Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
„Brav, nett, schön. Danke“
04.10.2010 | 12:20 Uhr von
Füchse-Trainer Dirk Rohrbach zeigte jenen Biss, den er sich auch von seinem Team gewünscht hätte. Mit einer Brandrede arbeitete er die Heimniederlage am Freitagabend im Derby gegen die Eispiraten Crimmitschau auf. Rohrbach wandelte mit seinem Monolog auf den Spuren der berühmten Flasche-leer-Rede von Giovanni Trapattoni damals bei Bayern München.
Freitagabend im VIP-Raum des Weißwasseraner Eisstadions, es ist kurz nach 22 Uhr. Während Crimmitschaus Trainer Larry Suarez auf dem Podium der Pressekonferenz seiner Mannschaft zu einem 2:3 »Arbeitssieg« gratuliert, schaut Dirk Rohrbach nachdenklich ins Leere. Der Weißwasseraner Coach weiß ganz genau, dass die Füchse soeben eine verdiente Niederlage kassiert haben. Denn trotz der Tore zum 1:0 durch Markus Lehnigk (6.) und zum 2:1 durch Ervin Masek (14.) wirkte ihr Spiel ungeordnet. Rohrbach ärgert die Leistung seiner Mannschaft sehr, das ist ihm anzusehen. Als er dann von Füchse-Sprecher Andreas Friebel das Mikrofon für seine Spieleinschätzung übergeben bekommt, setzt er zu einer denkwürdigen Rede an. So knallhart hat der Füchse-Coach seine Spieler in der Öffentlichkeit noch nie kritisiert.

Klare Ansage: Dirk Rohrbach benennt die Probleme seiner Mannschaft knallhart. Foto: Aswendt

Rohrbach über die Fehler in der Defensive: »Wir hatten heute zwei Gesichter. Wir haben versucht, alles zu geben. Wir haben uns nach vorn gute Chancen erarbeitet, aber leider zu wenig Tore geschossen. Unser großes Problem war wieder die Defensive. Alle drei Tore dürfen nicht passieren.«

Jetzt nimmt der Füchse-Trainer richtig Fahrt auf und redet sich in Rage. Rohrbach über die drei Gegentore: »Beim ersten Tor war im zweiten Block keine Abstimmung. Eins gegen eins aus der Ecke raus, plötzlich zwei gegen eins vor dem Tor. Wir haben das die ganze Woche trainiert, immer wieder, gerade das Zweikampfverhalten vor dem Tor. Und wir tappen immer wieder da rein - plump.«

»Zweites Tor. Wir sind drei Mann hinter dem Tor, Crimmitschau spielt zwei gegen null. Warum, weiß ich nicht. Wichtig sind die Männer vor dem Tor. Aber alle drei gehen hinter das Tor.«

»Drittes Tor. Zwei gegen zwei. Er schießt, er bleibt geil zum Nachschuss. Ja, er war da - drin. Das habe ich bei meiner Mannschaft nicht gesehen, oder zu wenig.«

Die Zuhörer im VIP-Raum verfolgen gebannt die überaus kritische Abrechnung des Füchse-Trainers. Doch der hat noch längst nicht fertig, wie Giovanni Trapattoni bei seiner grammatikalisch nicht ganz korrekten Wutrede am 10. März 1998 (»Was erlauben Strunz, ...ware' schwach wie eine Flasche leer.«). Während Trapattoni damals die Einstellung der Bayern-Stars geißelte, kritisiert Rohrbach vor allem den fehlenden Biss seiner Mannschaft. »Wir sind brav, nett, schön, komm mal bitte. Aber das reicht nicht. Wir müssen im Training an der Aggressivität arbeiten. Ich brauche richtig Biss dahinter. Und der war heute nicht da. Danke.«

Die Zuhörer im VIP-Raum quittieren den 2:20 Minuten langen Monolog mit viel Beifall. Füchse-Sprecher Friebel findet launig noch einmal die Kurve zu Trapattoni. »Danke, Giovanni Rohrbach«, kommentiert er die denkwürdige Brandrede des Coaches. Anders als damals bei Trapattoni ist es jedoch kein Wutausbruch. Rohrbach wirkt gefasst, spricht am Freitagabend aber dennoch knallhart die derzeitigen Probleme seiner Mannschaft an.

Monolog: Dirk Rohrbach (l.) redet sich in Rage. Füchse-Sprecher Andreas Friebel (M.) und Crimmitschaus Coach Larry Suarez hören gespannt zu. Foto: Füchse-TV

Und wie sieht der Coach selbst mit etwas Abstand seine Brandrede? Die RUNDSCHAU fragte am Wochenende nach. »Ich stehe zu jedem einzelnen Wort, das ich gesagt habe. Manchmal braucht die Mannschaft eben einen solchen Wachrüttler«, betont Rohrbach. Und auch Teammanager Ralf Hantschke stärkt dem Coach den Rücken. »Im Training geht es öfter so hart zu. Nun hat es Dirk mal in der Öffentlichkeit gemacht. Ich finde das in Ordnung. Die Emotionen müssen raus. Zumal er sich normalerweise immer schützend vor die Mannschaft stellt.« Die Mannschaft muss in den nächsten Wochen also zeigen, dass sie mehr kann als brav, nett und schön.

Im zweiten Wochenend-Spiel am Sonntagabend gelang dies den Füchsen noch nicht. Denn bei den Wölfen Freiburg musste Weißwasser eine 1:5 Niederlage hinnehmen. Immerhin konnte sich der in die Kritik geratene Mike Forgie erstmals in die Torschützen liste eintragen. Der kanadische Center verkürzte in der 38. Minute auf 1:2. Allerdings scheiterten die Füchse im Breisgau erneut an ihrer mangelhaften Chancenverwertung. Es blieb also bei brav, nett und schön.

Von Frank Noack

Quelle: Lausitzer Rundschau
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