Keine Frage, es gab bessere Zeiten. Heute sprießt auf den Traversen das Unkraut, Bäume wachsen. Treppen, Spielerbänke, Banden, Tribüne, Katakomben – der Zahn der Zeit hat an ihnen mehr als nur genagt. Und trotzdem. Es ist etwas Besonderes, hier zu sein. Geschichte zu spüren, vielleicht ein letztes Mal. Mach's gut, Freiluftstadion. Das haben am Sonnabend auch hunderte Fans gesagt: bei der offiziellen Abschiedsparty.
Dietmar Brauner ist glücklich. Zwei Sitzbänke hat er ersteigert. „Eine für mich und eine für meinen Bekannten aus Köln“, verrät der gebürtige Weißwasseraner. Am Samstag nun ist er wieder in der Heimatstadt gewesen. „Zur Abschiedsparty für das alte Stadion zu kommen, ist für mich selbstverständlich“, meint der jetzige Cottbuser. „Denn diese Zeiten kommen nie wieder“, ergänzt er etwas wehmütig.
Schöne Erinnerungen
Doch sofort ist sein Lächeln wieder da. Zu schön sind die Erinnerungen. „Als Sechsjähriger bin ich mit meinem Bruder zum ersten Mal ins Stadion. Manchmal waren ja sogar zwei Spiele hintereinander. Da mussten wir aber nach dem ersten immer nach Hause“, lacht er. Oder die Story mit Sowjet-Torhüterlegende Wladislaw Tretjak. „In einem Spiel hat man ihm eine Decke umgelegt, damit er nicht friert. Im Tor bekam er ja nichts zu tun. Zum letzten Drittel wurde er dann auch ausgewechselt“, blickt Dietmar Brauner zurück. Und weiter: „Auf die heiße Zitrone und die Bratwurst hat man sich jedes Mal gefreut.“ Dazu die Stimmung im Stadion – „einfach immer überwältigend“.
Sein Blick fällt auf die beiden ersteigerten Bänke. „Meine kommt vielleicht auf Arbeit. Die andere nimmt mein Bekannter mit, wenn er zu Weihnachten zu Besuch kommt.“ Dann geht's auch wieder zum Eishockey. „Gerade zu den Feiertagen besuchen wir immer die Spieler“, erzählt der Cottbuser. Apropos Sitzbänke. Rund 15 Stück finden am Samstag neue Besitzer. Besonders „umkämpft“ ist Bank Nummer 1, die Füchse-Pressesprecher Andreas Friebel zusammen mit Eissportlegende Joachim Franke versteigert. Zehn Euro Startgebot sind in Null-Komma-nichts auf 20 angelangt. Doch noch ist nicht Schluss. Die 25-Euro-Marke wird passiert. „Ich würde mindestens 30 Euro geben“, scherzt Joachim Franke.
Sitzbank für den Fanraum
Machen die Fans auch. Sogar noch mehr. Bei 43 Euro bekommt Sylvana Schwarz den Zuschlag. „Bis 50 Euro wäre ich gegangen. Die Sitzbank kommt jetzt in unseren Fanraum“, sagt die Forsterin. Ihr Lebensgefährte Jörg Lehmann lacht: „Bei 35 Euro habe ich ihr gesagt, sie soll langsamer machen.“ Wo sich die beiden kennengelernt haben? Klar, beim Eishockey. „Genauer gesagt, beim längsten Penaltyschießen mit 25 Schützen. Na, welches Spiel war das?“, fragt Jörg Lehmann. Schulterzucken, keine Ahnung. „Am 23. Februar 2007 gegen Crimmitschau. Den letzten Penalty versenkte Jörg Pohling“, klärt er auf. Gleich nebenan steht EHC-Marketingchef Matthias Kliemann. Auch ihm wird die Frage gestellt. Schnell ist man im Gespräch. Das macht diesen Sonnabend so schön. Wo sonst gibt es solch eine Ansammlung ehemaliger Weißwasseraner Spieler? Zu Beginn bittet Andreas Friebel alle nach oben.
Ein denkwürdiger Augenblick. Geballte Weißwasseraner Eishockeygeschichte auf einer Bühne. Fotoapparate klicken, es werden Bilder gemacht. Auch das gehört dazu. Erinnerungs-Schnappschüsse. Und Erinnerungs-Sitzbänke. Thomas Höfer aus Weißwasser ersteigert die Nummer zwei. Für glatte 40 Euro. „Die Zeiten im großen Stadion hätte ich schon gern miterlebt. Meine Eltern haben mir viel darüber erzählt“, sagt der 22-Jährige. Ähnlich sieht es Gerd Gorbe aus Reichenbach. „Es wäre schön gewesen, diese Zeit mitzuerleben“ , meint der junge Mann. Ein bisschen kann er das ja am Sonnabend bei den Führungen.
