Die Eisarena
Der neue Fuchsbau
 
Ist Sparen wichtiger als sportlicher Erfolg?
27.01.2011 | 12:31 Uhr von
Nach 18 Niederlagen am Stück ist es bei den Füchsen so ruhig, wie es bei keinem anderen Profiverein wäre. Die SZ erklärt, warum.
Pressekonferenz bei den Lausitzer Füchsen nach dem Heimspiel am Sonntag – Dirk Rohrbach, der Trainer des Zweitligisten, spricht über die 2:4-Niederlage gegen die Hannover Indians: „Wir haben ein gutes erstes Drittel gespielt und da verdient geführt. Dann haben uns aber zwei, drei schlechte Wechsel den Erfolg gekostet. Im letzten Drittel hat es dann nicht mehr gereicht.“

Erklärt man so eine Heimniederlage gegen eine Mannschaft, die selbst nur auf dem neunten Tabellenplatz steht und im ersten Vergleich mit 5:0 vom Eis gefegt wurde? Erklärt man so die 18. Niederlage in Folge, die zwölfte Heimpleite in Folge seit jenem 5:0 am 15. Oktober 2010? Warum haut bei den Lausitzer Füchsen niemand mit der Faust auf den Tisch? Und was ist mit den erstaunlich ruhigen Fans? Die SZ sucht im folgenden nach Antworten:

Ist die Mannschaft zu schwach für die 2. Liga?

Nach 18 Niederlagen in Folge muss man diese Frage mit „ja“ beantworten. Natürlich gab es Erfolge in der Anfangsphase der Saison. Die wahren Kräfteverhältnisse in einer Liga werden aber erst dann sichtbar, wenn sich die Teams gefunden haben und die personellen Veränderungen in den Mannschaften abgeschlossen sind. Auch die einfachen Fehler, die Punktgewinne immer wieder verhindern, machen die individuelle Klasse der Spieler aus und gehören somit zur (fehlenden) Zweitligatauglichkeit. Es ist erstaunlich, dass Rohrbach öffentlich nie einen Spieler kritisiert. Aktionen wie die von Robert Bartlick, der gegen Ravensburg im letzten Drittel erst sein Team durch ein dummes Foul und eine Zwei-Minutenstrafe schwächt und dann wie ein Schüler wegen Meckerns eine Zehn-Minutenstrafe provoziert, darf der Trainer ruhig auch mal öffentlich kommentieren. Die Lücke am größten ist bei den Führungsspielern, die entscheidende Tore schießen oder verhindern können. In anderen Teams sind das meist die Ausländer, bei den Füchsen war es in der vergangenen Saison die starke Sturmreihe mit Tepper, Gosdeck und Albrecht. Spieler, die in der 2. Liga mitspielen können, haben die Füchse genug. Aber nicht die, die in dieser Liga dominieren und Spiele entscheiden können.

Warum wird an Trainer Dirk Rohrbach nicht gerüttelt?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Rohrbach ist ein Ur-Weißwasseraner mit viel Eishockey-Sachverstand, den niemand (auch nicht der Autor) bezweifelt. Dass er ein guter Trainer ist, hat er in der vergangenen und zu Beginn dieser Saison bewiesen. Vielleicht holt er ja – auch angesichts des Verletzungspechs – das Optimale raus aus diesem Kader? Außerdem stehen die Fans voll hinter dem Trainer. „Rohrbach raus“-Rufe hört man nicht. Und drittens: Die Verpflichtung eines neuen Trainers würde Geld kosten. Das passt aber nicht in das Konzept der Füchse, in dieser Saison Schulden abzubauen. Bei den Füchsen gibt es auch keine andere Person, die Rohrbachs Posten übernehmen will und kann.

Hat sich Manager Ralf Hantschke verpokert?

Konsolidierung der Finanzen ist wichtiger als der schnelle sportliche Erfolg, hieß es schon vor der Saison. Übersetzt: Wir versuchen, mit einer Billigtruppe in dieser Liga mitzuspielen, mit einem möglichst kleinen Etat eine zweitligataugliche Truppe zusammenzustellen. Diese Gratwanderung ist in dieser Saison (bisher) nicht gelungen. Hantschke selbst sagt, dass man von Ausländern, die nur zwei Drittel kosten, nicht erwarten kann, dass diese die Spiele entscheiden wie die Ausländer bei der Konkurrenz. Auch die jungen Spieler sollen vergleichsweise wenig verdienen. Dazu passt das Gerücht, dass einer von ihnen bei einem Weißwasseraner Bauunternehmer nachgefragt haben soll, ob er sich etwas dazuverdienen kann. Die Füchse sparen bei den Personalkosten also erheblich. Um gute Profis nach Weißwasser zu locken, bräuchte man andererseits eher mehr Geld, um die mangelnde Attraktivität der Region (zumindest für einen Fremden) auszugleichen. Deshalb werden die Lausitzer Füchse immer als Sprungbrett gesehen und im Erfolgsfall genutzt (Gosdeck, Tepper) oder es kommen Spieler, die froh sind, überhaupt einen Vertrag im Profi-Eishockey zu erhalten. Allerdings ist es Hantschke diesmal nicht gelungen, die Rohdiamanten zu entdecken, die sich dann im Laufe der Saison zu Leistungsträgern entwickeln.

