten Freiluft-Kunsteisstadion der DDR gewesen sein. Es war damals eine der modernsten Arenen der Welt. Mindestens 12 000 Kerzen sollen den Weißwasseraner Abendhimmel hell erleuchtet haben, eher wohl sogar 16 000 wurde damals gemunkelt. Das Stadion war an jenem 21. Dezember 1961 jedenfalls voll bis auf die letzte Treppenstufe, die Begrüßung im Kerzenschein für das DDR-Team und Gegner Kanada ein emotionaler Höhepunkt in 50 Jahren Eisstadion. Und davon gab es etliche: Schon vor der offiziellen Eröffnung am 15. Oktober 1960 mit dem Spiel Weißwasser gegen Nowosibirsk (8:1) im Rahmen des Glasmacher-Pokals gab es eine wichtige Entscheidung: Im Duell mit der BRD kämpften die hiesigen Eishockey-Recken um den Startplatz bei den Olympischen Spielen 1960 in Squaw Valley (USA). Im gesamtdeutschen Team war nur Platz für eine Eishockey-Mannschaft, am Ende setzte sich die BRD durch. Joachim Franke, der damals für Dynamo Weißwasser stürmte und später als Eisschnelllauf-Coach 18 Olympia-Medaillen einheimste, berichtet: »Das war eine riesige Enttäuschung.«
Eistempel als Postkartenmotiv: 40.000 Arbeitsstunden stecken im Stadion, darauf sind die Weißwasseraner stolz. Repro: Tschätsch
Genauso groß wie 1966, als Dynamo Weißwasser den sicher geglaubten 16. DDR-Meistertitel verspielte. Eine 1:2-Niederlage gegen Dynamo Berlin brachte den Hauptstädtern die erste Meisterschaft und »uns eine schwarze Stunde«, erinnert sich Torhüter Klaus Hirche. Allerdings gab es auch viele Freudenfeste in jenem Stadion, dessen Bau eine riesige Euphorie entfacht hatte. Viele Weißwasseraner leisteten freiwillige Aufbaustunden, darunter natürlich auch die Eishockey-Sportler, die sich auf ihre neue Heimstätte freuten. Nicht ganz so selbstverständlich aber dennoch in diesen Tagen von Weißwasser normal war, dass auch die Fußballer oder Ringer kräftig mit anpackten. Die ganze Stadt baute sich ihren Eistempel und wurde für die Mühen belohnt. Wie eben durch jenes Länderspiel gegen Kanada, das trotz der erwarteten Niederlage ein riesiges Ereignis war.
Damals stand der legendäre Torhüter Seth Martin im Kasten. Von dem schaute sich Klaus Hirche die Gesichtsmaske ab und wurde später als »Mann mit der schwarzen Maske« selbst zur Eishockey-Legende. Zum Beispiel 1966 beim 3:3 gegen die damals als unschlagbar geltende sowjetische Nationalmannschaft. Noch in der Kabine des Pieck-Stadions lobte der sowjetische Trainer Arkadi Tschernyschow: »Mit Hirche im Tor wären wir kaum zu besiegen.«
Schwer zu besiegen war über die Jahre auch Dynamo Weißwasser, das am 15. Februar 1990 im Dauerduell mit Berlin den vorentscheidenden Sieg auf dem Weg zum 25. und letzten DDR-Meistertitel schaffte. 4000 Fans feierten ihre Lieblinge. Es war das letzte Mal, dass es im Pieck-Stadion warm wurde.
Die ganze Stadt packte beim Stadionbau an. Foto: Tschätsch
Foto: Tschätsch
Reiner Tudyka (68, 84 Eishockey-Länderspiele, neun Meistertitel mit Weißwasser): »Mein Auftakt im nagelneuen Pieck-Stadion war eher unschön. Beim allerersten Eistraining, das dort überhaupt stattfand, verlor ich durch einen Stockschlag zwei Zähne. Danach konnte es ja nur besser werden, ich verbrachte die schönste Zeit meines Lebens in diesem Stadion.« Joachim Franke (70, Eishockey-Nationalspieler, später erfolgreichster Eisschnelllauf-Trainer der Welt): »In diesem Stadion stecken unheimlich viel Fleiß und Schweiß. Auch wir Sportler haben etliche Trainingseinheiten ausfallen lassen und Aufbaustunden geleistet. Ganz Weißwasser war stolz auf dieses neue Stadion - die Begeisterung war allerorten zu spüren.« Heinz-Florian Oertel (82, Reporterlegende): »Meine ersten Schritte aus Cottbus hinaus in die Sportwelt führten mich nach Weißwasser. Vom Braunsteich lieferte ich meine erste Eishockey-Reportage. Später berichtete ich für Radio Cottbus vom Bau des Pieck-Stadions. Das waren tolle Tage. In der Stadt herrschte eine unglaubliche Euphorie, ich erinnere mich gern zurück.« Christa Luding-Rothenburger (50, Eisschnelllauf-Olympiasiegerin): »Ich machte mit sechs Jahren meine ersten Eiskunstlaufschritte im Pieck-Stadion. Als ich zehn war, wechselte ich zum Eisschnelllauf. Ich trainierte dreimal wöchentlich, Runde um Runde im Stadion. Heute erinnere ich mich vor allem noch an die Eishockey-Kabinen. Dort roch es nicht so angenehm.« Klaus Hirche (71, Torhüter-Legende, 119 Länderspiele, zehn Meistertitel mit Weißwasser): »Im Stadion herrschte eine unfassbare Stimmung, nicht nur bei den Länderspielen. Die Atmosphäre war nicht aggressiv, da war kein Krawall. Aber als Mannschaft wurden wir total unterstützt. Das war wunderschön. Weil wir auch erfolgreich waren, kamen die Leute immer wieder.«