Das Interesse? Riesengroß. Zeitweise bildet sich eine richtige Warteschlange. Die gab's ja früher auch manchmal. Zu Zeiten, in denen im größten Freilufteisstadion Europas unzählige wunderbare Geschichten geschrieben und Emotionen gelebt wurden. In diesem Sinne: Mach's gut, Freiluftstadion.
Im Oktober kommen die Bagger. Dann beginnt eine neue Ära. Auf einem der schönsten Plätze von Weißwasser. Dem ehemaligen Hexenkessel namens „Wilhelm Pieck“. amr1
Zum Thema:
Joachim Franke, Weißwasseraner Eissportlegende: „Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an die Zeit und die große Begeisterung der Menschen aus der Region. Es herrschte immer eine tolle Atmosphäre, die Stimmung war immer klasse.“ Hartwig Rauh (parteilos), Oberbürgermeister von Weißwasser: „Viele von ihnen haben positive Erinnerungen an das Stadion und an unvergessliche Spiele. Es muss eine tolle Zeit gewesen sein mit Erlebnissen, um die ich sie beneide.“ Erich Novy, der am Sonnabend zum Ehrenmitglied des Eissports Weißwasser ernannt wurde: „Wenn wir Punktspiel hatten, haben die Geschäfte in Weißwasser geschlossen. Die Leute waren ja alle im Stadion.“ Hartwig Schur, der heute noch als Übungsleiter tätig ist: „Die Sonderzüge, die aus Görlitz und Cottbus kamen und die Menschenmassen, die sich zum Stadion bewegt haben, waren beeindruckend. Eigentlich waren die Spiele immer gut besucht. Manchmal war es voll, manchmal sogar brechend voll.“ Matthias Kliemann, heute Füchse-Marketingchef: „An eine Anekdote erinnere ich mich besonders. Zu Abi-Zeiten sollte ich bei den Männern ein Testspiel bestreiten. Damals hatte ich aber noch ziemlich lange Haare. Mein damaliger Trainer Rolf Bielas sagte nur, ich sehe aus wie ein wildes Tier. Wenn ich am Abend spielen will, muss ich mit einer ordentlichen Frisur kommen. Dann bin ich in die Bibliothek, meine Mutter schnitt mir die Haare und ich spielte am Abend.“
Dietmar Brauner ist glücklich. Zwei Sitzbänke hat er ersteigert. „Eine für mich und eine für meinen Bekannten aus Köln“, verrät der gebürtige Weißwasseraner. Am Samstag nun ist er wieder in der Heimatstadt gewesen. „Zur Abschiedsparty für das alte Stadion zu kommen, ist für mich selbstverständlich“, meint der jetzige Cottbuser. „Denn diese Zeiten kommen nie wieder“, ergänzt er etwas wehmütig.
Schöne Erinnerungen
Doch sofort ist sein Lächeln wieder da. Zu schön sind die Erinnerungen. „Als Sechsjähriger bin ich mit meinem Bruder zum ersten Mal ins Stadion. Manchmal waren ja sogar zwei Spiele hintereinander. Da mussten wir aber nach dem ersten immer nach Hause“, lacht er. Oder die Story mit Sowjet-Torhüterlegende Wladislaw Tretjak. „In einem Spiel hat man ihm eine Decke umgelegt, damit er nicht friert. Im Tor bekam er ja nichts zu tun. Zum letzten Drittel wurde er dann auch ausgewechselt“, blickt Dietmar Brauner zurück. Und weiter: „Auf die heiße Zitrone und die Bratwurst hat man sich jedes Mal gefreut.“ Dazu die Stimmung im Stadion – „einfach immer überwältigend“.
Sein Blick fällt auf die beiden ersteigerten Bänke. „Meine kommt vielleicht auf Arbeit. Die andere nimmt mein Bekannter mit, wenn er zu Weihnachten zu Besuch kommt.“ Dann geht's auch wieder zum Eishockey. „Gerade zu den Feiertagen besuchen wir immer die Spieler“, erzählt der Cottbuser. Apropos Sitzbänke. Rund 15 Stück finden am Samstag neue Besitzer. Besonders „umkämpft“ ist Bank Nummer 1, die Füchse-Pressesprecher Andreas Friebel zusammen mit Eissportlegende Joachim Franke versteigert. Zehn Euro Startgebot sind in Null-Komma-nichts auf 20 angelangt. Doch noch ist nicht Schluss. Die 25-Euro-Marke wird passiert. „Ich würde mindestens 30 Euro geben“, scherzt Joachim Franke.