Warum sind die Fans trotz der Niederlagen so ruhig?

Die Füchse-Fans kennen die finanzielle Situation und sehen das Team kämpfen. Die Mannschaft hat mit vielen Spielern, die von hier stammen, ein Weißwasseraner Gesicht, ist also keine Söldnertruppe. Und auch Rohrbach und Hantschke sind Weißwasseraner, die als Profis in Deutschland Erfolge gefeiert haben. Ihnen wird abgenommen, dass sie alles dafür tun, den Eishockey-Zweitligastandort Weißwasser zu erhalten. Gibt es einmal offene Kritik von einigen Fans (z. Bsp. Transparente mit „Derbyversager“), wird über diese im Internet gleich „hergefallen“.

Gibt es am SaisonEnde überhaupt einen Absteiger?

Es spricht einiges dafür, dass keine Mannschaft absteigt. Es wäre wirtschaftlich vernünftig, die Liga wieder auf 14 Teams aufzustocken. Jetzt – mit 13 Teams – ist die Saison genauso lang, die Personalkosten sind genauso hoch. Es gibt aber zwei Heimspiele weniger. In den vor kurzem festgelegten Durchführungsbestimmungen der Aufstiegsrunde von der Oberliga in die 2. Bundesliga ist von nur einem Aufsteiger die Rede. Einen Auf- und Abstieg in die höchste Liga, die DEL, gibt es aller Voraussicht nach nicht. Wenn aber keiner aus der 2. Liga und nur einer in die 2. Liga aufsteigt, muss niemand absteigen, und man hätte die gewünschten 14 Mannschaften. Oliver Seeliger, der Geschäftsführer der Münchener Eishockey Betriebsgesellschaft, die die 2. Bundesliga und die Oberliga betreibt, warnt zwar davor, „sich jetzt ganz einfach zurückzulehnen. Wir spielen nach unseren Durchführungsbestimmungen einen sportlichen Absteiger in den Playdowns aus“, sagt aber auch, dass man dann sehen werde, wie viele Teams tatsächlich absteigen werden.

Warum sollen die Fans trotzdem ins Stadion gehen?

Die Lausitzer Füchse brauchen moralische Unterstützung von den Rängen mehr denn je. Und Hoffnung gibt es immer. Irgendwann reißt die Niederlagenserie, Überraschungen sind immer möglich, und vielleicht gelingt es Trainer Dirk Rohrbach ja, die Füchse in den Playdowns in Topform zu präsentieren. Außerdem helfen klingelnde Eintrittskassen auch dabei, in der nächsten Saison mehr Geld für starke Profis zur Verfügung zu haben, die für mehr Siege sorgen.

Von Frank Thümmler

Quelle: Sächsische Zeitung
1471 mal gelesen
 
1 | 3liter | 27.01.2011 @ 12:44
Zur letzten Frage bzw. Antwort noch eine Ergänzung: Man kann auch ins Stadion gehen um ein Spiel in der 2. Bundesliga zu sehen, unabhängig davon, wer gewinnt. Immer noch deutlich kurzweiliger als ein Kinobesuch.
2 | Kiesi71 | 27.01.2011 @ 13:09
"Die Mannschaft hat mit vielen Spielern, die von hier stammen, ein Weißwasseraner Gesicht, ist also keine Söldnertruppe" bei 9 AL etwas vorbei am Thema.
3 | eagleeye | 27.01.2011 @ 13:21
...@2 1. Wird es dabei ja nicht bleiben. 2. Müsste es bekannt sein warum es zur zeit 9 al sind. Also ist dein beitrag genauso am thema vorbei bzw. Überflüssig.
4 | Foxy1 | 27.01.2011 @ 13:51
Eigentlich dachte ich das von der SZ meißt nur unqualifizierte dumme Bemerkungen kommen aber "HUT AB" es geht auch mal anders ;-) Und die Namen wurden auch richtig geschrieben "g"
5 | Kiesi71 | 27.01.2011 @ 14:15
@ 3 warum sind es so viele AL?
6 | eagleeye | 27.01.2011 @ 14:32
Weil man durch die verletzung von mac reagieren musste und kein deutscher zur verfügung stand und weil ich die anderen al erst dann austausche wenn ersatz da ist. Also war doch klar das wir kurze zeit mehr haben als gebraucht werden. Wird sich aber sicher wieder auf ein gesundes maß reduzieren. Und ich denke das da auch mindestens eine überraschung dabei ist.
7 | Kiesi71 | 27.01.2011 @ 14:34
ach so
8 | Matze82 | 27.01.2011 @ 16:56
dem artikel ist nichts hinzuzufügen. kann man so unterschreiben
9 | Senator | 27.01.2011 @ 22:57
Hui! Richtig starker Artikel, von einer Zeitung, die das sonst so nicht drauf hat!
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