Es muss an jenem Wintertag ziemlich warm im ersten Freiluft-Kunsteisstadion der DDR gewesen sein. Es war damals eine der modernsten Arenen der Welt. Mindestens 12 000 Kerzen sollen den Weißwasseraner Abendhimmel hell erleuchtet haben, eher wohl sogar 16 000 wurde damals gemunkelt. Das Stadion war an jenem 21. Dezember 1961 jedenfalls voll bis auf die letzte Treppenstufe, die Begrüßung im Kerzenschein für das DDR-Team und Gegner Kanada ein emotionaler Höhepunkt in 50 Jahren Eisstadion. Und davon gab es etliche: Schon vor der offiziellen Eröffnung am 15. Oktober 1960 mit dem Spiel Weißwasser gegen Nowosibirsk (8:1) im Rahmen des Glasmacher-Pokals gab es eine wichtige Entscheidung: Im Duell mit der BRD kämpften die hiesigen Eishockey-Recken um den Startplatz bei den Olympischen Spielen 1960 in Squaw Valley (USA). Im gesamtdeutschen Team war nur Platz für eine Eishockey-Mannschaft, am Ende setzte sich die BRD durch. Joachim Franke, der damals für Dynamo Weißwasser stürmte und später als Eisschnelllauf-Coach 18 Olympia-Medaillen einheimste, berichtet: »Das war eine riesige Enttäuschung.«
Genauso groß wie 1966, als Dynamo Weißwasser den sicher geglaubten 16. DDR-Meistertitel verspielte. Eine 1:2-Niederlage gegen Dynamo Berlin brachte den Hauptstädtern die erste Meisterschaft und »uns eine schwarze Stunde«, erinnert sich Torhüter Klaus Hirche. Allerdings gab es auch viele Freudenfeste in jenem Stadion, dessen Bau eine riesige Euphorie entfacht hatte. Viele Weißwasseraner leisteten freiwillige Aufbaustunden, darunter natürlich auch die Eishockey-Sportler, die sich auf ihre neue Heimstätte freuten. Nicht ganz so selbstverständlich aber dennoch in diesen Tagen von Weißwasser normal war, dass auch die Fußballer oder Ringer kräftig mit anpackten. Die ganze Stadt baute sich ihren Eistempel und wurde für die Mühen belohnt. Wie eben durch jenes Länderspiel gegen Kanada, das trotz der erwarteten Niederlage ein riesiges Ereignis war.
Schwer zu besiegen war über die Jahre auch Dynamo Weißwasser, das am 15. Februar 1990 im Dauerduell mit Berlin den vorentscheidenden Sieg auf dem Weg zum 25. und letzten DDR-Meistertitel schaffte. 4000 Fans feierten ihre Lieblinge. Es war das letzte Mal, dass es im Pieck-Stadion warm wurde.
Foto: Tschätsch
Reiner Tudyka (68, 84 Eishockey-Länderspiele, neun Meistertitel mit Weißwasser): »Mein Auftakt im nagelneuen Pieck-Stadion war eher unschön. Beim allerersten Eistraining, das dort überhaupt stattfand, verlor ich durch einen Stockschlag zwei Zähne. Danach konnte es ja nur besser werden, ich verbrachte die schönste Zeit meines Lebens in diesem Stadion.«
Joachim Franke (70, Eishockey-Nationalspieler, später erfolgreichster Eisschnelllauf-Trainer der Welt): »In diesem Stadion stecken unheimlich viel Fleiß und Schweiß. Auch wir Sportler haben etliche Trainingseinheiten ausfallen lassen und Aufbaustunden geleistet. Ganz Weißwasser war stolz auf dieses neue Stadion - die Begeisterung war allerorten zu spüren.«
Heinz-Florian Oertel (82, Reporterlegende): »Meine ersten Schritte aus Cottbus hinaus in die Sportwelt führten mich nach Weißwasser. Vom Braunsteich lieferte ich meine erste Eishockey-Reportage. Später berichtete ich für Radio Cottbus vom Bau des Pieck-Stadions. Das waren tolle Tage. In der Stadt herrschte eine unglaubliche Euphorie, ich erinnere mich gern zurück.«
Christa Luding-Rothenburger (50, Eisschnelllauf-Olympiasiegerin): »Ich machte mit sechs Jahren meine ersten Eiskunstlaufschritte im Pieck-Stadion. Als ich zehn war, wechselte ich zum Eisschnelllauf. Ich trainierte dreimal wöchentlich, Runde um Runde im Stadion. Heute erinnere ich mich vor allem noch an die Eishockey-Kabinen. Dort roch es nicht so angenehm.«
Klaus Hirche (71, Torhüter-Legende, 119 Länderspiele, zehn Meistertitel mit Weißwasser): »Im Stadion herrschte eine unfassbare Stimmung, nicht nur bei den Länderspielen. Die Atmosphäre war nicht aggressiv, da war kein Krawall. Aber als Mannschaft wurden wir total unterstützt. Das war wunderschön. Weil wir auch erfolgreich waren, kamen die Leute immer wieder.«
Von Jan Lehmann und Frank Noack
Quelle: Lausitzer Rundschau