Sitzbank für den Fanraum
Machen die Fans auch. Sogar noch mehr. Bei 43 Euro bekommt Sylvana Schwarz den Zuschlag. „Bis 50 Euro wäre ich gegangen. Die Sitzbank kommt jetzt in unseren Fanraum“, sagt die Forsterin. Ihr Lebensgefährte Jörg Lehmann lacht: „Bei 35 Euro habe ich ihr gesagt, sie soll langsamer machen.“ Wo sich die beiden kennengelernt haben? Klar, beim Eishockey. „Genauer gesagt, beim längsten Penaltyschießen mit 25 Schützen. Na, welches Spiel war das?“, fragt Jörg Lehmann. Schulterzucken, keine Ahnung. „Am 23. Februar 2007 gegen Crimmitschau. Den letzten Penalty versenkte Jörg Pohling“, klärt er auf. Gleich nebenan steht EHC-Marketingchef Matthias Kliemann. Auch ihm wird die Frage gestellt. Schnell ist man im Gespräch. Das macht diesen Sonnabend so schön. Wo sonst gibt es solch eine Ansammlung ehemaliger Weißwasseraner Spieler? Zu Beginn bittet Andreas Friebel alle nach oben.
Ein denkwürdiger Augenblick. Geballte Weißwasseraner Eishockeygeschichte auf einer Bühne. Fotoapparate klicken, es werden Bilder gemacht. Auch das gehört dazu. Erinnerungs-Schnappschüsse. Und Erinnerungs-Sitzbänke. Thomas Höfer aus Weißwasser ersteigert die Nummer zwei. Für glatte 40 Euro. „Die Zeiten im großen Stadion hätte ich schon gern miterlebt. Meine Eltern haben mir viel darüber erzählt“, sagt der 22-Jährige. Ähnlich sieht es Gerd Gorbe aus Reichenbach. „Es wäre schön gewesen, diese Zeit mitzuerleben“ , meint der junge Mann. Ein bisschen kann er das ja am Sonnabend bei den Führungen.
Das Interesse? Riesengroß. Zeitweise bildet sich eine richtige Warteschlange. Die gab's ja früher auch manchmal. Zu Zeiten, in denen im größten Freilufteisstadion Europas unzählige wunderbare Geschichten geschrieben und Emotionen gelebt wurden. In diesem Sinne: Mach's gut, Freiluftstadion.
Im Oktober kommen die Bagger. Dann beginnt eine neue Ära. Auf einem der schönsten Plätze von Weißwasser. Dem ehemaligen Hexenkessel namens „Wilhelm Pieck“. amr1
Zum Thema:
Joachim Franke, Weißwasseraner Eissportlegende: „Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an die Zeit und die große Begeisterung der Menschen aus der Region. Es herrschte immer eine tolle Atmosphäre, die Stimmung war immer klasse.“
Hartwig Rauh (parteilos), Oberbürgermeister von Weißwasser: „Viele von ihnen haben positive Erinnerungen an das Stadion und an unvergessliche Spiele. Es muss eine tolle Zeit gewesen sein mit Erlebnissen, um die ich sie beneide.“
Erich Novy, der am Sonnabend zum Ehrenmitglied des Eissports Weißwasser ernannt wurde: „Wenn wir Punktspiel hatten, haben die Geschäfte in Weißwasser geschlossen. Die Leute waren ja alle im Stadion.“
Hartwig Schur, der heute noch als Übungsleiter tätig ist: „Die Sonderzüge, die aus Görlitz und Cottbus kamen und die Menschenmassen, die sich zum Stadion bewegt haben, waren beeindruckend. Eigentlich waren die Spiele immer gut besucht. Manchmal war es voll, manchmal sogar brechend voll.“
Matthias Kliemann, heute Füchse-Marketingchef: „An eine Anekdote erinnere ich mich besonders. Zu Abi-Zeiten sollte ich bei den Männern ein Testspiel bestreiten. Damals hatte ich aber noch ziemlich lange Haare. Mein damaliger Trainer Rolf Bielas sagte nur, ich sehe aus wie ein wildes Tier. Wenn ich am Abend spielen will, muss ich mit einer ordentlichen Frisur kommen. Dann bin ich in die Bibliothek, meine Mutter schnitt mir die Haare und ich spielte am Abend.“
Von Alexander Mader
Quelle: Lausitzer Rundschau